„Man muss sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet.“
[Paul Cezanne]
Es spielt keine Rolle, ob man sich eine Aufnahme von Personen, Landschaften, Gebäuden, Attraktionen oder Gegenständen wünscht – alles ist und bleibt in Bewegung.
Seit dem 19. Jahrundert war es möglich Augenblicke des Lebens
ohne weiteres mit einem neuen Abbildungsverfahren festzuhalten. Die Fotografie erlaubte es, ohne Menschenhand, ein Bild der Wirklichkeit zu fassen. Es war eine Sensation der damaligen Zeit, wenn auch nur Stillleben oder regungslose Menschen fotografiert werden konnten.
Im Laufe der Jahre wurde das Aufnahmematerial empfindlicher, wodurch man schnellere Bewegungen festhielt.
Immer mehr Wissenschaftler beschäftigten sich mit dem mechanischen
Abbildungsverfahren und dem Produkt der Fotografie. Daneben stand die Frage der Objektivität. Objektivität war seitens dieser mit Richtigkeit und Verlässlichkeit verbunden. In der heutigen Zeit ist dieses Thema sehr umstritten.
Auch Georges Didi-Huberman setzte sich mit der Fotografie auseinander. Die vorliegende Arbeit soll einen kurzen Einblick über das Leben und Werk des Didi-Huberman geben. Hauptaugenmerk soll dessen Werk „Bilder trotz allem“ sein. Bearbeitet wurden hierbei der erste Teil „Vier Stücke Film, der Hölle entrissen“ des ersten Kapitels „Bilder trotz allem“ und der erste Teil „Das Bild als Fakt, das Bild als Fetisch“ des zweiten Kapitels „Trotzdem kein Bild des Ganzen“. Die Frage der Objektivität wird mehrmals aufgegriffen – können Bilder beziehungsweise Abbildungen der Wirklichkeit die Realität wiedergeben? Dieser Frage soll Stück für Stück nachgegangen werden.
„Die Fotografie hilft den Menschen, zu sehen.“
[Berenice Abbott]
„Ohne Fotografie ist der Moment für immer verloren, so als ob es ihn nie gegeben hätte.“
[Richard Avedon]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Leben und Wirken des Georges Didi-Huberman
3 Bilder trotz allem
3.1 Bilder trotz allem
Vier Stück Film, der Hölle entrissen
3.1.1 Erste Sequenz
3.1.2 Zweite Sequenz
3.2 Trotzdem kein Bild des Ganzen
Das Bild als Fakt, das Bild als Fetisch
4 Über die Wirklichkeit der „l’imageant de l’image“
5 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk "Bilder trotz allem" des französischen Kunsthistorikers Georges Didi-Huberman, um die Frage nach der Objektivität der Fotografie und ihrer Fähigkeit, historische Wirklichkeit festzuhalten, kritisch zu erörtern.
- Biografischer Überblick über Georges Didi-Huberman und sein wissenschaftliches Wirken.
- Analyse des Entstehungsprozesses und der Bedeutung der vier im August 1944 in Auschwitz entstandenen Fotografien.
- Untersuchung der theoretischen Debatte um die Sichtbarkeit des Unvorstellbaren und die "Undarstellbarkeit" der Shoah.
- Reflexion über das Verhältnis von Bild und Wirklichkeit sowie die Funktion des Bildes als historisches Zeugnis.
Auszug aus dem Buch
3.1 Bilder trotz allem
Der Realität ein Bild entreißen – der unvorstellbaren Hölle. „Menschen“, wie Du und ich, sie wurden aus ihrem Leben gerissen, in eine Welt, die sie sich nie hätten erträumt. Deportiert in das größte aller faschistischen Konzentrations- und Vernichtungslager – Auschwitz. Trotz allem gab es Bilder, welche uns die Gefahren zeigten, ob wir es wollten oder nicht, gezwungen zum Anblick, auch wenn der Markt viele von diesen bereithielt.
Am 4. Juli 1942 entstand das erste Sonderkommando von Ausschwitz. Diese Sonderkommandos waren laut Primo Levi ein dämonisches Verbrechen. Hierbei handelte es sich um eine ausgewählte Einheit von Gefangenen, selbst Juden, die den Vernichtungsprozess Ihresgleichen durchführten. Juden beförderten Juden in die Verbrennungsöfen. Der SS war klar, dass nicht ein einziger Jude hätte überleben dürfen, sodass auch diese Spezialeinheit nach einigen Monaten durch eine neue ersetzt - und die alte umgebracht wurde, wenn sie sich nicht schon zuvor das Leben nahmen, bedingt des physischen Drucks, aber auch Strapazen die sie erlitten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der fotografischen Objektivität ein und umreißt das Ziel der Arbeit, Didi-Hubermans Werk "Bilder trotz allem" zu analysieren.
2 Leben und Wirken des Georges Didi-Huberman: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Abriss des Autors und ordnet seine Schwerpunkte in der Kunsttheorie und Ästhetik ein.
3 Bilder trotz allem: Hier wird der Entstehungskontext der Auschwitz-Fotografien und die damit verbundenen Risiken sowie die moralische Debatte um ihre Verwendung thematisiert.
4 Über die Wirklichkeit der „l’imageant de l’image“: Dieses Kapitel reflektiert allgemein über das Verhältnis von Wahrnehmung, Fotografie und der Differenz zwischen Bild und Wirklichkeit.
5 Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion, dass die Fotografien trotz aller Lücken einen unverzichtbaren Akt des Widerstandes und ein Stück Wirklichkeit darstellen.
Schlüsselwörter
Georges Didi-Huberman, Bilder trotz allem, Auschwitz, Sonderkommando, Fotografie, Objektivität, Shoah, Widerstand, Bildtheorie, historische Zeugnisse, Unvorstellbares, Wirklichkeit, Dokumentation, Bildethik, visuelle Kultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Georges Didi-Hubermans Werk "Bilder trotz allem" und den damit verbundenen ethischen sowie theoretischen Fragen zur fotografischen Dokumentation von Ereignissen in Auschwitz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kunsttheorie, der Fotografie als historisches Zeugnis und der wissenschaftlichen Debatte um die Darstellbarkeit der Shoah.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, anhand der von Didi-Huberman untersuchten Fotografien aufzuzeigen, wie Bilder trotz ihrer Fragmentarität als Zeugnisse menschlichen Widerstands fungieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturgestützten Analyse des Werkes von Didi-Huberman sowie einer diskursiven Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kritik an seiner Methodik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Autors, die detaillierte Analyse der Entstehung der Auschwitz-Fotos und die Erörterung der Kritik an Didi-Hubermans Thesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Didi-Huberman, Auschwitz, Fotografie, Widerstand und der Begriff der "Bilder trotz allem".
Wer war an der Entstehung der Auschwitz-Fotografien beteiligt?
Die Fotografien wurden von einem griechisch-jüdischen Häftling namens Alex unter Lebensgefahr innerhalb des Sonderkommandos aufgenommen und später unter Unterstützung weiterer Beteiligter wie David Szmulewski aus dem Lager geschmuggelt.
Warum gab es heftige Kritik an Didi-Hubermans Thesen?
Kritiker wie Gérard Wajcman warfen ihm einen "Denkfehler", eine "religiöse Fetischisierung" des Bildes und einen gefährlichen Voyeurismus vor, der das Gedenken an die Shoah stören könnte.
Wie definiert Didi-Huberman das Bild in diesem Kontext?
Für ihn ist ein Bild kein vollständiges Abbild, sondern ein "Fetzen" aus vergangener Zeit, der trotz aller Lücken einen Augenblick der Wirklichkeit bewahrt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2011, Georges Didi-Huberman - Einblick in Leben und Werk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187830