Lernen in jahrgangsgemischten Klassen, eine natürliche Form der Heterogenität, ist in den letzten Jahren wieder ins Blickfeld der pädagogischen Diskussionen gerückt. Die positiven Auswirkungen hinsichtlich der sozialen Entwicklung und der Leistungsbereitschaft überzeugen. Studien zeigen, dass jahrgangsgemischt unterrichtete Schüler keine Nachteile gegenüber Schülern aus Jahrgangsklassen haben. Im Gegenteil, sie zeigen sogar leicht positivere Auswirkungen hinsichtlich des Sozialverhaltens, während in den fachlichen Bereichen keine Unterschiede festgestellt wurden.
Trotz der positiven Ausgangslage: die Kritik an der Jahrgangsmischung scheint nicht ganz unberechtigt. Ohne Offenheit im Hinblick auf das gesamte Unterrichtskonzept scheint die Jahrgangsmischung schwer umsetzbar. Weg vom lehrerzentrierten Unterricht, hin zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Lernstoff. Aber geht bei aller Offenheit nicht die Kontrolle darüber verloren, was die Schüler wirklich lernen bzw. gelernt haben? Braucht man diese Kontrolle überhaupt? Diese Offenheit im Sinne des offenen Unterrichts ist ebenfalls wieder im Gespräch, spätestens seit Falko Peschels genauer Beschreibung seines offenen Unterrichts. Auch bei ihm geht es um das individuelle Eingehen auf die Schüler, um eine veränderte Leistungsbeurteilung und ein harmonisches soziales Miteinander. Die Frage, ob und wenn ja, inwiefern der offene Unterricht die Jahrgangsmischung unterstützen könnte, liegt nahe.
Inhaltsverzeichnis
1. Begriffsklärungen
1.1. Jahrgangsgemischtes Lernen
1.2. Offener Unterricht
2. Historischer Ursprung und Entwicklung
2.1. Jahrgangsgemischtes Lernen
2.2. Offener Unterricht
3. Begründungszusammenhänge
3.1. Gesellschaftliche Veränderungen
3.2. Lerntheoretische Begründungsansätze
3.3. Didaktische Begründungsansätze
4. Voraussetzungen und Ziele jahrgangsgemischten Lernens und offener Unterricht als notwendige Basis
4.1. Voraussetzungen
4.2. Ziele
5. Fragestellungen
6. Untersuchungsmethodik
6.1. Vorstellung der beteiligten Schulen/Stichproben
6.2. Durchführung der Untersuchung
6.3. Untersuchungsmethoden
7. Ergebnisse und Diskussion
7.1. Beobachtung
7.2. Fragebogen Lehrer
7.3. Fragebogen Schüler
7.4. Diskussion im Hinblick auf die Fragestellungen
8. Schlussgedanken
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das pädagogische Potenzial von offenem Unterricht als notwendige Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung von jahrgangsgemischtem Lernen in der Sekundarstufe I. Ziel ist es, durch eine theoretische Fundierung und eine empirische Analyse in zwei Hauptschulen zu evaluieren, inwiefern diese Unterrichtsformen individuelles Lernen, soziale Interaktion und die Schülerzufriedenheit fördern.
- Jahrgangsgemischtes Lernen in der Sekundarstufe I
- Konzept des offenen Unterrichts nach Falko Peschel
- Individualisierung und Selbststeuerung von Lernprozessen
- Förderung prosozialen Verhaltens und sozialer Kompetenzen
- Empirische Evaluation an zwei Schulstandorten in Aalen
Auszug aus dem Buch
Die Jahrgangsmischung in der Reformpädagogik
Vor allem zwei Vorstellungen über Erziehung führten zur Beanstandung der alten Schule und zur Forderung nach einer Abkehr von der Jahrgangsklasse:
Natürliche Erziehung. „Das Kind nicht in Frieden zu lassen, das ist das größte Verbrechen der gegenwärtigen Erziehung gegen das Kind […] dass das größte Geheimnis der Erziehung gerade darin verborgen liegt – nicht zu erziehen?!“ (Ellen Key, zitiert nach Burk 2007, S.25).
Die Reformpädagogen setzen der alten Schule mit ihren portionierten Lektionen und ihrer rezeptiven Lernweise die Idee einer neuen Schule der Spontaneität, des schöpferischen Handelns, der Selbsttätigkeit und Selbstbestimmung, des freien selbstentdeckenden Lernens gegenüber, eine Schule, in der das Kind sein geistiges Wachstum selbst bestimmen kann und dem Erzieher das Recht abgesprochen wird, in die „natürliche Entwicklung“ des Kindes einzugreifen. Die Schule vom Kinde aus führte zu vielfältigen Reformansätzen (vgl. Burk 2007), unter anderem auch zur Neuentdeckung der positiven Aspekte einer Altersmischung. Zwei Beispiele sind:
Berthold Otto: Er entwickelte seine Ideen um die Jahrhundertwende und bezeichnet die traditionelle Schule 1897 als „Zwangsanstalt“ (Laging 2003, S.11). Sein Unterricht wendet sich gegen jede Zwanghaftigkeit, gegen Strafen und gegen einen Lehrplan. Mittelpunkt seines Konzeptes sind die Interessen der einzelnen Kindes (vgl. Laging 2003). Der Gesamtunterricht nach Otto findet für Schüler von 6-17 Jahren, also altersgemischT, statt. Schüler helfen Schülern, das war sein Leitbild. Es bedarf keiner Planung, die das Kind hemmt, denn ein Erkenntnisdrang und Lernwille ist bei den Kindern bereits vorhanden (vgl. Burk 2007). Wichtig für Otto war die große Gemeinschaft und somit eine Interessenvielfalt an der Schule, die größere Anregungen bieten können als im kleinen Kreise der Familie. Erkenntnisse gewinnen war für ihn mit Gemeinschaft verbunden (vgl. Blendinger & Diehnelt 2003).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriffsklärungen: Definition der Konzepte jahrgangsgemischtes Lernen und offener Unterricht unter Berücksichtigung verschiedener theoretischer Ansätze.
2. Historischer Ursprung und Entwicklung: Darstellung der historischen Entwicklung des jahrgangsgemischten Lernens und des offenen Unterrichts von den Anfängen bis zur modernen Schulpraxis.
3. Begründungszusammenhänge: Analyse gesellschaftlicher, lerntheoretischer und didaktischer Gründe, die den jahrgangsgemischten Unterricht rechtfertigen.
4. Voraussetzungen und Ziele jahrgangsgemischten Lernens und offener Unterricht als notwendige Basis: Erörterung der strukturellen und inhaltlichen Bedingungen sowie der angestrebten Lernziele in heterogenen Gruppen.
5. Fragestellungen: Formulierung der zentralen Forschungsfragen für den empirischen Teil der Arbeit.
6. Untersuchungsmethodik: Beschreibung der gewählten Untersuchungsmethoden, der Stichproben und der Durchführung der empirischen Erhebung an zwei Hauptschulen.
7. Ergebnisse und Diskussion: Präsentation und wissenschaftliche Diskussion der empirischen Befunde aus Beobachtungen und Fragebögen.
8. Schlussgedanken: Fazit der Arbeit hinsichtlich der Umsetzbarkeit jahrgangsgemischten Lernens in der Sekundarstufe I.
Schlüsselwörter
Jahrgangsgemischtes Lernen, Offener Unterricht, Heterogenität, Sekundarstufe I, Selbstgesteuertes Lernen, Soziale Kompetenz, Differenzierung, Reformpädagogik, Konstruktivismus, Neurodidaktik, Prosoziales Verhalten, Schulentwicklung, Leistungsbewertung, Lernbegleiter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Konzept des jahrgangsgemischten Lernens in der Sekundarstufe I und analysiert, ob und wie offener Unterricht als methodische Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung dieses Modells dienen kann.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung der Jahrgangsmischung und des offenen Unterrichts sowie deren empirische Überprüfung hinsichtlich individueller Lernfortschritte, sozialer Interaktionen und der Schulkultur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Autorin fragt, inwiefern die Öffnung von Unterricht ein notwendiges Element ist, um die Potenziale von altersheterogenen Lerngruppen in der Sekundarstufe I effektiv zu nutzen und welche Ziele dadurch erreicht werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden für die empirische Analyse verwendet?
Zur Erhebung wurden sowohl qualitative Unterrichtsbeobachtungen als auch quantitative Befragungen mittels Fragebögen bei Schülern und Lehrkräften an zwei Hauptschulen in Aalen durchgeführt.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil (Begriffsbestimmung, historische Wurzeln, Begründungen) und einen empirischen Teil, in dem konkrete Unterrichtsmodelle und die Ergebnisse der Befragung ausgewertet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Jahrgangsmischung, Offener Unterricht, Heterogenität, Selbststeuerung und soziale Kompetenz charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Umsetzung an der Bohlschule von der Schillerschule?
Die Bohlschule setzt das Konzept der Lernhäuser klassenübergreifend ganztägig um, während die Schillerschule jahrgangsgemischte Fächerverbünde nutzt, ansonsten aber in Jahrgangsklassen organisiert bleibt.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Umsetzbarkeit in der Sekundarstufe I?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Umsetzung in der Sekundarstufe I zwar anspruchsvoll ist und Zeit für die Eingewöhnung erfordert, aber dennoch positive Effekte auf das soziale Klima und die Lernmotivation hat, wenn sie durch offene Unterrichtsstrukturen gestützt wird.
- Arbeit zitieren
- Kathrin Kienle (Autor:in), 2011, Offener Unterricht als Voraussetzung für jahrgangsgemischtes Lernen in der Sekundarstufe I - eine Empirische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187833