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Leistungsbeurteilung in der Schule - Ist Objektivität ausgeschlossen?

Titel: Leistungsbeurteilung in der Schule - Ist Objektivität ausgeschlossen?

Examensarbeit , 2011 , 54 Seiten

Autor:in: Yasmin Tosun (Autor:in)

Pädagogik - Bewertungsmethoden, Noten
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Begriff Leistung ist uns im Alltag gegenwärtig. Doch was genau ist Leistung, wie und vor allem wie genau kann man sie messen? Spiegeln Zensuren wirklich immer die Leistung des Schülers wider, oder unterlaufen auch Lehrern bei ihren Beurteilungen im Schulalltag Fehler?
Im Schulsystem begegnet man immer häufiger dem Begriff Leistungsschule. Doch ist dieser Ausdruck in Zusammenhang mit pädagogischen Zielen überhaupt in Einklang zu bringen? Furck (1975) meinte, dass ‚Leistung‘ kein pädagogischer Begriff im eigentlichen Sinne ist, weil er nicht von der Person des Heranwachsenden, sondern von den Forderungen des Staates, der Gesellschaft, der Kultur usf. bestimmt wird.1
Hauptsächlich sollten nicht die Forderungen der Gesellschaft, sondern die Fördermöglichkeiten eines Jeden im Vordergrund stehen.
Die Beurteilung der Leistung in Form von Zensuren ist aus dem heutigen Schulalltag kaum noch wegzudenken. Gerade deshalb ist es wichtig zu erforschen, ob sie gerechtfertigt sind. Die diagnostische Kompetenz der Lehrer spiegelt sich nicht nur in der Qualität der Notengebung wider, sie schlägt sich auch im objektiven Schulerfolg nieder. Nicht selten bestimmen die Noten unseren zukünftigen Lebensweg. Sie beeinflussen unser Leben enorm, indem sie darüber entscheiden, auf welche Schule wir empfohlen werden und ob wir später studieren werden – ja sogar welchen Beruf wir ergreifen werden. Da so viele Entscheidungen unseres Lebens mit der Leistungsbeurteilung in der Schule zusammenhängen, sollte eine Objektivität bei der Bewertung gewährleistet werden. Dass dieses zu hundert Prozent kaum möglich ist, kann man sich denken, jedoch sollte man darauf achten, dass das Urteil weitestgehend frei von sachfremden und subjektiven Einflüssen ist.
Auch spätere pädagogische Maßnahmen sind von der Leistungsbeurteilung
abhängig, weshalb eine sorgfältige Diagnose von Nöten ist.
Wenn subjektive Einstellungen der Examinatoren das Ergebnis eines Beurteilungsverfahrens nicht beeinflussen können, dann nennt man es objektiv.2
Objektiv heißt also nicht, ob das Urteil gerecht ist, oder nicht. Es bedeutet lediglich, dass verschiedene Beurteiler beim Prüfen auf nahezu dasselbe Ergebnis kommen würden.
Diese Arbeit wird sich der Leistungsbeurteilung widmen, ihrer Messung und den damit verbundenen Konsequenzen für jedes Individuum und die Gesellschaft. Es soll erforscht werden, welche Eigenschaften uns bei der Diagnose von Leistung beeinflussen und wie man sie ggfs. vorbeugen kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Funktionen der Leistungsbeurteilung

2.1 Selektionsfunktion

2.2 Berichts- und Kontrollfunktion

2.3 Pädagogische Funktion

3. Gütekriterien der Leistungsbeurteilung

4. Probleme bei der Leistungsbeurteilung

4.1 Bezugsnormen der Leistungsbeurteilung

4.1.1 Soziale Bezugsnorm

4.1.2 Individuelle Bezugsnorm

4.1.3 Sachliche Bezugsnorm

4.2 Verzerrungen der Leistungsbeurteilung

4.2.1 Urteilsheuristiken

4.2.1.1 Verfügbarkeitsheuristik

4.2.1.2 Repräsentativitätsheuristik

Vernachlässigung von Basisraten

Missachtung des Extensionalitätsprinzips

Fehlwahrnehmung von Zufälligkeit

4.3 Ankereffekt

4.3.1 Wie kommt der Ankereffekt zustande?

4.3.1.1 Selektive Zugänglichkeit

4.3.1.2 Verankerung und Anpassung

4.4 Pygmalion-Effekt

5. Alternative Form der Leistungsbeurteilung

5.1 Das Portfolio

5.1.1 Was ist ein Portfolio oder was verstehen wir unter einem Portfolio

5.1.2 Die Anwendung des Portfolios in der Grundschule

5.1.3 Vorarbeit und Implementierung

5.1.4 Beispiele für die Unterrichtsarbeit

5.1.5 Instrumente, die den Lernprozess begleiten

5.1.6 Schlussfolgerungen für die Grundschule

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, inwieweit objektive Leistungsbeurteilung im schulischen Kontext überhaupt möglich ist. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob schulische Benotung zwangsläufig subjektiven Einflüssen unterliegt und welche Mechanismen – wie Urteilsheuristiken oder psychologische Effekte – die Bewertung von Schülerleistungen verzerren.

  • Funktionen und Gütekriterien der schulischen Leistungsbeurteilung
  • Einfluss unterschiedlicher Bezugsnormen auf die Benotung
  • Psychologische Verzerrungseffekte (Urteilsheuristiken, Ankereffekt, Pygmalion-Effekt)
  • Das Portfolio als alternative Beurteilungsform
  • Herausforderungen für eine gerechtere Leistungsbewertung

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Urteilsheuristiken

In den Bereich der kognitiven Täuschungen fallen die Urteilsheuristiken. Doch was genau sind Urteilsheuristiken? Sie sind einfache ,Faustregeln', die auf leicht zu erhaltende Informationen angewendet werden und unter geringen Verarbeitungsaufwand ein hinreichend genaues Urteil erlauben.

Demnach erlauben heuristische Urteile zwar ein hinreichend genaues Urteil, man hat jedoch keine hundertprozentige Garantie, dass das Urteil richtig ist, da man sich auf das Urteil eines anderen verlässt. Die wesentlichen Elemente der Urteilsheuristik sind der Urteilsgegenstand, die Urteilsdimension und die Urteilsstrategie. Wie diese miteinander in Verbindung stehen, möchte ich an einem Beispiel erläutern: Wenn man mit einem Freund etwas essen gehen will, jedoch neu in der Stadt ist, kann man nicht genau wissen, welches Lokal das Beste ist (Urteilsgegenstand) hinsichtlich der nahrhaftesten Speisen (Urteilsdimension). Man könnte jedes einzelne Lokal ausprobieren (Urteilsstrategie) und sich dann eine eigene Meinung bilden. Diese Meinung wäre dann auch eine äußerst sichere. Aber da diese Methode sehr aufwendig wäre, könnte man sich auch auf die Empfehlung eines Restaurantführers verlassen. Dieses ist die einfachere Möglichkeit, das Ergebnis jedoch nicht so sicher, da die Ansicht des Restaurantführers von vielen Faktoren abhängen kann. Er könnte an diesem Tag bspw. eine Magenverstimmung haben oder einen schlechten Tag, und aufgrund dessen könnte es zu einer Fehleinschätzung seitens des Restaurantführers kommen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der schulischen Leistungsbewertung ein und stellt die Frage nach der Objektivität von Zensuren angesichts pädagogischer und gesellschaftlicher Anforderungen.

2. Funktionen der Leistungsbeurteilung: Das Kapitel erläutert die wesentlichen Funktionen von Noten, insbesondere die Selektions-, Berichts- und Kontrollfunktion sowie die pädagogische Bedeutung.

3. Gütekriterien der Leistungsbeurteilung: Hier werden die wissenschaftlichen Anforderungen an eine faire Bewertung, wie Objektivität und Standardisierung, analysiert.

4. Probleme bei der Leistungsbeurteilung: Dieses Kapitel analysiert umfassend die Risiken von Verzerrungen durch verschiedene Bezugsnormen sowie psychologische Phänomene wie den Ankereffekt oder den Pygmalion-Effekt.

5. Alternative Form der Leistungsbeurteilung: Dieser Abschnitt stellt das Portfolio als innovativen, prozessorientierten Ansatz vor, um die starre Zensurengebung zu ergänzen oder zu verändern.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine vollständige Objektivität bei der Leistungsbewertung nahezu ausgeschlossen ist, wobei Lösungsansätze diskutiert werden.

Schlüsselwörter

Leistungsbeurteilung, Schule, Objektivität, Zensuren, Bezugsnorm, Urteilsheuristiken, Ankereffekt, Pygmalion-Effekt, Portfolio, Selektionsfunktion, Pädagogik, Leistungsdiagnose, Kognitive Täuschungen, Benotung, Schulleistung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich kritisch mit der schulischen Leistungsbeurteilung und der Frage, ob eine objektive Leistungsbewertung durch Zensuren überhaupt möglich ist.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die Funktionen der Leistungsbeurteilung, die Gütekriterien, verschiedene Bezugsnormen, psychologische Verzerrungseffekte und alternative Beurteilungsformen wie das Portfolio.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu untersuchen, welche Faktoren die Diagnose von Leistungen beeinflussen und ob Objektivität bei der Notenvergabe unter den gegebenen Umständen ausgeschlossen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse sowie der Einbeziehung psychologischer Experimente (z. B. von Tversky, Kahneman und Rosenthal), um Bewertungsprozesse zu ergründen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden Funktionen der Noten, die Bezugsnormen, spezifische kognitive Verzerrungen (Urteilsheuristiken, Ankereffekte) sowie die Rolle der Erwartungshaltung von Lehrkräften (Pygmalion-Effekt) analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Leistungsbeurteilung, Objektivität, Zensuren, Bezugsnormen, Urteilsheuristiken, Ankereffekt und Portfolio.

Was besagt der im Text erläuterte "Ankereffekt"?

Der Ankereffekt beschreibt, wie ein vorgegebener Wert (Anker) unbewusst das spätere Urteil beeinflusst und in seine Richtung verzerrt, auch wenn der Anker eigentlich für das Urteil irrelevant ist.

Welchen Vorteil bietet das Portfolio laut der Autorin?

Das Portfolio ermöglicht eine prozessorientierte Leistungsbeurteilung, die den Lernweg des Schülers in den Vordergrund rückt und eine Abkehr von rein starren Zensuren auf Basis einzelner Tests erlaubt.

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Leistungsbeurteilung in der Schule - Ist Objektivität ausgeschlossen?
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Autor
Yasmin Tosun (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
54
Katalognummer
V187866
ISBN (eBook)
9783656114598
ISBN (Buch)
9783656114260
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leistungsbeurteilung Effekt Ankereffekt Erziehungswissenschaft Diagnose Leistung Beurteilung Norm Urteil Portfolio
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Yasmin Tosun (Autor:in), 2011, Leistungsbeurteilung in der Schule - Ist Objektivität ausgeschlossen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187866
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  54  Seiten
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