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Talent und Leistung in Familie und Schule um 1900 am Beispiel von Marie von Ebner-Eschenbachs "Der Vorzugsschüler" unter Berücksichtigung von Emil Strauß' "Freund Hein"

Title: Talent und Leistung in Familie und Schule um 1900 am Beispiel von Marie von Ebner-Eschenbachs "Der Vorzugsschüler" unter Berücksichtigung von Emil Strauß' "Freund Hein"

Term Paper (Advanced seminar) , 2010 , 19 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Jana Aßmann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Das ausgehende 19. und den Beginn des 20. Jahrhunderts kennzeichnet das Bestreben der Pädagogik, die dem Kind eigenen Wesenszüge bei der Erziehung in den Vordergrund zu stellen. Galten Kinder vordem als „kleine Erwachsene“, wird nun die Kindheit als eigenständiger Lebensabschnitt anerkannt.
Die in der vorliegenden Arbeit behandelten Werke, Marie von Ebner-Eschenbachs „Vorzugsschüler“ und Emil Strauß’ „Freund Hein“ befassen sich mit eben dieser Entwicklungsphase, in der sich der individuelle Charakter des Kindes auszubilden beginnt und mit ihm auch Interessen, Fähigkeiten und Talente. Um Letztere soll es in dieser Arbeit gehen. Dabei wird in Augenschein genommen, wie das Talent präsentiert wird, welche Entwicklung es erfährt und wie auf die Begabung reagiert wird. Die Familie des Kindes sowie die Gesellschaft, mit der es spätestens in der Schule konfrontiert wird, sorgen hierbei für Konfliktpotential: Die Frage nach dem, was für das Kind wichtig ist, wird sowohl von den Erziehungsmaximen der Väter als auch von den Anforderungen der Leistungsgesellschaft bestimmt – der Wunsch des Kindes nach freier Entfaltung muss zwischen diesen beiden Polen zwangsläufig auf Probleme treffen. Nach einer Übersicht über die Bedeutung der zentralen Begriffe ‚Talent’, ‚Begabung’ und ‚Fleiß’ sowie über das Verhältnis von schulischer und familiärer Autorität zum Talent analysiert die vorliegende Arbeit diese Problematik anhand des Gegensatzes zwischen musikalischem Talent und schulischen Anforderungen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. ‚Talent’, ‚Begabung’, ‚Leistung’: Definitionen der Schlüsselbegriffe

2. Autorität und Begabung

3. Marie von Ebner-Eschenbach: „Der Vorzugsschüler“ (1901)

3.1 Die Beziehung zwischen Vater und Sohn

3.2 Die Darstellung der Schule

3.3 Das Verhältnis von Talent und Fleiß sowie Künstler- und Beamtentum

4. Emil Strauß: „Freund Hein“ (1902) – Ein Vergleich

III. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik von Talent und Leistung bei Kindern um 1900 am Beispiel der literarischen Werke „Der Vorzugsschüler“ von Marie von Ebner-Eschenbach und „Freund Hein“ von Emil Strauß, wobei insbesondere das Spannungsfeld zwischen familiärer Erwartungshaltung, schulischem Leistungsdruck und individueller künstlerischer Begabung analysiert wird.

  • Konflikte zwischen väterlicher Autorität und kindlicher Entfaltung
  • Die Rolle der Schule als Instanz der Leistungsgesellschaft
  • Die Bedeutung von Begriffen wie Talent, Begabung und Fleiß um 1900
  • Vergleich der Schicksale musikalisch begabter Kinder in der Literatur
  • Existenzielle Auswirkungen des Leistungsdrucks auf das Kindeswohl

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Beziehung zwischen Vater und Sohn

Offizial Pfanner, Georgs Vater, wird im Text als dürrer, kleiner Mann mit „klugen Augen“ (VS 154) beschrieben, dessen schwarzer Schnurrbart ihm einen militärischen Ausdruck verleiht (vgl. ebd.). Er stammt aus ärmlichen Verhältnissen und hat keine umfassende Schulbildung erhalten (vgl. VS 165). Trotzdem hat er eine Frau aus „gute[m] und damals fast reiche[m] Hause“ geheiratet (VS 164). Dem Vater ist es sehr wichtig, seiner armen Herkunft zu entkommen und ein besseres Leben zu führen. Die „klugen Augen“ im strengen Gesicht symbolisieren diesen Wunsch. Gleichzeitig spiegelt sich in seinem militärischen Gesichtsausdruck sein Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen und sich selber: „Er war er, und außer ihm war die Pflicht, und diesen beiden Mächten unterstand die Welt, die er begriff.“ (VS 165) Ihn kennzeichnet ein hohes Pflichtbewusstsein gegenüber seinem Beruf, dem er auch zu Hause noch bis spät in den Abend hinein nachgeht, um die Karriereleiter höher zu steigen (vgl. VS 153 und 166). Als Beamter der „k. u. k. österreichischen Staatsbahn“ (VS 154) ist er der Hauptverdiener der Familie.

Vater, Mutter und Sohn leben, arbeiten und schlafen im selben Zimmer (vgl. VS 168); der Speisetisch ist zugleich Arbeitstisch (vgl. VS 152). Die einfachsten menschlichen Bedürfnisse sind immer mit Beruf und Schule verbunden. Diese Atmosphäre, die durch Arbeit und Strebsamkeit gekennzeichnet ist, wirkt sich auch auf Georg aus: Er macht abends noch seine Hausaufgaben, eine Pflicht, die er mit Fleiß ausführen muss, hängen doch von seinen Schulnoten „Wohl und Weh des Hauses“ und das Wohlergehen seiner Mutter ab (VS 152). Diese wird immer dann zur Rechenschaft gezogen, wenn Georg dem Vater nicht fleißig genug erscheint (vgl. ebd.). Außerdem vertritt der Vater die Auffassung, Kinder würden zur „Last und Schande der Eltern“ (VS 173) werden, wenn sie zu schwache Leistungen erbringen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Epoche um 1900 ein und skizziert das Spannungsfeld zwischen kindlicher Entwicklung, elterlichen Erziehungszielen und den Anforderungen der Leistungsgesellschaft.

II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert theoretische Begriffsdefinitionen sowie die konkrete literarische Auseinandersetzung mit dem Thema anhand von Ebner-Eschenbachs und Emil Strauß’ Werken.

1. ‚Talent’, ‚Begabung’, ‚Leistung’: Definitionen der Schlüsselbegriffe: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe wissenschaftlich und beleuchtet ihre historische sowie psychologische Einordnung um die Jahrhundertwende.

2. Autorität und Begabung: Es wird untersucht, wie väterliche und schulische Autorität den Umgang mit Begabung dominierten und welchen Druck dies auf Jugendliche ausübte.

3. Marie von Ebner-Eschenbach: „Der Vorzugsschüler“ (1901): Eine eingehende Analyse der Novelle mit Fokus auf die Vater-Sohn-Beziehung, die Schulproblematik und das Spannungsfeld zwischen Fleiß und Talent.

3.1 Die Beziehung zwischen Vater und Sohn: Untersuchung der autoritären Erziehungsmethoden von Offizial Pfanner und deren psychologische Folgen für den Sohn Georg.

3.2 Die Darstellung der Schule: Analyse des schulischen Leistungsdrucks und der Rolle der Lehrer, die zwischen fachlicher Forderung und menschlichem Mitgefühl schwanken.

3.3 Das Verhältnis von Talent und Fleiß sowie Künstler- und Beamtentum: Erörterung der Gegensätze zwischen Georg und dem „gottbegnadeten“ Mitschüler Pepi sowie der Konflikt zwischen künstlerischer Neigung und dem Wunsch nach sozialem Aufstieg.

4. Emil Strauß: „Freund Hein“ (1902) – Ein Vergleich: Ein komparativer Vergleich, der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Thematisierung von Leistungsanspruch und musikalischer Begabung zwischen den beiden Werken aufzeigt.

III. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass in beiden Werken das Scheitern am Leistungsdruck im Selbstmord endet, da eine Integration von Talent und Lebenswelt unmöglich scheint.

Schlüsselwörter

Talent, Begabung, Leistung, Fleiß, Erziehung, Leistungsgesellschaft, Autorität, Jahrhundertwende, Literaturanalyse, Vorzugsschüler, Freund Hein, Schule, Kindheit, Selbstmord, Musik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen individueller Begabung und den rigiden gesellschaftlichen sowie familiären Leistungsanforderungen um das Jahr 1900 anhand zweier ausgewählter literarischer Werke.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der autoritäre Erziehungsstil, der schulische Leistungsdruck, die Definition von Erfolg in der damaligen Gesellschaft sowie der Konflikt zwischen künstlerischer Veranlagung und beruflichem Streben.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Unvereinbarkeit zwischen kindlicher Begabung und den starren gesellschaftlichen Erwartungen der Zeit in den analysierten Novellen zur existentiellen Not und letztlich zum Suizid der Protagonisten führt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die durch psychologische und pädagogische Definitionen sowie historische Kontexte der Jahrhundertwende ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil erfolgen zunächst Begriffsdefinitionen, gefolgt von einer detaillierten Analyse von Ebner-Eschenbachs „Der Vorzugsschüler“ und einem anschließenden Vergleich mit Emil Strauß’ „Freund Hein“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Talent, Fleiß, Leistungsdruck, Autorität, Erziehung, Kindheit und die literarische Aufarbeitung des Schülerselbstmordes.

Wie unterscheidet sich die Erziehung in den beiden Werken?

Während in „Der Vorzugsschüler“ eine unerbittliche, autoritäre Strenge dominiert, setzt der Vater in „Freund Hein“ auf eine eher neuhumanistische, gesprächsorientierte Erziehung, die jedoch im Kern denselben Leistungsanspruch verfolgt.

Welche Rolle spielt die Musik in der Arbeit?

Musik wird in beiden Werken als Ausdruck der individuellen, oft unterdrückten Begabung des Kindes dargestellt, die einen Kontrapunkt zur lebensfremden schulischen Mathematik- und Grammatik-Paukerei bildet.

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Details

Title
Talent und Leistung in Familie und Schule um 1900 am Beispiel von Marie von Ebner-Eschenbachs "Der Vorzugsschüler" unter Berücksichtigung von Emil Strauß' "Freund Hein"
College
University of Bonn  (Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft)
Grade
1,7
Author
Jana Aßmann (Author)
Publication Year
2010
Pages
19
Catalog Number
V187883
ISBN (eBook)
9783656112747
Language
German
Tags
Ebner-Eschenbach; Schule; 1900; Talent; Leistung; Emil Strauß; Tod; Familie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jana Aßmann (Author), 2010, Talent und Leistung in Familie und Schule um 1900 am Beispiel von Marie von Ebner-Eschenbachs "Der Vorzugsschüler" unter Berücksichtigung von Emil Strauß' "Freund Hein", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187883
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