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Heterotopien der Großstadt: Joseph Roths Feuilleton-Reportagen und die Asyle Berlins in den 1920er-Jahren

Titel: Heterotopien der Großstadt: Joseph Roths Feuilleton-Reportagen und die Asyle Berlins in den 1920er-Jahren

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 21 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Jana Aßmann (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Joseph Roth zieht im Juni 1920 von Wien nach Berlin. Dort möchte er seine journalistische Karriere, die noch in den Anfängen steht, weiter ausbauen und schreibt zu diesem Zweck für das Feuilleton verschiedener Zeitungen. Roth erlebt die Stadt in einer historischen Umbruchphase: Die Folgen des Ersten Weltkriegs, der im Vertrag von Versailles festgelegten Reparationszahlungen und des nur langsam voranschreitenden Abbaus von Lebensmittelrationen machen sich vor allem in der Hauptstadt der Weimarer Republik bemerkbar. Armut und soziales Elend kennzeichnen den Alltag vieler Menschen in Berlin. Roth widmet sich in seinen Reportagen vermehrt denjenigen, denen diese Jahre nach dem Weltkrieg am meisten geschadet haben. Dafür sucht er die abgelegenen und teilweise versteckten Orte auf, an denen sich die Menschen aufhalten, die weder Arbeit noch eine Wohnung haben, ihr Leben durch illegale Tätigkeiten finanzieren oder aus politischen und sozialen Gründen nach Berlin geflüchtet sind. Seine Art der feuilletonistischen Kulturberichterstattung gleicht somit einer Sozialreportage. Das Aufsuchen von oftmals übersehenen Orten und die detaillierte Erfassung ihrer Besonderheiten führt dazu, dass sich Roth mit der Zeit ein individuelles Bild Berlins schafft.
In der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, diese Orte in ihrem Wesen und ihrer Funktion für die Großstadt Berlin und ihre Bewohner näher zu beschreiben. Anhand der Theorien von Michel Foucault und Henri Lefèbvre soll nachgewiesen werden, dass es sich bei den von Joseph Roth besuchten Asylorten um so genannte „Heterotopien“ bzw. „Hetero-Topien“ handelt, die zur Heterogenität und Diversität Berlins beitragen und bestimmten sozialen Gruppen zugeordnet werden können. Zu diesem Zweck wird zunächst unter Berücksichtigung der Denkansätze von Foucault und Lefèbvre das Konzept der Heterotopie erläutert. In einem zweiten Schritt sollen Joseph Roths Reportagen in Hinblick auf diese Theorien untersucht werden, um zu verdeutlichen, dass die Großstadt Berlin ein zutiefst heterogenes Areal ist, in dem unterschiedliche Räume in Kontrast zueinander treten, sich überlagern oder parallel existieren. Dabei soll der Fokus nicht darauf gelegt werden, wie Roth die sozialen Missstände, deren Zeuge er wird, bewertet, sondern vielmehr, wie er die aufgesuchten Räume beschreibt und wahrnimmt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Konzept der Heterotopie bei Michel Foucault und Henri Lefèbvre

III. Berliner Heterotopien

1. Unterkünfte

a) Das Obdachlosenheim

b) Das Kunstasyl

c) Das Dampfbad

2. Cafés, Kneipen, Lokale

a) Kaschemmennächte

b) Flüchtlingscafés

IV. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Berliner Stadtleben der 1920er-Jahre anhand von Joseph Roths Feuilleton-Reportagen, wobei der Fokus auf den von ihm beschriebenen sozialen Rückzugsorten liegt. Ziel ist es, diese Orte mittels der Theorien von Michel Foucault und Henri Lefèbvre als sogenannte „Heterotopien“ zu analysieren und ihre Funktion sowie Bedeutung für die heterogene Identität Berlins herauszuarbeiten.

  • Anwendung des Heterotopie-Konzepts von Foucault und Lefèbvre auf historische Stadtstrukturen
  • Analyse von Roths Reportagen über soziale Unterkünfte und nächtliche Lokale
  • Untersuchung der raumzeitlichen Kontraste und Isolationsmechanismen in der Weimarer Metropole
  • Erörterung der Rolle von Randgruppen im Berliner Stadtgefüge der Krisenjahre

Auszug aus dem Buch

b) Das Kunstasyl

Eine besondere Gruppe unter den Obdachlosen stellen für Joseph Roth die Künstler dar: „Wenn jemand obdachlos ist in dieser Stadt, so ist es der Künstler.“ Im Zeitraum von einem Jahr sucht er daher zweimal das Kunstasyl in der Klosterstraße 62 auf. Das einzige Aufnahmekriterium, das die Gründerin Käte Hyan den Asylsuchenden auferlegt, ist „die Beschäftigung mit der Kunst“. Bei den Bewohnern handelt es sich daher um männliche und weibliche Maler, Bildhauer, Dichter, Schauspieler und Sänger. In dieser Hinsicht unterscheidet sich das Kunstasyl von anderen Heimen, die Obdachlose unabhängig von ihrem Beruf aufnehmen.

Roth definiert ein Kunstasyl als „Zufluchtsort für die von der Straße Verfolgten, von den Straßen, die erfüllt sind von Dieben, Polizei, Börse und Film“. Die Künstler stellen für Roth nicht nur eine soziale Randgruppe dar, deren Existenzgrundlage vom großstädtischen Finanzmarkt und dem neuen Medium des Films bedroht wird, sie haben auch einen hybriden Status inne: Sowohl vor den Kriminellen als auch der Polizei fürchten sie sich und stehen somit zwischen Legalität und Illegalität. Sie sind daher auf einen besonderen Raum angewiesen, der sie aufnimmt und ihnen eine weitere künstlerische Betätigung ermöglicht.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung verortet Joseph Roths Wirken im Berlin der 1920er-Jahre und erläutert die methodische Herangehensweise, die Orte seiner Sozialreportagen als Heterotopien zu begreifen.

II. Das Konzept der Heterotopie bei Michel Foucault und Henri Lefèbvre: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen der Heterotopie und überträgt die Ansätze auf die städtische Struktur und die Wahrnehmung von Räumen.

III. Berliner Heterotopien: Der Hauptteil analysiert spezifische Orte wie Obdachlosenheime, Künstlerasyle, Dampfbäder sowie nächtliche Kneipen und Cafés als kontrastive Räume der Großstadt.

IV. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, inwieweit Foucaults und Lefèbvres Theorien auf die untersuchten Berliner Asyle zutreffen und wie diese Räume zur Multidimensionalität Berlins beitragen.

Schlüsselwörter

Joseph Roth, Berlin, 1920er-Jahre, Heterotopie, Michel Foucault, Henri Lefèbvre, Sozialreportage, Feuilleton, Obdachlosigkeit, Großstadt, Urbanität, Krisenjahre, Randgruppen, Raumwahrnehmung, Moderne.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die in Joseph Roths Feuilleton-Reportagen beschriebenen Berliner Orte der 1920er-Jahre unter dem Aspekt ihrer sozialen und räumlichen Funktion.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Armut, städtische Isolation, die Lebenswelt von Randgruppen sowie die räumliche Struktur der Berliner Metropole in der Weimarer Zeit.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist der Nachweis, dass Roths beschriebene Orte als „Heterotopien“ im Sinne von Foucault und Lefèbvre verstanden werden können, die als Gegenpole zur gesellschaftlichen Norm existieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung erfolgt durch eine kulturwissenschaftliche Raumanalyse, die literarische Reportagen mit raumtheoretischen Konzepten verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Unterkünften (Obdachlosenheim, Kunstasyl, Dampfbad) sowie nächtlichen sozialen Treffpunkten (Kaschemmen und Flüchtlingscafés).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Heterotopie, Großstadt, Joseph Roth, Urbanität und soziale Randgruppen definiert.

Was zeichnet das „Kunstasyl“ nach Joseph Roth besonders aus?

Im Gegensatz zu anderen Unterkünften ist das Kunstasyl exklusiv für künstlerisch tätige Menschen reserviert, denen es Schutz vor der Straße bietet und Raum für kreative Betätigung gewährt.

Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung des „Dampfbads“ von einem gewöhnlichen Hotel?

Roth beschreibt das Dampfbad als eine „notwendige Institution“ und einen paradiesischen Gegenort, der durch Nacktheit und eine andere Zeitwahrnehmung einen Kontrast zum reizlosen Komfort alltäglicher Unterkünfte darstellt.

Welche Bedeutung haben die Flüchtlingscafés für das Stadtbild?

Die Cafés fungieren als „ethnographische Atlanten“, die eine Multikulturalität aufweisen, welche im starken Kontrast zur äußeren Anpassung der ausländischen Gäste an westeuropäische Standards steht.

Inwiefern beeinflussen die „Kaschemmen“ die Wahrnehmung von Zeit?

In der Gegend der Kaschemmen vollzieht sich bei Einbruch der Nacht ein Bruch der Zeitwahrnehmung, da hier eine „Dopplung“ stattfindet, bei der sich die Arbeit und Aktivität der Randgruppen in die nächtliche Ruhezeit verschiebt.

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Details

Titel
Heterotopien der Großstadt: Joseph Roths Feuilleton-Reportagen und die Asyle Berlins in den 1920er-Jahren
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jana Aßmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V187888
ISBN (eBook)
9783656112730
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Joseph Roth; Berlin; 1920; Heterotopien; Foucault; Anderer Ort
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jana Aßmann (Autor:in), 2010, Heterotopien der Großstadt: Joseph Roths Feuilleton-Reportagen und die Asyle Berlins in den 1920er-Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187888
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Leseprobe aus  21  Seiten
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