Die Ideen regionaler Integration und wirtschaftlicher Kooperation haben mit dem Ende der achtziger Jahre dieses Jahrhunderts und der Systemtransformation nach 1990 in vielen Ländern Lateinamerikas und der Karibik neue Impulse erhalten. Mittlerweile gehören fast alle Lateinamerikanischen Staaten einem oder mehreren (sub-)regionalen Integrationsbündnissen an. Diese Entwicklung steht auch im unmittelbaren Zusammenhang mit der weltweit zu beobachtenden Tendenz der Formierung von regionalen Wirtschaftsblöcken (z.B. ASEAN, NAFTA, EU). Den Aspekten marktorientierter wirtschaftlicher Kooperation und
regionaler Integration kommt im amerikanischen Wirtschaftsraum eine besondere Bedeutung zu. Die Reaktionen der lateinamerikanischen Staaten auf die Verwirklichung einer gesamtamerikanischen Freihandelszone, der FTAA/ALCA, sind sehr unterschiedlich. Vielfach steht dem Projekt eine USA kritische Haltung gegenüber und eigene integrativere Modelle gewinnen wieder zunehmend an Attraktivität.
Inhaltsverzeichnis
1. Kooperation und Integration im lateinamerikanischen Wirtschaftsraum
2. Akteure und Wirtschaftsbündnisse im lateinamerikanischen Wirtschaftsraum
2.1 Die Europäische Union
2.2 Der Gemeinsame Markt des Südens – Mercosur
2.2.1 Organe und Strukturen im Mercosur
2.3 Die regionalen Handelsbündnisse: CAN, CARICOM, ALADI und MCCA
2.3.1 CARICOM
2.3.2 ALADI
2.3.3 MCCA – Der Gemeinsame Zentralamerikanische Markt
2.4 Süd-Süd Bündnisse und Importsubstitution
2.5 NAFTA
2.6 FTAA
3. Sozioökonomische Differenzen im Kontext der FTAA
4. Fazit - freie Märkte oder regionale Integration (Kooperation vs. Integration)?
4.1 Mercosur – Integrationsmotor Lateinamerikas
4.2 Brasilien als Führungsmacht im Mercosur und lateinamerikanischen Integrationsprozess
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen regionaler Integration und wirtschaftlicher Kooperation im lateinamerikanischen Wirtschaftsraum. Dabei wird analysiert, wie sich der Mercosur gegenüber dem US-dominierten FTAA-Projekt positioniert und ob Brasilien als regionale Führungsmacht einen eigenen Integrationsweg etablieren kann.
- Analyse der verschiedenen lateinamerikanischen Wirtschaftsbündnisse (Mercosur, CAN, CARICOM, ALADI, MCCA).
- Untersuchung der hegemonialen Rolle der USA und des FTAA-Projekts sowie der resultierenden Proteste.
- Bewertung sozioökonomischer Differenzen zwischen den Teilnehmerstaaten der geplanten Freihandelszone.
- Diskussion über die Rolle Brasiliens als Motor des lateinamerikanischen Integrationsprozesses.
- Vergleich der Integrationsansätze im Kontext von EU-Interessen und eigenständigen Süd-Süd-Modellen.
Auszug aus dem Buch
2. Akteure und Wirtschaftsbündnisse im lateinamerikanischen Wirtschaftsraum
Die wichtigsten wirtschaftspolitischen Akteure auf dem amerikanischen Kontinent sind die USA als Befürworter und Initiator der Freihandelsidee, die auch mit der NAFTA bereits für Nordamerika und Mexiko existiert, sowie Brasilien als Hauptakteur Südamerikas und des Mercosur, die Europäische Union als starker und einflussreicher Handelpartner sowie mehrere subregionale lateinamerikanische Wirtschaftsbündnisse.
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind die stärkste Wirtschaftsmacht auf dem Kontinent. Die Idee eine gesamtamerikanische Freihandelszone zu schaffen wird von den USA schon lange verfolgt (Nolte 2002: 11; Sangmeister 2003a:30), ein erster Erfolg war die Gründung der NAFTA (North American Free Trade Agreement) zwischen den USA, Kanada und Mexiko. Das Abkommen trat am 1. Januar 1994 in Kraft. Kernpunkt des Abkommens ist die Liberalisierung des Außenhandels, doch geht die zwischenstaatliche Kooperation über diesen Bereich hinaus, so umfasst das Vertragswerk neben Regelungen zum Abbau tarifärer und nichttarifärer Handelshemmnisse im Güter- und Dienstleistungsverkehr auch Bestimmungen zum Umgang mit Direktinvestitionen sowie zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards (Sangmeister/Melchor del Rio 2003: 247-248). Mit diesem Abkommen konnte sich Mexiko als erstes Land Lateinamerikas den bevorzugten Zugang zu den Märkten zweier Industrieländer verschaffen (Henkel 2003: 148). Fast alle anderen Volkswirtschaften Lateinamerikas misstrauen traditionellerweise einer Anbindung an die USA und bevorzugen regionale Süd-Süd-Bündnisse (Sangmeister 2003: 22). Hauptakteure in diesen Regionalbündnissen sind vor allem Brasilien und Argentinien. Diese sind als größte Länder Südamerikas die klassischen Gegenspieler der USA und versuchen, mit wachsender Unterstützung in Südamerika, die US amerikanischen „Hegemoniebestrebungen“ (FTAA) einzugrenzen und mit eigenen Bündnissen z.B. dem des Mercosur die regionale und wirtschaftliche Integration zu gestalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kooperation und Integration im lateinamerikanischen Wirtschaftsraum: Einführung in die Dynamik regionaler Wirtschaftsblöcke und die kritische Haltung vieler lateinamerikanischer Staaten gegenüber der geplanten gesamtamerikanischen Freihandelszone.
2. Akteure und Wirtschaftsbündnisse im lateinamerikanischen Wirtschaftsraum: Überblick über die wesentlichen Akteure wie USA, EU und Brasilien sowie Vorstellung der wichtigsten subregionalen Handelsbündnisse und der FTAA.
3. Sozioökonomische Differenzen im Kontext der FTAA: Analyse der massiven wirtschaftlichen und sozialen Disparitäten zwischen den 34 am FTAA-Prozess beteiligten Staaten.
4. Fazit - freie Märkte oder regionale Integration (Kooperation vs. Integration)?: Synthese der Ergebnisse, wobei das FTAA als handelspolitisches Instrument kritisiert und die Bedeutung des Mercosur als eigenständiges, integratives Modell hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Lateinamerika, Wirtschaftsintegration, Mercosur, FTAA, Freihandel, Brasilien, USA, Europäische Union, NAFTA, Süd-Süd-Bündnisse, Regionalismus, Importsubstitution, Sozioökonomische Differenzen, Handelsabkommen, Integrationsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strategien zur wirtschaftlichen Integration in Lateinamerika und setzt diese in Bezug zu den globalen Freihandelsbestrebungen der USA, insbesondere der geplanten FTAA.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Rolle der EU als Handelspartner, die Institutionalisierung des Mercosur und die strukturellen Ungleichheiten der teilnehmenden Länder.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob der Mercosur als eigenständiges Integrationsmodell gegenüber der FTAA bestehen kann und welche Rolle Brasilien dabei zukommt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten politikwissenschaftlichen Analyse wirtschaftlicher Verträge, Dokumente und aktueller Entwicklungen im lateinamerikanischen Wirtschaftsraum.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Wirtschaftsbündnisse (CAN, CARICOM, etc.), deren Institutionen sowie der Konflikt zwischen neoliberaler US-Freihandelspolitik und regionalen, sozialorientierten Integrationsmodellen dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere der Mercosur, die FTAA, regionale Integration, Souveränität und die brasilianische Integrationsdiplomatie.
Wie unterscheidet sich der Mercosur von der FTAA?
Während die FTAA primär als handelspolitisches Projekt zur Liberalisierung unter US-Einfluss gesehen wird, weist der Mercosur weitergehende Ansätze einer politischen und institutionellen Integration nach europäischem Vorbild auf.
Welche Rolle spielt Brasilien bei der Integration?
Brasilien wird als regionale Führungsmacht identifiziert, die versucht, durch die Stärkung regionaler Prozesse eine Emanzipation von US-Interessen zu erreichen.
- Arbeit zitieren
- Patrick Willner (Autor:in), 2006, Der lateinamerikanische Wirtschaftsraum zwischen regionaler Integration und wirtschaftlicher Kooperation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187897