Carlo Goldoni, Il servitore di due padroni


Hausarbeit, 2010
13 Seiten, Note: 2.0
Vincenza Incorvaia (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse des 3. Aktes, Szene I bis Szene III

3. Truffaldino
3.1. Allgemeines zu den Dienerfiguren
3.2. Goldonis Truffaldino in „Il servitore di due Padroni“

4. Die Komik in Goldonis Werk
4.1. Der Begriff ‚Komik‘
4.2. Komik in „Il servitore di due Padroni“

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Il servitore di due Padroni“ ist eines der bekanntesten Stücke Carlo Goldonis und zählt zu den Werken der commedia dell ’ arte - eine Theaterform, die ihre Blütezeit in der Renaissance erlebte und eine Art Stegreiftheater darstellt. Typisch für sie ist, dass die Figuren der commedia dell ’ arte größtenteils Typen sind und damit - im Gegensatz zu Charakteren - nicht zu einer inneren Entwicklung fähig sind.[1]

Goldoni war einer der ersten, der einen vorgeschriebenen Text anfertigte und seine Fi- guren je nach Herkunftsort in diesem Dialekt auch Sprechen ließ. Damit orientierte er sich an dem französischen Vorbild Molière und veränderte die bisherige Form des Steg- reiftheaters.[2]

In den ersten drei Szenen des dritten Aktes spielen Truffaldino, ein tollpatschiger und gieriger Diener, Pantalone, ein Cameriere und die beiden sich liebenden Beatrice, ver- kleidet als ihr Bruder Federigo Rasponi, und Florindo. Die drei Szenen bilden den Höhepunkt des Bewegungs- und Verwechslungsspiels, da sie entscheidend für den Handlungsverlauf des „[…] servitore di due Padroni“ sind. Außerdem lässt sich anhand dieser drei Szenen ein genaues Bild des Truffaldinos erstellen und die Komik des Stücks gut erkennen.

Der Hauptteil dieser Arbeit ist in drei Teile gegliedert: Im ersten Teil werden die Sze- nen eins bis drei des dritten Aktes mit dem Schwerpunkt auf dem Beiseite-Sprechen analysiert. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Figur des Truffaldino. Zunächst einmal soll kurz erwähnt werden, dass es nicht nur eine typische Dienerfigur in der commedia dell ’ arte gibt, um dann spezieller zu begründen, inwiefern Truffaldino einer Dienerfigur mehr entspricht als der anderen. Der dritte Teil befasst sich mit dem Thema Komik. Hier soll erst einmal eine kurze Definition des Begriff ‚Komik‘ erwähnt wer- den, um dann anhand des Stückes „Il servitore di due Padroni“ aufzuzeigen, wie Komik erzeugt werden kann bzw. wird.

2. Analyse des 3. Aktes, Szene I bis Szene III

Die Handlungs- und Kommunikationsebene dieses Stückes charakterisiert sich vor allem dadurch, dass sich im Falle des „Il servitore di due Padroni“ zwei Ebenen feststellen lassen: Zum einen entwickelt sich die Dramenhandlung über die dramatische Kommunikationsebene, nämlich durch die Dialoge der Figuren untereinander (vgl. III, 1)[3] und zum anderen durch die theatralische Kommunikationsebene, die v.a. durch das Beiseite-Sprechen, das Aparte, gekennzeichnet ist:

Truffaldino (dasè). L’ho fatta.

Beatrice (dasè ). Queste sono due lettere da me scritte a Florindo. Oimè! Queste memorie, questi conti apparatengono a lui. Sudo, tremo, non so in che modo mi sia.

(III, 3).[4]

Durch das Beiseite-Sprechen, welches durch die Regieanweisung „(da sè)“ erkennbar ist, wird das Publikum bzw. der Leser von Anfang an mit einbezogen und beginnt, sich mit einer Figur, nämlich die des Truffaldino zu identifizieren. Außerdem dient das Bei- seite-Sprechen noch einem weiteren wichtigen Aspekt: Der Leser bzw. der Zuschauer bekommt somit den Figuren gegenüber einen Informationsvorsprung. In unserem Fall weiß das Publikum nämlich Dank des Personenverzeichnisses bereits zu Beginn des Stücks, dass Beatrice sich als Mann verkleidet. Durch das Vorwissen hat man einen anderen Blickwinkel auf das Geschehen und genau darüber kann Komik entstehen, denn der Informationsvorsprung des Publikums, befähigt den Zuschauer zu einem Be- wusstsein für die Fehleinschätzungen der dramatischen Figuren. Die Tatsache, dass niemand erkennt, dass Beatrice eine Frau ist, dass Truffaldino zwei Herren gleichzeitig bedient und ständig deren Dinge vertauscht, führt dazu, dass das Publikum die Figuren belächelt, was es nur kann, weil es eben mehr weiß als die Figuren. Durch dieses Vor- wissen bekommt das Verhalten einzelner Figuren eine ganz andere Tragweite für das Publikum - es entsteht eine dramatische Ironie.

Außerdem entsteht durch das permanente Beiseite-Sprechen Truffaldinos auch eine Sympathielenkung, die sehr entscheidend ist, um aus dem Werk eine commedia zu ma- chen. Dadurch, dass man Truffaldino besser kennen lernt, als die anderen Figuren, fühlt man mit der etwas planlosen und ungeschickten Figur mit - eine Voraussetzung dafür, dass man bestimmte Situationen unterhaltsam findet und sich nicht einfach nur fragt, wie doof ein Mensch eigentlich sein kann. Ein Beispiel für so eine Situation ist die Kof- ferszene, in der Truffaldino die Koffer öffnet und sämtliche Kleidung verwechselt und falsch verteilt.[5]

Die Sympathielenkung auf Truffaldino bzw. der Fokus des Publikums auf diese Figur ist wichtig, da Truffaldino für „seine“ Geschichte die volle Aufmerksamkeit benötigt. Denn auch wenn er eigentlich nur ein „servitore“ ist und es ungewohnt erscheinen mag, so hat er nichtsdestotrotz die Rolle des Protagonisten in diesem Werk.

Durch schnelle Repliken[6] und Dialoge im Haupttext, sowie durch lebendiges Erzählen, das durch die Regieanweisungen bereits vorgegeben ist, ist die szenische Informations- vergabe besonders deutlich erkennbar, denn die Handlung wird dem Zuschauer nicht durch Botenbericht oder Mauerschau vermittelt, sondern präsentiert sich ihm direkt:

Truffaldino. „ [...] Ecco qua quell’alter patron. Sta volta se divide la servitù, e se me fa el ben servido. (Accennando le bastonate.)” (III, 3). [7]

Dieses lebendige Erzählen ist typisch für die commedia dell ’ arte, die die Bewegung dem Text überordnet, um somit (mehr) komische Wirkung zu erzielen.

Wie bereits erwähnt herrscht eine besonders hervorgehobene Sympathielenkung auf Truffaldino. Zum einen durch sein häufiges Beiseite-Sprechen, zum anderen aber auch durch die quantitative und qualitative Gewichtung auf seine Figur. Der Fokus liegt in jeder Szene auf Truffaldino und seine Handlung: Szene eins beginnt und endet mit ei- nem langen Redepart des Dieners[8]; die zweite Szene ist ein Dialog zwischen Florindo und Truffaldino, in dem weniger sein Sprechanteil und mehr sein hektisches Verhalten im Vordergrund steht[9]; die dritte Szene wird wieder von einem längeren Part Truffaldinos eröffnet und geht dann über in einen hektischen Dialog[10]. Man könnte also sagen, dass die dritte Szene des dritten Aktes eine Mischung des Aufbaus der beiden vorangegangenen Szenen ist.

[...]


[1] Gröne, Maximilian,Von Kulessa, Rotraud, Reiser, Frank, Italienische Literaturwissenschaft, Eine Einf ü hrung, Tübingen, 2009, S. 102.

[2] Schulze-Witzenrath, Elisabeth, Literaturwissenschaft für Italianisten, Eine Einführung, Tübingen, 3. durchgesehene Auflage 2006, S. 118.

[3] Goldoni, Carlo, Il Servitore di due Padroni, Diener zweier Herren, Stuttgart,1745, S.148.

[4] Goldoni a.a.O., S. 160.

[5] Vgl. Goldoni, a.a.O., S. 152.

[6] Vgl. Goldoni, a.a.O., S. 164.

[7] Goldoni, a.a.O., S. 158.

[8] Vgl. Goldoni, a.a.O. S. 148.

[9] Vgl. Goldoni, a.a.O., . S. 152 - 158.

[10] Vgl. Goldoni, a.a.O., . S. 158 - 164.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Carlo Goldoni, Il servitore di due padroni
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Romanistik)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2.0
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V187942
ISBN (eBook)
9783656116219
ISBN (Buch)
9783656116578
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
carlo, goldoni
Arbeit zitieren
Vincenza Incorvaia (Autor), 2010, Carlo Goldoni, Il servitore di due padroni, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187942

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Carlo Goldoni, Il servitore di due padroni


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden