Über Sergej M. Eisenstein - "Jenseits der Einstellung"


Essay, 2011

5 Seiten


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Allgemeine kurze Zusammenfassung

Sergej Eisenstein will anhand der Attraktionsmontage das Theater aus den unmittelbaren undeutlichen Realitätsverständnis befreien und Dinge, wie aggressives Verhalten der Theaterspieler und andere Realitätsferne Handlungen auf der Bühne, los werden bzw. will die Reaktionen des Zuseher in eine andere Richtung leiten.

Eisenstein unterschiedet hier zwischen einem Trick, welcher seiner Bedeutung nach etwas Absolutes und Abgeschlossenes bedeutet während eine Attraktion auf etwas relativem, d.h. auf der Reaktion des Zusehers basiert. Der Zuseher soll eine Attraktion im Theater bekommen und sich selbst eine Meinung über ein Stück machen, ohne von der Handlung geleitet zu werden. Die erfordert jedoch eine Änderung der Blickweise die bisher existierte, nämlich die Art der Betrachtung vom wesentlichen auf das nebensächlich- Hinzukommende.

In der Montage der Filmattraktionen wird der Zuseher als Grundstoff bezeichnet, in Verbindung mit dem gemeinsamen Ziel - den Zuseher in eine gewünschte Richtung zu lenken. Dies gilt sowohl für den Film als auch für das Theater. Ebenfalls spielt der

Klassenkampf eine Rolle. Da der Zuseher nur durch die psychologischen Eigenschaften eines fiktiven Klassenkampfes reale, moralische und physische Befriedigung findet. Interessant ist dass dieser „Effekt“ alleine durch die fiktive Teilnahme des Zusehers am Dargestellten entsteht.

Eine Attraktion ist jeder Akt, jede Handlung, jeder Gegenstand, jede Entscheidung, jede bewusste Kombination der durch die Druckausübung eines bestimmten Effekts die Aufmerksamkeit und Emotion des Zusehers in eine bestimmte Richtung lenkt. Bei der Attraktionsmontage werden Assoziationsketten miteinander verbunden die für den jeweiligen Zuseher dann unterschiedliche Bedeutungen haben. (Beispiel Meeting wirkt anders auf Manager als auf Arbeiter). Eine weitere Eigenschaft welche Einstein erforscht ist die Assoziation und Verbindung von Bildern. Diese Eigenschaft wird auch heute oft noch eingesetzt.

Eisenstein sieht die Montage als wichtiges Stilmittel um Dynamik, Aufgabe, Thema, Sujet, Handlungen und Tagen innerhalb einer Episode, wie auch im gesamten Film zusammenhängend und folgerichtig zu erzeugen. Die Montage dient somit der Erkenntnisvermittlung. Er deutet darauf hin dass in vielen Filmen logisch aufgebaute und einfach zusammenhängende Fabeln bzw. Montagen fehlen.

Eisenstein fesselte die Vorstellung völlig neuer Möglichkeiten Dinge bzw. Handlungen darzustellen ohne dabei die Bedingungen des normalen Filmaufbaus bzw. der normalen Komposition zu vernachlässigen.

Jeder Montageteil ist für sich ein wichtiges Abbild und kein beziehungsloses Einzelteil.

Eisenstein versucht für den Ausdruck der Sprache einen passenden Ausdruck in der Bildsprache zu finden. Die Montage soll den Nutzen haben, aus einzelnen Teilen ein besonderes Abbild des eigentlichen Themas darstellen und nicht als Beziehungslose Sequenzen dastehen. Einzelne Bilderverbindungen lassen uns das gesehene nicht mehr als gesonderte Details sehen sondern als Ganzes in einem verallgemeinerten Bild. Hierbei können Bild A und Bild B zwar verschiedener „Herkunft“ sein jedoch müssen sie im endgültigen Schnitt einen Sinn ergeben und ein vollständiges und verallgemeinertes Bild des Themas wiedergeben.

Musikalische Landschaft (1946)

In „Musikalische Landschaft“ beschreibt Eisenstein das „aus sich herausgehen“ des Bildes in musikalische Ausdrucksformen. Eisenstein will die Wirkung von Formen und Landschaften mit den Entwicklungsproblemen des Filmtons vergleichen. Es soll die Veränderungen der Montage zeigen bzw. die gezielte Anwendung dieser, in Bezug zur Filmmusik.

Zur Zeit des Stummfilmes hatte die Formwelt die Aufgabe zu klingen. Das heißt der musikalische Ablauf einer Szene wurde durch den Bildaufbau und die (Bild) Montage bewirkt. Dazu meint Eisenstein, dass die reine Emotionalität einer Landschaft ein wichtiges Formelement ist.

Filmmusik hat bzw. hatte deswegen schon immer einen wichtigen Stellenwert, da sie zwar weniger die Verstärkung der Wirkung der Bildinformation bewirkt, sondern vielmehr den Emotionalen Aspekt anspricht. Das heißt, dass sie emotionale Gefühle hervorrufen soll, welche mit anderen Möglichkeiten nicht mehr herstellbar sind.

Musik im Film soll Unsägliche, unbekannte Tiefen und Seelenzustände ausdrücken, etwas was beispielsweise kein gesprochenes Wort ausdrücken kann.

Wenn man nun die reine Bildspur betrachtet, liegt die reine Emotionalität der Landschaft der Musik am nächsten. Schon im Stummfilm mussten Landschaftsaufnahmen emotional das vermitteln, was sonst nur die Musik kann. Landschaftssequenzen werden hierbei so eingefügt, dass sie durch ihren Gesamtablauf bzw. den genauen Einsatz ähnlich wie das gesprochene Wort wirken.

Ein aufeinanderfolgender Schnitt solcher Passagen sollte eine Art synchrone Gleichzeitigkeit gegenüber anderen Teilen bzw. Bilder eines Filmes darstellen.

Das heißt dass Bildformen die Aufgabe der Musik „ablösen“ sollte. In Eisensteins POTEMKIN wäre dies der Fall. Die Landschaft wurde also als Ausdrucksmittel in die Handlung und Dramaturgie eines Filmes miteingebunden. Beispielsweise wurde anhand verschiedener Einstellungen die langsame Bewegung eines schweren Nebels imitiert im Gegensatz dazu neigen Sonnenstrahlen Hoffnung und Erwartung auszudrücken. Oder die aufschwappenden Wellen welche sich am Anfang, als das Schiff aufbricht, an den Felsen brechen.

Die Landschaft ist auf verschiedenste Art und Weise in den Film eingebunden. Das kann als Auftakt oder Eröffnung für eine Szene sein (Vgl.: DA Schockmomente in Filmen Szene Shining, 1.Einstellung Hotel in den Bergen) oder sie ist in den unmittelbaren Handlungsablauf integriert (vgl. verschiedene Bergeinstellungen „Mountain St.Helias“, „7 Jahre Tibet“ etc.) Auch der Film „Nebel von Odessa“ beinhaltet Szenen, in welchen musikalische Stimmung ausschließlich mit Mitteln der Landschaft erzeugt wird.

Hier deutet Eisenstein auf die Eigenschaft „Musik für die Augen“ hin. Das heißt dass zB. „Nebel von Odessa“ ein Bindeglied zwischen reiner Malerei und der Musik bzw. Ton/Bild Synthesen ist.

Er weißt hier auch auf die ostasiatische Kunst sowie Chinesische Schriftzeichen hin. Für ihn repräsentiert Kunst aus dem Ostasiatischen Raum die Eigenheiten, früherer Entwicklungsphasen unterschiedlicher Kunstgattungen, auf anschauliche Weise.

Mit dem Ruckgriff auf das „Primitive“ sollte sich die Filmkunst von der abendländischen Kunsttradition befreien und ein eigenes Fundament schaffen.

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Details

Titel
Über Sergej M. Eisenstein - "Jenseits der Einstellung"
Autor
Jahr
2011
Seiten
5
Katalognummer
V187947
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dramaturgie, Bildschnitt, Kameratechnik, Film
Arbeit zitieren
Dipl.Ing. - MSc Jürgen Eppinger (Autor), 2011, Über Sergej M. Eisenstein - "Jenseits der Einstellung", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187947

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