Ergonomie, Anthropometrie und Funktionsmaße


Ausarbeitung, 2010

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Anthropometrie und Ergonomie

3 Ergonomie in der Küche
3.1 Räume und Höhen in der Küche
3.2 Anordnungen

4 Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Geschirr in Unterschränken ist schwer zu erreichen, Türen sind im Weg, weil sie zur falschen Seite geöffnet werden. Dies sind nur einige Probleme, mit denen eine Person konfrontiert werden kann, wenn sie in einer Küche arbeitet, die ohne arbeitstechnische, ergonomische Überlegungen geplant wurde (Bayer et al. 2006: 12). Zunächst wird einführend auf die Begrifflichkeiten der Anthropometrie und Ergonomie eingegangen, um Grundlagen für die folgenden Darstellungen zu schaffen.

Darauf aufbauend stellt sich die Frage, ob ergonomische Überlegungen die Arbeit im Haushalt und insbesondere in der Küche erleichtern können bzw. wie diese umgesetzt werden müssen, um ein bedienerfreundliches Umfeld zu erhalten. Dies wird anhand von Bewegungsräumen, Greif- und Arbeitshöhen sowie abschließend der Küchengestaltung d.h. anhand des Aufbaus und Anordnung von Kücheninstallationen, Geräten und Inventar beschrieben.

Diese Arbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der Schwerpunkt liegt auf anthropometrisch begründeten ergonomischen Überlegungen in der Küche. Dieser Schwerpunkt wurde gewählt, da Küchen besonders stark genutzt werden. Kochen, Spülen, Essen, Wohnen und zusätzliche haushälterische Aktivitäten werden hier verrichtet, die diesen Raum, abgesehen vom Schlafraum, zum zeitlich meistbewirtschafteten Raum in Haushalten machen (Grandjean, 1976: 170).

2 Anthropometrie und Ergonomie

Die Struktur von Räumen umfasst die ergonomische Auslegung und Anpassung der Beziehung zwischen arbeitenden Menschen und den Elementen des Arbeitssystems, so dass daraus folgend Abmessungen und Anordnungen festgelegt werden. Dabei sollte die Art der Tätigkeit berücksichtigt werden, um damit eine manuelle und visuelle Zugänglichkeit für die Person im Rahmen ihrer Körperhaltungen und -bewegungen zu ermöglichen. Zum Anderen werden die Abmessungen und Anordnungen von den Maßen und Maßverhältnissen des Menschen bestimmt, die individuell variabel sein können. Diese Körpermaße werden in zwei Gruppen unterteilt. Das sind zum einen die räumlichen Begrenzungsmaße, die sich aus Skelett- und Umrissmaßen des menschlichen Körpers ergeben und zum anderen Funktionsmaße des menschlichen Körpers, z.B. Bewegungsräume. Da die menschlichen Bewegungen häufig sehr komplex und zusammengesetzt sind, werden Funktionsräume angegeben. Einige bedeutende Funktionsräume stellen die Sicht-, Greif- und Bewegungsräume dar. Anthropometrische Einflussfaktoren auf die Körpermaße sind Alter, Geschlecht und Bevölkerungsgruppe. Von der Körpergröße werden andere Körpermaße über Proportionen abgeleitet (Schlick et al. 2010: 1028ff.). Das Deutsche Institut für Normung hat 56 Körpermaße in der DIN 33402-2 herausgebracht. 90% der Bevölkerung fallen in den Normbereich, fünf Prozent der höchsten Werte und fünf Prozent der kleinsten Werte werden nicht berücksichtigt (Bayer et al. 2006: 8; Schlick et al. 2010 :1031f.).

Zusammenfassen lässt sich diese "Lehre von Maßen, Maßverhältnissen und der Messung des menschlichen Körpers" als Anthropometrie, die die wissenschaftliche Grundlage für die ergonomisch-räumliche Gestaltung von Arbeitssystemen ist (Schlick et al 2010: 1028). Ergonomie leitet sich aus dem Griechischen ab, wobei ergon Arbeit und nomos Gesetz bedeutet. Ergonomie wird synonym auch als Arbeitswissenschaft bezeichnet (IEA 2000). Der Begriff Ergonomie oder „der menschliche Faktor“ beschreibt die Wissenschaft, die sich mit der Interaktion der Menschen untereinander und ihrem Umgang mit den Elementen eines Systems befasst. Ein Ergonomiker wendet nach Definition der International Ergonomics Association (IEA) die in der ergonomischen Wissenschaft aufgestellten Theorien, Prinzipien und Methoden an, um Mensch-System-Interaktionen zu analysieren und Systeme für die menschliche Nutzung zu optimieren und insgesamt eine bessere System-Performance zu erreichen (IEA 2000).

Die Ergonomie lässt sich in verschiedene Bereiche aufteilen. In dieser Arbeit wird auf die physikalische Ergonomie eingegangen, die sich mit der Anatomie des Menschen, anthropometrischen, physiologischen und biomechanischen Kriterien der physischen Aktivität auseinandersetzt (IEA 2000).

Ein weiteres Kriterium zur Gestaltung von Arbeitsystemen, Arbeitsplätzen und Räumen sind neben den physiologischen Leistungen psychologische Bedingungen (Schlick et al. 2010: 949). Ausführungen zum physiologischen Raumbedarf folgen verkürzt in Kapitel 3.1. Küchen können durch ergonomische Berücksichtigungen gesundheitsschonend sowie zeit- und platzsparend geplant werden (Bayer et al. 2006: 10). Darüber mehr in Kapitel 3. Diese Rationalisierung und Technisierung verfolgen die Ziele einer Verkürzung der Arbeitszeit und einer Erleichterung der Arbeit insgesamt, die die Arbeitszufriedenheit stärken soll (Holz-Reul 1987: 237). Verbunden mit der Technisierung ist die Hoffnung menschliche Arbeitskraft durch Maschinen zu ersetzten.

Für ärmere Haushalte, die sich eine technische Ausstattung nicht leisten können, ist die Rationalisierung des Haushalts und der Hausarbeit eine Alternative. Rationalisierung bedeutet durch eine gute Gesamtplanung unter Einbeziehung der arbeitenden Person, ihrer Aufgabe, der Haushaltseinrichtung und der Bewegungsabläufe der Person, die für die Hausarbeit aufgewendete Zeit auf ein Minimum zu reduzieren. Erfahrungen aus der Rationalisierung von Betrieben werden auf Privathaushalte übertragen (Methfessel 1987: 212). Allerdings ist die sichtbare alltägliche Versorgung nur die materiell-technische Ebene, die im privaten Haushalt durch die psycho-soziale Komponente der Versorgungshandlung ergänzt wird. Diese psycho-sozialen Komponenten beeinflussen den Arbeitsprozess und das Arbeitsergebnis, so dass Rationalisierungsstrategien der betrieblichen Praxis nicht ohne Umformung auf den Privathaushalt übertragen werden können (Methfessel1987: 219f.).

3 Ergonomie in der Küche

Die Einbauküche, wie sie heute bekannt ist, blickt auf eine langjährige Entwicklung zurück. Catherine Beecher nimmt sich 1869 Schiffskombüsen für Küchen in Haushalten als Vorbild. Christine Frederick analysiert von 1915 bis 1925 die Arbeitsschritte in der Küche und orientiert sich an den Speisewagen der Eisenbahn. Die Vorlage der Einbauküche ist die "Frankfurter Küche", die Margarete Schütte-Lihotzky für den sozialen Wohnungsbau entwirft (Bayer et al. 2006: 11).

3.1 Räume und Höhen in der Küche

Nach vorne und hinten müssen Freiräume vorhanden sein, damit die arbeitende Person nicht Gefahr läuft, anzustoßen. Denn räumliche Einschränkungen führen zu unnatürlichen Körperhaltungen und somit zu Muskelverkrampfungen (Grandjean 1973: 79). Aber wie viel Platz sollte vorhanden sein?

Im folgenden Kapitel wird der Raumbedarf des Menschen im Allgemeinen und der Raumbedarf von Installationen und Kücheninventar im Speziellen sowie bestehende Überlegungen zu Greifräumen und Arbeitshöhen beschrieben.

Der Raumbedarf eines Menschen ergibt sich aus den Funktionsflächen, das sind die notwendigen Bodenflächen, dem psychologischen Raumbedarf und dem Bewegungsraum (Grandjean 1973: 68).

Über den psychologischen Raumbedarf des Menschen liegen bisher kaum Erkenntnisse vor. Während anatomische und funktionelle Raumbedürfnisse untersucht und durch Schätzungen ergänzt werden, ist über die Beurteilung des Raumvolumens und der Proportionen wenig bekannt. Die bisherigen Untersuchungen mit einer geringen Versuchspersonenzahl ergeben, dass bei Wandproportionen von 1,5:1 das Raumerlebnis am kleinsten ist und Wandproportionen von 2:1 immer kleiner erscheinen als quadratische Räume. Es lässt sich keine Beziehung zwischen Raumgröße und Körpergröße ermitteln, eher wird vermutet, dass das individuelle Empfinden von der vertrauten Wohnung der Versuchspersonen beeinflusst wird (Grandjean 1973: 93f.).

Der Bewegungsraum lässt sich in vier Gruppen einteilen:

1. Der Bewegungsraum der Extremitäten im Sitzen oder Stehen, sowie die Radien der Extremitäten und der Radius des Rumpfes.
2. Der Bewegungsraum des menschlichen Körpers bezogen auf Installationen, also die Erreichbarkeit von Arbeitsflächen, Griffen, Knöpfen oder Ähnlichem. Hierzu zählt auch die benötigte Bodenfläche, die sogenannte Funktionsfläche, die beispielsweise den Raum darstellt, der zum Öffnen einer Schranktür benötigt wird.
3. Der Bewegungsraum des Menschen in Räumen und Durchgängen, welcher sich aus dem Gehverhalten ergibt und auch als Verkehrsfläche bezeichnet wird (Grandjean 1973: 68). Zur Ermittlung der minimalen Durchgänge sind zum einen die freie Beweglichkeit und zum anderen die Maße, die gewährleisten, dass die verkehrende Person keine Haltungs- und Bewegungsveränderung vornimmt, entscheidend. Sobald es zu keiner Korrektur- oder Anpassungsbewegung kommt, wird die Verkehrsfläche als minimaler Durchgang definiert (Grandjean 1973: 91). Ausreichend breite Durchgänge erleichtern das Bedienen von Installationen und vereinfachen den Wechsel von Körperhaltungen und somit die Arbeit insgesamt (Grandjean 1973: 152).
4. Das Bewegungsverhalten des Menschen in der ganzen Wohnung (Grandjean 1973: 68).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ergonomie, Anthropometrie und Funktionsmaße
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V187954
ISBN (eBook)
9783656116158
ISBN (Buch)
9783656116516
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ergonomie, anthropometrie, funktionsmaße
Arbeit zitieren
B. Sc. Vanessa Löhn (Autor), 2010, Ergonomie, Anthropometrie und Funktionsmaße, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187954

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