Privatisierung sozialer personaler Dienste


Ausarbeitung, 2010
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Privatisierung

3 Privatisierung der Daseinsvorsorge
3.1 Privatisierung von Gesundheit
3.2 Privatisierung von Krankenhäusern
3.3 Privatisierung im Bildungswesen

4 Probleme der Privatisierung

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Privatisierung öffentlich wahrgenommener Aufgaben

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Soziale Dienste sind Dienstleistungen, wie Kommunikation, Handel und Forschung, die sich direkt an die Bevölkerung richten und das Gemeinwohl sowie das öffentliche Interesse in den Mittelpunkt stellen. Es werden folgende sechs Teilbereiche persönlicher sozialer Dienstleistungen unterschieden: Gesundheitsbezogende Dienste, Bildung, Pflege alter Menschen, Kindertagesbetreuung, Dienste, die die Arbeitsmarktbeteiligung betreffen und ein überwiegender Teil der kulturellen Angebote (Evers, 2007, S. 295). Auf den nächsten Seiten soll einführend gezeigt werden, in welcher Art und Weise sich die öffentliche Hand aus den genannten Bereichen zurückzieht, was seit einigen Jahren der Fall zu sein scheint, denn "Der Staat bestimmt seine Rolle neu, Erste Privatisierung einer Universitätsklinik in Deutschland (...)" titelt die Fachzeitschrift "f & w führen und wirtschaften im Krankenhaus" Anfang 2006 (f & w, 2006, Titelblatt). Immer wieder wird von verschiedenen Autoren von einem zunehmenden Trend der Privatisierung berichtet, u.a. in (Evers, 2007, S. 299). Es stellt sich die Frage, wie eine Privatisierung von staatlichem Eigentum und staatlichen Aufgaben aussehen kann und welche Folgen sich daraus ergeben können. Mit diesen Themen und Fragestellungen beschäftigt sich diese Arbeit. Es besteht nicht der Anspruch auf Vollständigkeit. Einige Bereiche der persönlichen, sozialen Dienstleistungen können an dieser Stelle nicht behandelt werden. zunächst soll geklärt werden, was unter Privatisierung zu verstehen ist. Dann sollen Gesundheitsbezogene Dienste mit besonderem Augenmerk auf die Krankenhäuser und der Bereich der Bildung näher beleuchtet werden.

Dieser Schwerpunkt wurde gewählt, da große Teile der Bevölkerung, wenn nicht sogar die gesamte Bevölkerung im Laufe ihres Lebens mit dem Bildungs- und Gesundheitswesen in Berührung kommt und deshalb direkt betroffen ist.

2 Privatisierung

Privatisierung ist die "Veräußerung öffentlichen Vermögens oder seine Umwandlung in Privateigentum" (Liedtke, 2007, S. 15). Oft ist mit einer Privatisierung auch eine Deregulierung, Liberalisierung und ein Abbau öffentlicher Verantwortung verbunden (Liedtke, 2007, S. 15). Der staatliche Einfluss mit seinen Regulierungen soll in der Wirtschaft minimiert werden. Die Verantwortung wird vom Staat auf das Unternehmen übertragen, somit gibt es für ihn weniger Möglichkeiten, Vorschriften zu machen und regulierend einzugreifen (Liedtke, 2007, S. 16).

Es lassen sich folgende Formen der Privatisierung unterscheiden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Privatisierung öffentlich wahrgenommener Aufgaben Quelle: eigene Darstellung

Bei der Vermögensprivatisierung kommt es zur kompletten Veräußerung der öffentlichen Vermögensbeteiligungen an private Investoren oder Unternehmer (Liedtke, 2007 S. 17). Eine Organisationsprivatisierung liegt vor, wenn öffentliche Aufgaben und Leistungsbereiche auf eine privatrechtliche Organisationsform übertragen werden (Liedtke, 2007, S. 18). Behörden werden zu juristischen Personen und Verwaltungen privatisiert. Es folgt eine Umwandlung von Regie- und Eigenbetrieben in privatwirtschaftlich organisierte GmbHs oder Aktiengesellschaften. Die öffentliche Trägerschaft mit rechtlicher und finanzieller Durchführungskompetenz bleibt erhalten. Erhoffte Ziele einer Organisations- privatisierung sind effektivere Leistungserstellung, schnellere Entscheidungsfindung, größere Kundennähe und Renditensteigerung. Die Unternehmen sollen betriebswirtschaftlich geführt werden und sich als Konkurrenten zu privaten Unternehmen sehen (Liedtke, 2007, S. 18); (Cording, 2007, S. 20).

Von einer Aufgabenprivatisierung kann gesprochen werden, wenn: Private alle Verantwortlichkeiten und die Trägerschaft eines öffentlichen Aufgabenbereichs erhalten. Diese Form ist teilweise bei Krankenhäusern zu beobachten (Liedtke, 2007, S. 20). Eine Privatisierung der Finanzierung liegt vor, wenn öffentliches Vermögen vollständig oder teilweise an Private veräußert wird (Cording, 2007, S. 21).

Befinden sich weniger als 50 % der Anteile einer privatwirtschaftlichen Gesellschaft in privatem Besitz, wird dies als Teilprivatisierung bezeichnet, bei über 50% wird von einer Vollprivatisierung gesprochen (Liedtke, 2007, S. 20).

3 Privatisierung der Daseinsvorsorge

3.1 Privatisierung von Gesundheit

In öffentlichen Bereichen wird versucht, ökonomische Gesetze und Instrumente auf außerökonomische Sachverhalte zu übertragen. Dies wird als Ökonomisierung bezeichnet. Bei dieser Vorgehensweise wird u.a. kritisiert, dass der Mensch als homo oeconomicus gesehen wird. Es besteht die Gefahr, dass die Ökonomie zur Norm des menschlichen Zusammenlebens wird (Deppe, 2002, S. 11). Eine Ökonomisierung von Gesundheit und Krankheit kann nicht vollständig funktionieren, beides kann nicht mit einer Ware verglichen werden, die auf einem Markt gehandelt wird, da es sich um kollektive und öffentliche Güter handelt. Außerdem kann nicht verzichtet werden, d.h. Personen können sich nicht bewusst gegen Krankheiten und somit auch nicht gegen bestimmte Güter und Dienstleistungen im Gesundheitswesen entscheiden. Die Nachfrage der Konsumenten nach Gütern und Dienstleistungen wird auch durch einen Arzt definiert. Zwischen Arzt und Patient besteht ein Informations- und Kompetenzgefälle. Deshalb ist der Patient von dem Arzt abhängig und hilfebedürftig. Dies zeigt, Krankheit unterliegt nicht dem Mechanismus von Angebot und Nachfrage, so dass die Politik richtungsweisende Entscheidungen treffen muss (Deppe, 2002, S. 11).

Außerdem sollte es im Gesundheitswesen im Gegensatz zu konkurrierenden Wirtschaftsobjekten nicht um maximale Innovationen, sondern um gesundheitlich sinnvolle Innovationen, und nicht primär um die Maximierung des Absatzes, sondern um die Anwendung von qualitativ geeigneten Gütern (Rosenbrock, 2002, S. 25). Es gibt auch andere Auffassungen, denn Reiners sieht das Gesundheitswesen als einen Wirtschaftszweig, der die größte Dienstleistungsbranche darstellt und die Gesundheitspolitik als nichts anderes, als die Steuerung dieses Wirtschaftszweiges mit seinen bedeutenden Allokationsproblemen (Reiners, 2002, S. 38). Die Verteilung von Versorgung erfolgt nicht nach Nachfrage, sie sollte bedarfsgerecht und unabhängig vom sozioökonomischen Status sein. Dies wird wahrscheinlich nicht immer so bleiben, da schon debattiert wurde, ob es in der gesetzlichen Krankenversicherung unterschiedliche Leistungskataloge geben sollte und Versicherte je nach finanzieller Möglichkeit und Ansprüchen, Leistungen dazu versichern können. (Rosenbrock, 2002, S. 25). Im fünften Sozialgesetzbuch ist bereits festgeschrieben, dass Leistungen des Gesundheitswesens mit Bedacht erbracht werden sollen. So heißt es in § 2 Absatz 4 "Krankenkassen, Leistungserbringer und Versicherte haben darauf zu achten, dass Leistungen wirksam und wirtschaftlich erbracht und nur im notwendigen Umfang in Anspruch genommen werden" ( SGB V, § 2).

Was medizinisch als notwendig angesehen wird, welche Leistungen also für den Patienten erbracht werden, hängt auf der einen Seite von der Einschätzung der Ärzte ab, auf der anderen Seite wird es in SGB V § 2 festgelegt. Dort heißt es: "Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein." Leistungen, die nicht als notwendig gelten, müssen von den Versicherten getragen werden (Deppe, 2002, S. 16). Bei der Erbringung von Leistungen durch Ärzte scheint die Zufriedenheit der Patienten im Vordergrund zu stehen. Diese Zufriedenheit wird nach Meinung einiger Ärzte in erster Linie durch das Ausstellen von Rezepten erreicht. Denn zufriedene Patienten können leichter gebunden werden und es können ihnen weitere Dienste verkauft werden (Deppe, 2002, S. 17 ff.).

Im Gesundheitswesen kommt es durch Ökonomisierung und Privatisierung zu einer Mittelverknappung. Patienten, die eine hochwertigere Versorgung wünschen, als es die rationierten Leistungen zulassen, müssen sie selber zahlen. Der Patient muss in bestimmtem Umfang selbst für seine Gesundheitssicherung aufkommen. So steigen die Ausgaben der privaten Haushalte für Gesundheitsausgaben in der Zeit von 2005 bis 2007 um 5 % (Statistisches Bundesamt, 2010). Das bedeutet auch, dass Personen mehr finanzielle Eigenverantwortung auferlegt wird. Dies stellt für Personen, die dem oberen gesellschaftlichen Milieu angehören, kein Problem dar, sie können wahrscheinlich die neue Rolle erfüllen. Doch wie sieht es bei den benachteiligten Bevölkerungsgruppen aus? Sie haben einen niedrigen sozioökonomischen Status, d.h. sie verfügen über ein niedriges Bildungsniveau und somit geringe Einkommen. Dies führt dazu, dass diese Gruppe häufiger und schwerer von Erkrankungen betroffen ist und außerdem weder Ressourcen noch Kompetenzen besitzt, um etwas an dieser Situation zu ändern. Personen des unteren Milieus sind also doppelt benachteiligt und bedürfen vermehrt an zusätzlicher Information, Beratung, Vorbeugung und Therapie. Eine Unterstützung aus dem Umfeld fehlt in diesem Milieu häufig, da die ihr angehörigen Personen kaum in soziale Netzwerke eingebunden sind (Bauer, 2006, S. 21).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Privatisierung sozialer personaler Dienste
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V187957
ISBN (eBook)
9783656116134
ISBN (Buch)
9783656116493
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
privatisierung, dienste
Arbeit zitieren
B. Sc. Vanessa Löhn (Autor), 2010, Privatisierung sozialer personaler Dienste, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187957

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