Die Zauberflöte

Textbuch und dramatische Konzeption


Hausarbeit, 2005

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Gliederung:

1. Hinführung zum Thema

2. Das Textbuch der Zauberflöte – zur Geschichte und Aufbau

3. Die dramatische Konzeption der Zauberflöte

4. Zusammenfassung

5. Quellen

1. Hinführung zum Thema

Mozart erhielt 1791 von dem Textdichter und Theatermann Emanuel Schikaneder die Bitte ihm eine Zauberoper zu komponieren, den Text dazu schrieb Schikaneder selbst. Diese sollte „Zugstück“ sein, um sein Theater vor dem Zusammenbruch zu retten, denn Schikaneder war zu dieser Zeit Direktor des Freihaustheaters auf der Wieden; er wollte mit diesem neuen Singspiel seinen Konkurrenten Karl Marinelli, der ein volkstümliches Theater leitete, ausstechen. Mozart war von der Neuheit und Vielfalt der Märchenstimmung des Textes verzaubert und ließ sich nach anfänglicher Zurückhaltung völlig davon einspinnen und arbeitete auch mit Schikaneder eng zusammen.

Mozart war begeistert von dem Stoff, den Schikaneder ihm vorlegte. Dieser hatte für das Libretto auf einige Märchendichtungen, darunter Wielands „Lulu oder die Zauberflöte“, auf Praktiken der Zauber- und Maschinenkomödie sowie auf Figuren und Situationen der Altwiener Posse zurückgegriffen. In der Zusammenarbeit unterstützten und ergänzten sich Textdichter und Komponist in gegenseitigen Anregungen.

Das Ergebnis war Mozarts Meisterwerk „Die Zauberflöte“. Sie wurde am 30. September 1791 in Wien uraufgeführt, Emanuel Schikaneder selbst sang den Papageno, Mozarts Schwägerin Josefa Hofer spielte die Königin der Nacht. Der Erfolg war außerordentlich und füllte noch jahrelang Schikaneders Kassen. Mozart hingegen ging dabei leer aus, neun Wochen nach der Uraufführung starb er und wurde, da völlig mittellos, im Armengrab beigesetzt.

2. Das Textbuch der Zauberflöte – zur Geschichte und Aufbau

Schikaneder stützte sich in seinem Zaubermärchen auf die verschiedensten Vorlagen und konzentrierte sich mehr auf theatralische wirksame Effekte als auf psychologische Wahrheit der Handlungsführung. Das Textbuch zur Zauberflöte erschien zur Aufführung beim freimaurerischen Wiener Buchdrucker und Kupferstecher Ignaz Alberti.

Der Titel dieses Drucks, der Theaterzettel und Mozarts Werkverzeichnis nennen Emanuel Schikaneder als Autor. Jedoch gab und gibt es immer wieder Anzweiflungen, ob auch Schikaneder wirklich der Autor ist. Dies hängt meist mit heimlicher Missgunst durch den großen Erfolg der Zauberflöte, aber auch mit Sensationslust zusammen. Meist wird auch behauptet, dass Mozart an der Entstehung des Textbuches beteiligt war, so schreibt Schikaneder zum Beispiel 1795 „die Zauberflöte ist eine Oper, die ich mit dem seligen Mozart fleißig durchdachte“[1], aber Wolf Rosenberg zweifelt dies an, denn diese These wurde nicht belegt, wobei er aber gleichzeitig auch sagt, dass für die Gegenthese ebenso wenig Beweismaterial vorhanden ist.[2] Auch ist W. Rosenberg der Meinung, kritisch mit der Zauberflöte und vor allem mit dem Text umzugehen, wenn dies auch nicht immer im Sinne der Mehrheit der meisten Leute war, die die Zauberflöte und auch den Text immer als das Werk eines Meisters bzw. eines Genies hielten, welches nicht angezweifelt werden durfte[3]. Rosenberg aber ist der Meinung, dass man kritisch mit ihm umgehen sollte, er begründet es damit, dass sich schon der große Dichterfürst Goethe kritisch mit dem Zauberflötentext auseinander setzte. Goethe war wohl nicht so vom „Wert“ des Textes überzeugt – das Libretto war für ihn „voller Unwahrscheinlichkeiten und Späße, die nicht jeder zurechtlegen und zu würdigen wisse“ – deshalb nahm er einige Änderungen am Text vor, als es im Januar 1794 in Weimar aufgeführt wurde.[4] Er ließ zum Beispiel am Anfang Tamino nicht gegen die Schlange, sondern gegen einen Drachen kämpfen, einfach weil der Drache eine stärkere Bühnenwirksamkeit hatte und es nach Goethe wahrscheinlicher war, dass Tamino beim Anblick eines Drachen statt der Schlange in Ohnmacht fiel. Dies soll nur ein kleines Beispiel dafür sein das deutlich macht, dass man trotzdem kritisch mit dem Text umgehen sollte, zum einen weil es schon einige wie Goethe getan haben, und zum anderen nicht immer auf das hören soll was andere schon herausgefunden haben.

In der Textfassung gibt es Unterschiede zwischen dem gedruckten Libretto und Mozarts Autograph, denn Mozarts Autograph weicht in etwa 50 Fällen vom Textbuch ab: seine Fassung enthält kleinere Zusätze bzw. Veränderungen, aber auch gravierende Striche, welche Texte betreffen, die zu banalem Moralisieren neigen. Auch schließt er Momente aus, die zu ungeeigneter Zeit die Handlung und die Dramatik hemmen – er vermeidet es, dass ein bereits gesteigertes Interesse am Handlungsablauf moralisierende Einschübe zu sehr in den Vordergrund und ins dramatische Zentrum rückt. Das Original-Libretto der Zauberflöte ist in bayerisch- österreichisch gefärbtem Deutsch verfasst, 1970 wurde es im Rahmen der Neuen Mozart Ausgabe neu editiert. Dabei mussten Kompromisse zwischen der Dialektnähe und einem modernen Ansprüchen gerecht werdenden Schriftbild eingegangen werden. Zum Beispiel wird das im Süddeutschen häufig abfallende „e“ durch Verwendung der Apostrophe kenntlich gemacht. Satzbau und Wortformen wurden streng von Mozart übernommen. Im Großen und Ganzen wurde versucht, Mozarts Sprache der heutigen so gut wie möglich anzugleichen.[5] Abweichungen treten auch auf wegen Fehlern beim Satz des Textbuches, zum Beispiel hat Mozart in der Introduktion den Satz ergänzt: „Stirb Ungeheuer, durch unsre Macht“ und in der Musiknummer 21 den Vers von Tamino: „ ich wage den kühnen Lauf“. Es gibt auch gewisse Stellen im Textbuch, die Mozart nicht komponiert hat, zum Beispiel im ersten Finale vier Verse von Pamina und Papageno: „Die Wahrheit ist nicht immer gut, weil sie den Großen wehe tut; doch wär sie allezeit verhasst; so wär mein Leben mir zur Last.“, und auch am Ende von Papagenas und Papagenos Duett hat Mozart die letzten Verse nicht komponiert. Zwischen Partitur und Textbuch gibt es geringe Abweichungen in Bezug auf Sprecher und Priester.[6]

Die Entstehung des Textbuches zur Zauberflöte geht auf viele Quellen, derer sich Schikaneder bedient hat, zurück. Schikaneder hat sich am meisten aus der Märchensammlung „Dschinnistan, oder auserlesene Feen- und Geistermärchen, teils neu übersetzt und umgearbeitet“ – erschienen in 3 Bänden von 1786-1789 – bedient.

Auch die Geschichte „Lulu oder die Zauberflöte“ diente vor allem als thematisches Vorbild für den Text. In dem Märchen geht es um den Prinzen Lulu der von einer Fee eine Zauberflöte und einen Zauberring erhält, um die Prinzessin Sidi – die Tochter der Fee und des Königs von Kaschmir – aus den Händen eines bösen alten Zauberers zu befreien. In der Zauberflöte hatte Schikaneder die Rollen der Figuren vertauscht: die gute Fee machte er zur nächtlichen, Sternflammenden Königin, aus dem bösen Zauberer wurde das lichte Prinzip, das Symbol der Weisheit, Güte und Menschlichkeit. Die Ereignisse im Text wandelte er einfach um: das ethisch indifferente Prinzip des 1. Aktes wurde in Helligkeit und Dunkelheit zerlegt.

Schikaneder übernahm auch die Zauberflöte aus dem Märchen, mit welcher man schon da wilde Tiere und den bösen Zauberer besänftigen konnte.[7]

Weitere Quellen die Schikaneder benutzte waren der Roman „Sethos“, mit seiner ägyptischen Mystik, worauf später noch eingegangen wird. Auch benutzt hat er das Märchen „Die drei Knaben“: Hier hat er die Figuren für die Zauberflöte übernommen, er ließ sich von dem Märchen inspirieren, denn er übernahm die 3 Tempel (Natur, Vernunft, Weisheit), welche in der Zauberflöte eine zentrale Rolle spielen, von den 5 Tempeln aus den drei Knaben. In dem Märchen geht es um einen Hirten, der die drei weisen Knaben um Rat und Hilfe bittet, weil ein Zauberer seine Geliebte entführt hat. Hier findet sich eine Parallele zur Zauberflöte, denn auch da nehmen die 3 Knaben eine Art Beraterfunktion ein.[8] Ein weiteres Werk, welches Schikaneder beeinflusste, war das Singspiel: „Kaspar, der Fagottist“, welches wie die Zauberflöte eine Zauberoper war. Das Personenverzeichnis von Kaspar der Fagottist, entspricht genau dem der Zauberflöte, zwar mit unterschiedlichen Namen, aber die Bedeutung ist nahezu gleich.[9] Es wurde von Schikaneders Konkurrenten Karl von Marinelli im Juli 1791 im Theater der Leopoldstadt erstmals aufgeführt. Oft wurde angenommen, dass durch die deutliche Nähe zur Zauberflöte, Mozart und Schikaneder das dramaturgische Konzept der Zauberflöte, komplett umzuwerfen, sogar ins Gegenteil umkehren mussten. Jedoch wurde diese These widerlegt zum einen durch Herrmann von Waltershausen in einer Studie über die Zauberflöte, zum anderen durch Mozart selbst, der das Kasper-Singspiel selbst besucht hatte und dann den Ausspruch tätigte: „Ich ging dann, um mich aufzuheitern, in die neue Oper „Der Fagottist“, die so viel Lärm macht, aber gar nichts daran ist.“ (Brief vom 11. Juni 1791). Durch diese Aussage muss man feststellen, dass nichts an der vorangegangenen These dran ist und wie schon mal oben erwähnt wurde, teilweise durch Legendenbildung, Missgunst entstanden ist.

[...]


[1] Schikaneder, a.a.O., S. 359.

[2].Siehe Rosenberg, Wolf: Mozarts Rache an Schikaneder, in: Musik-Konzepte, S.3.

[3] Nach ebd.

[4] Siehe ebd., S.4.

[5] Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte KV 620.

[6] Nach Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte KV 620 Seite 85-86.

[7] Nach Greither Aloys, Die sieben großen Opern Mozarts, Seite 189-190.

[8] Nach Greither Aloys, Die sieben großen Opern Mozarts, Seite 191.

[9] Vgl. Kunze Stefan, Mozarts Opern, Seite 580.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Zauberflöte
Untertitel
Textbuch und dramatische Konzeption
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V187983
ISBN (eBook)
9783656118053
ISBN (Buch)
9783656132707
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mozart, Zauberflöte, Textbuch, Oper, dramatische Konzeption
Arbeit zitieren
Toni Holzfuß (Autor), 2005, Die Zauberflöte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187983

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