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Barthes, Foucault und der "Tod des Autors"

Hintergründe und Differenzen einer Debatte

Titel: Barthes, Foucault und der "Tod des Autors"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 35 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Tom Gärtig (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Allgemeines
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Roland Barthes und Michel Foucault teilen den theoretischen Rahmen des Strukturalismus, institutionelle Gegebenheiten, sowie ihren Anspruch auf Aktualität, Originalität und intellektuelle Beweglichkeit, der im strukturalistischen Umfeld als charakteristisch gelten kann. Wenn man sie aber als eigenständige Akteure betrachtet, die ihre Beiträge zur Debatte in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen platzieren und individuelle rhetorische Strategien verfolgen, wird deutlich, dass der „Tod des Autors“ nicht als ein gemeinschaftlich erarbeitetes und von vornherein poststrukturalistisch orientiertes Konzept aufgefasst werden kann. Die Rede vom „Tod“ oder „Verschwinden des Autors“ ist vielmehr ein Übergangsphänomen, das zu einer Zeit aufkommt, in der sowohl Barthes, als auch Foucault wichtige Umbauten an ihren Theorieprojekten vornehmen. Erst durch die spätere Rezeption werden beide Beiträge mit einem gemeinsamen Schlagwort versehen. Gerade aber Foucault ist mit einigem Aufwand darum bemüht, sich der Gefahr einer solchen Summierung zu entziehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einordnung der Debatte

2.1 Der „Tod des Autors“: Ein poststrukturalistisches Theorem?

2.2 Barthes, Foucault und die „Generation des Strukturalismus“

2.3 Barthes und die „alte Kritik“

3 Charakterisierung der Akteure

3.1 Quereinsteiger und Provokateur: Roland Barthes

3.2 Vermittler mit „klassischer“ Laufbahn: Michel Foucault

4 Genre und Ort

4.1 Barthes „Essay-in-a-box“ und das Aspen Magazine

4.2 Vorläufiges Nachdenken: Foucaults Vortrag am Collège de France

5 Barthes Provokation: Der Tod des Autors

5.1 „Vorgeschichte der Moderne“: Periodisierung und Selbstverortung

5.2 Das hintergründige Rauschen anderer Stimmen

5.3 Reichweite und Konsequenz des Postulats

6 Foucaults Kritik: Was ist ein Autor?

6.1 „All das ist bekannt“ – Neupositionierung Barthes

6.2 Blockaden: Werk-Begriff und écriture

6.3 Autorfunktion und Selbstbezug

7 Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die theoretischen Hintergründe und Unterschiede der Debatte um den „Tod des Autors“, wie sie von Roland Barthes und Michel Foucault in ihren einflussreichen Texten geführt wurde. Ziel ist es zu hinterfragen, ob diese Beiträge tatsächlich als geschlossenes, gemeinsames poststrukturalistisches Projekt zu verstehen sind oder ob sie unterschiedliche strategische Ziele und Kontexte verfolgen.

  • Kritische Einordnung des Begriffs „Poststrukturalismus“ im historischen Kontext der 1960er Jahre.
  • Analyse der unterschiedlichen institutionellen Hintergründe und rhetorischen Strategien von Barthes und Foucault.
  • Untersuchung der spezifischen Publikationskontexte, wie des Aspen Magazine und des Collège de France.
  • Vergleich der inhaltlichen Argumentationen zum „Tod des Autors“ und zur Autorfunktion.
  • Darstellung der wechselseitigen Beeinflussung und Abgrenzung zwischen den beiden Denkern.

Auszug aus dem Buch

4.1 Barthes „Essay-in-a-box“ und das Aspen Magazine

Barthes’ Essay provoziert nicht nur hinsichtlich seiner Thesen den etablierten Wissenschaftsbetrieb, sondern auch durch Form und Sprache. Denn wie Wolfgang Müller-Funk betont, stelle der Essayismus eine Herausforderung besonders für Wissenschaft und Philosophie dar, da er deren umfassenden Wahrheitsanspruch in Zweifel ziehe und diesem Anspruch zugleich einen eigenen entgegen setze. Indem er permanent vermeintliche Gewissheiten anzweifle, zeige sich sein parasitärer und damit paradoxer Charakter: Die Arbeit an der Auflösung jener klassischen Diskurse, von denen er lebt. Dabei unterliege er keiner ausgefeilten wissenschaftlichen Systematik, sondern könne seinen Gegenstand frei von objektivierenden Ansprüchen experimentell betrachten und sich an ihm ausprobieren. Die „unabgeschlossene Vorläufigkeit“ des essayistischen Denkens kann als charakteristisch für Barthes Schreiben gelten.

In der Tat ist der von Barthes verkündete „Tod des Autors“ – stellvertretend für die Kritik am universalistischen Subjektbegriff – eine Herausforderung für die humanistisch orientierte Wissenschaft und Philosophie im Frankreich der späten 1960er Jahre, zumal sich das Unerhörte in einer derart zwanglosen Form entfaltet. Der positivistischen Wahrheit vom Autor als Fluchtpunkt aller Bedeutung wird die neue Wahrheit, nach welcher der „Tod des Autors“ zugunsten der „Geburt des Lesers“ in Kauf genommen werden muss, im dogmatischen Ton entgegengesetzt. Die „neue Wahrheit“ ist dann, so gesehen, das Ergebnis eines ungezwungenen, polemischen Nachdenkens in der Schreibform des Intellektuellen par excellence, der sich geistig frei bewegen kann; die „alte Wahrheit“ hingegen zeugt von einem unflexiblen Denken, dass sich den Zwängen vermeintlich objektiver Wissenschaftlichkeit verschrieben hat. Damit wird nicht zuletzt die herkömmliche wissenschaftliche Methodik in Frage gestellt.

Auch wenn er rigoros mit endgültigem Gestus formuliert, hält sich Barthes mit dem typischen essayistischen Denken-bis-auf-weiteres alle Türen offen. Der „Tod des Autors“ hat, gemessen an der Form seiner Äußerung, nur vorläufigen Charakter und bleibt – als Konzept verstanden – unabgeschlossen. Anders formuliert: Das Endgültige wird im Essay zu einer Möglichkeit neben anderen, zu einem „Tod des Autors“ auf Probe. Dafür spricht auch, dass Barthes nicht Zeit seines Lebens starr an dem Diktum festhält, sondern sein Verhältnis zur Subjektivität ständig neu überdenkt. Die Form des Essays bietet ihm daher beide Möglichkeiten: Provokation und konzeptuelle Offenheit.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Popularität des „Tod des Autors“-Postulats und stellt die Forschungsfrage nach den tiefergehenden Differenzen und Kontexten der Beiträge von Barthes und Foucault.

2 Einordnung der Debatte: Dieses Kapitel hinterfragt die pauschale Einordnung unter das Label „Poststrukturalismus“ und verortet die Texte stattdessen in der spezifischen strukturalistischen Debattenkultur Frankreichs der 1960er Jahre.

3 Charakterisierung der Akteure: Hier werden die unterschiedlichen wissenschaftlichen Werdegänge von Roland Barthes und Michel Foucault als entscheidende Faktoren für ihr Auftreten innerhalb der Debatte beleuchtet.

4 Genre und Ort: Dieses Kapitel analysiert, wie die Publikationsformen – ein Essay im Aspen Magazine versus ein wissenschaftlicher Vortrag am Collège de France – die Wahrnehmung der jeweiligen Thesen beeinflussten.

5 Barthes Provokation: Der Tod des Autors: Die Untersuchung zeigt Barthes’ Essay als polemische Antwort auf die „alte Kritik“ und als Teil eines multiperspektivischen Diskurses, der den Autor zugunsten des Textes auslöschen will.

6 Foucaults Kritik: Was ist ein Autor?: Foucaults Ansatz wird als Versuch einer wissenschaftlichen Problematisierung der Autorfunktion analysiert, der Barthes’ Thesen implizit korrigiert und theoretische Eigenständigkeit sucht.

7 Zusammenfassung: Das Fazit fasst zusammen, dass es kein einheitliches poststrukturalistisches Konzept gibt, sondern Barthes und Foucault als eigenständige Akteure zu sehen sind, die individuelle rhetorische Strategien verfolgen.

Schlüsselwörter

Tod des Autors, Roland Barthes, Michel Foucault, Strukturalismus, Poststrukturalismus, Literaturtheorie, Autorschaft, écriture, Collège de France, Aspen Magazine, Subjektkritik, diskursive Praxis, Literaturwissenschaft, Theoriebildung, Diskursanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch die Debatte um den „Tod des Autors“ und untersucht, inwiefern die Ansätze von Roland Barthes und Michel Foucault als gemeinsames poststrukturalistisches Projekt oder vielmehr als individuelle, strategisch motivierte Beiträge zu verstehen sind.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die theoretischen Voraussetzungen des französischen Strukturalismus, der Gegensatz zwischen essayistischer Provokation und akademisch-wissenschaftlichem Vortrag sowie die unterschiedliche Verwendung der Begriffe Autor, Text, Werk und écriture.

Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der Nachweis, dass der „Tod des Autors“ kein geschlossenes Theorem einer homogenen Gruppe ist, sondern ein Übergangsphänomen, bei dem beide Theoretiker unterschiedliche Strategien der Selbstpositionierung verfolgten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische und komparatistische Methode. Sie betrachtet die Texte im Kontext ihrer jeweiligen Entstehungsbedingungen, der institutionellen Anbindung der Autoren und der rhetorischen Anlage der Diskussionsbeiträge.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine externe Analyse der Rahmenbedingungen (Akteure, Genre, Orte) und eine interne Analyse der Texte (Barthes’ Provokation und Foucaults Kritik), wobei explizit die rhetorischen Strategien und Differenzen hervorgehoben werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Tod des Autors“, „Strukturalismus“, „Autorschaft“, „Diskursanalyse“, „Roland Barthes“ und „Michel Foucault“ definiert.

Inwiefern unterscheidet sich Barthes’ Ansatz von dem Foucaults?

Barthes nutzt den Essayismus als provokatives „Denken auf Probe“, während Foucault sein Argument in eine wissenschaftliche, reflektierte Form kleidet, um eine Distanz zu Barthes zu wahren und sich als eigenständiger Theoretiker zu positionieren.

Welche Rolle spielte das Aspen Magazine für die Rezeption von Barthes?

Die Publikation in diesem unkonventionellen, multimedialen Magazin trug maßgeblich dazu bei, Barthes’ provokante These in internationalen intellektuellen Kreisen bekannt zu machen und als zeitlos-klassisches Dokument zu inszenieren.

Warum versucht Foucault explizit, sich von Barthes abzugrenzen?

Foucault möchte theoretische Eigenständigkeit wahren. Indem er Barthes’ Thesen als „bekannt“ historisiert und sie in den Kontext eines wissenschaftlichen Diskurses einbettet, vermeidet er, lediglich als Erweiterer von Barthes’ Position wahrgenommen zu werden.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Barthes, Foucault und der "Tod des Autors"
Untertitel
Hintergründe und Differenzen einer Debatte
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Aufklärung und Postmoderne
Note
1,7
Autor
Tom Gärtig (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
35
Katalognummer
V188006
ISBN (eBook)
9783656117353
ISBN (Buch)
9783656132080
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Barthes Foucault Tod des Autors Literaturtheorie Strukturalismus Postmoderne Poststrukturalismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tom Gärtig (Autor:in), 2010, Barthes, Foucault und der "Tod des Autors", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188006
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  35  Seiten
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