Die Wunderheilungen Vespasians in Alexandria

Legitimation eines Kaisers


Seminararbeit, 2011

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Geschichtliche Hinführung

III. Die Darstellung der von Vespasian vorgenommenen Heilungen

IV. Bedeutung von Ort, Gottheit
IV. 1 Der Ort: Alexandria
IV. 2 Gottheit: Serapis

V. Analyse der Heilungsbegebenheit
V. 1 Die möglichen Strategen
V. 2 Die Wahrnehmung der Begebenheit

VI. Zusammenfassung

VII. Quellen- und Literaturverzeichnis
VII. 1 Quellen
VII. 2 Literatur

I. EINLEITUNG

„Wunderheilungen gehören mehr in den Bereich der Psychologie als der Medizingeschichte“[1] ist die Feststellung, die Bengtson in seiner Geschichte der Flavier zu den Wunderheilungen Vespasians in Alexandria macht.

Mit vorliegender Hausarbeit möchte ich aber weder den Aspekt der Psychologie eingehend beleuchten, noch auf die Medizingeschichte eingehen, sondern vielmehr auf den Grund, wieso und wie es dazu kam, dass von Vespasian derartige Erzählungen auftauchen.

Vespasian war ein völliger Neuling, der zu Beginn nichts vorzuweisen hatte. Zudem löste er eine Dynastie ab, deren Begründer Augustus alle anderen Versuche, eine neue Dynastie zu etablieren in den Schatten stellen musste. Und dennoch gelang es Vespasian, diese Herausforderung, neben anderen, erfolgreich zu meistern.

Die Frage die sich dabei stellt, ist: Wie wird das gemacht, wie schafft man es, einen Neuankömmling in der höchsten Politik soweit zu profilieren, dass er allgemein anerkannt ist, sich als Kaiser etabliert und sogar eine neue Dynastie letztendlich gründet? Der Kaiser musste außergewöhnliche Fähigkeiten besitzen, sonst könnte ihm bald ein anderer seine Stellung als primus inter pares streitig machen. Dargestellt wurde in diesem Fall bei Vespasian die außergewöhnliche Fähigkeit als die einer transzendenten Verbindung zur Götterwelt, was die moderne Geschichtsforschung jedoch als Fähigkeit zur geschickten politischen Inszenierung (religiöser Art) einordnet.[2]

Es ist klar, dass dies nicht im gesamten Umfang, und schon gar nicht in einer Proseminarshausarbeit bearbeitet werden kann. Deshalb soll nur ein Teil des Ganzen betrachtet werden.[3] Hierzu bietet sich die Erzählung der Wunderheilungen Vespasians in Alexandria an, von der uns die drei senatorischen Schriftsteller Cassius Dio, Sueton und Tacitus berichten.

Zuerst wende ich mich dabei dem historischen Kontext zu, in den das Ereignis eingebettet ist. Dann folgt eine Synopse und inhaltliche Darstellung der drei Berichte, dem sich die Erläuterung der Bedeutung von dem Ort und Gottheit anschließt. Im Anschluss folgt die Analyse der Begebenheit bezüglich der Strategen und der Auswirkung auf die Zeitgenossen.

II. GESCHICHTLICHE HINFÜHRUNG

Vespasian wurde am17. November 9 n. Chr. in einer Familie geboren, die unbekannt und ohne besondere Vorfahren war[4]. Nach dem Vorbild seines älteren Bruders und den Wünschen seiner Mutter folgend schlug er die senatorische Laufbahn ein. Zunächst besonders militärisch sehr erfolgreich[5] zog er sich jedoch nach einer Reise als Begleiteter Neros dessen Zorn zu, sodass er sich, um sein Leben fürchtend, zurückzog. Als jedoch 66 n. Chr. der jüdische Aufstand ausbrach und ein geeigneter, aber für den schwächelnden Kaiser politisch ungefährlicher Mann, der das Kommando übernehmen konnte, gesucht wurde, war Vespasian, der militärisch Bewährte, aber ohne senatorischen Familienhintergrund, genau der Richtige[6].

Dort kämpfte er erfolgreich, bis Nero Selbstmord beging und der Kampf um die Nachfolge begann; hier hielt Vespasian ein und wartete die politischen Ereignisse ab. Letztendlich kam ihm dann seine politische Unbelastetheit, die er auch hier wahrte, zugute.

Die Kaisererhebungen der damaligen Zeit zeigten, „dass man auch außerhalb von Rom zum Kaiser gemacht werden konnte“[7]. Auch Vespasian wurde außerhalb Roms zum Kaiser ernannt, und zwar als erstes durch die Legionen des Tiberius Alexanders, dem Praefekten von Ägypten, der sie am 1.Juli 69 n. Chr. den Eid auf Vespasian schwören ließ (was später als dies imperii gelten sollte), am 11.Juli sein eigenes Heer.[8] Mucianus kämpfte dann auch gegen Vitellius für Vespasian, dieser „setzte inzwischen nach Alexandria über, um die Schlüsselpositionen von Ägypten fest im Griff zu haben“[9], was sich auf die Funktion Ägyptens für das ganze römische Reich als Kornkammer bezieht. An dieser Stelle setzen nun Sueton und Tacitus mit ihren Wundererzählungen ein.

III. DIE DARSTELLUNG DER VON VESPASIAN VORGENOMMENEN WUNDERHEILUNGEN

Vespasian befand sich nun in Alexandria mit dem Bedarf sich als neuer Kaiser zu legitimieren und seiner neuen Stellung entsprechend zu profilieren, wie Sueton es einleitend zu seiner Beschreibung der Ereignisse in Alexandria ausdrückt: „Ansehen und, man möchte sagen, eine gewisse Größe fehlten ihm als Kaiser noch, was ja verständlich ist, da er unerwartet und eben erst Herrscher geworden war. “[10]

Vespasian hatte als neuer Kaiser nichts außer dem militärischen Reich vorzuweisen, alles andere musste er sich nach Herrschaftsantritt erarbeiten. Wie alle anderen Kaiser nach Augustus, die versuchten, aus dessen Schatten herauszutreten; aber noch mehr, da er nicht von Augustus selbst abstammte, musste er Wege und Mittel suchen, die auctoritas, von der Augustus am Ende seines Lebens stolz schreibt: „Seit dieser Zeit überragte ich zwar alle an Einfluss und Ansehen, Macht aber besaß ich hinfort nicht mehr als diejenigen, die meine Kollegen in irgendeinem Amt gewesen sind.“[11], zu erlangen.

Die Mittel konnten nicht beliebig gewählt und eingesetzt werden, sollten aber möglichst medienwirksam sein. Auf legitimierende Vorfahren konnte Vespasian, wie bereits erwähnt - im Gegensatz zu Augustus - nicht zurückgreifen. Es bedurfte dennoch einer Strategie, um die Herrschaft Vespasians zu begründen.[12] Dass dies aus Suetons Sicht gelang, wird in dem sich direkt an die Feststellung, dass Vespasian anfangs auctoritas fehlte, anschließenden Satz „Diese Eigenschaften erwarb er sich aber noch.“[13] deutlich. Er schildert das Ereignis, das sich während Vespasians Aufenthalt in Alexandria ereignet hatte wie folgt: Zwei Menschen aus dem Volk wenden sich an Vespasian, beiden soll Serapis im Schlaf gezeigt haben, dass er sie heilen könne: der eine würde sehend indem er die Augen mit seinem Speichel bestreiche, der andere wieder gehend, wenn er die lahmen Beine mit seiner Ferse berühre. Nachdem seine Freunde ihn ermutigen, da er an seinen Heilungsfähigkeiten zweifelt, berührt er sie vor versammeltem Volk und die zwei Bittsteller werden geheilt.[14]

Tacitus schildert das Ereignis noch ausführlicher: Bei ihm handelt es sich aber um einen Blinden und einen, der eine behinderte Hand hat; Vespasian fragt bevor er heilend handelt erst Ärzte um Rat, ob der Fall aussichtsreich sei und der Bericht endet mit der Bemerkung: „Beide Geschichten erzählen Augenzeugen auch jetzt noch, wo doch eine lügenhafte Darstellung keinen Gewinn mehr brächte“.[15]

Auch Cassius Dio berichtet von Vespasians Heilungen, allerdings kürzer und mit der Erwähnung von dem Spott und Hohn, den die Alexandriner kurz nach dem Ereignis nur noch für den neuen Kaiser übrig hatten, da er zu ihrem Ärger danach die Steuern erhob.[16]

[...]


[1] Bengtson , Herrmann, Die Flavier: Vespasian, Titus, Domitian, Geschichte eines römischen Kaiserhauses, München 1979, S.60-62

[2] Jüngst Pfeiffer, Stefan, Der römische Kaiser und das Land am Nil – Kaiserverehrung und Kaiserkult in Alexandria und Ägypten von Augustus bis Caracalla (30 v. - 217 n-. Chr.); Stuttgart 2010, S.108-118

[3] Zur ausführlichen Betrachtung der Legitimationsstrategien sei von Kramer, Norbert, Die Flavier und das Reich, in: Tradition und Erneuerung - Mediale Strategien in der Zeit der Flavier Hrsg.: Norbert Kramer und Christiane Reitz, Berlin 2010 empfohlen.

[4] Gaius Suetonius Tranquilus, De vita Caesarum, hg. und übers. von Hans Martinet, Düsseldorf/Zürich 2006, I 1: gens Flavia, obscura...ac sine ullis maiorum imaginibus.

[5] Dies zeigt sich bei der Eroberung Britanniens (vgl. Suet. Vesp. I 2).

[6] Vgl. Flavius Josephus, De bello Judaico, hg. und übers. von Heinrich Clementz, Leipzig 1985, 3-7.

[7] Henrichs, Albert, Vespasian´s Visit to Alexandria, ZPE III), 1968, S. 52.

[8] Vgl. Suet. Vesp. I 6.

[9] Suet. Vesp. I 7: interim Alexandriam transiit, ut claustra Aegypti optineret.

[10] Suet. Vesp. I 7.2: Auctoritas et quasi maiestas quaedam ut scilicet inopinato et adhunc novo principi deerat.

[11] Augustus, Res Gestae Divi Augusti, hg. und übers. von Ekkehard Weber, München 1989, 34: Post id tempus auctoritate omnibus praestiti, potestatis autem nihilo amplius habui quam ceteri, qui mihi quoque in magistratu conlegae fuerunt.

[12] Vgl. Kramer 2010, S. 313f.

[13] Suet.Vesp. I 7.2: haec quoque accessit.

[14] Ebd. I 7.

[15] Cornelius Tacitus, Historiae, hg. und übers. von Joseph Borst, Mannheim 2010, IV 81.

[16] Vgl. Cassius Dio, Römische Geschichte, hg. und übers. von Otto Veh, Düsseldorf 2010, LXVI 8.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Wunderheilungen Vespasians in Alexandria
Untertitel
Legitimation eines Kaisers
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik)
Veranstaltung
Proseminar "Die Flavier"
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V188014
ISBN (eBook)
9783656118022
ISBN (Buch)
9783656131069
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Flavier, Vespasian, Legitimation, Alexandria, Wunderheilungen
Arbeit zitieren
Jennifer Günter (Autor), 2011, Die Wunderheilungen Vespasians in Alexandria, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188014

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