Die Erweiterung des Marxschen Kapitalbegriffs bei Pierre Bourdieu


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung und Darstellung des Hausarbeitsthemas

2. Der Kapital Begriff von Karl Marx
2.1 Ausgangspunkt des Kapitals
2.2 Die Warenzirkulation
2.3 Das Geld
2.4 Kapitalformen

3. Der Kapital Begriff von Pierre Bourdieu
3.1 Das kulturelle Kapital
3.1.1 Inkorporiertes kulturelles Kapital
3.1.2 Objektiviertes kulturelles Kapital
3.1.3 Institutionalisiertes kulturelles Kapital
3.2 Das soziale Kapital
3.3 Das ökonomische Kapital

4. Abschließende Gedanken

Literaturverzeichnis

1. Einführung und Darstellung des Hausarbeitsthemas

Der Begriff „Kapital“ stellt einen grundlegenden und zentralen Ausdruck der Wirtschats- und Gesellschaftswissenschaften dar. Volkswirtschaftlich versteht man unter Kapital die Gesamtheit aller produzierten Produktionsmittel und die dazu n ö tigen Produk tionsfaktoren. Betriebswirtschaftlich meint der Begriff den in der Bilanz eines Unter nehmens ausgezeichneten Wert des Gesamtverm ö gens, unterteilt in Eigen- und Fremd kapital. (vgl. Endruweit 1989, S.322)

Dies sind nur zwei der möglichen Bedeutungen des Wortes Kapital. Doch nicht nur das Verständnis dieses Wortes ist in unterschiedlichen Theoriebereichen ein anderer. In der Moderne begegnen uns täglich neue Formationen dieses Ausdrucks. Worte, wie Hu mankapital, wertsch ö pfendes Kapital und das Kapitalgut Gesundheit, trifft man täglich in Zeitungen und andreren Medien an. Der Begriff des Kapitals stellt sich folglich als sich stetig inhaltlich und formal wandelnder dar.

Betrachtet man den Ablauf der dazugehörigen Theoriegeschichte, lassen sich ebenfalls unterschiedliche Akzentuierungen ablesen. Karl Marx beispielsweise macht das Kapital zum Mittelpunkt seines gleichnamigen 1867 erschienen Werks. Pierre Bourdieu greift später diesen zentralen Begriff von Marx auf und erweitert ihn um zwei inhaltliche Fa- cetten.

Wie sich genau der Begriff des Kapitals bei Karl Marx darstellt und wie Pierre Bourdieu ihn später versteht und ausweitet, möchte ich in dieser Arbeit darlegen.

2. Der Kapital Begriff von Karl Marx

Karl Marx veröffentlichte im Jahr 1867 den ersten Band seines Werkes „Das Kapital“. Der Grundgedanke dieser Schrift ist, dass alle historischen Ereignisse aus „der materiel- len Produktion des Lebens empirisch erklärt werden“ (Berger 2004, S.12) müssen, denn diese beeinflusst die Wahrnehmung und die Verarbeitung der Wirklichkeit nachhaltig. Die politischen Ziele die in diesem Werk propagiert werden, sind vor allem aus dem „Manifest der Kommunistischen Partei“ übernommen, welches Karl Marx zusammen mit Friedrich Engels verfasste. Hintergrund dieser Arbeit war es die politischen Postula- te der Arbeiterbewegung durch Konklusionen aus historischen Ereignissen zu bekräfti- gen. Daraus resultierende Forderungen sind die Erzielung größerer Verteilungs- gerechtigkeit durch Abschaffung des Erbrechts, des Grundeigentums und des Ein- kommens ohne Arbeit. Basis dafür stellt für Marx und Engels der Ausbau des Trans- port- und Kreditwesens und die Kultivierung von Land dar. (vgl. Berger 2004, S.16)

Den Kapitalbegriff entwickelte Karl Marx in diesem Zusammenhang aus der Zirkulati- on von Geld - Ware - Geld. Der Zweck dieser Zirkulation ist die Vermehrung des Geldes in noch mehr Geld. (vgl. Fuchs-Heinritz 1994, S.325)

2.1 Ausgangspunkt des Kapitals

Die Voraussetzungen zur Entstehung des Kapitals sind für Karl Marx die Waren- produktion und die entwickelte Warenzirkulation, also der Handel. Dabei tritt historisch gesehen „das Kapital dem Grundeigentum überall zunächst in der Form von Geld […] als Geldvermögen, Kaufmannskapital und Wucherkapital“ (Marx 1977a, S.161) gegen- über. Dieser Prozess realisiert sich bis heute dadurch, dass jedes neue Kapital zunächst als Geld den Markt1 betritt. Dieses Geld soll sich dann durch bestimmte Prozesse in Kapital verwandeln. Das letzte Produkt der Warenzirkulation ist das Geld und damit gleichzeitig die erste Erscheinungsform des Kapitals. (vgl. Marx 1977a, S.161)

„Das Kapital muss gleichzeitig in der Zirkulation entspringen und nicht in ihr entspringen“ (Marx 1977a, S.180). Für Marx stellt sich der Ausgangspunkt der Transformation von Geld in Kapital als Austausch von Äquivalenten dar. Dabei muss eine Kapitalbildung möglich sein, auch wenn der Warenpreis dem realen Warenwert entspricht. Weicht der Preis vom wirklichen Wert ab, so muss dieser erst auf den wirklichen Wert reduziert werden, um das Phänomen der Kapitalbildung auf Basis des Warenaustausches erklären zu können. (vgl. Marx 1977a, S.180)

Die Rolle des Kapitalisten bzw. des Geldbesitzers charakterisiert sich für Marx darin, dass dieser die Ware zu ihrem Wert kauft, wieder verkauft und zum Schluss trotzdem mehr Wert erzielt, als er zuvor investierte. (vgl. Marx 1977a, S.181) Der Wert einer Ware ist bestimmt durch das „Quantum der in ihr enthaltenen Arbeit“ (Marx 1977a, S.224). Dieses Quantum ist seinerseits gesellschaftlich bestimmt.

2.2 Die Warenzirkulation

Die Warenzirkulation bildet den Ausgangspunkt des Kapitals. Marx unterscheidet zwei Formen der Warenzirkulation. Zum einen die „Verwandlung von Ware in Geld und die Rückverwandlung von Geld in Ware, verkaufen, um zu kaufen“ (Marx 1977a, S.162) und zum andreren die „Verwandlung von Geld in Ware und die Rückverwandlung von Ware in Geld, kaufen, um zu verkaufen“ (Marx 1977a, S.162). Geld, das der letzteren dieser beiden Zirkulationen folgt, wird zu Kapital. Es ist bereits seiner Bestimmung nach schon Kapital. (vgl. Marx 1977a, S.162)

Die Zirkulation von Ware und Geld repräsentiert für Marx also die grundlegende Ver- kehrsform der gesamten Ökonomie, d.h. die Wirtschaft scheint nur durch Kauf und Verkauf charakterisierbar. Es findet also eine Reduktion der Wirtschaft auf die Warenzirkulation statt. (vgl. Heinrich 2005, S.79)

Den Zweck der einfachen Warenzirkulation, also der Verkauf für den Kauf, sieht Marx in der Befriedigung von Bedürfnissen. Die Zirkulation des Geldes hingegen als Kapital erfüllt für ihn einen Selbstzweck. Denn „die Verwertung des Wertes existiert nur inner- halb dieser selbsterneuerten Bewegung. Die Bewegung des Kapitals ist daher maßlos“ (Marx 1977a, S.167).

2.3 Das Geld

„Geld als Geld und Geld als Kapital unterscheiden sich zunächst nur durch ihre ver- schiedene Zirkulationsform“ (Marx 1977a, S.161). Durch die kapitalistische Pro- duktion kann Geld in Kapital verwandelt werden. Durch diese Verwandlung wird aus dem gegebenen Wert ein sich vermehrender Wert, der Profit produziert. Karl Marx ver- steht das profitproduzierende Kapital, als die Befähigung des Kapitalisten sich „ein be- stimmtes Quantum unbezahlter Arbeit, Mehrprodukt und Mehrwert, aus den Arbeitern herauszuziehen und sich anzueignen“ (Marx 1979, S.350)2. Das Geld erhält dadurch neben seinem Gebrauchswert als Geld einen zusätzlichen Zweck, nämlich als Kapital zu fungieren. Sein Gebrauchswert ist dann Profit in Kapital zu verwandeln. Marx sieht dabei das Kapital als Kapital als bloße Ware an. (vgl. Marx 1979, S.351)

Das Geld selbst stellt die Ware dar, die Eigens oder durch Stellvertreter, als Wertmaß und damit auch als Zirkulationsmittel fungiert. (vgl. Marx 1977a, S.143) Er unterscheidet drei Funktionen des Geldes. Die Erste ist ein Maß für den Wert eines Produktes zu sein, das heißt der Wert einer Ware wird durch eine bestimmte Menge Geld ausgedrückt. Diese Menge ist der Preis. (vgl. Heinrich 2005, S.62f) Die zweite Funktion ist die des Zirkulationsmittels. Als solches vermittelt Geld den wirklichen Austausch von Waren. Explizit bedeutet dies beispielsweise, dass ein Hand- werker sein handwerklich geschaffenes Produkt verkauft und sich für die dafür erzielte Menge an Geld beim Bäcker Brot und beim Fleischer Wurst kauft. Marx Grundidee der „Metamorphose der Ware“ bedeutet in diesem Fall, dass sich das ursprüngliche hand- werkliche Produkt durch eine Metamorphose in Brot und Wurst verwandelt. Das Geld dient bei dieser Umwandlung als Mittel der Vermittlung, das eingesetzt wird, um den bloßen Warenaustausch weiterzuentwickeln. (vgl. Heinrich 2005, S.64f)

Erst die Kombination von Geld als Wertmaß und Geld als Zirkulationsmittel machen aus Geld wirkliches Geld. Dies stellt auch die dritte Funktion des Geldes dar, die „selbstständige Gestalt des Wertes“(Heinrich 2005, S.66). Beispielsweise bedrucktes Papier, das als Geld dient, gilt in seinem Dasein als Wertding, dass jederzeit in jede Art von Ware eingetauscht werden kann. Geld symbolisiert also Reichtum in stofflicher Form. (vgl. Heinrich 2005, S.66)

2.4 Kapitalformen

Der Marxsche Kapital Begriff stellt sich als rein ökonomischer dar. Jedoch unterschei- det Marx verschiedene Arten dieses ökonomischen Kapitals. Zwei der in seiner Theorie stark hervortretenden Unterscheidungen stelle ich im Folgenden kurz vor. Zum einen grenzt er das konstante vom variablen Kapital ab. Konstantes Kapital meint dabei den Teil des Kapitals, der sich „in Produktionsmittel, d.h. in Rohmaterial, Hilfs- stoffe und Arbeitsmittel umsetzt“ (Marx 1977a, S.223) und seine Wertgröße im Produk- tionsprozess nicht verändert. Konstant bleibt also die Wertmaße der ange-wandten Pro- duktionsmittel. Allerdings kann der Wert des Rohmaterials, sowie der Wert des Produk- tionsprozess dienender Maschinerie sich verändern, womit sich gleichzeitig auch der Wertanteil ändert, der an das Produkt abgegeben wird. (vgl. Marx 1977a, S.224f) Das konstante Kapital gibt dementsprechend einen Teil seines Wertes an das Produkt ab. Dies erfolgt in einem Verhältnis, indem es mit „seinem eigenen Gebrauchs-wert seinen eigenen Tauschwert verliert“ (Marx 1977b, S.158).

Variabel ist der Teil, der in Arbeitskraft vorgeschossen wird. Dieser verändert seinen Wert im Produktionsprozess. Konstantes und variables Kapital bilden zusammen das Gesamtkapital. (vgl. Marx 1977a, S.224f) Diese Unterscheidung ist auf die Wertbildung bezogen, das heißt während das konstante Kapital nur seinen Wert an das Produkt ab- gibt, schafft das variable Kapital einen neuen Wert. (vgl. Heinrich 2005, S.136f) Eine weitere Unterscheidung nimmt Marx zwischen fixem und flüssigem Kapital vor. Fixes Kapital kennzeichnet sich für ihn dadurch aus, dass es nicht in seiner Gebrauchsform, sondern ausschließlich in seinem Wert zirkuliert. Dies geschieht in dem Maß, in dem der Wert auf das Produkt, welches selbst als Ware zirkuliert, über-geht. Jedoch bleibt ein Teil dieses Kapitals in ihm fixiert. Dieser Teil steht selbständig der Ware gegenüber, bei deren Produktion es hilft.

[...]


1 Markt kann hier der Warenmarkt, Arbeitsmarkt oder auch der Geldmarkt sein. (vgl. Marx 1977a, S.161)

2 Eine ausführlichere Darstellung der „Theorie des Mehrwertes“ von Karl Marx sprengt den Rahmen dieser Arbeit.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Erweiterung des Marxschen Kapitalbegriffs bei Pierre Bourdieu
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V188055
ISBN (eBook)
9783656117988
ISBN (Buch)
9783656132417
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karl Marx, Kapital, Pierre Bourdieu, Kapitalbegriff
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Julia Erdmann (Autor), 2009, Die Erweiterung des Marxschen Kapitalbegriffs bei Pierre Bourdieu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188055

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