Jerusalem vor dem ersten Kreuzzug


Hausarbeit, 2008
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Europa und Jerusalem vor 1099

3. Die Pilger Christi

4. Der Anspruch dreier Religionen und Kulturen auf das Heilige Land

5. Der Kreuzzug nach Jerusalem

6. Eroberung der Heiligen Stadt

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ein Kreuzzug im eigentlichen Sinn ist [...] ein Krieg, der vom Papst ausgeschrieben wird, in dem das Gelübde verlangt, der Ablass und die weltlichen Privilegien bewilligt werden, und der (das scheint wesentlich) auf die Erlangung oder Erhaltung eines ganz bestimmten geographisch fest umrissenen Zieles gerichtet ist: auf die christliche Herrschaft über das Grab des Herren in Jerusalem.“[1]

Der erste Kreuzzug 1099, der in der Eroberung der Stadt Jerusalem endete, war ausschlaggebend für eine lange Kette weiterer militärischer Unternehmungen, zu denen man auch diverse andere Kreuzzüge zählt. Jerusalem galt als Nabel der Welt. Ausgangspunkt für diese Verortung als Nabel der Welt war Ezechiel 5,5: „So ergeht es Jerusalem. In die Mitte der Völker setze ich es, und rings in seinen Umkreis Länder.“[2]

Jerusalem, das vor allem im religiösen Mittelalter eine der bedeutendsten Pilgerstädte der Christen war, wurde im 11. Jahrhundert von den muslimischen Türken bedroht. Der Byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos bat deshalb die Mächte Europas um Hilfe im Kampf gegen die Türken. Um die Dringlichkeit zu unterstreichen, betonten die byzantinischen Gesandten die Entweihung der heiligen Stätten und die angespannte Lage der im heiligen Land lebenden Christen.

Einen weiteren Anstoß für den ersten Kreuzzug gab, außer den angeblich erschwerten Pilgerfahrten der Christen, die Zerstörung der Grabeskirche auf Befehl des ägyptischen Kalifen 1009. Für die Christen, die im Mittelalter in der ständigen Angst vor dem Ende der Welt lebten, war das heilige Grab die Möglichkeit für Buße und Sündenablass.

Wie konnten überhaupt die Christen ihre Religion unter der muslimischen Bedrohung ausüben? In wie fern bzw. war die christliche Kultur durch die Muslime bedroht? War der Zugang der christlichen Pilger nach Palästina erschwert, gar unmöglich?

Und wie veränderte sich die Ausübung der Religion und der Kultur während des Einbruchs in Jerusalem durch die Kreuzritter? Wie wurde der Kreuzzug unter den einzelnen Glaubensrichtungen wahrgenommen?

Neben diesen Fragen soll das Miteinander zwischen den einzelnen Religionen erläutert und rechtliche Grundlagen dargestellt werden sowie der Anspruch dieser auf die Stadt Jerusalem.

2. Europa und Jerusalem vor 1099

In Europa waren überall Krieger, aber auch Nichtkrieger bereit, den mühsamen Weg nach Jerusalem anzutreten und einen gerechten Krieg, bellum iustum, gegen das islamische Volk zu führen.[3] Neben diesem Kriegsaspekt hatte Jerusalem für die Menschen auch etwas magisches, glanzvolles, das zugleich bestimmte eschatologische Vorstellungen sowie Reaktionen hervorrief. „Das Bild des himmlischen Jerusalem“ verbreitete sich schnell.[4]

Durch Missernten, Heuschreckenplagen und einen gelangweilten, arbeitslosen und brutal raubenden (französischen) Ritterstand war die Lage der Menschen in Europa, besonders die der pauperes, sehr schlecht, so dass diese sehr leicht und schnell bereit waren, sich von ihrem Besitz, Haus und Boden zu trennen, um den Weg in eine bessere Zukunft und ein neues Leben in Erlösung anzutreten.[5] Zudem glaubte man, dass durch die Reise bzw. Jerusalemwallfahrt eine Nähe und ein Bund zu Gott aufgebaut wurde, der heilsbringend und verdienstvoll war, zudem noch dem Sündenerlass und dem persönlichen Seelenheil diente.

Der Ablassgedanke verband sich somit auch mit dem beschwerlichen Weg nach Jerusalem. Dies war mitunter auch ausschlaggebend, da die Menschen damals nahezu besessen davon waren, ihre Sünden vergeben zu bekommen. Außerdem wurden ursprünglich die Sünden der Christen für die Niederlage im Heiligen Land verantwortlich gemacht und daraus resultierend auch für den Verlust der Stadt Jerusalem selbst.[6] Es lag also nun in der Hand der Christen und deren gläubigem Verhalten, wenn es darum ging Jerusalem erneut zu einer Stadt unter christlicher Herrschaft zu machen.

Die Jahre vor Einbruch des Kreuzzugheeres in Jerusalem waren eine unruhige Zeit für die islamische Welt, die durch diverse Siegeszüge, aber auch Umbrüche gekennzeichnet waren und bereits seit über 4 Jahrhunderten von der arabisch- islamischen Kultur und Religion geprägt waren. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts war es zu Verfolgungen Andersgläubiger, auch von Christen, gekommen, in deren Verlauf 1009 die Jerusalemer Grabeskirche, die eine enorme Wichtigkeit für das Christentum hatte, zerstört wurde, 1038 aber bereits wieder hergestellt wurde. Die Lage beruhigte sich allerdings schnell, so dass sich Jerusalem zu einem Zentrum islamischer, jüdischer und christlicher Gelehrsamkeit entwickeln konnte.[7]

Die Bevölkerung Jerusalems umfasste 1050 ca. 20.000 Einwohner und war somit im Vergleich zu anderen islamischen Städten wie Damaskus, Bagdad oder Kairo eher klein.[8]

Solange die Araber im Besitz des Heiligen Landes waren, durften die christlichen Pilger gegen Bezahlung einer Steuer ungehindert die heiligen Stätten betreten, aber als Syrien und Palästina von den Seldschuken 1071 erobert wurde, erlitten anscheinlich sowohl die dort ansässigen Christen als auch die Pilger schwere Misshandlungen und so drangen die Klagen über Raub und Mord bis in das Abendland.[9]

So spielte Papst Gregor VII. bereits mit dem Gedanken einen Kreuzzug zu unternehmen, um Jerusalem zu befreien und gleichzeitig die griechische und armenische Kirche die der römischen zu unterwerfen. Seine Streitigkeiten mit Kaiser Heinrich IV. machten allerdings diese Pläne zunichte. Nachdem Kaiser Alexios I das Hilfegesuch erneuerte, fiel es diesmal auf fruchtbaren Boden, so dass Papst Urban II. nun die Gläubigen bei der Synode von Clermont 1095 um Unterstützung, das Heilige Land zu befreien, bat. Er rief alle christlichen Krieger im Namen der Kirche zu den Waffen, um ihre Brüder im Osten zu retten, diese von den Christenverfolgungen durch einen Verteidigungskreuzzug zu befreien, und wurde somit zum Urheber der Kreuzzüge.[10] Äußerer Anlass mag wohl die Hilfe für Byzanz gewesen sein, aber es gab auch eine Vielzahl weiterer Gründe, die einen Kreuzzug attraktiv machten, wie etwa die „Verdrängung der Muslime im Westen und Osten Europas, die Befreiung Jerusalems sowie die Eroberung des Grabes Christi“[11] und diverse Einnahmen der Kirche.

3. Die Pilger Christi

„Der Wunsch ein Pilger zu sein, ist tief in der Natur des Menschen verwurzelt. Selbst dort zu stehen, wo einst jene standen, die wir verehren und mit eigenen Augen die Stätten zu betrachten, an denen sie geboren wurden, wirkten und starben, verleiht uns ein Gefühl mystischen Zusammenhangs mit ihnen und ist handgreiflicher Ausdruck unserer Huldigung.“[12]

In Jerusalem erscheint dem Pilger die menschliche Gestalt Jesu mit schärferen Konturen und sie sehen an den Spuren des Menschgewordenen Gottes, dass deren Glaube nicht auf einem Mythos oder auf Legendenbildung beruht.

Die Sorge um das eigenen Seelenheil trieb die Menschen dazu Pilgerreisen und Wallfahrten zu unternehmen, da sie den Heiligen, für die sie pilgerten, die Fähigkeiten zusprachen, vor Gott zum Wohle Einzelner anzutreten und zu intervenieren. Die Vorstellung sich durch einen locus sanctus zu reinigen, selbst zu heiligen und frei von Sünden zu machen, ist älter als das Christentum selbst. Viele Juden zogen bereits früher schon pilgernd in das Heilige Land.[13] Jerusalem erlangte seine Bedeutung als Wallfahrtsort durch seine Vielzahl an heiligen Stätten. Schon im 8. Jahrhundert ist der Glaube vorhanden, dass der Besuch der Grabeskirche frei von Sünden mache.[14] Das große Zeitalter der Pilgerfahrten beginnt allerdings erst im 10. Jahrhundert, bedingt durch die Besserungen bei den Reisebedingungen.[15]

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich ein immer stärker anwachsendes Pilgerweise, so dass die Christen im 11. Jahrhundert bereits auf eine lange Pilgertradition, zurückreichend bis in das Jahr 333,[16] zurückblicken konnten, das auch nicht nach der arabischen Eroberung des heiligen Landes im 7. Jahrhundert abriss. Die Berichte und Reliquien von aus dem Orient zurückkehrenden Pilgern bestärkten die Bereitschaft anderer ebenfalls den Weg in das weit entfernte Morgenland anzutreten. In Jerusalem selbst entstanden zur Aufnahme der vielen Pilger zahlreiche Kloster und Hospize. Dies zeigt, dass die Muslime, unter deren „Regierung“ die Heilige Stadt stand, nichts gegen die pilgernden Christen, die sie als Angehörige einer Buchreligion tolerierten, hatten und ihnen im Großen und Ganzen ohne Vorbehalte begegneten.

[...]


[1] Zit. n. Hehl, E.-D.: Was ist eigentlich ein Kreuzzug?, S. 298

[2] http://www.uni-kassel.de/fb5/geschichte/docs/mg/jerusalem2.pdf

[3] Tibi, Bassam: Kreuzzug und Djihad, S. 116

[4] Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, S. 21

[5] Kotzur, Hans- Jürgen (hg.): Die Kreuzzüge. Kein Krieg ist heilig. S. 57

[6] Hehl, S. 304

[7] Jaspert, Nikolas: Die Kreuzzüge, S. 6

[8] Lobrichon, Guy: Die Eroberung Jerusalems im Jahre 1099, S. 114

[9] Jaspert, Die Kreuzzüge, S. 7

[10] Tibi, S. 118

[11] Zit. n. Tibi, S. 119

[12] Zit. n. Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, S. 38

[13] Jaspert, S. 19

[14] Mayer, S. 40

[15] Runciman, S. 43

[16] Runciman, S. 40

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Jerusalem vor dem ersten Kreuzzug
Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V188079
ISBN (eBook)
9783656115984
ISBN (Buch)
9783656115854
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jerusalem, kreuzzug
Arbeit zitieren
Janina Bolz (Autor), 2008, Jerusalem vor dem ersten Kreuzzug, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188079

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