Nirmal Varma ist sicherlich nicht nur für den Hindi-Kundigen Leser ein großer Literat. Diverse Übersetzungen seiner Kurzgeschichten und Romane ins Englische und auch ins Deutsche zeigen, dass er ein weltweit anerkannter Schriftsteller ist. Dies mag zu einem guten Teil daran liegen, dass weder die Themen seiner Erzählungen, noch die Art und Weise in der er diese dem Leser nahebringt, meistenteils nicht mit der `typisch indischen Kultur` verknüpft sind. Zwar beschreibt Varma in einigen seiner Schriften auch Probleme, die ohne eine Kenntnis der indischen Lebens- und Denkweise nicht nachvollziehbar sind, jedoch behandelt der größte Teil seiner Geschichten Themen, die beinahe jeden Menschen betreffen.
Varma beschreibt in seinem Werk den Menschen, der durch die Freiheit, die seine Um- und `In`-Welt ihm bietet, überwältigt, dieser nicht gewachsen ist. Er beschreibt den Menschen, für den die Freiheit der modernen Welt zur Wurzel der Isolation geworden ist. Und so ist Isolation und Beziehungslosigkeit ein Leitmotiv im gesamten Werk Nirmal Varmas. Der moderne Mensch, so wie Varma ihn beschreibt, flüchtet vor der Konfrontation mit sich selbst und seiner Umwelt in die Beziehungslosigkeit zu eben sich selbst und seiner Umwelt. So erfährt er eine Trennung von allem was ihn umgibt.
Eine der elementarsten Trennung, die der erwachsene Mensch erfahren kann, ist sicherlich die zwischen ihm und seinem Liebespartner. Hier erfährt der Mensch seine eigene Unfähigkeit mit einem wie auch immer gearteten Gegenüber in Beziehung zu treten, besonders tief, hier ist eine Lösung des Problems besonders notwendig. Doch diese liefert Varma nicht. Er zeigt nur Probleme auf, doch das macht die Lektüre seiner Schriften so unvergesslich. Varma zeigt mit einfachen Worten und klaren Bildern Probleme auf, die mit großer emotionaler Tiefe das Leben des `einfachen` Menschen in der modernen Welt beschreiben, ohne dabei in irgendeiner Weise besserwisserisch zu wirken.
In der vorliegenden Arbeit soll nun, nach einer kurzen Darstellung von Nirmal Varmas Leben und Werk und einer Übersicht der Entstehungsgeschichte der Literaturgattung `naé kahäné`, untersucht werden, wie Varma die Beziehung zwischen den Geschlechtern beschreibt, wo für ihn die Probleme liegen und auf welche Art und Weise er diese dem Leser nahe zu bringen versucht
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. `Naé Kahäné` ; Literaturgeschichtlicher Überblick
3. Nirmal Varma; Leben und Werk
4. Die Thematik der Geschlechterbeziehung
5. Erzähltechnik
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht, wie Nirmal Varma in seinem literarischen Schaffen die Beziehung zwischen den Geschlechtern thematisiert, welche tieferliegenden Probleme er in diesen zwischenmenschlichen Verbindungen identifiziert und auf welche Weise er diese dem Leser vermittelt.
- Analyse des Leitmotivs der Isolation und Beziehungslosigkeit im Werk Nirmal Varmas.
- Untersuchung des Einflusses von Tradition und Moderne auf die zwischengeschlechtliche Kommunikation.
- Erörterung der Unfähigkeit des Einzelnen, sich selbst und den Partner in einer entfremdeten Umwelt zu erkennen.
- Darstellung der spezifischen Erzähltechnik (z.B. psychologischer Stil, Symbolismus) als Mittel zur Erzeugung atmosphärischer Dichte.
- Reflexion über die Rolle der Literatur als Anstoß zur Selbstreflexion des Lesers.
Auszug aus dem Buch
4. Die Thematik der Geschlechterbeziehung
Da, wie bereits erwähnt, Nirmal Varma sich anscheinend jeglichen Kommentars sein Privatleben betreffend enthält, sind wir gezwungen, die Sichtweise, mit der er die Beziehung zwischen den Geschlechtern und deren Problematik sieht, aus Varmas Schriften herauszulösen. Dies sei uns unter Berufung auf die oben bereits erwähnte Aussage Varmas: „I think my entire writing is an autobiography“, gestattet. Ich werde hierzu einige seiner Kurzgeschichten und Romane auf dieses Thema hin untersuchen und anhand von Beispielen und Zitaten versuchen, darzustellen, wo für den Autor die Probleme, die zwischen Mann und Frau entstehen können, liegen und auch, worin er die Schwierigkeiten einer Beziehung verankert sieht.
Für Varma scheint die Schwierigkeit der Beziehung zwischen den Geschlechtern eine vielschichtige Basis zu haben. Zum einen beschreibt er den Menschen als ein von sich selbst entfremdetes Wesen. Hier liegt wohl das Hauptproblem, denn sich selbst nicht zu erkennen bedeutet gleichzeitig sein Gegenüber nicht erfassen zu können. Somit entsteht, bedingt durch dieses Leben mit einem fremden `Ich` - quasi das aktive Moment der Problembasis- ein Leben in einer fremden Umgebung, ein Leben mit fremden Menschen- dies möchte ich als das mediale Moment der Problembasis bezeichnen. Als drittes- sozusagen passives Moment tritt in Varmas Erzählungen hinzu, dass der Mensch in Traditionen und Konventionen gefangen ist, denen er sich oftmals nicht erwehren kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Leitmotiv der Isolation in Varmas Werk und Darlegung des Untersuchungsgegenstandes der Geschlechterbeziehung.
2. `Naé Kahäné` ; Literaturgeschichtlicher Überblick: Darstellung der Entwicklung der neuen Erzählliteratur in Indien und deren Auseinandersetzung mit dem modernen Menschenbild.
3. Nirmal Varma; Leben und Werk: Biografie des Autors mit besonderem Fokus auf seine Erfahrungen in Europa und deren Einfluss auf sein literarisches Schaffen.
4. Die Thematik der Geschlechterbeziehung: Analyse der Ursachen für das Scheitern von Beziehungen, unterteilt in aktives, mediales und passives Moment.
5. Erzähltechnik: Untersuchung der erzählerischen Mittel, wie Symbolismus und psychologischer Stil, zur Erzeugung atmosphärischer Dichte.
6. Schlussbemerkung: Zusammenfassende Einschätzung von Varmas Sicht auf die moderne Isolation und die Rolle der Selbstreflexion.
Schlüsselwörter
Nirmal Varma, Naé Kahäné, Geschlechterbeziehung, Isolation, Moderne, Tradition, Entfremdung, Erzähltechnik, Symbolismus, psychologischer Stil, Antiheld, Kommunikation, Selbstreflexion, indische Literatur, Einsamkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Darstellung und Problematik der Beziehung zwischen den Geschlechtern im literarischen Werk des indischen Schriftstellers Nirmal Varma.
Welche sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind Isolation, moderne Entfremdung, der Konflikt zwischen Tradition und Moderne sowie die Unfähigkeit des modernen Individuums zur Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, wo Varma die Wurzeln der Probleme in Paarbeziehungen sieht und wie er diese mittels literarischer Mittel dem Leser nahebringt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die durch die Auswertung von Kurzgeschichten und Romanen Varmas sowie Sekundärliteratur zu seiner Erzähltechnik gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-literarische Einordnung, eine biografische Skizze, eine thematische Analyse der Geschlechterbeziehungen und eine Untersuchung der spezifischen Erzähltechnik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Nirmal Varma, Isolation, Naé Kahäné, Entfremdung, Geschlechterbeziehung und moderne indische Literatur.
Wie definiert der Autor das Problem der „Passivität“ in Varmas Werken?
Der Autor versteht darunter, dass die Protagonisten in Traditionen und Konventionen gefangen sind, aus denen sie sich aufgrund innerer Lähmung oder Handlungsunfähigkeit nicht befreien können.
Welche Bedeutung kommt der „Natur“ in der Erzähltechnik zu?
Naturphänomene werden nicht nur als Kulisse genutzt, sondern fungieren als Symbole, die durch Kontraste (z.B. Schmutz vs. Sonne) die innere Trostlosigkeit oder das psychische Empfinden der Figuren verdeutlichen.
Warum liefert Varma laut dieser Arbeit keine Lösungen für die dargestellten Krisen?
Der Autor der Arbeit legt dar, dass Varma lediglich Probleme aufzeigt, um den Leser zur eigenen Reflexion anzuregen, anstatt durch belehrende Lösungen die Komplexität der Isolation zu vereinfachen.
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- Dirk Collet (Author), 2012, inmRl vmaR - Die Beziehung zwischen den Geschlechtern in Nirmal Varmas Werk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188088