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Tibet als Objekt europäischer Kolonialpolitik 1774-1912

Titel: Tibet als Objekt europäischer Kolonialpolitik 1774-1912

Hausarbeit , 2007 , 15 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Fokke Bahlmann (Autor:in)

Südasienkunde, Südostasienkunde
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Tibet ist für eine Kolonialisierung im großen Stil eines der denkbar unattraktivsten Gebiete der Welt. Ressourcenarm, strategisch relativ unwichtig, hoch gelegen, schwer zugänglich und außerhalb des Sommers gar nicht zu erreichen, scheint es nur für Abenteurer interessant zu sein, die von der fremden Kultur auf dem Dach der Welt fasziniert sind. Trotzdem haben sich gerade zu Beginn des 20.Jhr. Streitigkeiten entwickelt zwischen England, das seine Gebiete an den Grenzen Indiens abstecken wollte und nach neuen Handelsmöglichkeiten suchte, Russland, das über russische Buddhisten in der Mongolei spirituell mit Tibet verbunden war, und den Chinesen, die seit Jahrhunderten Tibet als ihren Einflussbereich betrachteten. Wie diese Konflikte entstanden, ausbrachen und beigelegt worden sind, wird in dieser Hausarbeit näher beleuchtet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erste Kontaktaufnahme mit Tibet

3. Die Wiederentdeckung Tibets Ende des 19.Jhr.

4. Die Chefoo-Konferenz

5. Russland und Tibet

6. Die Younghusband-Expedition

6.1 Englands Befürchtungen

6.2 Der Einmarsch

6.3 Das Abkommen

6.4 Nachwirkungen

7. Das Russisch-Englische Abkommen

8. Die Zeit nach England

9. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle Tibets als geopolitisches Objekt europäischer Kolonialpolitik zwischen 1774 und 1912, wobei insbesondere die Interessenkonflikte zwischen Großbritannien, Russland und China sowie die Auswirkungen auf Tibet analysiert werden.

  • Die Entwicklung der frühen Handelsbeziehungen zwischen Indien und Tibet
  • Die strategische Bedeutung Tibets im Kontext des "Great Game" zwischen England und Russland
  • Der Verlauf und die Folgen der Younghusband-Expedition (1903–1904)
  • Der Einfluss diplomatischer Verträge wie des Lhasa-Abkommens auf die tibetische Souveränität
  • Das Spannungsfeld zwischen britischem Imperialismus und der isolationsistischen Politik Tibets

Auszug aus dem Buch

6. Die Younghusband-Expedition

Am Hof des Dalai Lamas befand sich um die Jahrhundertwende ein hoher buddhistischer Geistlicher russischer Abstammung namens Agvan Dorjiev. Er beriet den Dalai Lama in außenpolitischen Fragen. Auf sein eigenes Anraten schickte der Dalai Lama Dorjiev nach Russland, um diplomatische Beziehungen zwischen Tibet und Russland aufzunehmen. Von 1898 bis 1901 unternahm er mehrere Reisen nach Russland und erhielt auch eine Audienz beim Zar. Jedoch blieben alle diese Audienzen ohne jede feste Zusage der Russen an die Tibeter. Insbesondere militärische Zusagen oder Handelsabkommen konnten nicht geschlossen werden, weil Russland kein strategisches Interesse an Tibet hatte. George Curzon, Indiens Vizekönig seit 1899, betrachtete die Aktivitäten zwischen Russland und Tibet als Gefährdung für britische Interessen. Schließlich war es ihm selbst nicht gelungen, diplomatischen Kontakt zum Dalai Lama herzustellen.

Durch die Weigerung der Tibeter mit ihm in Kontakt zu treten sah sich Curzon nun gezwungen, offensiver in Tibet zu agieren. Curzon wollte wissen, wie groß der russische Einfluss in Tibet war und diesen gegebenenfalls beseitigen. Neben den Handelsmöglichkeiten für Indien wollte er auch Tibet als Puffer zwischen Indien und Russland einsetzen. Um dies zu erreichen, musste er direkt mit dem tibetischen Staatsoberhaupt in Kontakt treten. Obwohl die Russen gegenüber den Engländern jegliche Interessen in Tibet abstritten, konnten die Zweifel der Engländer nicht komplett ausgeräumt werden. Gerüchte über russische Waffenlieferungen, die von einem japanischen Mönch namens Kawaguchi in Lhasa ausgingen, gaben Curzons Argwohn im Jahre 1902 mehr Nahrung. Dabei hatten die Engländer nie eine Invasion Russlands in Tibet befürchtet, sondern vielmehr, dass sich Tibet mit russischer Rückendeckung am Grenzgebiet zu Indien offensiv verhalten werde und so die gesamte Region destabilisieren könnte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die strategische Bedeutung Tibets und die daraus resultierenden historischen Konflikte zwischen den Weltmächten.

2. Erste Kontaktaufnahme mit Tibet: Darstellung der frühen diplomatischen Versuche und Handelsbemühungen durch Vertreter Britisch-Indiens ab 1774.

3. Die Wiederentdeckung Tibets Ende des 19.Jhr.: Analyse der veränderten geopolitischen Situation und der Schwierigkeiten in der Kommunikation zwischen der tibetischen Führung und den britischen Ambitionen.

4. Die Chefoo-Konferenz: Untersuchung der völkerrechtlichen Bemühungen zur Regelung des Zugangs nach Tibet und der militärischen Auseinandersetzungen an der Grenze zu Sikkim.

5. Russland und Tibet: Erörterung der russischen Interessen in Zentralasien und die daraus resultierenden Befürchtungen der britischen Kolonialverwaltung.

6. Die Younghusband-Expedition: Detaillierte Betrachtung des militärischen Vorgehens, der diplomatischen Abkommen und der Nachwirkungen der britischen Invasion.

7. Das Russisch-Englische Abkommen: Analyse des Ausgleichs zwischen den Mächten und der Instrumentalisierung Tibets als Pufferstaat.

8. Die Zeit nach England: Schilderung der instabilen Lage in Tibet nach dem Abzug der Briten und der zunehmenden chinesischen Einflussnahme.

9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der kolonialen Einflussnahme und der historischen Tragik der tibetischen Isolation.

Schlüsselwörter

Tibet, Kolonialpolitik, Großbritannien, Russland, Younghusband-Expedition, Dalai Lama, Lhasa-Abkommen, Geopolitik, Britisch-Indien, Great Game, Qing-Dynastie, Agvan Dorjiev, Indien, Souveränität, Grenzpolitik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die historische Einbettung Tibets als geopolitisches Objekt innerhalb der kolonialen Interessen von Großbritannien und Russland im Zeitraum von 1774 bis 1912.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Entwicklung der diplomatischen Beziehungen, der britisch-russische Wettstreit in Zentralasien, militärische Expeditionen und die Rolle Chinas als Schutzmacht.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, die Ursachen und den Ablauf der britischen Eingriffe in Tibet aufzuzeigen und zu analysieren, wie Tibet zum Spielball europäischer Mächte wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die historische Analyse und Auswertung primär- sowie sekundärliterarischer Quellen zur Rekonstruktion diplomatischer und militärischer Ereignisse.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt chronologisch die Phasen der Kontaktaufnahme, die diplomatischen Konferenzen, das russische Interesse, die Younghusband-Expedition und das daraus resultierende Russisch-Englische Abkommen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Kolonialpolitik, Tibet, Great Game, Britisch-Indien und die Younghusband-Expedition beschreiben.

Warum war die Person Agvan Dorjiev von so hoher Bedeutung für die britische Politik?

Dorjiev galt als Berater des Dalai Lama mit russischen Verbindungen, was bei den Briten die Angst schürte, Tibet könne sich unter russischen Einfluss begeben und die Sicherheit Indiens gefährden.

Welche Folgen hatte die Younghusband-Expedition für die tibetische Souveränität?

Die Expedition erzwang unvorteilhafte Abkommen, die den Briten Handelsvorteile verschafften, Tibet zur Zahlung von Reparationen verpflichteten und die internationale Abhängigkeit des Landes, auch gegenüber China, weiter verschärften.

Warum lehnte Großbritannien schließlich eine dauerhafte Präsenz in Tibet ab?

Aufgrund des Drucks der Weltöffentlichkeit, der Kosten und der geopolitischen Entscheidung, das Russisch-Englische Abkommen von 1907 als Pufferlösung zu etablieren, zog sich England weitgehend aus Tibet zurück.

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Details

Titel
Tibet als Objekt europäischer Kolonialpolitik 1774-1912
Hochschule
Universität zu Köln  (Ostasiatisches Seminar)
Note
2,0
Autor
Fokke Bahlmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V188112
ISBN (eBook)
9783656117742
ISBN (Buch)
9783656131755
Sprache
Deutsch
Schlagworte
China Tibet Kolonialismus England Russland Indien
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Fokke Bahlmann (Autor:in), 2007, Tibet als Objekt europäischer Kolonialpolitik 1774-1912, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188112
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Leseprobe aus  15  Seiten
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