Filmklassiker. "Citizen Kane" von Orson Welles


Referat (Ausarbeitung), 2002
15 Seiten, Note: 2+

Leseprobe

Inhalt

1. Hintergrund
1.1. Fabel vom Frosch und vom Skorpion
1.2. Kurzbiografie von Orson Welles
1.3. Filmgeschichtliche Einordnung

2. Inhalt

3. Innovationen
3.1. Tiefenschärfe
3.2. Lightning mixes
3.3. Verschiedene Erzählperspektiven und Flashbacks

4. Beschreibungselemente für eine Filmanalyse

5. Interpretation
5.1. Formzentriert
5.2. Inhaltszentriert

6. Schlussbemerkung

1. Hintergrund

1.1. Fabel vom Frosch und vom Skorpion

And now I´m going to tell you about a scorpion. A scorpion wanted to cross a river, so he asked a frog to carry him. “No”, said the frog. “No, thank you. If I let you on my back you may sting me, and the sting of the scorpion means death.” “Now where,” asked the scorpion, “iis the logic of that? No scorpion could be judged illogical. If I sting you, you will die – I will drown.” The frog was convinced and allowed the scorpion on his back, but just in the middle of the river he felt a terrible pain and realized that after all the scorpion had stung him. “Logic” cried the dying frog, as he started under, bearing the scorpion down with him. “There is no logic in this.” “I know,” said the scorpion, “but I can´t help it – it´s my character.”

Mr. Arkadin

In dieser Fabel aus dem Film Mr. Arkadin beschreibt Orson Welles seinen eigenen Charakter. Obwohl der Film Mr. Arkadin später gedreht wurde, kann man die Fabel dennoch auch auf Citizen Kane anwenden, da Welles Figuren immer etwas von ihm hatten. Die Figuren hatten immer etwas von dem Skorpion, denn auch sie blieben immer ihrem Charakter treu, auch wenn dies für sie nachteilig war.

So z.B. wenn Kane in Susan Alexanders Appartement bleibt, anstatt mit seiner Frau nach hause zu gehen. Sein Charakter zwingt ihn zu bleiben, auch wenn dies Probleme mit sich bringt. An dieser Stelle sagt Charles Foster Kane auch, dass nur er für sich entscheidet und niemand ihm eine Entscheidung abnehmen kann.

1.2. Kurzbiografie von Orson Welles

Orson Welles wurde am 6.Mai 1915 in Kenosha/Wisconsin geboren. 1931 begann er seine Karriere im fernen Dublin, wo er am Theater erst spielen und mit 16 Jahren schließlich auch inszenieren durfte. Mit 19 Jahren hatte er sein Bühnendebüt in Amerika. 1937 scharrte Welles seine eigene Theatertruppe um sich. In den späteren dreißiger Jahren war Welles mit seiner Truppe „The Mercury Theater“ kommerziell zwar nicht erfolgreich, sorgte aber immer wieder für Aufsehen. Ein unvorhergesehener Skandalerfolg – das Marsmenschenhörspiel „War of the worlds“ brachte Welles 1939 einen Hollywoodproduktionsvertrag über drei Filme ein. Diesen Produktionsvertrag unterzeichnete Orson Welles zusammen mit seinem Partner des Mercury Theaters Houseman am 21.07.1939. RKO sicherte in diesem Vertrag dem noch unerfahrenem Orson Welles totale filmische Freiheit und das Recht des Final Cut zu, was damals wie heute außergewöhnlich anmutet.

Nach Citizen Kane drehte Orson Welles noch The magnificent Ambersons (Der Glanz des Hauses Amberson), 1942, und The lady from shanghai (Die Lady von Shanghai), 1946, als große Studioproduktionen. Seine weiteren Filme litten, obgleich ihres großen Einfallreichtums, immer an den unzulänglichen Produktionsbedingungen. Zudem verfilmte er z.B. noch die beiden Shakespeare Dramen Macbeth (1947/48) und Othello (1949-52), aber auch andere Themen wie Touch of evil (1957/58) oder Der Prozess (1962/63). Orson Welles starb am 10. Oktober 1985. Seitdem kümmert sich seine Tochter Beatrice Welles um die Rekonstruktion der Filme.

Unter allen amerikanischen Regisseuren ist Orson Welles der, dem man am schnellsten, und ganz ohne Zögern, das altmodisch europäische Etikett Genie anheftet. Kein anderer hat so massig, so mächtig als Autor, Regisseur und Protagonist sein Werk auch zum Monument seiner selbst gemacht.

1.3. Filmhistorische Einordnung

Der alte Studiostil, zur Zeit der Dreharbeiten von Citizen Kane, war der „Soft Studio Style“. Der Soft Studio Style hatte mehrere Faktoren die seinem Namen zugrunde lagen. Seine Ursache aber lag in der Einführung des Tonfilms und somit in den Veränderungen die der Tonfilm mit sich brachte. Die Lampen, die in der Stummfilmzeit verwand wurden, waren zu laut für die Tonfilme, was zur Folge hatte, dass im Tonfilm nur wenig Licht eingesetzt werden konnte. Dieses wenige Licht wurde flächig eingesetzt; die Filme bekamen dadurch einen „soften Touch“. Zudem produzierten die damaligen Kameras ein so lautes Laufgeräusch, dass um dieses Laufgeräusch zu unterdrücken, die Kameras schallisoliert (geblimpt) werden mussten. Durch die Schallisolierung aber wurden die Kameras unbeweglich, da diese damals noch große Kästen waren. Bevor also Citizen Kane gedreht werden konnte, mussten einige Verbesserungen oder Erfindungen gemacht werden.

Die wichtigste Verbesserung vor Citizen Kane ist wahrscheinlich das verbesserte Licht mit höherer Lichtausbeute und weniger Lautstärke. Nur dadurch konnte eine hohe Tiefenschärfe (viel eingesetztes Licht!) erzielt werden. Als Nebeneffekt des Lichteinsatzes traten die scharfen, manchmal gar expressionistisch anmutenden Kontraste zu Tage. Das alleine hätte sicherlich noch nicht ausgereicht. Zudem entwickelte Kodak 1938 einen schnelleren Film, der eine bessere Ausbeute bei weniger Licht versprach. Zu guter Letzt wurden auch die Kameras beständig weiter entwickelt. Die neuesten Modelle waren wieder so beweglich, wie die Kameras zur Stummfilmzeit und so geräuscharm, wie nie zuvor. Da Gregg Toland als Kameramann schon vor dem Film eine Größe war, hatte dieser auch schon Erfahrungen mit den neuen Kameras sammeln können. Somit waren die Vorraussetzungen für den Film Citizen Kane gegeben: bessere Aufnahmetechnik für eine größere Tiefenschärfe, sowie eine freiere (bewegtere) Kamera.

Doch es galt nicht nur technische Hindernisse zu überwinden. Auch Orson Welles Unerfahrenheit, er kam schließlich vom Theater und vom Hörfunk, musste beachtet werden. Wobei diese vielzitierte Unerfahrenheit relativ ist. Immerhin sind der Hörfunk, mit ihm das Hörspiel, und das Theater dem Film verwandte Künste. Ohnehin sagt man den langen Einstellungen mit großer Tiefenschärfe eine große Theatralität nach – ein Heimspiel für Orson Welles.

Bevor Welles begann Citizen Kane zu filmen, sogar noch bevor er daran dachte, beschäftigte er sich eingehend mit dem Projekt „Heart of darkness“. Dieses kam jedoch nie über die Vorbereitungsphase hinaus. Und das obwohl für diesen Versuch ausführliche Probeaufnahmen gemacht wurden. Neben diesen Probe-Filmerfahrungen filmte Welles noch zwei Kurzfilme, die er in die Stücke seiner Theatertruppe „The mercury Theater“ einbauen wollte. Einer der beiden Kurzfilme fand dann auch tatsächlich seinen Einsatz in einem Theaterstück. Somit lässt sich über Welles Filmerfahrung zusammenfassend sagen, dass so gering sie auch sein mochte, sie dennoch vorhanden war.

Trotz seiner relativen Unerfahrenheit stand Orson Welles unter enormen Erfolgsdruck, bevor er überhaupt mit den Dreharbeiten begann. Wochenlang schloss er sich mit den Technikern in den RKO-Studios ein und betrachtete mit ihnen Filme von Fritz Lang, René Clair, Frank Capra, King Vidor und – die hauptsächlich – von John Ford. Viele Eigentümlichkeiten und Kunstgriffe dieser Vorbilder lassen sich an seinem Film später ablesen: die schiefen Perspektiven des deutschen Expressionismus und das schicksalhafte Verhängnis bei Lang, die Behandlung des Lichts bei Clair, die forsche Brillanz bei Capra und der Sinn fürs amerikanische Millieu bei King Vidor; John Ford, dessen Hauptthema, nämlich die Sehnsucht nach Geborgenheit, die Hoffnung auf Heimat, sich unmissverständlich in dem Wort „Rosebud“ konzentriert, nannte Welles wiederholt seinen Lehrer. Und auch Gregg Toland kann in diesem Zusammenhang wieder gefunden werden, filmte er doch im gleichen Jahr für Ford „The grapes of wrath“ und „the long voyage home“.

Das Drehbuch erarbeitete Orson Welles gemeinsam mit dem damals bekannten Drehbuchautoren Hermann J. Mankiewicz, dabei ist nicht mehr eindeutig zu klären, wer welchen Anteil am Drehbuch trägt. Als Vorbild für das Drehbuch ist jedoch ganz klar der Verleger Hearst zu erkennen. Viele Details des Films stimmen mit der Biografie Hearsts überein. Die zweite Fassung des Drehbuchs trug noch den Titel „American“. Die siebente Drehbuchfassung, die gleichzeitig die dritte finale Fassung war, wurde am 16.07.1940 fertig gestellt und genehmigt. Diese Genehmigung ging nicht von William Randolph Hearst aus, was eine Anekdote Welles eindeutig belegt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Filmklassiker. "Citizen Kane" von Orson Welles
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für audiovisuelle Medien)
Veranstaltung
Einführung in die Filmanalyse
Note
2+
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V18816
ISBN (eBook)
9783638230803
ISBN (Buch)
9783656867388
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
ausführliche Filmanalyse eines Klassikers, inklusive historischer Einordnung
Schlagworte
Filmklassiker, Citizen, Kane, Orson, Welles, Einführung, Filmanalyse
Arbeit zitieren
Bastian Buchtaleck (Autor), 2002, Filmklassiker. "Citizen Kane" von Orson Welles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18816

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