Implizite Regeln sind solche, die in unserer Gesellschaft unbewusst als selbstverständlich angenommen werden und deshalb auch nur peripher wahrgenommen werden. Sie werden ebenso unbemerkt befolgt wie auch verletzt, was den Grund dafür darstellt, dass es oft schwierig ist, eine implizite Regel als solche zu erkennen. Implizite Normen werden erst dann sichtbar, wenn sie verletzt werden; solange ihnen gefolgt wird, bleiben sie unerkannt. Beispiel: Solange sich zwei Menschen begegnen und einander mit „Hallo“, „Grüß Gott“, „Servus“, etc. begrüßen, ist nichts Auffälliges dabei und man weiß: Diese Grußart ist selbstverständlich und „normal“ (sofern es diesen Begriff überhaupt in dieser Form gibt). Erst, wenn eine der beiden Personen auf ein „Hallo“ beispielsweise mit „Tschüss“ antwortet, bemerkt man: Irgendwas stimmt hier nicht. Diese Norm ist implizit, weil nicht bewusst wahrgenommen wird, dass die andere Person eine vermeintlich „richtige“ Grußformel verwendet hat, und weil sie erst dann klar wird, wenn eine der beiden Personen mit einer völlig unpassenden Begrüßung reagiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Beobachtung
Implizite Regeln
Explorandum
Funktionen der Floskel „Ja, aber…“
a. Inakzeptanz
b. Akzeptanz – Andere Meinung
c. Akzeptanz
d. Unterbrechungswert
Das „Aber…“ und seine Spielregeln
a. Funktionsdarlegung
b. Aussprechen
c. Verzicht
2. Problemstellung
3. Hypothesen
4. Ergebnisszenario
Erhebungsmethode
Szenario
5. Verwertbarkeit der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologische Relevanz impliziter Regeln in der zwischenmenschlichen Kommunikation, mit besonderem Fokus auf die diskursive Funktion der Floskel „Ja, aber...“. Ziel ist es, nachzuweisen, dass die Verletzung solcher Regeln in Dialogen über eine subjektive Wahrnehmung hinaus einen gesellschaftlich verallgemeinerbaren Störfaktor darstellt.
- Analyse impliziter sozialer Normen in der Alltagskommunikation
- Untersuchung der Funktionen und Wirkweisen der Floskel „Ja, aber...“
- Entwicklung eines deduktiven Forschungsdesigns zur Verifikation
- Kombination quantitativer und qualitativer Erhebungsmethoden
- Diskussion über die Verwertbarkeit soziologischer Erkenntnisse für die Praxis
Auszug aus dem Buch
Implizite Regeln
Implizite Regeln sind solche, die in unserer Gesellschaft unbewusst als selbstverständlich angenommen werden und deshalb auch nur peripher wahrgenommen werden. Sie werden ebenso unbemerkt befolgt wie auch verletzt, was den Grund dafür darstellt, dass es oft schwierig ist, eine implizite Regel als solche zu erkennen.
Implizite Normen werden erst dann sichtbar, wenn sie verletzt werden; solange ihnen gefolgt wird, bleiben sie unerkannt.
Beispiel: Solange sich zwei Menschen begegnen und einander mit „Hallo“, „Grüß Gott“, „Servus“, etc. begrüßen, ist nichts Auffälliges dabei und man weiß: Diese Grußart ist selbstverständlich und „normal“ (sofern es diesen Begriff überhaupt in dieser Form gibt). Erst, wenn eine der beiden Personen auf ein „Hallo“ beispielsweise mit „Tschüss“ antwortet, bemerkt man: Irgendwas stimmt hier nicht. Diese Norm ist implizit, weil nicht bewusst wahrgenommen wird, dass die andere Person eine vermeintlich „richtige“ Grußformel verwendet hat, und weil sie erst dann klar wird, wenn eine der beiden Personen mit einer völlig unpassenden Begrüßung reagiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Beobachtung: Dieses Kapitel führt in den Begriff der impliziten Regeln ein und erläutert anhand konkreter Dialogbeispiele die problematische Verwendung der Floskel „Ja, aber...“ sowie mögliche Spielregeln für die Kommunikation.
2. Problemstellung: Hier wird die Forschungsfrage abgeleitet, ob die Verletzung der beobachteten impliziten Regeln eine verallgemeinerbare soziale Norm darstellt.
3. Hypothesen: Die Arbeit formuliert vier Hypothesen zur Verbreitung und funktionalen Ausprägung der Floskel „Ja, aber...“, um die theoretischen Überlegungen operationalisierbar zu machen.
4. Ergebnisszenario: Dieses Kapitel entwirft ein deduktives Forschungsdesign, das durch eine Kombination aus quantitativen Fragebögen und qualitativen Interviews die Validität der Hypothesen prüfen soll.
5. Verwertbarkeit der Ergebnisse: Die Autorin reflektiert abschließend, wie die gewonnenen Erkenntnisse in Seminaren zur Kommunikation oder als Basis für weiterführende soziologische Forschung genutzt werden können.
Schlüsselwörter
Implizite Regeln, Sozialforschung, Kommunikation, Dialog, Floskel, Ja aber, Soziale Normen, Meinungsäußerung, Forschungsdesign, Quantitative Erhebung, Qualitative Interviews, Interaktion, Verallgemeinerung, Sprechakte, Soziale Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der empirischen Untersuchung von unbewussten, sozialen Regeln im menschlichen Dialog, insbesondere im Kontext von Meinungsverschiedenheiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Entstehung, Verletzung und Wahrnehmung impliziter Normen sowie die rhetorische Funktion der Floskel „Ja, aber...“ als Störfaktor in Gesprächen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der wissenschaftliche Nachweis, dass die Verwendung bestimmter Kommunikationsfloskeln gegen implizite Regeln verstößt, die für die Gesellschaft im Allgemeinen Gültigkeit beanspruchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein deduktiver Forschungsansatz gewählt, der eine quantitative Erhebung durch Skalenabfragen mit einem anschließenden qualitativen Interviewteil kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Beobachtung, die Hypothesenbildung und die detaillierte Planung eines Untersuchungsszenarios mit Fünfergruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen implizite Regeln, soziale Normen, Kommunikation, Dialoganalyse, Forschungsdesign und die Floskel „Ja, aber...“.
Warum sollte man laut Autorin auf die Floskel „Ja, aber...“ verzichten?
Die Autorin argumentiert, dass der Verzicht Missverständnisse vermeidet und die Notwendigkeit umgeht, bei jedem Dialog explizite Spielregeln für die Gesprächsführung festlegen zu müssen.
Weshalb verzichtet das geplante Szenario bewusst auf einen Diskussionsleiter?
Ein Diskussionsleiter könnte die Ergebnisse verfälschen, indem er unbewusst eingreift, sobald Teilnehmer implizite Regeln verletzen, was jedoch für die Erhebung des Störfaktors kontraproduktiv wäre.
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- Mag. Sabrina Schöberl (Author), 2005, "Ja, aber..." - Ein soziologisches Forschungsdesign, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188163