1 Einleitung
Spätestens seit Beginn der 90er Jahre hat die moderne Informations- und Kommunikationstechnik einen Wandel im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich herbeigeführt. Noch vor wenigen Jahren waren Computer und Internet nur einigen Spezialisten zugänglich, heute aber sind sie aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Der ständige technische Fortschritt und der Ausbau und die Verknüpfung von Datenwegen bilden zudem die Grundlage für eine neue Dimension des wirtschaftlichen Handelns. Nachdem Effizienzsteigerungspotenziale in Produktion und Vertrieb weitestgehend ausgeschöpft wurden, konzentrieren sich die Unternehmen jetzt zunehmend auf die Optimierung betrieblicher Beschaffungsprozesse , welche die Betriebsressourcen in nicht geringem Maße belasten. E-Procurement ist zurzeit eines der wichtigsten Themengebiete, mit dem sich die EU und die Schweiz auseinandersetzen. Durch die elektronische Beschaffung ist es Mitarbeitern möglich, direkt von ihren Arbeitsplätzen aus über ein Desktop Purchasing System auf Produktkataloge zuzugreifen, die Produkte zu vergleichen und auszuwählen und sie anschließend zu bestellen. Über E-Procurement werden zumeist MRO-Güter beschafft, die zwar nur einen geringen Wert (ca. 10 Prozent) des Beschaffungsvolumens eines Unternehmens, jedoch ca. 70 Prozent des Beschaffungsaufwandes ausmachen. Das Einsparpotenzial bei der elektronischen Beschaffung von C-Artikeln ist beachtlich. Laut Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) nutzen bereits 80 Prozent der deutschen Unternehmen elektronische Produktkataloge. Der Anteil der Unternehmen, die elektronische Beschaffungslösungen bisher einsetzen, ist branchenabhängig jedoch sehr verschieden.
In der vorliegenden Arbeit sollen Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung der Beschaf-fung durch den Einsatz von verschiedenen E-Procurement-Lösungen näher erläutert und kritisch betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen und begriffliche Abgrenzung
2.1 E-Business
2.2 E-Commerce
2.3 Beschaffung
2.4 E-Sourcing
2.5 E-Ordering
2.6 E-Procurement
3 E-Procurement-Tools
3.1 Enterprise Ressource Planning Systeme
3.2 Vor- und Nachteile von Enterprise Ressource Planning Systemen
3.3 Desktop Purchasing Systeme
3.4 Vor- und Nachteile von Desktop Purchasing Systemen
3.5 Elektronische Märkte
3.6 Vor- und Nachteile elektronischer Märkte
4 Wesentliche Arten von E-Procurement
4.1 E-Ordering
4.1.1 Buy-Side
4.1.2 Sell-Side
4.1.3 Katalogbasierte Marktplätze
4.2 E-Sourcing
4.2.1 Online-Ausschreibungen
4.2.2 Online-Auktionen
4.2.2.1 Verkaufsauktionen
4.2.2.2 Einkaufsauktionen
4.2.3 Börsen
4.2.4 E-Collaboration
5 Systeme und Ausrichtungen des E-Procurement
5.1 Systeme
5.1.1 Offene Systeme
5.1.2 Halboffene Systeme
5.1.3 Geschlossene Systeme
5.2 Ausrichtungen
5.2.1 Horizontale Ausrichtung
5.2.2 Vertikale Ausrichtung
6 Der klassische Beschaffungsprozess
6.1 Anbahnungsphase
6.2 Vereinbarungsphase
6.3 Abwicklungsphase
7 Der Beschaffungsprozess unter Anwendung eines DPS
7.1 E-Search- und E-Order-Prozess
7.2 E-Transaction- und E-Fulfillment-Prozess
7.3 E-Tracking- und E-Distribution-Prozess
7.4 E-Payment- und E-Reporting-Prozess
8 Wichtige Zahlungsmethoden im elektronischen Einkauf
8.1 Gutschriftsverfahren
8.2 Purchasing Card
9 Kritische Betrachtungsweise des E-Procurement
9.1 Chancen
9.2 Problembereiche
9.3 Zukunftsaussichten
10 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung betrieblicher Beschaffungsprozesse durch den gezielten Einsatz verschiedener E-Procurement-Lösungen zu untersuchen und kritisch zu bewerten. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern die elektronische Beschaffung wirksam zur Optimierung des operativen Beschaffungsmanagements beitragen kann.
- Grundlagen des E-Business und der E-Procurement-Definitionen
- Analyse gängiger E-Procurement-Tools (ERP, DPS, elektronische Märkte)
- Klassifizierung der E-Procurement-Arten (E-Ordering, E-Sourcing)
- Gegenüberstellung des klassischen Beschaffungsprozesses mit E-Procurement-optimierten Abläufen
- Bewertung von Erfolgsfaktoren, Risiken und Zukunftsperspektiven
Auszug aus dem Buch
3.3 Desktop Purchasing Systeme
Desktop Purchasing Systeme sind Softwarelösungen, die die automatisierte Bestellabwicklung von Gütern mit geringer strategischer Bedeutung (C-Artikeln) ermöglichen. C-Artikel haben vergleichbare Qualitätseigenschaften und werden im Unternehmen durch viele Bedarfsträger nachgefragt, so dass eine Nachfragebündelung stattfinden und der Beschaffungsprozess standardisiert werden kann. Beim operativen Beschaffungsprozess wird zunächst der Bedarf ermittelt und mit dem Lagerbestand verglichen. Der Lagerbestandsabgleich kann direkt vor Ort oder aber durch ein Enterprise Ressource Planning System (ERP-System) stattfinden. Reicht der Lagerbestand nicht aus, werden die passenden Lieferanten und die benötigten Produkte ausgewählt. Das erfolgt bei DPS über elektronische Produktkataloge. Die Funktionalitäten elektronischer Produktkataloge umfassen unter anderem viele Suchmöglichkeiten (z.B. Stichwortsuche, Suche nach Artikelnummer) und Navigationshilfen, die Verwaltung von Lieferanten- und Artikelnummern, die Verwaltung verschiedener Produktkategorien und einfache und günstige Aktualisierungsmöglichkeiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Wandel durch moderne Informationstechnik und das Ziel der Arbeit, die Effizienzsteigerung durch E-Procurement kritisch zu untersuchen.
2 Grundlagen und begriffliche Abgrenzung: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis und differenziert zwischen E-Business, E-Commerce, Beschaffung, E-Sourcing und E-Ordering.
3 E-Procurement-Tools: Hier werden technische Werkzeuge wie ERP-Systeme, Desktop Purchasing Systeme und elektronische Märkte inklusive ihrer Vor- und Nachteile analysiert.
4 Wesentliche Arten von E-Procurement: Das Kapitel kategorisiert E-Procurement-Lösungen in E-Ordering (Buy-Side, Sell-Side, Marktplätze) und E-Sourcing (Ausschreibungen, Auktionen, Börsen, E-Collaboration).
5 Systeme und Ausrichtungen des E-Procurement: Es werden technische Systemarchitekturen sowie horizontale und vertikale Ausrichtungen von Beschaffungsplattformen vorgestellt.
6 Der klassische Beschaffungsprozess: Die Darstellung beschreibt die Anbahnungs-, Vereinbarungs- und Abwicklungsphase eines konventionellen Beschaffungsvorgangs.
7 Der Beschaffungsprozess unter Anwendung eines DPS: Dieses Kapitel erläutert, wie ein Desktop Purchasing System die einzelnen Phasen der operativen Beschaffung elektronisch unterstützt.
8 Wichtige Zahlungsmethoden im elektronischen Einkauf: Es werden das Gutschriftsverfahren und die Nutzung von Purchasing Cards als effiziente Zahlungsabwicklungsoptionen erläutert.
9 Kritische Betrachtungsweise des E-Procurement: Das Kapitel diskutiert die Chancen, bestehende Problembereiche bei der Einführung sowie zukünftige Entwicklungen im E-Procurement.
10 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Nutzen sowie die Hürden der Einführung von E-Procurement-Lösungen.
Schlüsselwörter
E-Procurement, Beschaffungsprozess, E-Ordering, E-Sourcing, Desktop Purchasing System, ERP-System, C-Artikel, E-Commerce, Prozesskosten, Elektronische Märkte, Effizienzsteigerung, Online-Auktionen, Supply Chain Management, Gutschriftsverfahren, Purchasing Card
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Thesis befasst sich mit der Optimierung betrieblicher Beschaffungsprozesse durch den gezielten Einsatz von E-Procurement-Lösungen, wobei insbesondere der Fokus auf die Effizienzsteigerung bei der Beschaffung von C-Gütern liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die technologischen Grundlagen (ERP, DPS), die strategischen und operativen Arten der elektronischen Beschaffung sowie die vergleichende Analyse zwischen klassischen und elektronischen Prozessen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es aufzuzeigen, inwiefern elektronische Beschaffungsanwendungen wirksam zur Optimierung des Beschaffungsprozesses beitragen können und welche Chancen und Risiken dabei entstehen.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Analyse, die auf der Auswertung aktueller Fachliteratur, wissenschaftlicher Definitionen sowie spezifischer Studien zum E-Procurement basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Tools, Arten des E-Ordering und E-Sourcing, technische Systemausrichtungen sowie der konkrete Ablauf eines optimierten Beschaffungsprozesses mittels DPS detailliert erläutert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Zentrale Begriffe sind E-Procurement, Prozesskostenoptimierung, C-Artikel-Management, Desktop Purchasing Systeme (DPS) und elektronische Marktplätze.
Wie unterscheidet sich eine Buy-Side- von einer Sell-Side-Lösung?
Bei der Buy-Side-Lösung erstellt das Unternehmen aus verschiedenen Lieferantenkatalogen einen eigenen Multilieferantenkatalog, während bei einer Sell-Side-Lösung der Lieferant die Einkaufssoftware und seinen Katalog zur Verfügung stellt.
Warum wird E-Procurement derzeit vorrangig für C-Güter eingesetzt?
C-Güter verursachen trotz ihres geringen Warenwerts verhältnismäßig hohe Transaktionskosten, weshalb die Automatisierung durch Standardsoftware hier das größte Einsparungspotenzial bietet.
Welchen Einfluss hat die Einführung von E-Procurement auf die Mitarbeiter?
Die Reduktion operativer Tätigkeiten durch automatisierte Systeme ermöglicht es den Mitarbeitern, sich intensiver auf strategische Aufgaben wie die Lieferantenbetreuung oder Marktanalyse zu konzentrieren.
Welche Rolle spielen elektronische Märkte für kleine Unternehmen?
Für kleine Unternehmen ist der Nutzen aufgrund des hohen Implementierungs- und Aufrechterhaltungsaufwands derzeit oft noch begrenzt, wenngleich sie von der erhöhten Markttransparenz profitieren könnten.
- Arbeit zitieren
- Kathleen Banike (Autor:in), 2010, Optimierung des klassischen Beschaffungsprozesses durch die Anwendung von E-Procurement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188195