In der vorliegenden Arbeit möchte ich die individuelle Identitätsfindung und deren Zusammenhang mit dem Kollektiv bei Charles Taylor darlegen. Ausgehend von der Achtung als wesentlichem Bestandteil des Identitätsrahmens erachtet Taylor das Erlangen des Verständnisses über das eigene Ich für das Individuum einzig über die Interpretation seines Selbst als möglich. Die Selbstinterpretation versteht Taylor dabei als eine Ausbildung der subjektiven Identität durch intersubjektives Handeln mittels der diesem Interaktionsraum eigener Sprache. Der These folgend, dass die Gemeinschaft eine konstitutive Bedeutung für die Ausbildung der individuellen Identität hat, werde ich im ersten Teil dieser Arbeit auf die von Taylor definierten allgemeinen Bedingungen des Identitätsrahmens eingehen, um dann im zweiten Teil die Rolle der Sprache und Artikulation sowie ihren Beitrag zur Entfaltung des individuellen Selbst aufzuzeigen. Im dritten Teil wird das Gute im Zusammenhang mit der Zielorientierung der Identitätsbestimmung und der Gerechtigkeit geschildert, was dann als Grundlage für den vierten Teil der Darstellung der Doppeldeutigkeit des Begriffes der Anerkennung bei Charles Taylor dient.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Identitätsrahmen des individuellen Selbst
- Achtung, Leid und Mitleid, Selbstbestimmung und tätiges Leben als Grundlagen des individuellen Selbst
- Sprache und Artikulation und ihre Bedeutung für die Identitätsausbildung
- Das Gute als Leitfaden der Identitätsbildung
- Das Gute im Zusammenhang mit der Gerechtigkeit
- Doppeldeutigkeit des Begriffes „Anerkennung“
- Anerkennung als Prozess der Ausbildung der Identität und des Selbst
- Anerkennung als Mittel und Vermittler gemeinsamer Lebensführung unterschiedlicher Gesellschaften
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die individuelle Identitätsfindung und ihren Zusammenhang mit dem Kollektiv im Werk von Charles Taylor. Sie beleuchtet, wie Taylor die Ausbildung des Selbst durch die Anerkennung, die Sprache und die Interaktion mit anderen versteht. Der Fokus liegt auf der Frage, wie die Gemeinschaft eine konstitutive Rolle bei der Entstehung individueller Identität spielt.
- Die konstitutive Rolle der Gemeinschaft für die Ausbildung individueller Identität
- Der Identitätsrahmen des Selbst: Achtung, Leid, Mitleid, Selbstbestimmung und tätiges Leben
- Die Bedeutung von Sprache und Artikulation für die Identitätsausbildung
- Das Gute als Leitfaden der Identitätsbestimmung und Gerechtigkeit
- Die Doppeldeutigkeit des Begriffs „Anerkennung“ und seine Bedeutung für die Identität
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt die Problematik der Menschenwürde im Grundgesetz und die Suche nach einer tieferen Bedeutung des Begriffs der Individualität dar. Sie führt die zentrale Frage nach der Quelle der individuellen Identität und der Rolle der Gemeinschaft ein.
- Identitätsrahmen des individuellen Selbst: Dieses Kapitel beschreibt Taylors Ablehnung der „individualisierten Identitätsbestimmung“ und betont die Bedeutung des „dialogischen Charakters menschlicher Existenz“. Es erläutert die Annahme, dass die Gemeinschaft für die Ausbildung individueller Identität essentiell ist.
- Sprache und Artikulation und ihre Bedeutung für die Identitätsausbildung: Dieses Kapitel untersucht die Rolle von Sprache und Artikulation im Prozess der Identitätsbildung. Es argumentiert, dass die Fähigkeit, sich selbst und seine Entscheidungen anderen mitzuteilen, entscheidend für das Verständnis des eigenen Selbst ist.
- Das Gute als Leitfaden der Identitätsbildung: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle des „Guten“ als Orientierungsrahmen für die Identitätsfindung. Es erklärt, wie moralische und ethische Werte als Leitfaden für das eigene Handeln dienen.
- Doppeldeutigkeit des Begriffes „Anerkennung“: Dieses Kapitel analysiert die Doppeldeutigkeit des Begriffs „Anerkennung“ in Taylors Werk. Es untersucht, wie Anerkennung sowohl die Ausbildung individueller Identität als auch die gemeinsame Lebensführung in Gesellschaften prägt.
Schlüsselwörter
Schlüsselbegriffe der Arbeit sind individuelle Identität, Gemeinschaft, Anerkennung, Sprache, Artikulation, das Gute, Gerechtigkeit, Selbstbestimmung, dialogische Existenz und Identitätsrahmen. Die Arbeit beleuchtet Taylors Kritik an individualistischer Identitätstheorie und betont die Bedeutung der Gemeinschaft für die Entfaltung des Selbst.
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielt die Gemeinschaft für die Identität laut Charles Taylor?
Nach Taylor ist die Gemeinschaft konstitutiv für das Individuum. Identität entsteht nicht isoliert, sondern durch den Dialog und das intersubjektive Handeln innerhalb eines sozialen Rahmens.
Warum ist Sprache für die Identitätsfindung so wichtig?
Sprache ist das Medium der Selbstinterpretation. Nur durch die Artikulation und den Austausch mit anderen kann ein Individuum ein Verständnis über sein eigenes Ich entwickeln.
Was versteht Taylor unter dem Begriff der "Anerkennung"?
Anerkennung hat eine doppelte Bedeutung: Sie ist einerseits ein Prozess der Identitätsbildung des Selbst und andererseits ein notwendiges Mittel für das Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft.
Wie hängen "das Gute" und Identität zusammen?
Das Verständnis dessen, was als "gut" oder wertvoll erachtet wird, dient als Orientierungsrahmen für die Identitätsbestimmung. Moralische Ziele leiten das Individuum bei seiner Selbstfindung.
Was kritisiert Taylor an der modernen individualisierten Identität?
Er lehnt eine rein atomistische Sichtweise ab, die das Individuum losgelöst von sozialen Bindungen betrachtet. Er betont stattdessen den dialogischen Charakter der menschlichen Existenz.
- Quote paper
- Ernest Mujkic (Author), 2006, Konstitutive Rolle der Gemeinschaft für die Ausbildung individueller Identität bei Charles Taylor, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188263