Mit dem Ende des Ost-West Konflikts wurde ein weiterer Demokratisierungs-schub innerhalb der sogenannten dritten Demokratisierungswelle eingeleitet, welcher die UDSSR und die Staaten Ost- und Südosteuropas erfasste. In den meisten Fällen war diese Systemtransformation, hin zu einem demokratischen Staat mit Marktwirtschaft, mehr oder weniger konfliktreich. Bei der UDSSR, der Tschechoslowakei und Jugoslawien war dies mit dem Zerfall des alten au-toritären Staatsgebildes verbunden. Insbesondere im Falle Jugoslawiens war dieser Zerfall mit einer Vielzahl von blutigen Bürgerkriegen (Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo) verbunden. Das unterscheidet die Systemtransformation in den neuen Staaten des ehemaligen Jugoslawien fundamental von den anderen. Das jeweilige Ende des Bürgerkrieges wurde von internationalen Organisationen (VN, NATO, EU, etc.) in Verbindung mit den USA herbeige-führt. Ein Thema der „Friedensvereinbarung“ mit den Konfliktparteien behan-delte auch die Systemtransformation, da nach Vorstellung der VN Demokratie und wirtschaftliche und soziale Wohlfahrt Garanten für Frieden sind (Merkel 2010: 444f.). Im Falle der Nachfolgestaaten des zerfallenen Jugoslawiens ist mittels „externer Demokratisierung“, also durch internationale Organisationen, z.B. OSZE, EU und VN, in den vorhin erwähnten drei Staaten besonders intensiv gesteuert und überwacht worden. Diese Demokratisierungswelle bedeutet global betrachtet, dass sich das westliche, demokratische und marktwirtschaftliche System gegenüber dem totalitären und zentralwirtschaftlichen System durchgesetzt hat (Fukuyama 2006). Da die meisten internationalen Organisationen stark westlich geprägt sind, implementieren sie ihre westlichen, demokratischen und wirtschaftlichen Zielvorstellungen im betroffenen Staat. (Merkel 2010: 436f., 442-447). Im Rahmen dieser vergleichenden Studie wird untersucht, in welchen Staaten das Projekt der Transformation erfolgreich war, in welchen Staaten nicht, und was die Ursachen dafür sind.
Inhaltsverzeichnis
A. EINLEITENDE GEDANKEN
A.1 Ausgangsproblem und wissenschaftliches Erkenntnisinteresse
A.2 Erarbeitung einer wissenschaftlichen Fragestellung und Hypothesen
A.3 Erarbeitung eines wissenschaftlichen Vorgehensplans
B. HAUPTTEIL
B.1 Entwicklung und Diskussion der zentralen Definitionen „Transition“ und „Transformation“
B.2 Entwicklung des theoretischen Rahmens
B.2.1 Theorien der Systemtransformationen
B.2.1.1 Der Prozess der Systemtransformation
B.2.1.1.1 Zentrale Funktion des Teilprozesses der politisch-administrativen Transformation
B.2.1.1.2 Zentrale Funktion des Teilprozesses der gesellschaftlichen Transformation
B.2.1.1.3 Zentrale Funktion des Teilprozesses der ökonomischen Transformation
B.2.1.1.4 Zwischenfazit
B.2.1.2 Bedeutung der „embedded democracy“ im Rahmen der Systemtransformation und deren Kriterien für diese Analyse
B.2.2 Dilemma der Gleichzeitigkeit
B.2.2.1 Dilemma der Gleichzeitigkeit nach Offe
B.2.2.2 Dilemma der Gleichzeitigkeit nach Elster
B.2.2.3 Bedeutung der Ausgangssituation vor Beginn der Transformation nach Mackow
B.2.2.4 Zwischenfazit und Darstellung des entwickelten Analyserahmens
B.2.3 Demokratiemessung
B.2.3.1 Historische Entwicklung der Demokratiemessung
B.2.3.2 Präsentation der vier prominentesten Demokratiemessinstrumente
B.2.3.1 Begründung für die Auswahl des „Bertelsmann Transformation Index“
B.2.3.3 Der „Bertelsmann Transformation Index“
B.2.3.4 Kritik am „Bertelsmann Transformation Index“
B.3 Entwicklung des Analyseobjekts
B.3.1 Der Untergang Jugoslawiens
B.3.2 Horizontale Messung der Systemtransformation über alle Nachfolgestaaten Jugoslawiens hinweg und Ermittlung des am weitesten und des am wenigsten transformierten Staates mit Hilfe des „Bertelsmann Transformation Index“
B.3.3 Detaillierte Darstellung des Transformationsprozesses in Slowenien mit Hilfe des „Bertelsmann Transformation Index“
B.3.4 Detaillierte Darstellung des Transformationsprozesses in Bosnien und Herzegowina mit Hilfe des „Bertelsmann Transformation Index“
B.3.5 Zwischenfazit und Verortung von Slowenien und Bosnien und Herzegowina innerhalb des „Prozesses der Systemtransformation“
B.4 Analyse
B.4.1 Vertikale Messung der Systemtransformation von Slowenien mittels einer vergleichenden Analyse anhand der Kriterien nach Elster und Offe, sowie der Ausgangssituation nach Mackow
B.4.1.1 Zwischenfazit der gewonnenen Erkenntnisse
B.4.2 Vertikale Messung der Systemtransformation von Bosnien und Herzegowina mittels einer vergleichenden Analyse anhand der Kriterien nach Elster und Offe, sowie der Ausgangssituation nach Mackow
B.4.2 1 Zwischenfazit der gewonnenen Erkenntnisse
B.4.3 Diskussion der gewonnenen Erkenntnisse
B.5 Gesamtfazit
C. ABSCHLIEßENDE GEDANKEN
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht als vergleichende Studie die Systemtransformation in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens, um zu ergründen, warum einige Staaten erfolgreich demokratische Marktwirtschaften entwickelten, während andere in Transformationsdilemmata stecken blieben.
- Analyse des „Gleichzeitigkeitsdilemmas“ nach Elster und Offe.
- Untersuchung der Bedeutung ökonomischer Rahmenbedingungen und sozialer Strukturen.
- Vertikale Feinanalyse von Slowenien (most-likely-case) und Bosnien und Herzegowina (least-likely-case).
- Evaluierung des Transformationsfortschritts mittels des „Bertelsmann Transformation Index“ (BTI).
- Identifikation der Ursachen für erfolgreiche oder stagnierende Transformationsprozesse.
Auszug aus dem Buch
B.2.1.1 Der Prozess der Systemtransformation
Eine gelungene Systemtransformation durchläuft erfolgreich vier Phasen. Jede der vier Transformationsphasen ist durch spezifische Akteurshandlungen auf der Meso- und Mikroebene gekennzeichnet.
In der „Phase der Ablösung“ spaltet sich die herrschende Elite und offene Konflikte über zukünftige politische Administration brechen aus. Idealtypisch endet diese Phase mit den Gründungswahlen des neuen Staates, die durch eine hohe Wahlbeteiligung und durch die Wahl der neuen politischen Eliten gekennzeichnet sind. Durch das Fehlen von detaillierten institutionellen Rahmenbedingungen besteht breiter Raum für politische Aktivitäten in Form von Interessengruppen, inszeniert von der neuen Elite durch Massenmobilisierung. Die neuen Gruppen werden sowohl horizontal als auch vertikal eingebunden. Der freie Zugang zu den Medien und damit zur Information unterstützt diesen Prozess. Die Phase ist abgeschlossen, wenn die ersten Schritte Richtung Wahldemokratie gesichert sind und die grundlegenden Menschenrechte garantiert werden (Solveig 2009: 76f.). Die Bevölkerung hat gegenüber der neuen Regierung großes Vertrauen, das aber schnell aufgebraucht sein kann, aufgrund der raschen Veränderungen und der Intransparenz der Prozesse (Solveig 2009: 85f.). Die Eliten bestimmen das Tempo und das Ausmaß der Veränderungen. Durch einen „Elitepakt“, der alle möglichen Leistungen umfassen kann, können Eliten mit potentieller Vetomacht, positiv gestimmt werden, um eine Blockade im Systemtransformationsprozess zu vermeiden. Sogenannte „Leuchtturmprojekte“ zeigen partiell schon den anzustrebenden Zielzustand für alle an (Solveig 2009: 86-89).
Zusammenfassung der Kapitel
A. EINLEITENDE GEDANKEN: Einführung in die Demokratisierungswelle und die wissenschaftliche Problemstellung der Systemtransformation.
B. HAUPTTEIL: Theoretische Fundierung, methodische Herleitung des Analyserahmens und detaillierte Untersuchung der Transformationsprozesse anhand empirischer Beispiele.
C. ABSCHLIEßENDE GEDANKEN: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und kritische Reflexion des Transformationserfolgs im Kontext der globalen Demokratieentwicklung.
Schlüsselwörter
Systemtransformation, Gleichzeitigkeitsdilemma, Demokratisierung, Bosnien und Herzegowina, Slowenien, Transformationstheorie, Bertelsmann Transformation Index, Marktwirtschaft, Politische Transformation, embedded democracy, Transformation, Transition, Eliten, Zivilgesellschaft, Rechtsstaatlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Systemtransformation von den ehemaligen sozialistischen Staaten Jugoslawiens hin zu modernen demokratischen Marktwirtschaften.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Mittelpunkt stehen die Überwindung des Gleichzeitigkeitsdilemmas, die Bedeutung ökonomischer Rahmenbedingungen und die Rolle politischer Akteure bei der Systemtransformation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Erfolgsfaktoren für eine gelungene Transformation zu identifizieren und die Ursachen für das „Steckengebleiben“ einiger Nachfolgestaaten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit ist als vergleichende Studie angelegt, die eine horizontale Analyse aller Nachfolgestaaten mit einer vertikalen Feinanalyse ausgewählter Fälle (Slowenien und Bosnien-Herzegowina) kombiniert.
Was umfasst der Hauptteil?
Der Hauptteil erarbeitet theoretische Grundlagen, definiert Transitions- und Transformationsbegriffe, stellt Messinstrumente vor und führt eine detaillierte Länderanalyse durch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Systemtransformation, Gleichzeitigkeitsdilemma, BTI, Transformation, Transition und Demokratisierung.
Wie unterscheidet sich die Situation in Slowenien von Bosnien-Herzegowina?
Während Slowenien durch eine hohe Identifikation der Bevölkerung und stabile Institutionen als erfolgreich transformierter Staat (most-likely-case) gilt, ist Bosnien-Herzegowina durch ethnische Spaltung und ineffiziente Institutionen im Dilemma verhaftet.
Warum spielt das „Gleichzeitigkeitsdilemma“ eine so zentrale Rolle?
Das Dilemma beschreibt die enorme Herausforderung, den politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Systemwandel gleichzeitig bewältigen zu müssen, was oft zu Blockaden führt.
Welche Funktion hat der Bertelsmann Transformation Index (BTI)?
Der BTI dient als wichtigstes Messinstrument, da er sowohl politische als auch ökonomische Kriterien umfasst und die Steuerungsleistung (Management) der Akteure explizit bewertet.
Welche Rolle spielt die Zivilgesellschaft bei der Transformation?
Sie gilt als essenzielles Korrektiv und Stütze der Demokratie, die jedoch in Staaten mit kriegsbedingten Zerstörungen oder schwachen Institutionen oft nur rudimentär existiert.
- Quote paper
- M.A. "Governance" und Dipl.-Betrw. FH Hans-Juergen Klein (Author), 2011, Eine Analyse der Systemtransformationen in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188366