Die Auswirkungen des Klimawandels auf das menschliche Leben auf der Erde werden zunehmend spürbar: Überflutungen als Folge eines steigenden Meeresspiegels, Dürre- und Hitzeperioden in gemäßigten Klimazonen und andere Extremwetterereignisse mit hohen materiellen und ökologischen Schäden.
Die Entwicklungen, die diese Herausforderungen mit sich bringen, stellen auch für die Wirtschaft bedeutende Veränderungen in Aussicht. Für Unternehmen wird der Klimawandel durch die Notwendigkeit zur Antizipation und zur Anpassung an die für sie relevanten klimatischen, technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu einer betriebswirtschaftlich existenziellen Aufgabe. Die Betroffenheit von Unternehmen von den Veränderungen der klimatischen Verhältnisse und die notwendigen Gegenmaßnahmen der Unternehmensleitungen werden damit für Investoren ein entscheidendes Thema bei Anlageentscheidungen.
Um den möglichen Einfluss des Klimawandels auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens beurteilen zu können, benötigen Investoren Informationen darüber, in welchem Maße ein Unternehmen den zukünftigen Veränderungen ausgesetzt ist und wie es darauf reagieren wird. Eine wesentliche Quelle von Informationen, die für Investitionsentscheidungen relevant sind, ist die an externe Adressaten gerichtete, schriftliche Unternehmensberichterstattung.
Für eine Berichterstattung über unternehmensbezogene Entwicklungen, die in Bezug zum Klimawandel stehen, wurden in den letzten Jahren von unterschiedlichen Organisationen verschiedene Berichtsvorgaben entwickelt. Ein Ziel dieser Vorgaben ist es, Inhalte und Form entsprechender Unternehmensberichte an externe Adressaten zu standardisieren und vergleichbar zu machen.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Frage zu beantworten, welche bestehenden Berichtsvorgaben und -frameworks geeignet sind, eine Unternehmensberichterstattung von Klimawandelwirkungen zu gewährleisten, die den Anforderungen der Investoren entspricht. Dazu wird ein Modell entwickelt, welches die notwendigen Inhalte einer investorenorientierte Unternehmensberichterstattung von Klimawandelwirkungen spezifiziert. Vier ausgewählte Berichtsvorgaben werden im Rahmen einer Inhaltsanalyse daraufhin überprüft, ob sie die Aufnahme dieser Informationen in die Unternehmensberichterstattung explizit fordern. Untersucht wird weiterhin, ob die relevanten Informationen möglicherweise implizit aus den geforderten Inhalten deutlich werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Investorenorientierte Unternehmensberichterstattung
2.1 Unternehmensberichterstattung als Informationsinstrument
2.1.1 Agenturprobleme in Finanzierungsbeziehungen
2.1.2 Informationsfunktion der Unternehmensberichterstattung
2.1.3 Zwischenfazit: Unternehmensberichterstattung zur Erfüllung der Informationsfunktion
2.2 Eigenschaften investorenorientierter Unternehmensberichterstattung
2.2.1 Entscheidungssituation des Anlegers
2.2.2 Entscheidungsnützliche Informationen
2.2.3 Zwischenfazit: Prognoseorientierung der Unternehmensberichterstattung
3 Auswirkungen des Klimawandels auf den Unternehmenswert
3.1 Klimawandel und seine Folgen
3.1.1 Klimatische, ökologische und gesellschaftliche Folgen des Klimawandels
3.1.2 Betriebswirtschaftliche Klimarisiken
3.2 Werteinfluss der Klimarisiken
3.2.1 Einfluss auf die unternehmerischen Werttreiber
3.2.2 Management von Klimarisiken
3.3 Zwischenfazit: Berichterstattung über Klimarisiken und Risikomanagement
4 Investorenorientierte Unternehmensberichterstattung von Klimawandelwirkungen
4.1 Anforderungen
4.1.1 Prognoseorientierung
4.1.2 Klimarisiken und Risikomanagement
4.1.3 Modellbildung einer investorenorientierten Unternehmensberichterstattung von Klimawandelwirkungen
4.2 Darstellungsmöglichkeiten und Emissionsmengen als Risikoquelle
4.2.1 Darstellungsmöglichkeiten von Risiken und Risikomanagementsystem
4.2.2 Anforderungen an Emissionsangaben zur Darstellung von Klimarisiken und Risikomanagement
5 Inhaltsanalyse
5.1 Methodik der Inhaltsanalyse
5.1.1 Grundlagen der Inhaltsanalyse
5.1.2 Anwendung der Inhaltsanalyse auf die Forschungsfrage
5.2 Auswahl der zu analysierenden Berichtsvorgaben
5.3 Berichtsvorgaben aus dem Bereich Carbon Accounting
5.3.1 Greenhouse Gas Protocol Corporate Standard
5.3.2 ISO 14064-1: Specification with guidance at the organization level for quantification and reporting of greenhouse gas emissions and removals
5.4 Berichtsvorgaben aus dem Bereich Carbon Disclosure
5.4.1 CDSB Reporting Framework Exposure Draft
5.4.2 Global Reporting Inititative (GRI) Reporting Framework
5.5 Inhaltsanalyse der Berichtsvorgaben
5.5.1 Inhaltsanalyse des Greenhouse Gas Protocol Corporate Standard
5.5.1.1 Explizite und implizite Vorgaben zur Darstellung der Klimarisiken
5.5.1.2 Explizite und implizite Vorgaben zur Darstellung von Risikomanagement und erwarteten Folgen
5.5.1.3 Explizite und implizite Vorgaben zur Prognose monetärer Auswirkungen der Risiken
5.5.1.4 Fazit der Analyse des GHG Protocol
5.5.2 Inhaltsanalyse des ISO 14064 – 1
5.5.2.1 Explizite und implizite Vorgaben zur Darstellung der Klimarisiken
5.5.2.2 Explizite und implizite Vorgaben zur Darstellung von Risikomanagement und erwarteten Folgen
5.5.2.3 Explizite und implizite Vorgaben zur Prognose monetärer Auswirkungen der Risiken
5.5.2.4 Fazit der Analyse des ISO 14064-1
5.5.3 Inhaltsanalyse des CDSB Reporting Framework Exposure Draft
5.5.3.1 Explizite und implizite Vorgaben zur Darstellung der Klimarisiken
5.5.3.2 Explizite und implizite Vorgaben zur Darstellung von Risikomanagement und erwarteten Folgen
5.5.3.3 Explizite und implizite Vorgaben zur Prognose monetärer Auswirkungen der Risiken
5.5.3.4 Fazit der Analyse des CDSB Reporting Framework
5.5.4 Inhaltsanalyse des Global Reporting Initiative Reporting Framework
5.5.4.1 Explizite und implizite Vorgaben zur Darstellung der Klimarisiken
5.5.4.2 Explizite und implizite Vorgaben zur Darstellung von Risikomanagement und erwarteten Folgen
5.5.4.3 Explizite und implizite Vorgaben zur Prognose monetärer Auswirkungen der Risiken
5.5.4.4 Fazit der Analyse des GRI Reporting Framework
5.6 Zusammenfassung der Analyseergebnisse
6 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht, ob aktuelle Berichtsvorgaben für die Unternehmensberichterstattung geeignet sind, Investoren fundierte Informationen über Klimawandelwirkungen zu liefern. Das primäre Ziel ist die Entwicklung eines Modells, das die spezifischen Informationsbedürfnisse von Kapitalanlegern in Bezug auf Klimarisiken und entsprechende Gegenmaßnahmen systematisiert, um anschließend anhand einer Inhaltsanalyse gängiger Berichtsvorgaben deren Eignung zur Offenlegung dieser wertrelevanten Informationen zu prüfen.
- Analyse der Entscheidungssituation von Investoren
- Kategorisierung betriebswirtschaftlicher Klimarisiken
- Bedeutung des Klimarisikomanagements für den Unternehmenswert
- Entwicklung eines investorenorientierten Berichterstattungsmodells
- Inhaltsanalyse führender Berichtsvorgaben (GHG Protocol, ISO 14064-1, CDSB, GRI)
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Betriebswirtschaftliche Klimarisiken
In der betriebswirtschaftlichen Literatur werden verschiedene Auswirkungen des Klimawandels auf Unternehmen genannt. Relativ zu einem gesetzten Ziel, nämlich als durch „‘zufällige‘ Störungen verursachte Möglichkeit, von geplanten Zielen abzuweichen“78, wird ein betriebswirtschaftliches Risiko definiert.79 Dabei wird häufig sowohl eine positive wie auch negative Abweichung eingeschlossen. In diesem Sinne können die zielrelevanten Wirkungen des Klimawandels auf ein Unternehmen als Klimarisiken bezeichnet werden.80
Die Beschäftigung mit Auswirkungen des Klimawandels auf Unternehmen steht in der Betriebswirtschaftslehre noch ganz am Anfang.81 Eine abschließende Kategorisierung und Definition der Risiken fehlt bisher.
Grundsätzlich können betriebswirtschaftliche Risiken auf unterschiedliche Weise kategorisiert werden. Mögliche Kriterien können bspw. die Wirkung des Risikos, die Risikoursache, die Ebene der Unternehmensentscheidung (operativ, strategisch, ergebnis-, liquiditätsorientierte Risiken) oder der Ort der Risikoentstehung relativ zum Unternehmen (interne, d.h. die Quelle des Risikos liegt im Unternehmen selbst, und externe, d. h. das Risiko basiert auf externen Ursachen) sein.82
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Relevanz der Berichterstattung über Klimawandelwirkungen für Investoren und definiert die Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Investorenorientierte Unternehmensberichterstattung: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung der Berichterstattung für Investoren auf Basis der Prinzipal-Agenten-Theorie und leitet Anforderungen an eine prognoseorientierte Unternehmensberichterstattung ab.
3 Auswirkungen des Klimawandels auf den Unternehmenswert: Hier werden Klimarisiken kategorisiert und deren Einfluss auf die werttreibenden Faktoren des Unternehmens sowie Möglichkeiten des Risikomanagements analysiert.
4 Investorenorientierte Unternehmensberichterstattung von Klimawandelwirkungen: In diesem Abschnitt wird ein Modell entwickelt, das die Anforderungen an eine investorenorientierte Berichterstattung bezüglich Klimawandelwirkungen spezifiziert.
5 Inhaltsanalyse: Dieses Kapitel beinhaltet die methodische Durchführung und Auswertung der Inhaltsanalyse von vier ausgewählten Berichtsvorgaben hinsichtlich ihrer Eignung für Investoren.
6 Schluss: Das Schlusskapitel fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen, kritisiert die Vorgehensweise und zeigt weiteren Forschungsbedarf auf.
Schlüsselwörter
Klimawandel, Unternehmensberichterstattung, Investorenorientierung, Klimarisiken, Risikomanagement, Unternehmenswert, Shareholder Value, Emissionsangaben, Carbon Accounting, Carbon Disclosure, Prognoseorientierung, regulatorische Risiken, physische Risiken, Inhaltsanalyse, Berichtsvorgaben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Unternehmen über Auswirkungen des Klimawandels berichten müssen, damit diese Informationen für Investoren bei Anlageentscheidungen wirklich nützlich sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Unternehmensbewertung, die Systematisierung von Klimarisiken sowie die Analyse bestehender internationaler Berichtsvorgaben zur Nachhaltigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erstellung eines Modells für eine investorenorientierte Berichterstattung von Klimawandelwirkungen und die anschließende Überprüfung, inwieweit bestehende Standards diesem Anspruch gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktiv hergeleitete Modellbildung und eine anschließende semantische Inhaltsanalyse zur Bewertung der Berichtsvorgaben.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung investorenorientierter Informationen, die Analyse des Werteinflusses von Klimarisiken und die detaillierte Inhaltsanalyse von Carbon-Accounting- und Carbon-Disclosure-Standards.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Klimarisiken, Unternehmenswert, Investorenorientierung, Carbon Disclosure, Carbon Accounting und Risikomanagement.
Welcher Unterschied besteht zwischen Carbon Accounting und Carbon Disclosure in dieser Analyse?
Die Analyse unterscheidet zwischen Standards, die primär auf die reine Mengenmessung von Emissionen fokussieren (Carbon Accounting), und solchen, die breiter gefasst Risiken und Chancen des Klimawandels für die Unternehmensstrategie behandeln (Carbon Disclosure).
Warum ist eine Segmentierung der Emissionen laut der Arbeit so wichtig?
Eine Segmentierung der Emissionsdaten ermöglicht es Investoren, regulatorische Risiken besser einzuschätzen, da diese je nach Art des Treibhausgases, geografischer Lage und betrieblicher Aktivität unterschiedlich stark auf das Unternehmen wirken.
- Quote paper
- Cornelius Thiele (Author), 2010, Investorenorientierte Unternehmensberichterstattung von Klimawandelwirkungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188395