Die Entwicklung des Volleyballspiels in Köln nach dem Zweiten Weltkrieg


Diplomarbeit, 2009

92 Seiten, Note: 2,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Entwicklung des Volleyballspiels in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg
2.1 Die Entwicklung des Volleyballspiels in der Deutschen Demokratischen Republik
2.2 Die Entwicklung des Volleyballspiels in der Bundesrepublik Deutschland

3 Die gesellschaftspolitische Situation und der allgemeine Sport in Köln nach dem Zweiten Weltkrieg

4 Die Entwicklung des Volleyballspiels in Köln
4.1 Anfänge
4.2 Der Spielbetrieb im Westdeutschen Volleyball-Verband und im Volleyballkreis Köln nach 1945
4.2.1 Westdeutscher Volleyball-Verband (WVV)
4.2.2 Volleyballkreis Köln
4.2.3 Organisation und Entwicklung des Spielbetriebs
4.3 Volleyballvereine in Köln
4.3.1 Mülheimer Turnverein (MTV) Köln 1850 e.V
4.3.2 Kölner Turnerschaft (KT) von 1843 e.V
4.3.3 Eisenbahner Sportverein (ESV) Olympia Köln e.V
4.3.4 Telekom-Post-Sportgemeinschaft Köln e.V. (TPSK)
4.3.5 Gymnasial-Sportverein (GSV) Porz e.V
4.3.6 Deutzer Turnverein 1878 e.V

5 Die Bedeutung des Volleyballspiels für den Breitensport

6 Schlussbetrachtung

7 Anhang Literaturverzeichnis Quellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Internetquellen

1 Einleitung

Die Sportart Volleyball wird im deutschen Profisport als Randsportart bezeichnet, welche aufgrund der technisch anspruchsvollen und schnellen Spielweise wenig medienwirksam in Szene gesetzt werden kann und die darum ein geringes Interesse von Medien und Wirtschaft erfährt. Im Breiten- und Leistungssport, also abseits des großen Geldes, erfreut sich Volleyball jedoch einer enormen Beliebtheit und Anhängerschaft, handelt es sich bei dieser Sportart doch um das weltweit meistbetriebene Sportspiel hinter Fußball (Reichelt, 2004).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Zuge der Entnazifizierung alle Sportorganisationen aufgelöst (Bohus, 1986). Die Neugründung und Entwicklung der Vereine und Verbände in der Folgezeit kann für den Volleyballsport als eine Zeit des Aufschwungs und der Anerkennung angesehen werden. Der Höhepunkt dieser steigenden Resonanz wurde mit dem Boom in den 1970er Jahren erreicht, der insbesondere auf die internationalen Erfolge der deutschen Nationalmannschaften zurückzuführen ist (Helbig, 1995).

Untersuchungsgegenstand

Nach Krüger (2001) können die Besonderheiten in der Entwicklung des Sports mit seinen zahlreichen Abhängigkeiten in der Lokal- und Regionalgeschichte besser verdeutlicht werden als in großflächigen Analysen. Gegenstand der Untersuchung ist es daher, mit Hilfe der Auswertung historischer Daten und Schriften die Entwicklung der Sportart in Köln nachzuvollziehen und zu bewerten. Dazu wird auf Literatur aus dem Archiv des Vereins Kölner Sportgeschichte und der Zentralbibliothek der Deutschen Sporthochschule Köln zurückgegriffen. Festschriften, Vereinschroniken und Presseberichte aus Kölner Tageszeitungen fließen dabei ebenso ein, wie Informationen aus Jahrbüchern, Volleyballzeitschriften und den Organisationen des Deutschen und Westdeutschen Volleyball-Verbandes. Mit Hilfe von Zeitzeugen sollen „Lücken" von nicht dokumentierten Ereignissen in der Literatur geschlossen werden. Die Personen wurden dabei über diese Ereignisse befragt. Diese Interviews wurden dokumentiert und liegen dem Verfasser vor.

Im zerstörten Köln der Nachkriegszeit hat die Normalität zuerst im Fußball und Handball Einzug gehalten (Langen, 2007). Im Zuge der deutschlandweiten Sportförderung in den folgenden Jahrzehnten stieg auch in Köln die Zahl der Sporttreibenden. Bei der Erwähnung größerer sportlicher Erfolge lassen sich hauptsächlich Leichtathleten, Tennisspieler, Eisschnellläufer, Radfahrer und die Mannschaft des 1. FC Köln benennen (Langen, 2007). Doch auch der Volleyball kann in Köln Siege auf nationaler Ebene vorweisen. So gewannen beispielsweise die Männer des ESV Olympia Köln in den 1960er Jahren zweimal die Deutsche Meisterschaft (Helbig, 1995).

Forschungsstand

Volleyball ist in Deutschland eine noch junge Disziplin, welche erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Fuß gefasst hat (Honig, 2000). In der Literatur gibt es nur wenige Werke, die sich mit der geschichtlichen Entwicklung befassen. Speziell die lokale Erfassung der Kölner Volleyballgeschichte wurde bisher von wissenschaftlicher Seite vernachlässigt, was bei der Literaturrecherche deutlich wurde. Bei den Suchkriterien zum Volleyballspiel in Köln in den Datenbanken der Zentralbibliothek der Deutschen Sporthochschule Köln ist zu beobachten, dass die Sachlage zu dieser Thematik nicht im Fokus der bisherigen Forschung stand. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, diesen Wissensstand aufzuarbeiten, um einen Ansatz für weitere Untersuchungen zu liefern. Ebenfalls sollen die Ergebnisse als Vergleichspunkt zu anderen Sportarten oder anderen Städten und derer Entwicklung dienen.

Aufbau der Arbeit

In der vorliegenden Arbeit wird die Entwicklung der Volleyballgeschichte in Köln aufgezeigt. Der Untersuchungszeitraum wird beschränkt von der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre. Damit beginnt er mit der Reorganisation des Sports nach 1945 und endet mit dem Abstieg der Kölner Volleyballvereine aus der Bundesliga. Einleitend werden der Volleyballsport in Deutschland und der Kölner Sport im Allgemeinen nach dem Zweiten Weltkrieg reflektiert. Anschließend wird auf die Entwicklung des Volleyballspiels in Köln eingegangen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem regionalen Verband, dem Spielbetrieb und den für die Arbeit relevanten Kölner Volleyballvereinen. Das abschließende Kapitel widmet sich der Bedeutung des Volleyballspiels für den Leistungs- und Breitensport.

Anhand der herangezogenen Informationen sollen im Verlauf der Arbeit folgende Fragestellungen zum Volleyballsport beantwortet werden:

- Welche waren erfolgreiche Vereine? Welche Erfolge wurden erreicht? Wie war die nationale und internationale Bedeutung?
- Wann und wo wurde in Köln zuerst Volleyball gespielt?
- Wie entwickelte sich der Spielbetrieb und wie wurde er organisiert?
- Welche Vereine bzw. Abteilungen und Verbände wurden gegründet und wie haben sich diese entwickelt?
- Unter welchen Bedingungen wurde in der Nachkriegszeit Volleyball gespielt?
- Wie entwickelte sich die Situation der Sportstätten?
- Welche Bedeutung kam dem Volleyballspiel im Breitensport zu?

2 Die Entwicklung des Volleyballspiels in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg

Der Amerikaner William G. Morgan hat das Volleyballspiel unter dem Namen Mintonette im Jahre 1895 in Holyoke (USA) erfunden (Reichelt, 2004). Gedacht war es ursprünglich für Footballspieler als Trainingsspiel mit geringem Verletzungsrisiko. Im darauf folgenden Jahr stellte der Sportlehrer auf einer Konferenz das Spiel erstmals der Öffentlichkeit vor. Dabei wurde der Name in Volleyball geändert. Die rasante, weltweite Verbreitung und Entwicklung mündete 1922 in der ersten internationalen Meisterschaft. Auch in Deutschland hielt die Sportart in den 1920er Jahren Einzug (Huhle, 1975).

Das Spiel und dessen Regelwerk erfuhren in der Folge eine stetige Weiterentwicklung, welche sich unter anderem in der Verstärkung des Wettkampfgedankens zeigte. Zwischen den einzelnen Nationen bestanden jedoch noch Differenzen im Reglement. Mit der Gründung des internationalen Volleyballverbandes FIVB im Jahr 1947 wurde die Grundlage für weltweit einheitliche Regeln und somit auch für internationale Meisterschaften geschaffen. 1949 wurde in Prag die erste Volleyball-Weltmeisterschaft der Männer veranstaltet. Die Frauen folgten drei Jahre später. Nach der Gründung des europäischen Volleyballverbandes (CEV) 1963 wurde Volleyball im darauf folgenden Jahr erstmals in das Programm der Olympischen Spiele aufgenommen (Brandel, 1988).

Mit der politischen und gesellschaftlichen Neuorganisation nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden mit der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zwei deutsche Staaten. In der DDR wurde der Sport per Gesetz unterstützt. Da Volleyball im Land der sowjetischen Besatzungsmacht bereits populär war, kam dem Sport eine besondere Förderung zu Gute. Als Meilenstein auf dem Weg zu Bekanntheit und Anerkennung kann das Jahr 1951 angesehen werden, in dem der Volleyballverband „Sektion Volleyball der DDR im Deutschen Sportausschuss" gegründet wurde (Helbig, 1995).

In Westdeutschland gestaltete sich die Wiederaufnahme des Sports schwieriger, da die drei Besatzungsmächte USA, Frankreich und England keinen einheitlichen Plan hatten. Das Sporttreiben fand zwar Unterstützung, jedoch waren Vereins- und Verbandsgründungen lange Zeit nicht ohne weiteres möglich. Mit der Gründung des Deutschen Sportbundes (DSB) 1950 wurde eine gute Voraussetzung für die Neuorganisation des Sports geschaffen (Helbig, 1995). Der Volleyballsport war zu dieser Zeit noch keinem Fachverband zugeordnet. Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) wurde 1955 gegründet und erst weitere fünf Jahre später vom Deutschen Sportbund anerkannt und als Mitgliedsorganisation aufgenommen (Honig, 1980).

2.1 Die Entwicklung des Volleyballspiels in der Deutschen Demokratischen Republik

Nach der Teilung Deutschlands in vier Besatzungszonen war das Ziel der Sowjetunion in der Nachkriegszeit, in ihrem Zuständigkeitsbereich ein System nach dem Vorbild des eigenen Landes einzuführen (Krüger, 1993). Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) sorgte als führende Partei für die Umsetzung der sowjetischen Vorgaben, was ebenfalls für den Sport einen zentralistischen Aufbau bedeutete. Per Gesetz wurde beschlossen, den Sport zu fördern, was alle Organisationen zur Unterstützung der Körperertüchtigung verpflichtete (Helbig, 1995). Volleyball verfügte im Land der Besatzungsmacht bereits über Bekanntheit und Ansehen. Durch die sowjetischen Soldaten wurde auch in der Besatzungszone die anfängliche Unbekanntheit schnell überwunden und der Volleyballsport durch den Staat allseits gefördert (Helbig, 1995; Volleyball (DDR), 1973 (8)[1] ; Deutscher Sportverband Volleyball der DDR, 1966).

Der erste bedeutende Grundstein wurde 1951 mit der Gründung des Fachverbandes gelegt. Unter dem Namen „Sektion Volleyball der DDR im Deutschen Sportausschuss" (Helbig, 1995, S. 35) setzte sich der Volleyballverband zum Ziel, den Sport zu popularisieren. Die als „Russenspiel" bezeichnete Sportart erlangte bei den Weltfestspielen der Jugend und der Studenten 1951 in Berlin größere Bekanntheit. Im selben Jahr erfolgte die Aufnahme des Volleyballverbandes in den Weltverband und die Ausrichtung der ersten Meisterschaft. Vermehrt bildeten sich neue Mannschaften, so dass bereits im Jahr 1952 der Spielbetrieb mit unterschiedlichen Spielklassen eingeführt wurde (Helbig, 1995).

Als ein weiteres wichtiges Jahr in der Geschichte des Volleyballspiels in der DDR kann 1954 angesehen werden. Nach einer so genannten „Woche des Volleyballs", in welcher der Sport in der Öffentlichkeit stand, konnte die Sportart in der Republik trotz der leitungsmäßigen Defizite gegenüber etablierten Ländern an Bekanntheit und Anerkennung gewinnen (Helbig, 1995).

Das erste internationale Turnier für die Auswahlmannschaften der DDR war die Weltmeisterschaft 1956 in Paris. Zusammen mit den Männern und Frauen des DVV traten vier Mannschaften aus Deutschland bei den Spielen an. Mit einem zwölften Platz bei den Männern und einem siebten bei den Frauen war es ein erstes Turnier mit achtbaren Ergebnissen (Brandel, 1988). Gegen die Weltspitze waren beide Mannschaften chancenlos. Im Vergleich mit den im Volleyball unerfahrenen Ländern zeigte sich jedoch, dass die Förderung des Volleyballspiels bereits eine gute Entwicklung genommen hatte (Helbig, 1995).

Zwischen den beiden nationalen Volleyballverbänden der DDR und der Bundesrepublik entwickelte sich ein gutes Verhältnis, was sich in wiederholten Begegnungen zwischen Teams aus dem geteilten Land widerspiegelte. Durch den Mauerbau 1961 wurde diese Verbindung jedoch getrennt und beide Länder gingen in der Entwicklung des Volleyballspiels unterschiedliche Wege (Honig, 1980; Helbig, 1995). In den Auswahlmannschaften war die erfolgreiche Arbeit der Vereine deutlich zu erkennen. Nach den ersten internationalen Titelkämpfen 1956, die bereits mit Achtungserfolgen abgeschlossen wurden, arbeiteten sich die Männer und Frauen aus dem Osten Deutschlands sukzessive an die Weltspitze heran (Brandel, 1988).

Die Männer erreichten dabei von 1966 bis 1974 ihre Glanzzeiten bei Weltmeisterschaften. Zwei vierte Plätze flankierten die Spitzenleistung bei den Wettkämpfen 1970, als die DDR den Weltmeistertitel gewann. Bei Europameisterschaften reichte es nie für einen Platz unter den ersten drei Nationen. 1967 und 1971 waren die erfolgreichsten Jahre, als zweimal der vierte Platz erzielt wurde (Brandel, 1988).

Im Gegensatz zu den Männern gelang es den Frauen nie, den Weltmeistertitel zu erringen. Während sie, bis auf 1974 mit einem vierten Platz, meist nur eine unbedeutende Rolle spielten, wurde zusätzlich 1960, 1967 und 1980 sogar die Qualifikation für die Turniere verpasst. Bei den Europameisterschaften waren die Damen dagegen von 1958 bis 1989 regelmäßig vertreten. Ab 1975 gelang ihnen bis zur Wiedervereinigung bei jedem Turnier ein Platz unter den ersten drei. 1983 und 1987 gewann die DDR-Auswahl den Titel (Brandel, 1988).

Bei europäischen Vereinswettbewerben konnten die Mannschaften aus der DDR zwar nur selten einen Titel erringen, etablierten sich aber dennoch auf europäischer Ebene. Im Europapokal der Landesmeister und der Pokalsieger siegten die Mannschaften des DSVB insgesamt sechs Mal (Deutscher Volleyball-Verband, 2009a). Der national lange Zeit dominante SC Leipzig holte 1964 als einziges Herrenteam der DDR den Pokal der Landesmeister. In der Folgezeit konnte die Mannschaft den Titelgewinn zwar nicht wiederholen, wurde aber zu einer festen Größe im europäischen Vereinsvolleyball. Zu Beginn der 1970er Jahren gelang wiederholt mindestens der Sprung ins Halbfinale (Volleyball (DDR), 1971 (2), 1973 (3), 1974 (3); Deutscher Volleyball-Verband, 2009a). Bei den Damen konnte der SC Traktor Schwerin in den 1970er Jahren je einmal den Pokal der Pokalsieger und der Landesmeister gewinnen. Die Frauenmannschaft des SC Dynamo Berlin war zwischen 1978 und 1984 mit insgesamt drei Titeln im Pokalsiegerwettbewerb die erfolgreichste bei europäischen Wettkämpfen (Deutscher Volleyball-Verband, 2009a).

Auf nationaler Ebene wurde mit Änderungen und Anpassungen die Entwicklung im Vereinssport vorangetrieben. Zur Zeit des Mauerbaus war die einstige Sektion Volleyball der DDR bereits in den „Deutschen Sportverband Volleyball“ (DSVB) umbenannt worden (Helbig, 1995). Eine weitere Änderung im Volleyball der DDR war die Einführung einer Oberligastaffel. Dadurch war eine oberste Spielklasse auf nationaler Ebene geschaffen, die es den Teams ermöglichte, auf hohem Niveau gegen starke Gegner ihr Volleyballspiel zu verbessern (Deutscher Sportverband Volleyball der DDR, 1966). Auf nationaler Ebene konnte insbesondere Leipzig seinem Ruf als Volleyballhochburg gerecht werden. Den Männern des SC Wissenschaft DHfK Leipzig, welche von 1956 an vier mal in Folge die Meisterschaft erringen konnten, folgte in den kommenden drei Jahren der SC Rotation Leipzig mit zwei Titeln. Nach der Fusion mit Lokomotive Leipzig konnte unter dem Namen SC Leipzig in der folgenden Zeit ab 1963 14 Mal in Folge die Meisterschaft gewonnen werden. Bei den Frauen waren die Machtverhältnisse nicht so sehr auf Leipzig konzentriert. Die Stadt Halle hatte auch nach der ersten Meisterschaft 1951, die bei den Frauen und bei den Männern gleichermaßen die HSG Geschwister Scholl Halle gewann, erfolgreiche Vereine im Titelrennen. Von 1958 bis 1975 wurde der Meistertitel jedoch entweder an eine Mannschaft aus Leipzig oder Berlin vergeben (Helbig, 1995).

2.2 Die Entwicklung des Volleyballspiels in der Bundesrepublik Deutschland

In den drei westlichen Besatzungszonen gestaltete sich die Entwicklung des Volleyballsports schwierig, fand aber in Johannes Zeigert früh einen ersten Förderer. Der Sportlehrer führte das Volleyballspiel ein Jahr nach Kriegsende an einer Pfälzer Schule ein und war 1955 als Gründungsmitglied und erster Präsident maßgeblich an der Geburt des Deutschen Volleyball-Verbandes beteiligt (Honig, 1980). Anders als in der DDR, wo die Entwicklung auf der Sektionsgründung aufbaute, kam es jedoch schon vor der Verbandsgründung zu einer Verbreitung des Spiels. So wurden 1953 bereits Volleyballmeisterschaften auf Bundesebene und 1954 inoffizielle Hochschulmeisterschaften für Frauen ausgetragen (Honig, 1980). Die Aufnahme des DVV in den Weltverband erfolgte 1956 und damit fünf Jahre nach dem Verband der DDR. In demselben Jahr nahm Deutschland, nach Beratungen zwischen dem DVV und der Sektion Volleyball der DDR, erstmals mit den beiden Verbänden und somit vier Mannschaften an einem internationalen Wettkampf teil (vgl. Kap. 2.1). Diese Weltmeisterschaft endete für die Frauen und Männer des DVV auf dem vorletzten bzw. letzten Platz. Auch in den folgenden Jahren genügten die von den Nationalmannschaften gezeigten Leistungen nicht, um zur Weltspitze aufzuschließen (Helbig, 1995; Honig, 1980; Deutscher Sportverband Volleyball, 1966).

1957 wurden in Hannover die ersten Deutschen Volleyballmeisterschaften ausgetragen. Sowohl bei den Herren als auch bei den Frauen konnte die „Pädagogische Hochschule Hannover" den ersten Titel erringen (Honig, 1980).

Im Jahr 1959 lag die Zahl der Volleyball spielenden Sportler bundesweit bei 3.759. Mit ca. 750 Aktiven waren lediglich 20% davon bereits Mitglieder im DVV. Tabelle 1 zeigt die weitere Entwicklung der Mitgliederstatistik in den folgenden Jahren. Die Angaben beginnen im Jahr 1961 mit der ersten offiziellen Mitgliedererhebung durch den Deutschen Sportbund (Honig, 1980).

Tabelle 1: Entwicklung der Volleyballspieler in Deutschland (Honig, 1980, S. 95).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Daten belegen, dass in den ersten Jahren nach Einführung der Mitgliedererfassung starke Zuwachsraten zu verzeichnen waren. Dies ist neben der steigenden Popularität der Sportart darauf zurückzuführen, dass es dem Verband in dieser Zeit gelungen ist, die vielen bereits aktiven Sportler auch als Mitglieder zu gewinnen. Auffallend ist der enorme Anstieg der Mitgliederzahlen 1972, nachdem im Vorjahr der Zuwachs beinahe stagnierte. Verantwortlich scheinen die Olympischen Spiele im eigenen Land gewesen zu sein, durch die Volleyball in Deutschland einen Aufschwung erlebte. Heutzutage ist Volleyball in Deutschland nach den aktuellen vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) erhobenen Zahlen unter den Top 15 der im DOSB organisierten Spitzenverbände. Mit über 483.000 Mitgliedern ist ein weiterer Zuwachs von über 1.000 Mitgliedern im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Damit liegt Volleyball im Vergleich vor den Verbänden der Radfahrer oder Basketballer. Auf Platz eins der Rangliste liegt der Deutsche Fußball-Bund mit über 6.500.000 Mitgliedern (Deutscher Olympischer Sportbund, 2009). Als weiteres Indiz für die positive Entwicklung der Sportart kann neben den Mitgliederzahlen auch die Einführung einer Volleyballzeitschrift gesehen werden. Auf dem Verbandstag 1966 wurde beschlossen, eine verbandseigene Zeitschrift unter dem Namen „Volleyball“ herauszugeben, welche noch im selben Jahr zum ersten Mal erschien (Honig, 1980).

Der steigende Zuspruch in der Bevölkerung konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Weiterentwicklung auf dem Spielfeld nur schleppend voranging, wie an dem oft erfolglosen Abschneiden bei Ländervergleichen zu sehen war. Mitverantwortlich hierfür war auch die finanzielle Situation (Honig, 1980). Als ein Beispiel für die knappen Geldressourcen lässt sich die Weltmeisterschaft der Frauen 1960 anführen. Die Fahrtkosten nach Brasilien brachten die Spielerinnen größtenteils selbst auf. Auch für andere Länderspiele waren die finanziellen Möglichkeiten extrem beschränkt, was für den Erfahrungsschatz und die Weiterentwicklung im spielerischen Bereich nicht förderlich war (Honig, 1980).

Wegen der fehlenden sportlichen Erfolge und der mangelnden internationalen Konkurrenzfähigkeit wurde ein Länderturnier ins Leben gerufen. Der 1962 für die Männer und zehn Jahre später für die Frauen eingeführte Springcup war für Nationen aus Westeuropa gedacht, welchen somit die Chance gegeben wurde, gegen andere Nationalmannschaften mit ähnlicher Leistungsstärke anzutreten. Ziel war es, die Rückstände auf die starken Osteuropäer und die gesamte Weltspitze, mit Nationen aus Asien sowie Süd- und Mittelamerika, zu verringern. Die folgenden Jahre, mit weiterhin schlechten Platzierungen bei internationalen Turnieren, zeigten jedoch, dass dieses Ziel durch diese Maßnahme nicht erreicht werden konnte (Helbig, 1995; Honig, 2000).

Auf Vereinsebene war ab Mitte der 1960er Jahre neben Hannover bei den Frauen besonders der USC Münster bei den Männern am wachsenden Image des deutschen Volleyballs, auch über die Landesgrenzen hinaus, maßgeblich beteiligt. Zu den acht Meistertiteln in Folge verzeichnete das Herrenteam weitere Achtungserfolge im Europacup (Honig, 1980; Deutscher Volleyball-Verband, 2009b).

Den endgültigen Durchbruch, welcher durch gesteigerte Mitgliederzahlen und die wachsende Popularität deutlich wurde, brachten dem deutschen Volleyball erst die Olympischen Spiele 1972 in München. Obwohl bei der ersten Teilnahme für die Frauen nur ein letzter Platz und bei den Herren der vorletzte Platz erreicht wurden, erfuhr die Sportart einen großen Zuspruch unter den Zuschauern. Neben den Medien schwärmte selbst der Präsident des Fußballvereins 1. FC Bayern München, Wilhelm Neudecker, von dem Volleyballspiel. Daraufhin wurde bundesweit eine solche Begeisterung ausgelöst, dass nicht nur die bestehenden Mannschaften einen Anstieg der Mitglieder verzeichneten, sondern sogar neue Volleyballabteilungen und Mannschaften in den Vereinen gegründet wurden (Honig, 1980).

Auf die Olympischen Spiele im eigenen Land wurde auch auf der Vereinsebene hingearbeitet. Die Austragung der Deutschen Meisterschaften erfolgte bis 1969 in einer Endrunde aus den besten Teams der jeweiligen Oberligen. In der folgenden Spielzeit wurde erstmals die Bundesliga als zweigleisige Spielklasse eingeführt. In der Saison 1971/72 verfolgte der Verband mit der Olympialiga das Ziel, die Spieler in einer eingleisigen Liga speziell auf die Olympischen Spiele vorzubereiten. Die Olympialiga brachte wider Erwarten nicht den erhofften Erfolg. Lediglich die Kosten waren enorm, weshalb bereits nach nur einem Jahr die Rückkehr zur zweigleisigen ersten Liga erfolgte (Honig, 1980). Zur Saison 1974/75 folgte dann die eingleisige Bundesliga bei den Herren. Auf Druck der Spitzenteams wurde bereits in der Vorsaison zur Leistungsförderung mit einer übergeordneten Staffel gespielt. Zur Einführung der Bundesliga bedurfte es noch der Genehmigung auf dem Verbandstag, da der Vorstand des Volleyballverbandes „an den Verbandstagsbeschluss[2] gebunden war" (Honig, 1980, S. 45). Damit spielten ab 1974 je acht Mannschaften in der ersten Bundesliga und in je zwei zweiten Bundesligen. Bei den Damen folgte die Einführung zwei Jahre später zur Saison 1976/77 mit ebenfalls acht Mannschaften sowie dem gleichen Aufbau in der zweiten Bundesliga (Helbig, 1995).

Dem Mauerfall 1989 folgten Gespräche zwischen den Volleyballverbänden der Bundesrepublik sowie der DDR, welche das Ende des DSVB bzw. seine Eingliederung in den DVV bedeuteten. Am 9. Dezember 1990 wurde die Vereinigung der beiden deutschen Volleyballverbände durchgeführt und damit auch die Nationalmannschaften zusammengelegt. Die Weltmeisterschaft 1990 war das letzte Turnier, an welcher beide deutschen Länder mit getrennten Mannschaften antraten. Für den nationalen Ligabetrieb kam die Vereinigung 1990 zu spät, so dass die Mannschaften die bereits gestartete Spielrunde in der bisherigen Form zu Ende spielten. Ab der Saison 1991/92 wurde auch der Kampf um die Deutsche Meisterschaft in einer gemeinsamen Liga ausgetragen (Helbig, 1995).

Im Deutschen Turnerbund wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls Volleyball gespielt. Der Turnerbund sah Volleyball als „Turnspiel“ und richtete darin auch Turnspielmeisterschaften aus (Huhle, 1975). Seine einflussreiche Stellung im deutschen Sport hemmte die Entwicklung des Volleyballspiels in der Bundesrepublik, da der Deutsche Turnerbund die Verwaltung und Förderung der Sportart nicht dem DVV alleine zugestehen wollte. Diesbezüglich knüpfte der einflussreiche Turnerbund seine Unterstützung bei der Aufnahme des DVV in den Deutschen Sportbund an bestimmte Forderungen. Dazu gehörte, dass der Turnerbund das Volleyballspiel selbstständig und als eigene Organisation fördern konnte, die Austragung von Meisterschaften ebenso wie die internationale Vertretung gemeinsam durchgeführt werden sollte. Selbst nach der Aufnahme des Volleyballverbandes in den DSB bestanden die Differenzen zwischen den beiden Verbänden weiter. Erst gegen Ende der 1960er Jahre konnte in den Streitpunkten eine Einigung erzielt werden. In einem Vertrag wurde festgelegt, wer den Sport nach außen vertreten sollte und wie die innerdeutsche Zusammenarbeit bei Spielrunden und Verwaltung aussah (Honig, 1980). Die Vereinbarung zwischen den beiden Verbänden besagte, dass der Spielbetrieb in einer gemeinsamen Runde durchgeführt werden sollte. Spiel- und Schiedsrichterausschüsse sowie die sonstige Verwaltung wurde gleichberechtigt besetzt. Der Turnerbund, dessen Mannschaften dieselben Beiträge abführten, hatte die Satzungen des nationalen und internationalen Volleyballverbandes zu respektieren. Der DVV übernahm die gesamte Vertretung in den als Mitglied angehörigen Verbänden und wahrte dabei auch die Interessen des Deutschen Turnerbundes (Volleyball, 1967 (2), 1967 (2); Honig, 1980).

3 Die gesellschaftspolitische Situation und der allgemeine Sport in Köln nach dem Zweiten Weltkrieg

Für Köln begann die Zeitrechnung nach dem Zweiten Weltkrieg am 6. März 1945 mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen. Nach dem linksrheinischen Teil der Stadt übernahmen die Amerikaner am 12. April auch das rechtsrheinische Köln. Bei der Aufteilung des Landes unter den vier Siegermächten erfolgte eine Zuteilung von Nordrhein-Westfalen zur britischen Zone. Damit wurden die Amerikaner in Köln im Juni 1945 von einer britischen Militärbesatzung abgelöst (Meißner, 1996).

Bei Kriegsende zählte Köln zu den meist zerstörten Städten des Landes. Bei der Zahl der in der Stadt verbliebenen Einwohner variieren die Angaben zwischen 10.000 und 50.000 Menschen. Ungeachtet dessen bleibt festzuhalten, dass ein großer Teil der Bevölkerung der einst ca. 800.000 Einwohner zählenden Großstadt sich auf der Flucht befand. In den Wochen nach der Kapitulation kehrten die Menschen zu Tausenden nach Köln zurück (Langen & Spitzer, 1991; Weißpfennig, 1982; Langen, 2007).

Am 1. Oktober 1945 wurde die erste Stadtverordnetenversammlung abgehalten, woraufhin Hermann Pünder Konrad Adenauer als neuen Oberbürgermeister ablöste. Trotz des Parteiverbots gehörten die meisten Personen der Versammlung einer politischen Gruppierung an. Neben den Parteien der CDU und SPD hatte auch die KPD fünf Stadtverordnete bei der ersten Sitzung. Im Oktober des darauf folgenden Jahres erreichte die CDU bei den ersten Kommunalwahlen die Mehrheit und war somit die erste führende politische Kraft einer demokratisierten Kölner Gesellschaft (Langen, 2007).

Der Sportpolitik wurde von den Besatzern in den jeweiligen Zonen nur am Rande Beachtung geschenkt. Nur bei übergeordneten Themen wurde mit entsprechenden Richtlinien Einfluss genommen (Buss, 1991). Mit den Gesetzen und Verordnungen sollte der Nationalsozialismus im Sport beseitigt werden. Eine Anordnung des Kontrollrats war die Direktive 23, welche im Dezember 1945 in Kraft trat und wonach es dem Gesetz nach keine Sportorganisationen mehr gab. Sie konnte für alle Sportvereine und -verbände als wichtiges Dokument angesehen werden (Weißpfennig, 1982). Für die nach dem Krieg auf den Verhaltensmaßregeln der Besatzungsmächte bereits gegründeten Organisationen genügte ein Antrag auf Weiterführung. Alle anderen Vereine und Verbände mussten ihre Zulassung neu beantragen (Weißpfennig, 1982). Zudem war laut dieser Anweisung der Sport auf die Kreisebene begrenzt, was jedoch in den einzelnen Besatzungszonen nicht zwangsläufig eingehalten wurde. So wurde in der britischen Besatzungszone am Sport festgehalten, welcher auf Länderebene organisiert war. Ferner hatten zumindest die Briten und Amerikaner keine Einwände bei Kooperationen über die Zonengrenzen hinaus. Der Neuaufbau des Sports konnte durch diese tolerante Handhabung in der britischen Zone frei und ohne politische Hindernisse vonstatten gehen (Nitsch, 1990).

Bei der Wiederaufnahme der sportlichen Aktivitäten stellte die im Krieg zerstörte Infrastruktur das größte Problem dar. Ein großer Teil der Sporthallen und Sportplätze war in einem Zustand, welcher eine Nutzung unmöglich machte (Langen & Spitzer, 1991). Die wenigen erhaltenen Sportanlagen wurden überwiegend von der Besatzung beschlagnahmt. Die Freiluftsportarten Fußball und Handball waren die ersten, die angesichts der Sportstättensituation wieder ausgeübt wurden (Langen, 2007). Die erste überregionale Vereinigung bestand dementsprechend auch aus 137 Fußball- und fünf Handballvereinen sowie einem Leichtathletikverein. Der so genannte Rasensportverband Groß-Köln entstand im Februar 1946 unter entscheidender Mithilfe von Peco Bauwens (Langen & Spitzer, 1991). Der Bauunternehmer trug ab 1945 zudem die Verantwortung für den Wiederaufbau des Sports in Köln. Dabei gelang es auf seine Initiative hin auch, den „Zweckverband für Leibesübungen" wieder zu gründen (Langen & Spitzer, 1991). Der seit 1919 existierende Dachverband in Köln trat bereits in der Weimarer Republik als Vermittler „zwischen den angeschlossenen Verbänden und Vereinen einerseits und den Behörden, öffentlichen Körperschaften, Schulen und Privaten andererseits" (Borkhart, 1984, S. 50) auf. Die anfänglichen Aufgaben der Organisation lagen insbesondere in der Mittelbeschaffung. Die Vereinigung musste für Vereine die Möglichkeit zum Sporttreiben schaffen sowie die nötige Ausrüstung organisieren. Eine weitere Aufgabe des Zweckverbandes war die Bearbeitung und Abwicklung der Beihilfeanträge der Vereine und der finanziellen Unterstützung durch die öffentliche Hand. Dieses Mitbestimmungsrecht über die Mittelverteilung wurde dem Verband entzogen, als 1968 mit einer neuen Beihilfeordnung die Vereinsunterstützung eine einheitliche Regelung erhielt. Die Kölner Bevölkerung zum aktiven Sporttreiben zu bewegen, zählte aber weiterhin zu den Aufgaben des Zweckverbandes für Leibesübungen. Neben diversen Sportfesten wie z.B. den „Vaterstädtischen Festspielen" lag die Hoffnung zur Erreichung dieses Ziels besonders auf dem Sportabzeichen. Die Prüfung fand bei der Bevölkerung in Köln jedoch wenig Anklang und wurde bis in die 1970er Jahre nur gering nachgefragt (Langen, 2007).

Auf der Hauptversammlung 1965 beschlossen die Mitglieder die Umbenennung des Zweckverbandes in Stadtsportbund Köln e.V., welcher bis heute als Mitgliedsorganisation in den Landessportbund Nordrhein­Westfalen eingegliedert ist (Langen, 2007).

Bei der Neugründung der Vereine achteten die zuständigen Personen darauf, dass nur diejenigen einen Posten im Vorstand einnehmen durften, die politisch als unbelastet galten (Langen, 2007). Die Durchführung der Entnazifizierung im Sport war in der britischen Zone Aufgabe der Landessportverbände (Weißpfennig, 1982). Allerdings schwächte sich im Laufe der Zeit die konsequente Durchsetzung etwas ab, so dass nicht von einer totalen Entnazifizierung gesprochen werden kann. Personen aus der ehemaligen Führungsriege, die als nicht politisch unbelastet eingestuft wurden, hatten dadurch auch die Chance, wieder einen Posten einzunehmen (Müller, 1990). Die Einstufung in eine Kategorie kann jedoch auch als fragwürdig angesehen werden, wie das Beispiel Peco Bauwens zeigt. Seit 1933 Mitglied in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), wurde Bauwens dennoch aufgrund seiner Distanz zum Nationalsozialismus als unbelastet eingestuft. Dadurch konnte er eine führende Position beim Wiederaufbau des Kölner Sports einnehmen (Müller, 1990; Heinrich, 2000).

Bedeutend für die Entwicklung des Sports in Köln war auch das Jahr 1947. Nachdem der Zonenerziehungsrat und der Zonensportrat die Errichtung einer Sporthochschule für die britische und amerikanische Zone beschlossen hatten, wurde Köln als Sitz der Einrichtung festgelegt. Bei der Entscheidung setzte sich die Rheinmetropole gegen die Mitkonkurrenten München und Frankfurt durch (Lämmer, 2007). Als Grund für die Entscheidung zugunsten der Stadt Köln zählte neben der Unterstützung der Stadt ebenso die räumliche Voraussetzung, welche mit einem vom Krieg weitgehend verschont gebliebenen Stadiongelände als gegeben angesehen wurde. Dort konnte der Betrieb bereits vor der Eröffnung aufgenommen werden (Körbs, 1986; Langen, 2007). Die Deutsche Sporthochschule Köln war für die Stadt ein Gewinn, da sie viele Studenten in die Stadt zog, welche sich durch die Institution eine besondere Stellung im deutschen Sport erhofften. Als einzige ihrer Art in Deutschland wartete die Hochschule jedoch lange auf die Anerkennung als wissenschaftliche Universität (Langen, 2007).

Die Deutsche Sporthochschule Köln ist mit dem Namen Carl Diem fest verbunden. Als erster Leiter der Hochschule war er jedoch nur die zweite Wahl bei der Besetzung des Postens. Nachdem der Wunschkandidat Bernhard Zimmermann aus nicht bekannten Gründen absagte, wurde Carl Diem als zweiter Kandidat vom Zonenerziehungsrat als Hochschulleiter berufen (Buss & Nitsch, 1986). Diem war jedoch nicht unumstritten. Während der Zeit des Dritten Reichs betrieb er im Zuge seiner Amtsausübung Propaganda für den nationalsozialistischen Sport. Auch wenn er bis zum Kriegsende nie Mitglied einer Partei gewesen war, sorgte sein politisches Handeln für Meinungsverschiedenheiten, da er sich den Bedingungen auf der politischen Ebene immer sehr schnell anpasste (Buss & Nitsch, 1990).

Der Vereinssport in Köln benötigte nach dem Zweiten Weltkrieg eine längere Anlaufzeit als es in anderen Städten der Fall war. Bis die Zahl der Vereinsmitglieder das Niveau von 1939 erreichte, dauerte es bis in die 1960er Jahre (Langen, 2004). Die Vereinslandschaft wurde von den Fußball- und Turnvereinen dominiert. Aber auch Leichtathletik, Rad- und Wassersport hatten einen bedeutenden Anteil an der Vielfalt des Kölner Vereinsangebots (Langen, 2007).

Zu den größten Vereinen in Köln gehörten 1966 aber auch mehrere mit einer Volleyballabteilung (vgl. Tab. 2). Mit über 1000 Mitgliedern zählten der Post-Sportverein Köln, der ESV Olympia Köln, der Mülheimer Turnverein und die Kölner Turnerschaft dazu.

Tabelle 2: Die größten Kölner Vereine. Vereine mit über 1.000 Mitgliedern. Stand 1966 (Kölner Sportkurier, 1966 (5/6), S. 17).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Leichtathletik ist besonders der Athletik Sportverein (ASV) Köln zu erwähnen. Der ASV war bereits 1946 für die Austragung eines Wettkampfes für Sportler aus der amerikanischen und britischen Besatzungszone zuständig. Auch im folgenden Jahr wurden die 50. Deutschen Meisterschaften vom ASV ausgerichtet. Der sportliche Erfolg stand dem organisatorischen in keiner Weise nach. Der Kölner Leichtathletikverein hatte Athleten in seinen Reihen, welche die nationale Konkurrenz distanzierten und damit als Aushängeschild für ihre Sportart fungierten (Langen, 2004).

[...]


[1] Zur Unterscheidung der gleichnamigen Zeitschrift „Volleyball“ des DSVB und des DVV werden die Ausgaben des DSVB im Folgenden mit dem Zusatz „DDR“ gekennzeichnet.

[2] Die Versammlung stimmte gegen die Empfehlung der Vereine und damit gegen eine einteilige Spielklasse. Erst im folgenden Jahr wurde dieser Beschluss geändert.

Ende der Leseprobe aus 92 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des Volleyballspiels in Köln nach dem Zweiten Weltkrieg
Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln  (Sportgeschichte)
Note
2,8
Autor
Jahr
2009
Seiten
92
Katalognummer
V188402
ISBN (eBook)
9783656138167
ISBN (Buch)
9783656139157
Dateigröße
2020 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, volleyballspiels, köln, zweiten, weltkrieg
Arbeit zitieren
Tobias Schenk (Autor), 2009, Die Entwicklung des Volleyballspiels in Köln nach dem Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188402

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