Forschungsgegenstand:
Was wissen und denken "die Deutschen" über Entwicklungspolitik (EP)?
Gibt es eine eher ablehnende Haltung gegenüber der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) aufgrund der Wirtschaftskrise, da sie mit Steuergeldern finanziert wird und wir evtl. zuerst an uns selber denken sollten?
Ein Stimmungsbild über „Entwicklungshilfe“ und ihre Finanzierung.
Datengewinnung:
Basis ist eine Online-Umfrage, an der mehr als 400 Personen teilnahmen. Laien, aber auch Experten mit EZ-Berufserfahrung wurden befragt.
Deutschland und fast alle großen Volkswirtschaften dieser Welt tragen mittlerweile dazu bei, die wirtschaftliche, soziale und auch ökologische Situation in den Entwicklungsländern (EL) zu verbessern, um die Lebensqualität der dort oft armen Bevölkerung zu erhöhen und extreme Armut zu beseitigen. Die Leistungen der durch Steuern finanzierten offiziellen Entwicklungszusammenarbeit (EZ – früher: „Entwicklungshilfe“) werden durch die jährlichen teils indirekten Geldflüsse gemessen und als ODA (Official Development Assistance) bezeichnet. In 2010 belief sich die ODA Deutschlands auf etwa 12,7 Mrd. US-Dollar, was einem Anteil von 0,38 Prozent am BNE entspricht. Die EZ findet größtenteils zwischen Geber- und Partnerländern (bilateral), aber auch durch internationale Organisationen multilateral statt. Auch private Organisationen (Stiftungen oder die so genannten Nichtregierungsorganisationen) engagieren sich.
Die Umfrage hat gezeigt, dass die wirtschaftliche Lage durchaus Einfluss auf das Ergebnis hat. Besonders Laien sind zurückhaltender, was Entwicklungspolitik während der Wirtschafts- bzw. Finanzkrise angeht: 23 Prozent der Laien sind dafür, dass sich der Staat zunächst um seine eigenen Probleme kümmern sollte. Sie befürworten auch zu 27 Prozent, dass bei „staatlichen Sparpaketen“ auch der Topf für „Entwicklungshilfe“ gekürzt werden solle. Die Experten dagegen lehnen beide Statements überdurchschnittlich ab. Insgesamt aber findet EP und EZ breite Zustimmung und hat auch während der Krise ein „gutes Image“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einführung und Einordnung des Themas
1.2 Zielsetzung und Methodik
2. Entwicklung(sländer) in einer globalisierten Weltwirtschaft
2.1 Entwicklungsländer im globalen Finanzsystem
2.2 Währungskrisen in Entwicklungsländern
2.3 Das Finanzsystem von Entwicklungsländern
3. Finanzierung von Entwicklungspolitik
3.1 Official Development Assistance (ODA)
3.2 Deutsche ODA und Herkunft der Mittel
3.3 Non-DAC-Geber
3.4 Stationen der Entwicklungsfinanzierung
3.4.1 Financing for Development (Monterrey 2002)
3.4.2 Doha 2008
3.5 Private Finanzierung von Entwicklung
3.5.1 Die Rolle ausländischer Direktinvestitionen
3.5.2 Remittances
3.5.3 Zivilgesellschaftliche Organisationen
4. Innovative Finanzierungsmöglichkeiten
4.1 Devisentransaktionssteuer
4.1.1 Tobin-Tax
4.1.2 Politisch machbare Tobin-Steuer (nach Spahn)
4.2 Finanztransaktionssteuer
4.3 Flugticketabgabe/Luftverkehrssteuer
4.4 Frontloading und International Finance Facility for Immunization (IFFIm)
4.5 Advance Market Commitment (AMC)
4.6 Neuere Entwicklungen beim Schuldenerlass
4.7 Erlöse aus dem Emissionshandel zur Entwicklungsfinanzierung
4.8 Weitere Instrumente in der Diskussion
5. Zwischenfazit
6. Studie – Akzeptanz von Entwicklungspolitik in der BRD
6.1 Studiendesign
6.2 Typen von Befragten
6.2.1 Experten
6.2.2 Semi-Experten + Laien
6.3 Wissen über Entwicklungszusammenarbeit/Entwicklungspolitik
6.4 Akzeptanz von Entwicklungspolitik in Deutschland
6.4.1 Allgemeine Einstellung gegenüber EZ
6.4.2 Organisationsformen und Akteure
6.4.3 ODA – Akzeptanz der Ausgaben für EZ?
6.5 Entwicklungspolitik im Bezug zur wirtschaftlichen Lage
6.5.1 Allgemeine Einstellung zur EZ während der (Finanz-)Krise
6.5.2 Entwicklungszusammenarbeit vs. Banken- und Euro-Rettung
6.5.3 Budgethilfe und Schuldenerlass
6.6 Entwicklungspolitik in der Kritik
6.7 Einstellung Spenden
6.8 Einstellung Fair-Trade
6.9 Innovative Ansätze und offene Antworten der Befragten
6.10 Zusammenfassung der Ergebnisse und Vergleich mit anderen Studien
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Diplomarbeit untersucht die Finanzierung der internationalen Entwicklungspolitik unter Berücksichtigung der aktuellen wirtschaftlichen Lage sowie die Akzeptanz dieser Maßnahmen in der deutschen Bevölkerung. Die Arbeit kombiniert einen theoretischen Hintergrund über internationale Finanzierungsmechanismen mit den Ergebnissen einer empirischen Umfrage, um die Einstellung der Befragten in Bezug auf Effektivität und Notwendigkeit der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) zu analysieren.
- Architektur der internationalen Entwicklungsfinanzierung
- Innovative Finanzierungsinstrumente (z.B. Finanztransaktionssteuer)
- Studiendesign zur Erfassung der öffentlichen Meinung über EZ
- Wahrnehmung von EZ im Kontext der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise
- Vergleich der Einstellungen von Experten, Semi-Experten und Laien
Auszug aus dem Buch
2.1 Entwicklungsländer im globalen Finanzsystem
Damit grenzüberschreitende Transaktionen stattfinden können, brauch es eine offene Volkswirtschaft – demnach neben Gütermarkt, Arbeitsmarkt und nationalem Finanzmarkt einen Devisenmarkt über den sich durch den Wechselkurs ein entsprechender Preis für die währungsüberschreitenden Wirtschaftsprozesse bilden kann. Der Wechselkurs bestimmt demnach den Wert und damit die Wettbewerbsfähigkeit, der im Inland produzierten Güter und Dienstleistungen auf dem Weltmarkt sowie einen Vermögenspreis, „da er in heimischer Währung denominiertes Vermögen im Vergleich zu Fremdwährungsvermögen bewertet“ (METZGER 2006, S. 2). Auf dem Devisenmarkt bzw. den internationalen Finanzmärkten werden verbunden mit einem entsprechenden Währungswechsel v.a. Anleihen, Aktien und Kredite transferiert. Seit den 1970er Jahren kam es neben einem starken Anstieg der internationalen Finanzmarktaktivitäten und einer Intensivierung des globalen Wettbewerbs auch zu einer weitreichenden Liberalisierung der Finanzmärkte (vgl. METZGER, M. 2006, S. 2f.).
EL haben im globalen Finanzsystem einen entscheidenden Nachteil, der oft „Original Sin“ genannt wird. Als „Original Sin“ wird nach Eichengreen/Hausmann/Panizza (2002, S. 2) das Faktum bezeichnet, dass viele Länder auf den internationalen Finanzmärkten nicht in einheimischer Währung Schulden aufnehmen können. Diese Länder müssen, wenn sie Zugang zu Finanzmitteln wollen bzw. frisches Kapital brauchen, Kredite und Anleihen in Fremdwährung aufnehmen. Hiervon sind hauptsächlich Schwellen- und Entwicklungsländer betroffen und neben dem Staat auch die im jeweiligen Staat angesiedelten Unternehmen. Etwa 97% aller internationalen Wertpapiere sind in den fünf Hauptwährungen Britisches Pfund, Euro, Schweizer Franken, US-Dollar und Yen denominiert, so dass hochentwickelte Industrieländer kaum von original sin betroffen sind (vgl. METZGER 2006, S. 4).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, wie sich Entwicklungspolitik und ihre Finanzierung im Kontext einer globalen Wirtschafts- und Schuldenkrise verhalten und ob sie in der Öffentlichkeit auf Akzeptanz stößt.
2. Entwicklung(sländer) in einer globalisierten Weltwirtschaft: Dieses Kapitel analysiert die schwierige Position von Entwicklungsländern im globalen Finanzsystem, insbesondere durch Probleme wie den "Original Sin" und die Abhängigkeit von Fremdwährungen.
3. Finanzierung von Entwicklungspolitik: Dieser Abschnitt behandelt die traditionellen Formen der Entwicklungsfinanzierung, darunter die ODA-Leistungen, die Rolle von Non-DAC-Gebern sowie private Finanzierungsströme wie Direktinvestitionen und Spenden.
4. Innovative Finanzierungsmöglichkeiten: Hier werden neuartige Instrumente wie die Finanztransaktionssteuer, Flugticketabgaben und innovative Schuldenerlassmodelle auf ihre Potenziale und Herausforderungen hin untersucht.
5. Zwischenfazit: Das Kapitel fasst die bisherigen Erkenntnisse über traditionelle und private Finanzierungsformen zusammen und reflektiert deren Möglichkeiten und Grenzen im Kontext der globalen Wirtschaft.
6. Studie – Akzeptanz von Entwicklungspolitik in der BRD: Der zweite große Hauptabschnitt präsentiert und analysiert die Ergebnisse der durchgeführten Online-Umfrage zur Wahrnehmung und Einstellung der Deutschen gegenüber der Entwicklungspolitik.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Ergebnisse, in der die Bedeutung einer stärkeren Kommunikation und zielorientierten Entwicklungsarbeit betont wird.
Schlüsselwörter
Entwicklungspolitik, Entwicklungszusammenarbeit, ODA, Finanztransaktionssteuer, Globalisierung, Finanzkrise, Akzeptanzstudie, Direktinvestitionen, Schuldenerlass, Remittances, Süd-Süd-Kooperation, Entwicklungsfinanzierung, Schwellenländer, Nichtregierungsorganisationen, Millenniums-Entwicklungsziele
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Finanzierung von internationaler Entwicklungspolitik und deren Akzeptanz in Deutschland unter dem Einfluss der aktuellen wirtschaftlichen Lage.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind traditionelle und innovative Wege der Entwicklungsfinanzierung sowie die empirische Analyse der deutschen öffentlichen Meinung zur Wirksamkeit und Notwendigkeit von Entwicklungshilfe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Finanzierung der EZ in einen globalen Kontext zu stellen und zu klären, ob und inwieweit die deutsche Bevölkerung bereit ist, Entwicklungsländer auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein interdisziplinärer Ansatz gewählt, der einen volkswirtschaftlichen theoretischen Background mit einer empirischen Online-Umfrage unter Experten, Semi-Experten und Laien kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Finanzierungssysteme für Entwicklungsländer (einschließlich innovativer Instrumente) und die Präsentation der Umfrageergebnisse zur Akzeptanz der EZ in der BRD.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Entwicklungspolitik, ODA, Finanztransaktionssteuer, Akzeptanz und globale Finanzkrisen.
Warum wird im Rahmen der Umfrage häufig der Begriff "Entwicklungshilfe" statt "Entwicklungszusammenarbeit" verwendet?
Der Begriff wurde bewusst gewählt, da er in der breiten Bevölkerung geläufiger ist, auch wenn der Verfasser die kritische Konnotation und die begriffliche Unschärfe im Vergleich zur "Entwicklungszusammenarbeit" thematisiert.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf die Medienpräsenz?
Der Autor stellt fest, dass die Entwicklungspolitik in Deutschland zwar ein positives Image genießt, die eigentlichen Inhalte jedoch in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt sind, was auf eine mangelhafte Informationspolitik zurückgeführt wird.
- Quote paper
- Benjamin Gramberg (Author), 2011, Finanzierung von internationaler Entwicklungspolitik und ihre Akzeptanz in Deutschland , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188426