Die Hintergründe der Kreuzzüge

Ein kurzer Überblick


Essay, 2012

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Begriffsbestimmungen

2 Voraussetzungen: Die Situation Europas im zehnten Jahrhundert

3 Das Konzil von Clermont und seine Folgen

4 Die Kreuzzüge im europäischen / arabischen Geschichtsunterricht

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die „Kreuzzüge“ sind der Begriff, unter welchem das Phänomen des Einfalls europäischer Länder in christlicher Mission in damalige islamische Gebiete zusammen gefasst wird. Die (Hinter)Gründe für die Kreuzzüge differieren zeitlich und individuell, und auch Kreuzzüge selbst können differenziert werden. Diese Reflexion möchte einen kurzen Überblick über die Hintergründe der besagten Geschehnisse zwischen 1000 und 1300 bieten. Außerdem wird aufgezeigt, wie die Kreuzzüge heutzutage europaweit im Geschichtsunterricht behandelt werden.

1.1 Begriffsbestimmungen

In der Literatur wird zwischen verschiedenen Kreuzzugsbegriffen differenziert, meist zwischen einem „weiten“ und einem „engen“. Dem Brockhaus zu Folge ist ein Kreuzzug allgemein ein „von der Kirche im Mittelalter geförderter Kriegszug gegen „Ungläubige“[...] und Ketzer[...] zur Ausbreitung bzw. Wiederherstellung des katholischen Glaubens; i.e.S. die kriegerischen Unternehmungen der abendländischen Christenheit zur Rückeroberung des Heiligen Landes […] vom Ende des elften bis zum Ende des 13. Jahrhunderts“[1]. Als Kreuzzüge im engeren Sinne werden die Wallfahrten der Pilger in die Heilige Stadt Jerusalem bzw. die „Befreiung“ derselben aus den Händen des Islams bezeichnet; neu, im Gegensatz zu den schon seit Jahrhunderten durchgeführten Wallfahrten nach Jerusalem, war hier lediglich die Bewaffnung. Wichtig anzumerken ist auch, dass der Begriff „Kreuzzug“ erst im dreizehnten Jahrhundert aufkam, und auch dann nur selten genutzt wurde. Häufiger anzutreffen waren die Begrifflichkeiten expeditio (Unternehmung [gegen den Feind]), iter in terram sanctam (Reise ins Heilige Land) oder peregrinatio (Fachausdruck für die Wallfahrt). Mayer unterscheidet zwischen Heiligen Kriegen (Kreuzzügen im weiteren Sinne) und den Kreuzzügen (Kreuzzüge im engeren Sinne).[2] Er macht die Definition davon abhängig, ob eine aktive Teilnahme des Papsttums am Krieg vorlag oder nicht, was aber so nicht vollständig haltbar ist (siehe Argumentation Scharnofske[3] ). Mit Kreuzzügen im engeren Sinne sind also diejenigen Heiligen Kriege des elften bis dreizehnten Jahrhunderts zur Befreiung Jerusalems gemeint, welche vom Papst autorisiert worden waren. Diese wurden im späteren Verlauf jedoch auch auf die Bekämpfung der Ungläubigen in Europa ausgedehnt.

2 Voraussetzungen: Die Situation Europas im elften Jahrhundert

Im Europa des elften Jahrhunderts hatte sich das Wallfahrtswesen nach Jerusalem weit entwickelt. Die Bußpraxis der Kirche forderte die adäquate Ableistung begangener Sünden, nach schweren Verfehlungen stellte die Bußwallfahrt eine mögliche Sündenstrafe dar.

Klöster und Hospize (sowie zugehörige Ritterorden wie beispielsweise der deutsche Orden, die Tempelritter oder Malteser) waren entstanden, welche den Pilgern den Weg in das Heilige Land vereinfachten. Auch die Städte Rom und Santiago de Compostela waren zu wichtigen Pilgerstätten geworden, doch die Stadt Jerusalem besaß für die Menschen des Mittelalters einen ganz eigenen „magischen Glanz und Schimmer“[4].

Die Haltung der Kirche zum Krieg war als differenziert anzusehen. Ausgehend von der friedliebenden und jegliche Gewalt ablehnenden Lehre Jesu stellte man sich bereits früh die Frage, auf welche Art mit Mord und Totschlag im Krieg umgegangen werden könne.[5] Die Theorie des gerechten Krieges entwickelte sich im 4. und 5. Jahrhundert, nach welcher Gewalt an sich nicht als schlecht anzusehen war, lediglich die Qualität der Absicht desjenigen, welcher sie vollzog. Diese Theorie erfuhr im Laufe der Jahre eine „großzügige Auslegung“[6] und ermöglichte damit die Rechtfertigung kriegerischer Auseinandersetzungen sowie überhaupt erst die Durchführung eines „Krieges im Namen Gottes“, damit eines Kreuzzuges. Besonders in den späteren Jahren wurde das Heilige Land als „Erbgut“ des Herrn verstanden, und rechtfertigte auf diese Art sämtliche Kreuzzüge nach Palästina, da sie als „Wiedereroberung geraubten Gutes“ galten.[7]

Durch raubende Krieger und Unruhen war im Frankreich des zehnten Jahrhunderts die öffentliche Ordnung kaum aufrecht zu erhalten, das Fehdewesen des Adels trug seinen Teil zum inneren Unfrieden bei. Bei den Kämpfen an den Grenzen des Reiches stellte für die Ritter neben religiösen Motiven (das Abwehren der „Barbaren“) auch Landerwerb einen entscheidenden Anreiz dar, da diese durch die Primogenitur[8] das Erbe des Vaters nicht zu gleichen teilen bekamen, sondern jeweils lediglich der erstgeborene Sohn begünstigt wurde und der Rest „leer ausging“. Durch landwirtschaftliche Versorgungsengpässe, Abgabepflichten und weitere Belastungen kam es im elften Jahrhundert immer wieder zu Hungersnöten und Epidemien. Die „himmlische“ Belohnung, für Kreuzfahrer von der Kirche in Aussicht gestellt, stellte also eine nachvollziehbar reizvolle Vorstellung für die damalige Bevölkerung dar.

Dazu kam, dass Kreuzzüge über die Grenzen hinweg immer die gesamte Christenheit betrafen und als gemeinsame Unternehmungen galten.[9] Hintergrund war die Vorstellung eines universalen Staates, des „Res Publica Cristiana“, welcher transzendentaler Natur war und gleichzeitig auf Himmel und Erde existierte, sowie von Christus selbst gegründet worden war. Die Teilnehmer eines Kreuzzuges betrachteten sich also als Menschen, welche ihre Pflicht Jesu gegenüber erfüllten. Natürlich war dies von Individuum zu Individuum verschieden stark gewichtet, es waren auch viele unter den Kreuzrittern, welchen es nicht primär um die Erfüllung dieses Gebotes ging, sondern eher um Landerwerb und den eigenen Vorteil. Einem Ritter, aber auch einem Menschen aus dem einfachen Volk, welcher in einer „sozial und wirtschaftlich unbefriedigten Situation“[10] lebte, eröffnete sich durch die Teilnahme an einem Kreuzzug die Möglichkeit, im Orient zu Wohlstand und Unabhängigkeit zu gelangen. Hinzu kam die Aussicht auf Sündenerlass. Viele Kreuzfahrer nahmen daher aus echter Frömmigkeit am Kreuzzug teil, jedoch eben längst nicht alle.

[...]


[1] Brockhaus Enzyklopädie: Stichwort Kreuzzug, Bd. 12. 1990, S. 487.

[2] Hans Eberhard Mayer, Geschichte der Kreuzzüge. Stuttgart 1965,S. 23.

[3] Elke Scharnofske, Die Kreuzzüge. Universität Hildesheim 2009, S. 15.

[4] Mayer, Geschichte, S.16.

[5] Vgl. Scharnofske, Kreuzzüge, S. 10.

[6] Peter Thorau. Die Kreuzzüge. Nördlingen 2007, S. 29.

[7] Jonathan Riley-Smith. Wozu heilige Kriege? Berlin 2005, S. 94

[8] Thorau, Geschichte, S. 25.

[9] Mayer, Geschichte, S.24.

[10] Scharnofske, Kreuzzüge, S. 17.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die Hintergründe der Kreuzzüge
Untertitel
Ein kurzer Überblick
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Kreuzzüge - Tagung
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
10
Katalognummer
V188452
ISBN (eBook)
9783656123163
ISBN (Buch)
9783656124375
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kreuzzüge, Kreuzzug
Arbeit zitieren
Svenja Strohmeier (Autor), 2012, Die Hintergründe der Kreuzzüge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188452

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Hintergründe der Kreuzzüge



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden