Eine Filmanalyse des ARD- Fernsehfilms von H. Breloer „Todesspiel“


Hausarbeit, 2011

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung und didaktische Reflexion

3. Knappe Sachanalyse des Filmes
3.1 Handlungs- und Figurenanalyse
3.2 Analyse ausgewählter narrationsspezifischer Darstellungsverfahren
3.3 Analyse ausgewählter filmspezifischer Darstellungsverfahren
3.4 Interpretation auf Grundlage der Analyse

4. Begründung und Ziele für die Arbeit mit „Todesspiel“ im Deutschunterricht
4.1 Aus der Begründung gewonnene Ziele für eine Sequenz

5. Entwurf einer Unterrichtssequenz zum Film

6. Unterrichtsstunde

Anhang

Literaturverzeichnis

2. Einleitung und didaktische Reflexion

„Das kenn´ ich aus dem Fernsehen“, „Darüber habe ich kürzlich erst einen Film gesehen“ – mit solchen Bemerkungen von Schülern werden heutige Lehrer in ihrem Unterricht immer häufiger konfrontiert, da das Fernsehen inzwischen mehr Einfluss auf das Interesse, Wissen, Verständnis und Bewusstsein der Schüler als der Unterricht nimmt.[1] Das Problem dabei ist, dass es sich bei den jungen Rezipienten zum großen Teil um „Film-Analphabeten“ handelt, die sich durch die Bildsprache des Films so stark faszinieren lassen, dass sie das Filmgeschehen als echte Realität erleben, ohne in den Prozessen des abstrahierenden Denkens und der kritischen Auseinandersetzung eine Distanzierung von diesem naiven Erleben vornehmen zu können.[2] Um Schüler zu bewusstem, kritischen Filmsehen, zur Auseinandersetzung mit den Aussagen des Films zu erziehen, muss dem Unterricht die wichtige Aufgabe der Vermittlung von mehr Medienkompetenz zukommen.

Für eine kurze Filmanalyse wurde in dieser Arbeit der Fernsehfilm „Todesspiel“[3] (1997) von Regisseur Heinrich Breloer gewählt, weil ich als angehender Deutsch- und Geschichtslehrer, den medientypischen und –spezifischen Formen der Filmgestaltung und die inhaltlichen Informationen bzw. Meinungen über die dargestellten historischen Vorgänge in diesem Film im fächerübergreifenden Unterricht verbinden möchte. Das Thema Terrorismus ist ein wesentlicher Bestandteil des Geschichtsunterrichts[4] und kann durch diesen Film mit dem Thema „der richtige Umgang mit Medien“ im Deutschunterricht verbunden werden. Denn „auch Bildschirme sind (ob mit Maus bedienbar oder nicht) keine Bildungsautomaten. Was sie präsentieren, muss erworben werden.“[5] Die Schüler sollen filmische Stilmittel erkennen, benennen und in ihrer Funktion und Wirkung erklären können, weil filmische Darstellungen vor allem durch visuelle und akustische Eindrücke wirken. Vom Einsatz der Kamera, welche die Einstellung, Perspektive und Bewegung des Zuschauerauges bestimmt, hängt ab, wie der Rezipient die Handlung sieht. „Da der Geschichtsunterricht [...] auch zu einem quellenkritischen Umgang mit Darstellungen führen soll, ist [...] eine Beschäftigung mit den formalen Mitteln der Filmsprache erforderlich.“[6] Aus diesem Grund sollten im Deutschunterricht die filmischen Gestaltungsmittel besprochen werden, da die Schüler mit diesen Kenntnissen zu einer kritischen Sichtweise gelangen und sich konstruktiv mit den Aussagen des Films auseinandersetzen können. Exemplarisch am Film „Todesspiel“ im Deutschunterricht könnte ich Grundkompetenzen im Umgang mit Medien vermitteln, um dieses Wissen auch im Fach Geschichte zu nutzen. Der Film „Todesspiel“ eignet sich für dieses Vorhaben besonders gut.

3. Knappe Sachanalyse des Filmes

3.1 Handlungs- und Figurenanalyse nach Leubner/Saupe

Die Anzahl der handelnden Personen ist im Film „Todesspiel“ überschaubar. Man kann sie in drei Gruppen einteilen: dem Staat (Helfer), den Opfern (Held) oder den Terroristen (Gegenspieler). In dieser Arbeit soll exemplarisch für die Personen, die dem Staat zugeordnet werden können, Helmut Schmidt genauer analysiert werden. Die Figur Hanns Martin Schleyer wird als Beispiel für den Personenkreis der Opfer zur Analyse genutzt.

Schleyer, eine führende Persönlichkeit der deutschen Wirtschaft, wurde als symbolischer Akt von der RAF am 5. September 1977 in Köln entführt. Schleyer ist für die RAF ein „Wirtschaftsdiktator“, der für die Ausbeutung des Volkes verantwortlich ist. Die Entführung gilt daher als Angriff auf das gesamte staatliche System. Hanns Martin Schleyer stellt sein Leben in den Dienst des Staates. Er möchte mit seiner Arbeit der Demokratie und somit auch der staatliche Institutionen dienen (= Gut/Güter). Die Geiselnahme Schleyers ist ein Angriff auf dessen Güter und die RAF versucht mittels dieser Tat, ihre Ideen, Ideologien und Ziele durchzusetzen (=Faktoren der Komplikation). Hanns Martin Schleyer kann letztendlich nicht der Tragödie entrinnen, da die Entführer sich ihrer inzwischen wertlos gewordenen „Trumpfkarte“ (= Faktoren der Auflösung) durch Hinrichtung entledigen (=Auflösung). Die Figur Hanns Martin Schleyer nimmt eine zentrale Bedeutung für Handlung des Films ein und ist für Komplikation der Handlung grundlegend (=Held). Im Bereich Komplexität weißt die Figur Schleyer viele Merkmale auf unterschiedlichen Ebenen auf (mehrdimensionale Figur). Er ist äußerlich sehr charismatisch und hat großen Einfluss auf die wirtschaftlichen Belange des Landes (hoher sozialer Stand). Wie bereits erwähnt, steht er mit seiner Arbeit für die Werte und Normen des Staates und wird somit zum Repräsentanten des Systems, wie gleichermaßen zur Angriffsperson der RAF. Den Stellenwert der Information über die Figur schätze ich eher zuverlässig ein. Jedoch werden manche Informationen, wie beispielsweise Schleyers NS- Vergangenheit auch nur angedeutet. Die Figur Schleyer verändert sich im Verlauf des Filmes, d.h. relativ stabile Merkmale ändern sich teilweise (dynamische Figur). Schleyer muss im Laufe des Films erkennen, dass die Regierung auf Zeit und daher mit seinem Leben spielt. Schleyer ist in den Videoaufnahmen der RAF stark in Mitleidenschaft gezogen. Dies spiegelt sich in seinem Äußeren wider (Unterhemd statt Anzug => entwürdigend). Schleyer fühlt sich von der Regierung geopfert und verraten. Schleyers Zustand wird im Versteck immer schlechter „Ich kann nicht mehr“. Er hat körperlich abgebaut (immer rauchend und verschwitzt). Schleyer vegetiert dahin und ist voller Ungewissheit. Er fordert immer wieder eine Entscheidung „Was soll noch geschehen?“ Schleyer hat soviel für den Staat getan, dass dessen Verhalten ihm jetzt wie eine Verhöhnung vorkommt.

[...]


[1] Borries, B.: Geschichte im Fernsehen - und Geschichtsfernsehen in der Schule. In: Geschichtsdidaktik 8 (1983), S. 221.

[2] Foerster, O.: Der Film in Erziehung und Unterricht. Kleine Praxis der Filmpädagogik. Berlin 1952, S. 4-5.

[3] Anmerkung: Der Film verwebt Spielfilmelemente, Originalaufnahmen und Zeitzeugenberichte miteinander. Obwohl der Film zum Dokudrama gezählt wird, überwiegt jedoch der Spielfilmanteil und besonders der zweite Teil verpflichtet sich mehr dem Spielfilmgenre.

[4] Der Lehrplan für Geschichte an Gymnasien in Sachsen sieht die Behandlung der Inhalte zum Thema RAF für die Klassenstufen 10, 11 und 12 indirekt vor.

[5] Hildebrand, J.: Film. Ratgeber für Lehrer. 2. akt. Aufl. Köln 2000, S. 47.

[6] Nebe, K.: Mit Filmen im Unterricht arbeiten. In: Geschichte lernen H. 42 (1994), S. 20.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Eine Filmanalyse des ARD- Fernsehfilms von H. Breloer „Todesspiel“
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V188474
ISBN (eBook)
9783656120803
ISBN (Buch)
9783656121213
Dateigröße
1936 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, filmanalyse, ard-, fernsehfilms, breloer, todesspiel
Arbeit zitieren
Katja Kraus (Autor), 2011, Eine Filmanalyse des ARD- Fernsehfilms von H. Breloer „Todesspiel“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188474

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