Im Rahmen des Seminars „Sozialisation in der ausdifferenzierten Gesellschaft“ wurden verschiedene Theorien der Sozialisation von Referatsgruppen bearbeitet und vorgestellt. Meine Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Sozialisationstheorie von George Herbert Mead, die er Symbolischer Interaktionismus nannte.
Als Einstieg für meine Ausarbeitung wähle ich, parallel zum Referat, einen biografischen Abriss, der sich bezogen auf Herkunft, Werdegang und Entstehung der späteren Theorie als aufschlussreich herausstellte. Anschließend soll erläutert werden, was der Begriff der Symbolischen Interaktion ausdrücken möchte. Hierzu wird genauer beschrieben, warum Symbole für Kommunikation unerlässlich sind und was Mead unter Interaktion verstand. Da Sprache nur eine der drei Sozialisationsstufen ist, sollen anschließend die anderen bei-den, das Play und das Game, erklärt werden. Hierzu möchte ich in Anlehnung an den Text Baumgarts versuchen, die theoretischen Überlegungen durch alltägliche Beispiele aus der Welt der Kinder zu verdeutlichen. Nach dieser Beschreibung, wie durch Spiel und Wett-kampf, das Einnehmen von Rollen sowie die Verinnerlichung allgemeiner Erwartungen Identität entsteht, sollen im Anschluss die zwei Phasen der Identität untersucht werden. Diesbezüglich soll erarbeitet werden, welche Merkmale personale und soziale Identität aufweisen und wie diese sich gegenseitig beeinflussen und so ausschlaggebend für die Identitätsentwicklung werden. Als Grundlage für diesen Hauptteil werden die Texte von Baumgart und Mead aus dem Werk „Theorien der Sozialisation“ (in: Baumgart 2000, 119 – 138) herangezogen.
Anders als dies im Referat geleistet werden konnte, möchte ich auf die Bedeutsamkeit die-ser Theorien für die spätere Arbeitswelt eingehen. Der ebenfalls im verwendeten Buch enthaltene Text von Tillmann (s.o., 139 – 150) liefert aufschlussreiche Ansätze über die Bedeutung von Meads Theorie in der Schule. So ist diese beispielsweise geeignet, um die Struktur von unterrichtlicher Kommunikation zu analysieren, um Etikettierung zu erklären und so darzustellen, wie Schule die Entwicklung der Identität beeinflusst.
Ich möchte noch darauf hinweisen, dass Bezeichnungen wie Lehrer, Schüler, Wissen-schaftler, etc. als Gruppen- bzw. Berufsbezeichnungen gedacht sind und nicht als ge-schlechtsspezifische Zuweisungen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Biografie
3 Symbolischer Interaktionismus
3.1 Symbole
3.2 Interaktion
3.3 Symbolische Interaktion
4 Sozialisation durch „Play“ und „Game“
4.1 „Play“ (Spiel)
4.2 „Game“ (Wettkampf)
4.3 Das „verallgemeinerte Andere“
5 Identität
5.1 Entstehung von Identität
5.2 „I“ (Personale Identität)
5.3 „Me“ (Soziale Identität)
5.4 „Self“ (Identität)
6 Bedeutung für die Schule
6.1 Schulische Kommunikation
6.2 Einfluss von Bewertung auf Identität
6.3 Etikettierung
7 Fazit und offene Fragen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Sozialisationstheorie des Symbolischen Interaktionismus nach George Herbert Mead darzustellen und deren Bedeutung für schulische Kontexte sowie die Identitätsbildung von Schülern zu analysieren.
- Grundlagen des Symbolischen Interaktionismus
- Phasen der Sozialisation: „Play“ und „Game“
- Konstituierung von Identität durch „I“ und „Me“
- Strukturen schulischer Kommunikation und Leistungsdruck
- Prozesse der Etikettierung in der Schule
Auszug aus dem Buch
4.2 „Game“ (Wettkampf)
Das „Game“ kann man als Übergang von spielerischer Rollenübernahme zur organisierten Rollenübernahme mehrerer Anderer verstehen. Bei diesem komplexeren Prozess muss das Kind in der Lage sein, sich in alle beteiligten Personen hineinzudenken. Dies geschieht hier jedoch nicht mehr, wie zuvor, nacheinander, sondern gleichzeitig. Bei einem Versteckspiel beispielsweise muss derjenige, der sucht, sich in die Lage der Versteckten hineinversetzen, um so zu erahnen, wo sich mögliche Verstecke befinden. Ein Baseballspiel hingegen ist sehr viel komplexer. Hierbei gibt es wesentlich mehr Rollen, in die man gedanklich schlüpfen muss, um sein eigenes Spiel erfolgreich zu gestalten. Die für eine Entscheidung des Einzelnen relevanten Haltungen der Mitspieler und Gegner bilden das sogenannte „verallgemeinerte Andere“ (vgl. Baumgart 2000, 122 f.; Mead 1973, 128).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert den Anlass der Ausarbeitung und gibt einen Überblick über die theoretischen Grundlagen sowie die Anwendung auf den schulischen Kontext.
2 Biografie: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg von George Herbert Mead nach und beleuchtet die Einflüsse, die zur Entwicklung seiner Theorie führten.
3 Symbolischer Interaktionismus: Hier werden die zentralen Begriffe Symbole, Interaktion und symbolische Interaktion definiert, die das Fundament für das Verständnis der Sozialisation bilden.
4 Sozialisation durch „Play“ und „Game“: Das Kapitel beschreibt, wie Kinder durch unterschiedliche Spielformen und die Übernahme von Rollen lernen, Erwartungen zu antizipieren.
5 Identität: Es wird analysiert, wie aus dem Zusammenspiel von personaler Identität („I“) und sozialer Identität („Me“) ein gefestigtes „Self“ entsteht.
6 Bedeutung für die Schule: Dieses Kapitel überträgt die Theorie auf den Schulalltag und untersucht, wie Kommunikation, Bewertung und Etikettierung Identitätsprozesse beeinflussen.
7 Fazit und offene Fragen: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und reflektiert über die Relevanz der Theorie für angehende Lehrkräfte.
Schlüsselwörter
Symbolischer Interaktionismus, George Herbert Mead, Sozialisation, Identitätsbildung, Rolle, Play, Game, verallgemeinertes Andere, I, Me, Self, schulische Kommunikation, Etikettierung, Leistungsdruck, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Sozialisationstheorie von George Herbert Mead und deren Anwendung auf die Identitätsentwicklung von Schülern in pädagogischen Kontexten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Symbolische Interaktionismus, die Stadien der Sozialisation durch Spiel und Wettkampf sowie die Auswirkungen schulischer Strukturen auf die Schüleridentität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Prozesse der Identitätsbildung nach Mead verständlich zu machen und aufzuzeigen, wie Lehrer durch ihr Handeln und die Bewertung von Schülern Einfluss auf deren Selbstbild nehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, basierend auf Werken von Mead, Baumgart und Tillmann, um soziologische Theorien in den schulischen Kontext zu übertragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen (Symbole, Interaktion, Stadien der Sozialisation, Identitätsphasen) und die praktische Analyse schulischer Kommunikations- und Bewertungsprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Identitätsbildung, symbolische Interaktion, Etikettierung sowie das Zusammenspiel von „I“ und „Me“.
Welche Rolle spielt das Konzept des „verallgemeinerten Anderen“?
Es repräsentiert die verinnerlichten Erwartungen und Normen der Gesellschaft, die das Verhalten des Individuums maßgeblich steuern und regulieren.
Wie beeinflusst „Etikettierung“ den Werdegang eines Schülers?
Wenn Lehrer Schülern negative Attribute zuschreiben, kann dies dazu führen, dass der Schüler diese Rolle verinnerlicht und sein Verhalten entsprechend anpasst, was eine negative Identitätsentwicklung fördern kann.
- Arbeit zitieren
- Janosch Bülow (Autor:in), 2010, Symbolische Interaktion von George Herbert Mead, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188525