Es überrascht keineswegs, dass schon vor Jahrzehnten mit weniger intensiven, aber doch ähnlichen Methoden um die Gunst des Kunden gebuhlt wurde. Wo aber liegen die Ursprünge der systematischen Vermarktung von Bekleidung? In diesem Teil stelle ich die Entwicklungen der Modepräsentation vom 19. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhunderts dar. Dabei analysiere ich im Spezifischen die Entstehung des Mannequins als zentrales Medium der Modeindustrie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Modepuppen
3. Vorführdamen
4. Mannequins
5. Models
6. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die historischen Ursprünge und die systematische Entwicklung der Modepräsentation vom 19. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhunderts, mit einem besonderen Fokus auf die Entstehung des Mannequins als zentrales Vermarktungsinstrument der Modeindustrie.
- Historische Entwicklung von Modepräsentationsformen wie Modepuppen und Vorführdamen
- Die Rolle von Charles Frederick Worth und die Professionalisierung der Modebranche
- Der soziologische Aspekt der Mode als Spiegel des Zeitgeistes und Differenzierungsmerkmal
- Die Evolution vom Mannequin zum professionellen Model unter dem Einfluss der Modefotografie
- Einfluss technischer und gesellschaftlicher Neuerungen auf die Verbreitung von Mode
Auszug aus dem Buch
Vorführdamen
Mitte des 19. Jahrhunderts führte Marie Vernet, die Frau des ersten modernen Modeschöpfers Charles Frederick Worth, potenziellen Kunden dessen Kreationen vor. Zu dieser Zeit standen die Angestellten selbst oder die Ehefrau des Schneiderkünstlers bereit, um die Mode zu präsentieren. Worth machte aus dem Handwerk Mode eine Kunst und eröffnete 1858 sein eigenes Atelier für Damenkleider. Auch die Entstehung der Modepräsentation ist zu nicht unerheblichem Teil auf Worth zurückzuführen. Er wurde der Hofschneider der High Society und beschäftigte 1864 bereits eintausend Näherinnen, Stickerinnen, Schneiderinnen etc. Worth großer Erfolg wurde der Einfall, seine Modelle nicht nur für einzelne Kunden zu entwerfen, sondern sie auch an Luxusschneider in Paris, London und New York weiter zu verkaufen und ihnen das Recht der Abwandlung und Vervielfältigung zugeben. Er erweckte mit Mannequins das Interesse potenzieller Käufer und hat dadurch die Art der Präsentation der Mode grundlegend verändert.
Bis etwa ende des 19. Jahrhunderts existierte Mode in Europa nur für die höchsten Schichten. Ein wirkliches Modebewusstsein lässt sich für diesen Zeitraum nur bei wohlhabenden Personen unterstellen. Auch die Haute Couture hat sich in dieser Zeit entwickelt und der Beruf Mannequin ist in diesem Zusammenhang entstanden.
Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die damaligen Designer noch zu den potenziellen Kunden nach Hause. Nach damaliger Sichtweise war es nicht angemessen, dass jemand aus der Oberschicht zu einem Schneider kommen musste. Die Oberschicht hielt es für selbstverständlich, die Modeschöpfer in ihrem Anwesen zu empfangen. Diese Schicht nahm einen großen Anteil an der Mode und versuchte sich immer bestens zu kleiden. Da die Damen der oberen Gesellschaft die Kleidungsstücke aus Unbequemlichkeit und schichtspezifischen Gründen nicht selber anprobieren wollten, hatte man dazu Vorzeigedamen oder junge Verkäuferinnen, die die Kleidung präsentierten. Diese Damen waren allerdings nur für auserwählte Kunden bestimmt. Die Vorführdamen selbst waren bloße Objekte. Ihre Namen interessierten nicht. Sie dienten nur dazu, die Kleidung zu zeigen und waren somit, lebende Kleiderständer. So liefen die Damen meist in einem Salon oder anderen Räumen, die dafür angemessen waren, umher.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Modepräsentation ein und definiert zentrale Begriffe wie Mode und Mannequin sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Modepuppen: Das Kapitel beleuchtet die historische Vorläuferrolle von Modepuppen und Papierpuppen als frühe Instrumente zur Verbreitung modischer Trends seit dem 14. Jahrhundert.
3. Vorführdamen: Hier wird die Etablierung lebender Vorführdamen durch Modeschöpfer wie Charles Frederick Worth und der Wandel des Schneiderhandwerks zur Kunstform beschrieben.
4. Mannequins: Dieses Kapitel analysiert das Aufkommen des Begriffs Mannequin im 20. Jahrhundert und die Entstehung der ersten organisierten Modenschauen und Laufstege.
5. Models: Der Fokus liegt auf der Entwicklung des Model-Berufs im frühen 20. Jahrhundert, beeinflusst durch die Modefotografie und das veränderte Schönheitsideal nach dem Ersten Weltkrieg.
6. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, wie Mode als Spiegel gesellschaftlicher Schichtung fungiert und wie sich die systematische Vermarktung von der Handarbeit hin zur modernen Show-Inszenierung entwickelt hat.
Schlüsselwörter
Mode, Modepräsentation, Mannequin, Model, Vorführdamen, Haute Couture, Modenschau, Charles Frederick Worth, Modefotografie, Zeitgeist, Kleidungsstücke, Konsum, Vermarktung, Geschichte, Bekleidungsindustrie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Geschichte und die systematische Entwicklung der Modepräsentation von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum frühen 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Evolution der Präsentationsmittel von Puppen zu lebenden Modellen, die Professionalisierung durch Modeschöpfer und die soziologische Bedeutung von Mode.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die historischen Ursprünge der modernen Modepräsentation aufzuzeigen und die Entstehung des Mannequins als zentrales Medium der Branche zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historische Analyse sowie eine definitorische Aufarbeitung der Fachterminologie der Mode- und Kostümgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Modepuppen, Vorführdamen, die Etablierung des Mannequins und schließlich die Entstehung des modernen Models.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Modepräsentation, Mannequin, Modeschöpfer, Haute Couture und Modegeschichte beschreiben.
Welche Rolle spielte Charles Frederick Worth für die Branche?
Er gilt als der erste moderne Modeschöpfer, der durch den Einsatz von Vorführdamen und den Vertrieb seiner Modelle an internationale Luxusschneider die Modepräsentation grundlegend veränderte.
Wie beeinflusste die Fotografie den Beruf des Models?
Der Beginn der Modefotografie führte zu einem Wandel im Berufsbild, wodurch der Begriff des Models entstand und Frauen eine eigene Individualität in der Modeinszenierung bekamen.
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- Kerstin Kränzer (Author), 2007, Modepräsentation vom 19. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188607