Legendarisches Erzählen im 'Alexius' Konrads von Würzburg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Alexius Konrads von Würzburg - Asketenbiographie und höfi- sches Erzählen
2.1 Asketenbiographie
2.2 Höfisches Erzählen

3 Legendarisches Erzählen im Alexius
3.1 Allgemeines
3.2 Prolog
3.3 Transformation
3.4 Gottesbezug / beständiges Christentum
3.5 Kultureller Aspekt

4 Resümee

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Legende oder höfischer Roman? Im Alexius Konrads von Würzburg finden wir sowohl Aspekte legendarischen als auch höfischen Erzählens. Die divergierenden Meinungen in der Forschung könnten widersprüchlicher nicht sein, denn während Sibylle Jefferis das Werk als in höchst elegantem poetischen Stil geschrieben bezeichnet1 und Roland Löffler eine der Epik entsprechende Ausschmückung erkennt,2 bezeichnet Ulrich Wyss den Alexius als kurz und schmucklos.3

Die, weder der Legende noch dem höfischen Roman zugeordnete, Bezeichnung der Asketenbiographie soll bezüglich des Alexius als Ausgangspunkt dienen. Das Werk aus dem 13. Jahrhundert soll in dieser Arbeit vor allem auf ihre legendarischen Erzählelemente untersucht werden.4 Um dem Titel des Seminars „Höfisches Erzählen von Heiligen“ zu entsprechen, werden auch das höfische Erzählen und der Begriff der Asketenbiographie als Spezialfall der Legende, kurz erläutert.

Nach einer kurzen Erläuterung der werkrelevanten Daten folgt eine überblicksweise Darstellung der höfischen Erzählelemente bzw. der kulturellen Einordnung des Textes in seine Entstehungszeit und aufgrund seiner Entstehungssituation. Daraufhin steht der Hauptteil der Arbeit, die Erläuterung der legendarischen Elemente im literarischen und kulturellen Umfeld des Textes.

2 Der Alexius Konrads von Würzburg - Asketenbiographie und höfisches Erzählen

Die spätmittelalterliche strophische Alexius-Fassung Konrads von Würzburg aus dem 13. Jahrhundert nimmt die nachchristliche Sage vom Heiligen Alexius von Edessa auf, die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach literarisch verwertet wurde.5 Die aus 1413 Versen bestehende Asketenbiographie wird - wie sich im Laufe der Arbeit noch zeigen wird - aufgrund zeitlicher Konventionen sowohl durch höfische als auch durch legendarische Erzählelemente realisiert. Konrads Werk ist eine sog. Papst- fassung, das heißt, dem Papst kommt, im Gegensatz zu einer Brautfassung, eine große Rolle zu.6 Es handelt sich bei dieser literarischen Verarbeitung des bekannten Legendenstoffs um eine Auftragsarbeit aus der bürgerlichen Schicht.7

2.1 Asketenbiographie

Die hagiografische Konvention der Beschreibung eines Heiligenlebens kann in ver- schiedene Subgenera unterteilt werden. Die von Petra Paschinger als „Asketenbiogra- phie“ bezeichnete Alexius-Geschichte enthält vor allem legendarische Züge. Zentraler Aspekt der Asketenbiographie ist - wie der Name schon vermuten lässt - die Askese des späteren Heiligen, welche „als Gegenkultur zu der hegemonialen, auf Statusbe- weis und Hierarchie beruhenden Gesellschaft“8 gilt, dies wird durch den „Verzicht des Asketen auf seinen bisherigen gesellschaftlichen Status und Bruch mit bestehenden sozialen Bindungen“9 verdeutlicht. An der damit einhergehenden Transformation10 (körperlich und lebensweltlich) wird die Askese ablesbar. Dieser Transformations- prozess wird in der Heiligenlegende narrativ inszeniert und nachvollziehbar gemacht. Durch die Transformation wird der Asket nicht mehr erkennbar, dies gilt als Zeichen göttlichen Wirkens.11 Dadurch werden Identität und Identifikation problematisiert.

Wichtig ist die Legitimation als Heiligenlegende durch ein Schriftzeugnis, wel- ches das Leben des Heiligen öffentlich darstellt und dadurch belegt bzw. legitimiert. Die Askese ist ein ständiges „Wechselspiel zwischen Öffentlichkeit und Nicht- Öffentlichkeit und zwischen Selbstbezüglichem und gesellschaftlich Relevantem“.12 Zweck der Heiligenlegende ist, die Gläubigen zur imitatio anzuregen. Dies soll durch Identifikation mit dem Protagonisten, einem vorbildlichen Christen und späteren Heiligen realisiert werden. Edith Feistner ordnet diese Art der Heiligenlegende der Bekennerlegende zu.13

2.2 Höfisches Erzählen

Dieses Kapitel widmet sich in verkürzter Form dem höfischen Erzählen im Alexius Konrads von Würzburg. Gründe für eine höfische Betrachtungsweise des Werks liefert z. B. die zeitgleich vorherrschende Laienfrömmigkeitsbewegung.14 Die in der Volks- sprache geschriebenen erbaulichen Texte, die vor allem zur imitatio bestimmt waren, stellten nicht mehr nur rein religiöse Inhalte dar, sondern öffneten sich vermehrt auch narrativen Erzählelementen, fantastischen Welten und künstlerischen Ausschmückun- gen. So vollzog sich nach und nach eine Entwicklung vom rein erbaulichen zum unter- haltsamen Rezipieren der Texte.15

Auch der Alexius war für Laien konzipiert und nicht im liturgischen Milieu in Auftrag gegeben worden. Ähnlich einem Tristan „rutschte“ somit die legendenhafte Erzählung in eine höfischere Erzählwelt. Natürlich fehlen stereotype Ritter und Minnekämpfe. Durch explizites Nennen der Gönner seines Werkes, Johannes von Bermeswil und Heinrich Inselin (V. 1396-1399), stellt sich Konrad in der Konvention der höfischen Epik. Konrad, der sowohl Legenden als auch höfische Epik verfasste, lehnte daher wohl bewusst seinen Text an den Tristan Gottfrieds von Straßburg an. Dies beobachtet Löffler und zeigt dies an folgender Darstellung auf:16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten17

Löffler fällt außerdem eine Nähe zum Prolog des höfischen Romans Willehalm Wolframs von Eschenbach auf.18 Wyss erkennt ebenso einen analogen Aufbau zum Schema des Willehalm-Eingangs.19

Der für eine manieristische Art des Erzählens, den so genannten „geblümten Stil“, bekannte Autor Konrad bringt verschiedene davon geprägte Motive, Metaphern und Vergleiche (mit der Vergleichspartikel als) in den Text ein, z. B. die folgenden:

(1) Alexius wird als spiegel rîcher tugent (V. 138) bezeichnet.
(2) Motive wie turteltûbe und grüene[] böume (V. 377-383)[20]
(3) Alexius‘ totes Gesicht wird als blüejend als ein rôse vrisch bezeichnet (V. 953)

Die ausschweifenden Berichte können als über die „nötigen“ Erzählaspekte der Heiligenlegende hinausgehend betrachtet werden, z. B. bei den Ausführungen über Alexius‘ Tugendhaftigkeit (V. 194-215) und bei der Beschreibung des sprechenden Marienbildes (V. 436-519). Außerdem ist eine Intensivierung des Gefühlsbereiches zu finden, welche an den Minnesang angelehnt sein könnte, z. B. in den V. 242-243,21 eben auch weil Konrad selbst auch Minnesang geschrieben hat.

Insgesamt ist ein Hang zur Übertreibung zu beobachten, Löffler zeigt die folgenden Beispiele auf:22

(4) liute ane zal (V. 576)

(5) der groeste der ie wart bekannt[e] Wind (V. 533) Abschließend beziehe ich mich erneut auf Löffler:

„Konrad transponiert einen ca. 200 Jahre älteren Text, der in prosaischer Sprödheit ein typisches Heiligenleben, in strenger kirchlicher Observanz, darstellt, in seine höfische Zeit und Welt und stilisiert dabei seine Handlungs- träger mit den Leitbegriffen höfischer Dichtung zu Vorbildern des höfischen Menschheitsideals. Alexius ist so nicht mehr eine Heiligenfigur des 4. Jhs., sondern ein aktuelles, blutvolles Idealbild des höfischen Menschen.“23

Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Wenn nicht sogar nur die ¼ Wahrheit, denn, wie sich im Folgenden zeigen wird, überwiegen die legendarischen Erzählelemente.

3 Legendarisches Erzählen im Alexius

Was sind legendarische Erzählelemente? Eine Antwort findet sich im Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (RLW). Die folgende Übersicht ist daraus ent- nommen und dient als Ausgangspunkt für die Untersuchung in diesem Kapitel.24

- Leben und Wirken des Heiligen

- Martyrium (Passio)
- Jenseitsreisen/-visionen
- Reliquien-Übertragung (Translatio)
- Wunder nach dem Tode (Mirakel)
- Göttliches Heilswirken
- Zweck:
- Erbauungsliteratur
- Imitabilität, menschliche Heilsaneignung

Die Gliederung des Kapitels geht zuerst auf Grundlegendes, Allgemeines bezüglich der legendenhaften Erzählweise im Alexius ein. Dann folgt eine Beobachtung zum Prolog des Werkes, der, wie in den meisten mittelalterlichen Geschichten, eine zentrale Rolle bezüglich der Einordnung und Bewertung dieser einnimmt. Den größten Teil nimmt der durch die Askese bedingte Transformationsprozess des Asketen ein und der Gottes- bzw. heilsgeschichtliche Bezug, der sich durch das ganze Werk zieht. Abschließend steht eine kurze Abhandlung über kulturelle Aspekte, Konventionen, Traditionen, in deren Umfeld der Alexius entstanden ist.

[...]


1 Jefferis 1989, S. 195.

2 Löffler 1991, S. 146.

3 Wyss 1973, S. 216.

4 Zitiert wird nach Gereke 1926.

5 Vgl. Beutin 1994, S. 72.

6 Vgl. Beutin 1994, S. 73.

7 Vgl. Löffler 1991, S. 139.

8 Paschinger 2004, S. 69.

9 Paschinger 2004, S. 69.

10 Der Begriff Transformation erscheint häufig im Zusammenhang mit Askese.

11 Paschinger 2004, S. 79.

12 Paschinger 2004, S. 149.

13 Vgl. Feistner 1995, S. 185.

14 Vgl. Feistner 1995, S. 186.

15 Vgl. Quast 2005, S. 27-40.

16 Löffler 1991, S. 144.

17 Vgl. Gottfried von Straßburg 2007, S. 24.

18 Löffler 1991, S. 144.

19 Wyss 1973, S. 216.

20 Vgl. Jefferis 1989, S. 200.

21 Löffler 1991, S. 147.

22 Löffler 1991, S. 148.

23 Löffler 1991, S. 145.

24 Kunze 2007, S. 389-393.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Legendarisches Erzählen im 'Alexius' Konrads von Würzburg
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
25
Katalognummer
V188611
ISBN (eBook)
9783656123033
ISBN (Buch)
9783656124030
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
legendarisches, erzählen, alexius, konrads, würzburg
Arbeit zitieren
B.A. Cornelia Reinhardt (Autor), 2011, Legendarisches Erzählen im 'Alexius' Konrads von Würzburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188611

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