Das Römische Haus im Ilmtal von Weimar

Außenbau, Interieur, Einbindung in den Landschaftsgarten und der Einfluss des Palladianismus auf die Architektur des Hauses


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

27 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung des Römischen Hauses

3. Der Einfluss des Palladianismus auf Goethe

4. Das Äußere des Römischen Hauses
4.1. Die Standortwahl
4.2. Der äußere Eindruck
4.3. Die Dorische Halle
4.4. Die Ionische Halle
4.5. Der Redende Stein

5. Interieur des Römischen Hauses
5.1. Der erste Eindruck im Haus
5.2. Das Vestibül
5.3. Der Blaue Salon
5.4. Der Gelbe Salon

6. Bedeutung des Römischen Hauses

7. Schluss

Literatur-, Quellen-, Abbildungs-, Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

Das Römische Haus sowie der Ilmpark entstanden auf Initiative des sächsischen Herzogs Carl August und Goethes. Sie spiegeln einen aufkommenden Wandel in der höfischen Geselligkeitskultur, ebenso wie in den kunst- und gartentheoretischen Diskussionen der Zeit wieder. Goethe beeinflusste, durch die auf seiner Italienreise genommene Entwicklung, die Auffassungen über Denkmäler, Architektur und Landschaft seiner Zeit hin zu einer klassizistischen Ästhetik. „Das in Italien sowohl durch die direkte Anschauung als auch im Studium der Malerei eingeprägte Bild der idealen Landschaft wird Goethe auch nach seiner Rückkehr nach Weimar vor seinem inneren Auge behalten, wie sein neuerliches Wirken im Ilmtal veranschaulich(t) […]“.1 Dies wird auch durch den Bau des Römischen Hauses sichtbar. Das in der ersten Hälfte der neunziger Jahre des 18. Jahrhunderts erbaute Haus war das früheste reine Beispiel klassizistischen Bauens in Deutschland. Die Anordnung der einzelnen Bauteile verrät, dass der Formenvorrat jeglicher antiker (vor allem griechischer) Baukunst für den Bauherrn und Architekten frei verfügbar waren.

Im zweiten Kapitel wird die Entstehungsgeschichte des Römischen Hauses dargestellt, was die Gründe für das Bauvorhaben waren, wer die Beteiligten daran sind, auf welcher Grundlage das Haus entstand und auf welchem Terrain es gebaut wurde. Das dritte Kapitel behandelt das Äußere des Römischen Hauses, wie die Dorische- und Ionische Halle, samt der architektonischen Besonderheit und Auffälligkeiten. Außerdem wird geschildert, welchen Einfluss Andrea Palladio, ein italienischer Architekt aus der Zeit des Manierismus, auf Goethe hatte und somit durch sein Nachleben das Bauwerk in Weimar indirekt beeinflusste. Soweit es möglich und sinnvoll ist, werden stets die Bezüge zu Palladio gesucht, da diese Arbeit auf der Grundannahme beruht, dass das Interesse Goethes, durch seine Zeit in Italien und damit verbunden durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit palladianischen Bauten, für klassizistisches Bauen geweckt wurde und dass der deutsche Dichter, sich stets an den Schriften Palladios (und auch Vitruvs) orientierte, um sein Ziel, ein möglichst detailgetreues Haus nach römischem Vorbild zu bauen, zu erreichen. Des Weiteren wird geschildert, wie das Haus in den Park des Ilmtals eingefügt worden ist. Unter dem Kapitel Interieur des Römischen Hauses wird der Blaue Salon, der Gelbe Salon und das Vestibül, mitsamt der Einrichtung verstanden und dem Leser näher gebracht.

Die für diese Arbeit benötigte Literatur ist nur im geringen Maße befriedigend. So gibt es für die kunstwissenschaftliche Bearbeitung zur Thematik des Römischen Hauses ausreichend, wenn auch nicht immer ausführliche Literatur, in der sich die Aussagen der Autoren zudem oftmals gleichen. Sobald aber die Verbindung zu Palladio erreicht werden sollte, wurde es kritisch. So lassen sich Arbeiten finden, die die Rezeptionsgeschichte Palladios behandeln, aber kein Werk, welches die architektonischen Vorgaben Palladios in Bezug auf das Römische Haus zum Thema hat. Somit wird hier Pionierarbeit geleistet.

2. Die Entstehung des Römischen Hauses

Mit dem Römischen Haus sollte an der schönsten Stelle des Ilmparks ein Land- und Parkhaus für den Herzog von Sachsen - Weimar Carl August entstehen. Das Haus wurde von 1792 bis 1797 nach den Plänen des Hamburger Architekten Johann August Arens, der Goethe auf einer Reise durch Italien im deutsch-römischen Künstlerkreis kennen lernte2, als erstes klassizistisches Gebäude Weimars im Ilmtal errichtet.3 Zwischen 1778 und 1830 entstand im Weimarer Ilmtal unter dem anfänglichen Einfluss von Johann Wolfgang Goethe ein weitläufiger Park im Stil des englischen Landschaftsgartens. Der Park ist lang gestreckt in Nord und Süd Richtung, zum Verlauf der Ilm und birgt viele Denkmäler, Staffagebauten und Kleinarchitektur in sich.

Einen Vorentwurf für das Römische Haus legte Arens 1788 in Rom vor. Das Blatt, welches sich in der Kunstsammlung der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätte Weimar befindet, ist unter dem Namen „Project d’une Maison de Campagne“ bekannt.4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten5

Für Goethe war es unabdingbar, dass der Architekt des Römischen Hauses unmittelbar vor dem Weimarer Bauvorhaben eine Studienreise durch Italien und Frankreich absolviert hatte: „Ich würde hierzu unter der gehörigen Aufsicht und der regulierenden Einwirkung eher Personen wählen, die erst ganz frisch Rom und Paris gesehen haben“, ließ er den Präsident des Staatsministeriums Christian Gottlob Voigt wissen. Arens erfüllte diese Voraussetzung aufgrund einer mehrjährigen Studienreise durch England, Italien und Frankreich. Außerdem war er, wie alle am Bau beteiligten Personen, ein Verehrer Goethes und er stand am Anfang seiner Karriere, so dass der schon bekannte deutsche Dichter stärkeren Einfluss auf die jungen Baumeister ausüben konnte, als er es bei älteren in Baugesinnung und Formensprache festgelegten Baumeistern hätte ausüben können.6 Auch Goethe selbst fertigte mehrere Landhausskizzen an, inwiefern diese freie Entwürfe sind, bleibt fraglich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten7

Entscheidend für die Baugestaltung waren Arens´ 1792 gezeichneten zwölf Blätter der Grundrisse, Durchschnitte und verschiedenen Ansichten. 1789, noch bevor Arens die Baupläne vorlegte, wurde der zwischen dem Ilmhang und der Belvederer Allee gelegene „Tabacksäcker“ südlich des Tempelherrenhauses für den Bau des Römischen Hauses angekauft. Im Frühjahr darauf begann die Erschließung des Geländes und die Bepflanzung mit einheimischem und fremdländischem Gehölz entlang des Weges. Vor allem „Lombardische Pappeln“, der Modebaum dieser Zeit, wurden gepflanzt.8 Die Arbeiten wurden unter Goethes stärkster geistiger Anregung und praktischer Richtungsweisung ausgeführt.9 Seit der Grundsteinlegung am 28. März 1792 musste die eigentliche Arbeit auf Jahre hin unter Goethes Aufsicht und Anweisung durchgeführt werden, da Arens nur selten in Weimar anzutreffen war.10 Dies führte zu manchen nachträglichen Veränderungen oder Ausgestaltungen des Arens’schen Plans.

Der Auftraggeber zum Bau des Römischen Hauses war derselbe für den es bestimmt war, Herzog Carl August. Der Herzog, der 1792 am Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich teilnahm, kehrte 1794 ernüchtert und resigniert zurück, schied 1795 aus dem preußischen Militärdienst aus und widmete sich fortan der Sicherstellung eines Friedens mit Frankreich. Bereits 1792 schrieb er aus einer Stellung in Frankfurt am Main einen Brief an Goethe, in dem es heißt:

„Den Bau des Gartenhauses übergebe ich Dir gantz. Da ich wünschte, bey meiner Rückkunft einen Ruheplatz fertig zu finden, so erzeige mir den Gefallen zu besorgen, daß endlich einmahl der Plan des Dinges zu Stande komme und schnell ausgeführt werde; ich muß, um die Landschafts Caßen zu schonen, alle neue Baue übers Jahr einstellen; diesen Ruheort möchte ich aber nicht darein begreifen. Wenn man so lange abwesend war, möchte man doch gerne sich endlich sicher wohin setzen. Im Plane sind die Feuerungen schlecht und gantz unbrauchbar angebracht, diese müßen geändert werden. Nimm dich der Sache ernstlich an, daß nichts zum Baue dieses Hauses fehle. Decke es, womit und wie du willst, und thue, als wenn du für dich bauetest; unsere Bedürfnisse waren einander immer ähnlich.“11

Im Jahr 1793 jedoch veranlasste der Herzog einige partielle Veränderungen, welche erwiesen, wie unähnlich die Bedürfnisse der beiden Freunde Goethe und Carl August sein konnten. Goethe urteilte über die Veränderungen: „Das Römische Haus wird mit jedem Tag unrömischer und die Seite der Luft- und Hühnertreppe immer abscheulicher je fertiger alles darum wird. Die Gegenseite nach Belvedere zu sieht indessen, auf oder ab so ruhig und vernünftig aus, daß man sich wirklich daran erfreuen kann.“12

Goethe, zu dieser Zeit Weimarischer geheime Rat, unternahm längere Reisen und direkte Studien, um die antike und italienische Kunst kennen zu lernen. Bereits während seines Italienaufenthaltes von 1786 bis 1788 hatte Goethe sich im Auftrag des Herzogs mit römischen Landhäusern beschäftigt und skizzenhaft seine Grundidee für ein massives Haus fixiert. Hier konnte Goethe seine in Italien erarbeiteten Einsichten in die Kunst der klassischen Baugesetze anwenden. Er war geistig und zeichnerisch Mitgestalter der Entwürfe und hatte die unmittelbare Aufsichtsführung in den ersten vier Jahren der Bauperiode.13 Der Fürst war mit Goethe befreundet und vertraute seinen weitreichenden künstlerischen und universalen Fähigkeiten. Dieses Vertrauen fand darin Ausdruck, dass er die volle Entscheidung über den Charakter des Bauwerks und alle einzeln zu ergreifenden Maßnahmen auf Goethe übertrug, auch über die fürstliche Baudirektion hinweg und deren Schatullverwalter Friedrich Justin Bertuch (1747- 1822).

3. Der Einfluss des Palladianismus auf Goethe

Goethes gewonnene Erkenntnisse klassizistischer Architektur basieren nicht nur auf seinen eigenen Aufzeichnungen, sondern auch auf dem Werk des antiken Autoren Vitruv. Dessen Werk Zehn Bücher über die Architektur wurde im Quattrocento14 wiederentdeckt und ist die einzig überlieferte Quellenschrift aus der Antike. In der Zeit des Manierismus, in die auch Palladio einzuordnen ist, wurden sämtliche Kenntnisse in der vitruvianischen Theorie obligatorisch für Baumeister. Die Ausführungen Vitruvs waren allerdings schwer verständlich und es fehlten Illustrationen, die verlorenen gegangen waren, so dass Illustratoren, Übersetzer und Kommentatoren den lateinischen Urtext für den praktischen Gebrauch nutzbar machen mussten.15 Es war Serlio, der als erster das Werk Vitruvs, zumindest einzelne Teile davon, bearbeitete und vor allem den Sinn und die Proportionen der Säulen erklärte. Mit seiner Überarbeitung des Werkes stellte Serlio den neuzeitlichen Architekten erstmals die wichtigsten vitruvianischen Vokabeln zur Verfügung, durch welche sie sich über Jahrhunderte hindurch, trotz aller Stilwandlungen, auszudrücken vermochten. Aus dem Werk Terzo Libro Serlios, welches von der antiken Architektur handelt, wird die neuschöpferische und nicht einfach nur kopierende Art der Renaissance gegenüber der Antike, durch die Aufnahme einiger Werke Bramantes, deutlich. Einerseits galt Bramante in der Hochrenaissance als der eigentliche Wiederentdecker der antiken Architektur, da seine Bauwerke denen der Alten ebenbürtig erschienen. Andererseits hatte er mit dem Tempietto in S. Pietro in Montorio ein Muster dorischer Architektur erfunden, von dem es in der Kaiserzeit keines gab.

„Seine vergleichsweise schlanke, muskulöse Dorica mit nacktem Schaft und Basis hat mit der Dorik der Griechen und der Archäologen fast nichts gemein, vielmehr ist sie ganz und gar aus der Architekturtheorie des Vitruv deduziert, aus der Bramante ebenso Serlio und schließlich Palladio seine Proportionsregeln bezogen hat.“16

[...]


1 Müller- Wolff, S. 236.

2 Wietek, S. 7.

3 Jericke, S. 10.

4 Müller- Wolff, S. 285.

5 Johann August Arens, 1788. Anhang 1.

6 Wietek, S. 8.

7 Goethe, 1787/1788. Anhang 2.

8 Grüneberger, S. 6.

9 Jericke, S. 11.

10 Jericke, S. 12.

11 Carl August an Johann Wolfgang Goethe, Frankfurt/M. 27. Dezember 1792; Briefwechsel Carl August - Goethe, S. 87.

12 Goethe zit. nach Wietek, S. 9.

13 Grüneberger, S. 5.

14 Das Quattrocento umfasst die künstlerischen Stile des späten Mittelalters.

15 Forssman, S. 42.

16 Forssman, S. 44-45.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Das Römische Haus im Ilmtal von Weimar
Untertitel
Außenbau, Interieur, Einbindung in den Landschaftsgarten und der Einfluss des Palladianismus auf die Architektur des Hauses
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Caspar-David-Friedrich-Institut)
Veranstaltung
Die Architektur Andrea Palladios und der Palladianismus
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
27
Katalognummer
V188654
ISBN (eBook)
9783656124528
ISBN (Buch)
9783656125044
Dateigröße
4089 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Palladio, Goethe, Palladianismus, Weimar, Ilmtal, Römisches Haus, Architektur, Kunstgeschichte
Arbeit zitieren
Mathis Much (Autor), 2011, Das Römische Haus im Ilmtal von Weimar , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188654

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