Bereits im Prolog der „satanischen Bibel“ macht dessen Verfasser, Anton Szandor LaVey, Anspruch, Stoßrichtung und Ziel des von ihm verfassten Werkes deutlich: Die Errichtung einer „Gegenreligion zum Christentum“2, in der die „Errettung der Menschen […] nicht länger von […] Selbstverleugnung abhängig […]“3 sein soll.
Die religionswissenschaftliche Relevanz ergibt sich aus zwei Gründen:
Zum einen ist das durch christliche Weltanschauungsbeauftragte proklamierte ‚Verständnis‘, Satanismus stelle eine „Gefahr für die Gesellschaft“4 dar, unter anderem am Beispiel der satanischen Philosophie LaVeys religionswissenschaftlich-kritisch hinterfragbar, da die dort enthaltenen Gedanken und Konzepte zumindest einen der Angriffspunkte für diese fundamentale Kritik bilden.
Zum anderen ist die Beschäftigung mit einem auf den Gedanken LaVeys basierenden Satanismus für die Religionswissenschaft insofern von Interesse, als die komplettierte Umkehrung christlichen Gedankenguts hier unter anderem beinhaltet, dass eine höhere transzendente Entität als nicht existent gilt und sich Satanismus als ‚Religion des Diesseits‘ präsentiert.5
[...]
1 LAVEY, Anton Szandor: Die satanische Bibel. 1. Aufl. Index Verlag 2007. S. 11. Im Folgenden zitiert als: LAVEY 2007.
2 Siehe http://www.paranormal.de/satanismus/fragen_antworten.html; zitiert nach FÜGMANN, Dagmar: Zeitgenössischer Satanismus in Deutschland. Eine religionswissenschaftliche Untersuchung bei Mitgliedern satanistischer Gruppierungen und gruppenunabhängigen Einzelnen: Hintergründe und Wertvor-stellungen. S. 12. Im Folgenden zitiert als: FÜGMANN 2008.
3 LAVEY 2007. S. 11.
4 FÜGMANN 2008, S. 9. Siehe dazu auch mein abschließendes Fazit.
5 Siehe dazu die Aussage PETER H. GILMORES im abschließenden Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anton Szandor LaVey
3. Die satanische Philosophie nach LaVey
3.1 Die Satanische Bibel
3.1.1 Religionsbegriff bei LaVey
3.2 Die Elf Regeln der Erde
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Grundlagen der satanischen Philosophie von Anton Szandor LaVey durch eine Analyse seiner zentralen literarischen Werke, der „Satanischen Bibel“ und der „Elf Regeln der Erde“, aufzuarbeiten. Dabei steht die religionswissenschaftliche Untersuchung der expliziten Umkehrung christlicher Wertvorstellungen und die Rolle des „Satanismus“ als diesseitsorientierte, atheistische Lebensphilosophie im Mittelpunkt der Forschungsfrage.
- Biographische Einordnung von Anton Szandor LaVey
- Analyse der „Satanischen Bibel“ als Grundlage der Church of Satan
- Deutung der „Neun satanischen Aussagen“ als philosophisches Fundament
- Untersuchung der „Elf Regeln der Erde“ als Verhaltensgrundlage
- Religionswissenschaftliche Einordnung des LaVey-Satanismus
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Elf Regeln der Erde
Entstanden ist diese Zusammenstellung, die „das Gesetz des Dschungels sozialer Wechselwirkungen“ beschreibt, laut Church of Satan etwa zu selben Zeit wie die satanische Bibel. Ausgegeben wurde sie zunächst allerdings nur an Mitglieder (eine Veröffentlichung fand erst später statt), da die Welt zum Zeitpunkt der Fertigstellung noch nicht dafür bereit gewesen sei. „Die Elf Regeln der Erde“ besagen:
1. Do not give opinions or advice unless you are asked. 2. Do not tell your troubles to others unless you are sure they want to hear them. 3. When in another’s lair, show him respect or else do not go there. 4. If a guest in your lair annoys you, treat him cruelly and without mercy. 5. Do not make sexual advances unless you are given the mating signal. 6. Do not take that which does not belong to you unless it is a burden to the other person and he cries out to be relieved. 7. Acknowledge the power of magic if you have employed it successfully to obtain your desires. If you deny the power of magic after having called upon it with success, you will lose all you have obtained. 8. Do not complain about anything to which you need not subject yourself. 9. Do not harm little children. 10. Do not kill non-human animals unless you are attacked or for your food. 11. When walking in open territory, bother no one. If someone bothers you, ask him to stop. If he does not stop, destroy him.
In diesem Regelsatz wird eine Sichtweise deutlich, die zuvor in den „Neun Satanischen Aussagen“ nur angedeutet wurde: die Freiheit als „einer der höchsten anzustrebenden Werte im Satanismus“. Begrenzung findet diese Freiheit nicht in den Regeln eines irgendwie gearteten transzendenten Wesens, sondern in der Freiheit der anderen Menschen, den Gesetzen des jeweiligen Landes, in dem man sich befindet, sowie nicht zuletzt selbstgesetzten Grenzen, also durch rational herleitbare, bis auf die Selbstbegrenzung freiheitlich-demokratisch konforme Grundgedanken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Untersuchung von LaVeys Werken als religionswissenschaftlich-kritische Auseinandersetzung mit der organisierten Form des Satanismus.
2. Anton Szandor LaVey: Dieses Kapitel zeichnet die Biographie LaVeys unter Berücksichtigung der kritischen Distanz zur medialen Selbstdarstellung und dessen prägender Einflüsse nach.
3. Die satanische Philosophie nach LaVey: Hier wird der Kern der Lehre als bewusste Gegenreligion zum Christentum dargestellt, die auf diesseitige Selbstverwirklichung zielt.
3.1 Die Satanische Bibel: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung der „Satanischen Bibel“ als dogmatisches Fundament der Church of Satan und analysiert die „Neun satanischen Aussagen“.
3.1.1 Religionsbegriff bei LaVey: Es wird diskutiert, wie ein transzendenzloser Atheismus innerhalb des LaVey-Satanismus funktional als Religion operieren kann.
3.2 Die Elf Regeln der Erde: Hier werden die spezifischen Verhaltensnormen analysiert, die den sozialen Umgang und die individuelle Freiheit innerhalb der satanischen Philosophie regeln.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, entkräftet Vorwürfe zu ritueller Gewalt und betont die symbolische Natur des satanischen Konzepts.
Schlüsselwörter
Satanismus, Anton Szandor LaVey, Satanische Bibel, Church of Satan, Religionswissenschaft, Gegenreligion, Atheismus, Selbstverwirklichung, Sozialdarwinismus, Elf Regeln der Erde, Neun satanische Aussagen, Transzendenz, Ideologie, Weltanschauung, Hedonismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Philosophie von Anton Szandor LaVey und untersucht dessen zentrale Schriften als theoretische Basis des organisierten Satanismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernpunkten zählen die bewusste Umkehrung christlicher Dogmen, die biographische Entwicklung LaVeys sowie die Etablierung des Satanismus als atheistische „Religion des Diesseits“.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die in der „Satanischen Bibel“ und den „Elf Regeln der Erde“ enthaltene Weltsicht religionswissenschaftlich strukturiert zusammenzufassen und einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse der Primärquellen (LaVey) und stellt diese in den Kontext fachwissenschaftlicher Debatten, etwa durch den Einbezug der Forschung von Dagmar Fügmann.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biographische Einordnung des Autors und die detaillierte Analyse der philosophischen Konzepte, wie der „neun satanischen Aussagen“ und der sozialen Verhaltensregeln.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind die Abgrenzung zum Christentum, der proklamierte Sozialdarwinismus, die Betonung der körperlichen Bedürfnisse (Hedonismus) und die Ablehnung übernatürlicher Transzendenz.
Warum wird Satan bei LaVey nicht als reales Wesen verstanden?
LaVey nutzt Satan rein als Symbol für ein Konzept der Opposition zum Christentum; er betont explizit, dass weder Gott noch der Teufel real existieren.
Wie rechtfertigt die Arbeit die „martialischen“ Regeln der Erde?
Die Arbeit deutet die harten Formulierungen (wie „zerstöre ihn“) teilweise als rhetorische Mittel zur Aufmerksamkeitserzeugung oder als Verweis auf Selbstverteidigungsprinzipien, lehnt jedoch eine gewalttätige Auslegung durch Anhänger ab.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Höffkes (Autor:in), 2012, Anton Szandor LaVeys Philosophie. Zur „Satanische Bibel“ und die „Elf Regeln der Erde“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188672