„Man muß Schostakowitsch Gerechtigkeit widerfahren lassen: Dem allgemeinen Eindruck nach enthält seine Fuge unglaublich viel Neues [...]“
So äußert sich der ebenfalls sowjetische Komponist Sergei Prokofjew zu einem der Sätze aus Schostakowitschs Klavierquintett g-Moll op. 57 aus dem Jahr 1940. Auch wenn die Formulierung „dem allgemeinen Eindruck nach“ etwas abfällig daherkommt scheint der Schöpfer von „Peter und der Wolf“ doch dieses Kompliment recht ernst zu meinen.
Auch über die anderen Sätze bildet sich Schostakowitschs Komponistenkollege eine Meinung. Der an zweiter Stelle erscheinende Fugensatz steche jedoch wie gesagt hervor.
Aus der bachschen Tradition heraus unternahmen die Komponisten der nachfolgenden Generationen vielerlei Versuche originelle Fugen zu schreiben und dem damit dieser traditionellen Form ein gewisses Maß an Neuartigkeit beizubringen. Im Bezug hierauf räumt Prokofjew allenfalls Hindemith das Gelingen dieses Versuchs ein, der in seinen Sonaten ebenfalls mit fugenartigen Strukturen experimentierte. (Meyer 1998, S.173)
Nicht vergessen werden darf, abgesehen von der Analyse einzelner Teilsätze des Werks auch der historische Kontext der Entstehung und Rezeption des Klavierquintetts.
Aus der Musikgeschichte heraus muss man Schostakowitsch ohnehin immer als Komponisten vor einem rumorenden politischen Hintergrund der Stalin-Ära sehen und verstehen. Man denke hierbei etwa an die beiden Sinfonien, die Salingrader und die Leningrader Sinfonie.
Ob es sich bei dem vorliegenden Werk ebenfalls um ein stark politisch konnotiertes und damit entweder revolutionäres oder traditionsbewusstes Werk handelt will die vorliegende Arbeit ergründen. Dabei erfolgt zunächst die Erörterung des Entstehungshintergrunds des Werkes und seine Rezeption um dann gefolgt von der Analyse (eines, zweier) Sätze zu einer möglichen Interpretation des Werkes zu gelangen.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Werkgeschichte und Entstehungshintergrund
2. Analyse
2.1. Überblick über die Anlage des Gesamtwerks nach Smallman
2.2. Analyse des zweiten Satzes (Fuge)
2.3. Analyse des Scherzo
3. Rezeption und Wirkung
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Klavierquintett g-Moll op. 57 von Dmitri Schostakowitsch, um zu ergründen, ob es sich dabei um ein stark politisch konnotiertes oder ein traditionsbewusstes Werk handelt. Dabei wird der historische Entstehungshintergrund beleuchtet, die Rezeption analysiert und durch eine detaillierte Betrachtung einzelner Sätze zu einer Interpretation des Werkes gelangt.
- Historischer Kontext der Entstehung zur Zeit der Stalin-Ära
- Strukturelle Analyse ausgewählter Sätze (Fuge und Scherzo)
- Einfluss barocker Formen auf das kompositorische Schaffen
- Rezeptionsgeschichte und politische Wirkung des Werkes
Auszug aus dem Buch
2.3. Analyse des Scherzo
Im dritten Satz des Klavierquintetts schlägt Schostakowitsch den Bogen von der barocken Form der Fuge hin zur klassischen Form des Scherzo. Dabei handelt es sich um einen schnellen Satz im 3/4 – Takt, wobei das vorgestellte Hauptthema das Zwischenthema einrahmt. (Steinbek, Sp. 1054 ff.)
Äußerlich gleicht das Scherzo dem Menuett und vor allem bei Beethoven („Eroica“) wird das Menuett langsam aber sicher vom Scherzo verdrängt. Die Merkmale dieser Form sind staccatoartige Rhythmen, Akzente, große Melodiesprünge und unvorhersehbare Überraschungseffekte. Im 19. Jahrhundert erfolgt eine klare Trennung in Scherzo und Menuett, wobei das Scherzo zunächst nur Teil des Menuetts war. Übliche Formen waren Abfolgen, wie Scherzo – Trio – Scherzo. Natürlich wurden diese Abläufe auch variiert und weiterentwickelt. So also auch im Werk von Schostakowitsch der diese Satzart ganz außerhalb ihrer angestammten Form des Menuetts verwendet und sie zwischen Fuge und Intermezzo eines Klavierquintetts setzt.
Die Tempobezeichnung des Satzes Lautet allegretto und er steht in der Tonart H-Dur:
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Klavierquintetts op. 57 ein und stellt die Forschungsfrage nach der politischen oder traditionellen Ausrichtung des Werkes.
1. Werkgeschichte und Entstehungshintergrund: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte des Werkes im Jahr 1940, die freundschaftliche Verbindung zum Beethoven-Quartett und den großen Erfolg bei der Uraufführung.
2. Analyse: Dieser Hauptteil befasst sich mit der formalen Struktur des Quintetts, der Analyse der Fuge sowie der Analyse des Scherzos unter Berücksichtigung von Harmonik und Themenbildung.
3. Rezeption und Wirkung: Hier wird die zeitgenössische und nachfolgende Rezeption des Werkes sowie der Erhalt des Stalinpreises und dessen Bedeutung für den Komponisten thematisiert.
4. Zusammenfassung: Das Fazit fasst zusammen, dass Schostakowitsch in diesem Werk traditionelle Formen meisterhaft mit seinem individuellen Stil verbindet und das Quintett als einen letzten "Lichtschein" vor dem Krieg interpretiert.
Schlüsselwörter
Dmitri Schostakowitsch, Klavierquintett op. 57, Fuge, Scherzo, Analyse, Kammermusik, Stalin-Ära, Musikgeschichte, Klassik, Barock, Kompositionstechnik, Rezeption, Tradition, Polyphonie, Intermezzo
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Dmitri Schostakowitschs Klavierquintett op. 57 und untersucht dessen formale Struktur, den Entstehungshintergrund sowie die künstlerische Bedeutung im Kontext der Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Werkgeschichte, die strukturelle Analyse der Sätze (insbesondere Fuge und Scherzo), der Einfluss barocker und klassischer Formen sowie die Rezeption des Werkes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu ergründen, ob das Klavierquintett als ein stark politisch konnotiertes, revolutionäres oder eher als ein traditionsbewusstes Werk zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine musikwissenschaftliche Analyse der Satzstruktur, der Harmonik und der thematischen Entwicklung durchgeführt, ergänzt durch die historische Einordnung und Quellenarbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen Überblick über die Anlage des Gesamtwerks, eine detaillierte Analyse der Fuge (Satz 2) und eine Analyse des Scherzos (Satz 3) samt ihrer thematischen und harmonischen Merkmale.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Schostakowitsch, Klavierquintett, Fuge, Scherzo, Kammermusik, Stalin-Ära und formale Analyse.
Welche Rolle spielt die Fuge in der Analyse des Autors?
Die Fuge wird als wesentlicher Bestandteil hervorgehoben, da sie Schostakowitschs Fähigkeit demonstriert, barocke Traditionen mit einer modernen, eigenen Musiksprache zu verbinden.
Wie bewertet der Autor die politische Dimension des Klavierquintetts?
Der Autor stellt einen Zusammenhang zwischen dem Erfolg des Werkes, dem Stalinpreis und dem politischen Klima der Zeit her, ohne das Werk jedoch auf eine rein politische Aussage zu reduzieren.
- Arbeit zitieren
- Michael Cyris (Autor:in), 2010, Dmitri Schostakowitschs Klavierquintett op. 57 - Versuch einer Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188737