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Die Bilanzierung finanzieller Verbindlichkeiten im Bankensektor - Eine kritische Betrachtung der fair value Option nach IFRS

Titel: Die Bilanzierung finanzieller Verbindlichkeiten im Bankensektor - Eine kritische Betrachtung der fair value Option nach IFRS

Diplomarbeit , 2009 , 86 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Georg-Christian Rueb (Autor:in)

VWL - Finanzwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Bilanzierung von Finanzinstrumenten gehört zu den derzeit umstrittensten Themengebieten der internationalen Rechnungslegung. Insbesondere die Bewertung zum fair value, dem beizulegenden Zeitwert, der sich im Idealfall auf einem aktiven Markt zwischen vertragswilligen Geschäftspartnern ergibt, steht heftig in der Kritik. So wird der fair value Bilanzierung von Finanzinstrumenten eine katalysierende Wirkung auf das Ausmaß der internationalen Finanzkrise zugeschrieben. Eine erfolgswirksame Erfassung noch nicht realisierter Kurssteigerungen hat in Zeiten steigender Börsenkurse zu immensen Gewinnen, insbesondere im Bankensektor geführt. Die Deutsche Bank hat im Jahr 2007 einen Gewinn nach Steuern von 6,5 Mrd. € erwirtschaftet, ein Jahr später jedoch einen Verlust von 3,9 Mrd. € erlitten. Der fair value wurde schlagartig vom „Helden zum Schurken“, er befindet sich sozusagen im „Karriereknick“ . Siegfried Jaschinski, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg, beruft sich in einem Artikel der Börsen Zeitung vom Juli 2009 auf die traditionelle Aufgabe von Banken, Kredite zu vergeben und Sparern sichere Anlagemöglichkeiten zu bieten. Zur Wiederherstellung des Vertrauens der Anleger sollten Banken stille Reserven bilden dürfen, die Bewertung zu Marktpreisen sollte lediglich die Ausnahme sein. Gleichzeitig verfolgt das für die Entwicklung internationaler Bilanzierungsnormen zuständige Standardisierungsgremiun IASB weiterhin das langfristige Ziel, eine Bewertung aller Vermögenswerte und Schulden zum beizulegenden Zeitwert durchzusetzen. Ebenfalls im Juli diesen Jahres hat das IASB einen exposure draft veröffentlicht, welcher die Umsetzung einer weitgehenden fair value Bewertung und einer damit verbundenen Vereinfachung der Bilanzierungsregeln des IAS 39 weiter vorantreiben soll. Eine im April 2009 veröffentlichte Studie der Universität Frankfurt sieht die negativen Effekte der fair value Bilanzierung überbewertet. Insbesondere im Bankensektor sei deren Anwendung praktikabel und einer Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten vorzuziehen. Die Problematik der fair value Bilanzierung von Verbindlichkeiten besteht darin, dass deren Anwendung im Rahmen der so genannten fair value Option im Falle einer Verschlechterung der eigenen Bonität zu einer Verringerung des in der Bilanz ausgewiesenen Fremdkapitals und zu Gewinnen in Höhe der Wertveränderung der Schulden führt...

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die fair value Bilanzierung von Verbindlichkeiten

2.1 Das mixed model

2.1.1 Bewertung finanzieller Vermögensgegenstände

2.1.2 Bewertung finanzieller Verbindlichkeiten

2.1.3 Reformvorschläge des IASB zur Kategorisierung finanzieller Verbindlichkeiten

2.2 Verbindlichkeiten im Bankensektor

2.3 Hedge accounting

2.3.1 Fair value hedge accounting

2.3.2 Portfolio fair value hedge accounting

2.4 Die fair value Option auf finanzielle Verbindlichkeiten

2.4.1 Die Entwicklung der fair value Option

2.4.2 Kriterien für die Zulässigkeit der fair value Option

2.4.2.1 Vermeidung von Bewertungsinkongruenzen

2.4.2.2 Steuerung und Überwachung eines Portfolios von Finanzinstrumenten auf fair value Basis

2.4.2.3 Trennungspflichtige eingebettete Derivate

2.4.3 Offenlegungsanforderungen bei Nutzung der fair value Option

2.4.4 Berechnung der bonitätsinduzierten Ergebnisse aus der fair value Option

2.5 Vom IASB diskutierte Vorschläge zur Änderung der Regeln zum hedge accounting und der fair value Option

2.6 Ermittlung des fair value

2.6.1 Die Bewertungshierarchie nach IAS 39

2.6.2 Problematik der Berücksichtigung von Kreditrisiken im Rahmen der fair value Ermittlung

3 Empirische Untersuchung der Auswirkungen der fair value Option auf die Jahresabschlüsse von Kreditinstituten

3.1 Zusammenhang zwischen der Entwicklung von credit spreads und bonitätsinduzierten Bewertungsergebnissen

3.2 Analyse der zukünftigen GuV- Belastung durch die fair value Option für finanzielle Verbindlichkeiten

3.3 Beurteilung der Nutzung der fair value Option auf Verbindlichkeiten aus Sicht der Abschlussadressaten

3.3.1 Informationswirkung der fair value Bilanzierung von Verbindlichkeiten

3.3.2 Untersuchung der Darstellungsweise der fair value Option im Jahresabschluss

4 Zusammenfassung

5 Ergebnis und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Bilanzierung finanzieller Verbindlichkeiten nach IFRS, mit besonderem Fokus auf die kritische Betrachtung der "fair value Option". Das Hauptziel ist es, die ökonomischen Hintergründe und die Anwendungsvoraussetzungen dieser Option zu beleuchten sowie die Auswirkungen auf die Finanzberichterstattung von Kreditinstituten, insbesondere in Bezug auf bonitätsabhängige Bewertungseffekte, empirisch zu analysieren.

  • Grundlagen und Probleme des "mixed model" in der IFRS-Bilanzierung
  • Methoden und Herausforderungen des Hedge Accountings bei Banken
  • Kriterien und Entwicklung der "fair value Option" für Verbindlichkeiten
  • Empirische Analyse der Ergebniswirkungen durch Kreditrisikoänderungen bei europäischen Banken
  • Informationsgehalt der Bilanzierung zum beizulegenden Zeitwert für Abschlussadressaten

Auszug aus dem Buch

2.4.2.1 Vermeidung von Bewertungsinkongruenzen

Die aus dem mixed model resultierenden Bewertungsinkongruenzen (accounting mismatch) zwischen Finanzinstrumenten verschiedener Kategorien sollen durch die Anwendung der fair value Option vermieden oder wesentlich verringert werden. Voraussetzung dafür ist, dass zwischen den Instrumenten ein nachweisbarer ökonomischer Zusammenhang besteht (IAS 39.BC75). Hierfür existieren allerdings keine klaren Regelungen in den IFRS. Daraus entsteht ein Ermessensspielraum bezüglich der Frage, wann genau eine solche wesentliche Verringerung vorliegt und welche Bezugsgröße hierfür herangezogen werden sollte. Allerdings lassen sich aus der Forderung des ökonomischen Zusammenhangs und aus den gegebenen Beispielen in den Anwendungsleitlinien des IAS 39 weitere Regelungen ableiten. So steht etwa eine Verbindlichkeit im ökonomischen Zusammenhang zu einem Vermögenswert, wenn diese gegenläufige fair value Entwicklungen aufweisen, oder die Verbindlichkeit zum Zwecke der Refinanzierung des Vermögenswertes aufgenommen wurde (IAS 39.BC75).

IAS 39.AG4E liefert einige Beispiele für die Vermeidung eines accounting mismatch im Zusammenhang mit finanziellen Vermögensgegenständen der Kategorie available for sale: Wenn ein Unternehmen ein Portfolio festverzinslicher Vermögenswerte der Kategorie available for sale mit festverzinslichen Schuldverschreibungen refinanziert, ergibt sich eine Inkongruenz. Diese entsteht daraus, dass die Vermögenswerte erfolgneutral zum fair value bewertet, die Schuldverschreibungen jedoch zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet werden. Diese Inkongruenz wird durch die einheitliche erfolgswirksame Bewertung der Vermögenswerte und Schulden zum fair value berichtigt.

Grundsätzlich ist es zulässig, von einer Vielzahl ähnlicher Finanzinstrumente nur einzelne und nicht alle zu designieren, wenn dadurch eine signifikante Reduktion von accounting Inkongruenzen erreicht werden kann (IAS 39.AG4G). Zum Zugangszeitpunkt reicht es außerdem aus, wenn ein ökonomischer Zusammenhang mit anderen Positionen voraussichtlich eintreten wird. Der Aufbau der Gegenposition kann auch später, nach einer angemessenen Verzögerung, erfolgen (IAS 39.AG4F).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Kontroverse um die fair value Bilanzierung von Finanzinstrumenten im Bankensektor dar und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, die Auswirkungen der fair value Option kritisch zu hinterfragen.

2 Die fair value Bilanzierung von Verbindlichkeiten: Dieses Kapitel erläutert das "mixed model" der IFRS, die Herausforderungen des Hedge Accountings sowie die Entstehung und regulatorischen Kriterien der fair value Option bei Verbindlichkeiten.

3 Empirische Untersuchung der Auswirkungen der fair value Option auf die Jahresabschlüsse von Kreditinstituten: Hier erfolgt eine Analyse, inwieweit europäische Banken die fair value Option genutzt haben und welchen Einfluss Kreditrisikoänderungen auf ihre Bewertungsergebnisse und die GuV hatten.

4 Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse über die Problematik des "accounting mismatch" und die Vor- sowie Nachteile der fair value Option zusammen.

5 Ergebnis und Ausblick: Das abschließende Kapitel bewertet die empirischen Befunde und diskutiert die zukünftigen Entwicklungen der Rechnungslegungsstandards durch das IASB hinsichtlich eines möglichen "full fair value accounting".

Schlüsselwörter

fair value, fair value Option, IFRS, Bankensektor, Finanzinstrumente, Verbindlichkeiten, Hedge Accounting, Accounting Mismatch, Kreditrisiko, Credit Spreads, Jahresabschluss, IAS 39, Bewertungshierarchie, Bonitätsänderung, Finanzkrise

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der umstrittenen Bilanzierung finanzieller Verbindlichkeiten im Bankensektor nach IFRS, wobei der Schwerpunkt auf der kritischen Betrachtung der sogenannten "fair value Option" liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind das "mixed model" der IFRS, die Komplexität des Hedge Accountings, die Kriterien für die Anwendung der fair value Option sowie die empirische Untersuchung der Auswirkungen von Bonitätsänderungen auf die Bankbilanzen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die Bedingungen zu identifizieren, unter denen eine fair value Bewertung ökonomisch sinnvoll ist, und die Auswirkungen dieser Bewertungsmethode auf die Jahresabschlüsse und die Transparenz für Abschlussadressaten zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor verbindet eine theoretische Auseinandersetzung mit der Rechnungslegungslogik nach IAS 39 und IFRS 7 mit einer empirischen Untersuchung der Geschäftsberichte ausgewählter deutscher und europäischer Banken im Zeitraum 2006 bis 2008.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung der Bewertungsregeln und Hedge-Accounting-Verfahren sowie in eine empirische Analyse, die den Zusammenhang zwischen credit spreads, bonitätsinduzierten Bewertungseffekten und der Darstellung in Geschäftsberichten untersucht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?

Die Untersuchung ist geprägt durch Begriffe wie fair value Option, Hedge Accounting, Bonitätsrisiko, Accounting Mismatch und Credit Spreads im Kontext des IFRS-Regelwerks.

Wie wirkt sich die eigene Bonität auf das Bewertungsergebnis bei der fair value Option aus?

Verschlechtert sich die eigene Bonität eines Instituts, führt dies bei Anwendung der fair value Option zu einem Rückgang des in der Bilanz ausgewiesenen Fremdkapitals und somit zu einem Gewinn, der jedoch als "Scheingewinn" kritisiert wird, da die Verbindlichkeit meist zum Nennwert zurückgezahlt werden muss.

Warum ist der Ausweis von bonitätsinduzierten Effekten laut Autor problematisch?

Der Autor kritisiert, dass viele Banken die bonitätsbedingten Effekte nicht klar in der GuV ausweisen oder die Offenlegung der Berechnungsmodelle zu unpräzise ist, was die Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse für Anleger erheblich erschwert.

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Details

Titel
Die Bilanzierung finanzieller Verbindlichkeiten im Bankensektor - Eine kritische Betrachtung der fair value Option nach IFRS
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre)
Note
1,3
Autor
Georg-Christian Rueb (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
86
Katalognummer
V188772
ISBN (eBook)
9783656126331
ISBN (Buch)
9783656126843
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IAS 39 fair value Option IFRS 7; hedge accounting accounting mismatch; HSBC Deutsche Bank IFRS 9
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Georg-Christian Rueb (Autor:in), 2009, Die Bilanzierung finanzieller Verbindlichkeiten im Bankensektor - Eine kritische Betrachtung der fair value Option nach IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188772
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Leseprobe aus  86  Seiten
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