Pans Labyrinth - Eine Analyse


Hausarbeit, 2009

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Analyse der Bedeutungszusammenhänge

2. Filmische Mittel und Farbgebung

3. Montageform und POV am Beispiel der 1. Prüfung (29:39 - 36:48)

4. Interpretation

1. Analyse der Bedeutungszusammenhänge

Die dargestellte Welt in Pans Labyrinth ist klar semantisiert und entspricht der Divergenz zwischen real (Mühle, Spanien 1944) und irreal (unterirdisches Reich). Lediglich eine Person, nämlich das Mädchen Ofelia, bewegt sich in beiden diegetischen Formen, woraus sich ergibt, dass der semantische Raum des Labyrinths mit dem Pan und seinen Elfen von ihrer Phantasie abhängt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: semantische Räume

Damit die vielleicht zwölfjährige Ofelia wieder in das “unterirdische Reich”, das sie einst aus Neugierde verließ, zurückkehren kann, muss sie auf Geheiß des Pan drei besondere Prüfungen ablegen, die sie als wahre Prinzessin Moana identifizieren.

Man lernt sie als mutiges, aber zugleich kindlich, unschuldiges Mädchen kennen, das zwar nach Meinung ihrer schwangeren Mutter Carmen bereits zu alt sei für “Märchen” und dergleichen, sich aber hartnäckig mit ihrer regen Phantasie gegen die Zukunft mit dem neuen Stiefvater, dem Hauptmann Vidal wehrt. Ihn lehnt sie von vornherein ab, was auf Gegenseitigkeit beruht. So kommt es, dass sie bei Vidal immer wieder aneckt - schon alleine dadurch, dass sie ein Mädchen ist.

Zudem ist sie zumeist sich selbst überlassen, was möglicherweise überhaupt der Anlass für die Entwicklung ihrer phantastischen Geschichte ist.

Eine Art Freundin und gewisserweise Verständnis erhält sie nur durch die Haushälterin Mercedes, die gemeinsam mit dem Arzt Ferreiro die Rebellen unterstützt, um dem faschistischen Regime zu trotzen. Mercedes scheint die erwachsene, geläuterte Version Ofelias zu sein und kann sich am Ende gegen Vidal behaupten.

In ihrer Welt bewegt sich Ofelia frei zwischen Phantasie und Realität und auch der geheimnisvolle Pan und seine Feen wechseln unvermittelt zwischen Labyrinth, Mühle und Umgebung, wobei erst in einer der letzten Sequenzen - als Hauptmann Vidal das Mädchen im Labyrinth verfolgt - der Eindruck aufgehoben wird, dass alles, was Ofelia sehen kann, ihr auch tatsächlich widerfährt. Hier kommt es zu einem Perspektivenwechsel, bei dem sich herausstellt, dass niemand außer Ofelia selbst jemals den Pan oder die Feen hätte wahrnehmen können. Dies verweist auf eine Form von Subjektivität, nämlich einen illusionären Wahrnehmungsakt, der der Histoire entspricht.

Im semantischen Raum Ofelias lösen sich also die vom Betrachter empfundenen Grenzen zwischen Realem und Surrealem spielend auf, wobei Ofelia selbst die Mittelsfigur ist, so dass der Eindruck entsteht als ob es überhaupt keine Grenze gäbe, als ob man selbst und nicht durch Ofelia am Phantastischen teilnähme.

Dass sie am Ende sterben wird ist gerade dadurch auch nicht als Katastrophe zu betrachten, sondern nur als die einzige Möglichkeit, sich selbst und das geheimnisvolle “unterirdische Reich” zu retten. Damit bekommt sie als Figur einerseits eine tragische Komponente, ist aber so wiederum als Typus der klassischen Heldin zuzuordnen und die Sequenz ihres Sterbens mit einer Transformation im Sinne der Ereignistilgung vergleichbar.

Schauplatz ihrer mythischen Geschichte ist das faschistische Spanien 1944, wie man eingangs durch ein nicht-diegetisches Insert erfährt. Die Ordnung manifestiert sich in der Person des Hauptmanns Vidal, einem kaltherzigen, sadistischen Mann, der zur Bekämpfung rebellischer Truppen im ländlichen Gebiet abkommandiert worden ist. Aus persönlicher Überzeugung ist ihm daran gelegen, dass sein Sohn in einem “gesäuberten Spanien” auf die Welt kommt.[1] Selbstverständlich geht er davon aus, dass das gemeinsame Kind von ihm und Carmen männlich sein wird. Er lässt seine Frau und deren Tochter Ofelia auch vordergründig deswegen zu sich in das Hauptquartier, eine alte Mühle, bringen, damit sich der ungeborene Nachkomme in der Nähe des Vaters befände - ein Umstand, der ihm selbst wohl versagt geblieben ist.

Im Laufe des Filmes wird sich herausstellen, dass er selbst seinem Vater, ebenfalls ein General, nacheifert, obwohl er möglicherweise ein spannungsgeladenes Verhältnis zu diesem hatte. Darauf lassen einige Szenen schließen, nämlich indem der Vater erwähnt wird (40:30 - 41:00) und Vidal einmal beim Rasieren seinem Spiegelbild die Kehle durchtrennt (1:01:50), nachdem ihn das laute Ticken der Taschenuhr an etwas (evtl. seinen Vater) zu erinnern scheint. Dass Ofelias Vater ebenfalls bereits tot ist, könnte eine von mehreren Parallelen in ihrem und Vidals Leben sein, die sich zum einen auf der Ebene der Histoire vollziehen, zum anderen auf der Ebene des Discours: so fällt beispielsweise auf, dass für beide Figuren oft ähnliche Einstellungen verwendet werden, die den Eindruck erwecken, ein Beobachter sei anwesend, aus dessen Perspektive man dann das Geschehen wahrnimmt.

[...]


[1] Pans Labyrinth: 38:24f, Hauptmann Vidal

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Pans Labyrinth - Eine Analyse
Hochschule
Universität Passau
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V188818
ISBN (eBook)
9783656126089
ISBN (Buch)
9783656126607
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pans Labyrinth (Film), Filmanalyse, Sequenzanalyse, spanischer Bürgerkrieg, modernes Märchen, filmische Mittel
Arbeit zitieren
Astrid Jana Zellner (Autor), 2009, Pans Labyrinth - Eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188818

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