Christliche Symbolik in N. Rays "König der Könige" und G. Stevens´ "Die größte Geschichte aller Zeiten"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
16 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Bemerkungen zum Symbol

II. Christliche Symbole im Film
a) Heilige Dreifaltigkeit, Tod und Erlösung
b) Der Teufel
c) Heiligenschein, Licht und Finsternis
d) Die Auferstehung: Licht und ein leeres Grab
e) Farben

III. Resümee

Literatur- und Filmverzeichis

I. Bemerkungen zum Symbol

Symbole gibt es seit es den Menschen gibt und immer schon unterlag der Symbolbegriff des Wandels, wie etwa das Beispiel der hinduistischen Swastika und die spätere Konnotation durch die Nationalsozialisten zeigt. Auch je nach wissenschaftlicher Disziplin ist der Begriff des Symbols unterschiedlich, sogar gegensätzlich konkretisiert wie z. B. aus den sprachwissenschaftlichen Studien Charles S. Peirces und Ferdinand de Saussures über die Zeichentheorie hervorgeht. Für diese Arbeit wird vor allem das konventionelle Verständnis relevant sein, das sich auf die Auffassung stützt, dass Symbole - gerade hinsichtlich ihres klandestinen Aspekts - auf die mystischen Zusammenhänge verweisen, die ihrerseits das menschliche Leben oder die Geschicke auf der Welt lenken und mit Sinn erfüllen.

In den religiösen Symbolen der verschiedenen Kulturen verbergen sich also oftmals Anspielungen, die zum Verständnis einer Lebensart oder Lebensform beitragen können, indem sie - bei richtiger oder zumindest entsprechender Interpretation - Auskunft über die jeweilige kulturelle Eschatologie geben, Einblick in die Wahrnehmung und Erklärung des menschlichen Daseins gewähren. Und eben weil der Mensch von einem archetypischen Verlangen nach existenziellen Antworten angetrieben ist, vermutet und erfindet er selbst eine - für Außenstehende abstrakte, für Eingeweihte hilfreiche - “okkulte” Symbolik für “die Dinge”.

Nach der etymologischen Definition Oscar Doerings ist das Symbol etwas “Zusammengeworfenes”1, d.h. um einander wieder zu erkennen, werden zusammengehörige Scherben benutzt, woraus sich schließlich das Verständnis als ”etwas Vereinbartes” ergab, was unter anderem auch auf den von Peirce festgestellten arbiträren Charakter der Zeichen rekurriert und für die Betrachtung von im Medium Film eingesetzter Symbole nützlich sein kann.

So wie in diesem Modell der Semiotik identifiziert, muss dies also für die folgende Analyse religiöser Symbolik in den monumentalen Bibelfilmen “König der Könige” (Nicholas Ray) und “Die größte Geschichte aller Zeiten” (George Stevens) ebenfalls angenommen werden. Christliche Symbole sollen hinsichtlich der filmischen Textdeixis, aber auch im Vergleich untereinander sowie mit den Evangelien des Neuen Testaments als Vorlage untersucht werden.

Dabei sollen die Eigenschaften des Symbols zum einen als konkret abbildend, aber auch als einer inneren Erschließung bedürftig, berücksichtigt und vor allem jene - wie die folgende Auswahl zeigt - einem Vergleich nützlichen Aspekte, betrachtet werden.

II. Christliche Symbole im Film

“König der Könige” und “Die größte Geschichte aller Zeiten” arbeiten zum Teil auf ähnliche Weise, aber auch verschiedenartig mit vielerlei Symbolen, von denen im Folgenden einige aufgegriffen und untersucht werden und denen in der christlichen Lehre eine besondere Semantik oder Metaphorik zukommt, deren innere Verweise zu identifizieren sind. Die Umsetzung ein und derselben Vorlage mit Hilfe filmischer Mittel bietet - wie sich zeigen wird - ein breites Spektrum von Parallelen, lässt aber auch Freiheiten in der Interpretation durch Raum-, Text- und Figurenkonzeptionen zu.

So können auf Basis Oscar Doerings Werk “Christliche Symbole”, sowie mit Hilfe eigener Ideen die filmische Visualisierung und die deiktischen Ergebnisse, aus denen solche Symboliken hervorgehen, verglichen, mitunter ein Bezug auf die biblischen Vorlage festgestellt und ihr Einsatz in den Filmen eruiert werden.

a) Heilige Dreifaltigkeit, Tod und Erlösung

Entsprechend der monotheistischen Auffassung des Christentums sollen Symbole der Dreifaltigkeit, wie etwa das Dreieck, das Gabel- und das Taukreuz2, das komplexe Verständnis von der Einheit der göttlichen Wesenheit im Hinweis auf die dreierlei Gestaltigkeit Gottes abbilden, d.h. die Ganzheitlichkeit ergibt sich erst aus Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Die für diese Arbeit bedeutsame “Gestalt” beschränkt sich natürlich auf die fleischliche Version Gottes, Jesus, da ja auch mit nichts Anderem als dem Neuen Testament als Drehbuch gearbeitet wird, aber gemäß dem religiösen Anspruch sind einige Rekurrenzen auf die Dreieinheit an bezeichnenden Stellen in den Filmen zu finden.

In beiden Filmen wird soweit wie möglich auf übernatürliche oder gar unrealistische Szenarios verzichtet. “Gott selbst” greift nicht offensiv - wie dies etwa in Cecil B. deMilles “Die zehn Gebote” der Fall ist (als Feuersäule oder Laserstrahl) - in das Schicksal seiner Anhänger ein. Das Neue Testament und dem immanent das Leben und die Lehre Jesu sind ein subtilerer Ausdruck von Glaube. Dies zeigt sich z.B. in der von den Evangelisten geschilderten Versuchung Jesus in der Wüste: so ist am ausführlichsten im Matthäusevangelium die Rede vom Geist, der Jesus in die Wüste führt3. Dieser Moment spielt allerdings weder in “König der Könige” (im weiteren mit dem Akronym KoK bezeichnet, das auf den englischen Filmtitel zurückzuführen ist. Anm. d. Autorin) noch in “Die größte Geschichte aller Zeiten” (hierfür soll schließlich das Akronym GSet stehen. Anm. d. Autorin) eine tragende Rolle. In Kok ist Jesus in dieser Szene selbstbestimmt und aktiv, die Stimme aus dem Off präsentiert ihn als durch die von Johannes empfangene Taufe “initiiert”, denn dann “(…) stieg der Heilige Geist zu ihm herab und eine Stimme sprach zu ihm, du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen finde (…)” (00:31:19 - 00:31:32), so dass zumindest eine für Christen verständliche Göttlichkeit und damit eventuell auch in der indirekten Erwähnung der beiden anderen “Gestalten” die Dreifaltigkeit angedeutet ist.

Neben dieser weniger offensichtlichen Symbolik gibt es aber noch einige deutliche, nämlich etwa die oben erwähnten, in Doerings Werk vorgestellten, Gabel- und Taukreuze.

Das ypsilonförmige Gabelkreuz (Y) und das t-förmige Taukreuz ( sollen ein Sinnbild der Dreifaltigkeit sein4, aber das Gabelkreuz symbolisiert auch den unheiligen Baum der Erkenntnis5, worüber die Sünde in die Welt kam, die Jesus hinweg zu nehmen hat. Interessanterweise werden die Tische, an denen in KoK das letzte Abendmahl abgehalten wird, in ebendieser Form zusammengestellt (01:50:49). Eine solche Variante des Abendmahls fällt auf, weil sie eher unüblich ist. Die allgemeine Vorstellung davon entspricht zumeist der Malerei Leonardo daVincis oder eben der Darstellung in GSet (02:20:20).

Eine Kombination aus den Sinnbildern nach Doerings Ansicht, ergäbe schließlich unter Berücksichtigung der Information der Off-Stimme zum Geschehen, nämlich dass Jesus “(…) erkannte, dass seine Zeit gekommen war (…)” (01:50:51), folgende Reflexion: “in Kürze” wird der Sohn Gottes für die Sünden der Menschheit sterben und so eins werden mit Gott. Eine Möglichkeit, diesen Gedanken über die Symbolik des Gabelkreuzes in diesem Zusammenhang auszuweiten, wäre das Miteinbeziehen der Dreizacke, die zwar nur als Fackelhalter dienen (00:38:29), aber in ihrer Form sozusagen ein “geschändetes” Gabelkreuz sein könnten, wenn man bedenkt, dass der Dreizack profan auf das Teuflische verweist und vor allem, wenn man der prophetischen Stimme Johannes des Täufers lauscht - der den Untergang der Heiden durch die Hand Gottes kommen sieht - und auf den filmischen Kontext achtet: Pilatus beschwert sich bei dem Hauptmann Lucius, dass keine der mitgebrachten Götzenbilder öffentlich dargestellt werden und befiehlt, sie an den Säulen des Tempels zur Schau zu stellen. Der Täufer verdeutlicht die darin sichtbare Sündhaftigkeit Sodoms und Gomorrhas.

Die t-förmigen Kreuze ( hingegen sind vor allem während der Vorgeschichte in KoK zu sehen: die von Herodes Antipas unterjochten, aber widerständigen Juden werden zahlreich gekreuzigt und zwar zunächst an solchen Taukreuzen (00:09:32).

Für Doering ist das Taukreuz wie erwähnt ein Zeichen der Dreifaltigkeit, aber auch ein Sinnbild der Gnade und Erlösung6, z.B. kennzeichneten die Juden laut Altem Testament damit ihre Häuser, um die Tötung ihrer Erstgeborenen zu verhindern. Zudem geht aus der Johannes-Offenbarung hervor, dass jene, die vom jüngsten Gericht verschont werden, also die zur Erlösung Auserwählten, “(…) Gottes Siegel auf die Stirn gedrückt haben.”7

[...]


1Doering, Oscar: Christliche Symbole. Herder & CO. GmbH Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau 1933. S.1.

2 Doering, Oscar: Christliche Symbole. Herder & CO. GmbH Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau 1933. S.24

3 MT 4, 1. Ausgabe Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 1980.

4 Doering, Oscar: Christliche Symbole. Herder & CO. GmbH Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau 1933. S.24

5 Doering, Oscar: Christliche Symbole. Herder & CO. GmbH Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau 1933. S.39

6 Doering, Oscar: Christliche Symbole. Herder & CO. GmbH Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau 1933. S.41ff.

7 Off 7,3. Ausgabe Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 1980.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Christliche Symbolik in N. Rays "König der Könige" und G. Stevens´ "Die größte Geschichte aller Zeiten"
Hochschule
Universität Passau
Veranstaltung
HS Die Bibel als Drehbuch - Verfilmungen des AT und NT
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V188820
ISBN (eBook)
9783656126065
ISBN (Buch)
9783656126584
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Filmanalyse, christliche Symbolik, King of Kings, König der Könige, Greatest story ever told, Die größte Geschichte aller Zeiten, Farbsymbolik, Raumsemantik, Bibel, Bibelfilm, Monumentalfilm, Neues Testament, Jesus, Apostel, Teufel, Auferstehung
Arbeit zitieren
Astrid Jana Zellner (Autor), 2010, Christliche Symbolik in N. Rays "König der Könige" und G. Stevens´ "Die größte Geschichte aller Zeiten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188820

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