Kohlbergs Stufenmodell

Der Entwicklungspsychologische Ansatz


Hausarbeit, 2010

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff der Moral

3 Kohlbgers Modell der Entwicklungsstufen
3.1 Vorreiter und Vorgeschichte
3.2 Allgemeines zu Stufen
3.3 Charakteristika der Stufen

4 Die Entwicklungsstufen
4.1 Stufe 1
4.2 Stufe 2
4.3 Stufe 3
4.4 Stufe 4
4.5 Stufe 5
4.6 Stufe 6

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Monographien

Sammelbänder

1 Einleitung

Diese Ausarbeitung soll sich mit dem Thema der Moral, hinsichtlich des Stufenmodells von Kolhberg beschäftigen. Um Kohlbergs Modell zu verstehen, widmet sich diese Arbeit zunächst mit einer Definition der Moral mit Hilfe diverser Zugänge. Bevor man das Modell zu begreifen versucht, ist es zwingend notwendig den Begriff der Moral anzureißen (Kapitel 1). Im Folgenden werden Fakten zur Geschichte des Modells dargestellt. Darüber hinaus werden Allgemeines und die Merkmale von Stufen behandelt, um das Modell vollständig erfassen zu können (Kapitel 2). Im letzten Teil dieser Hausarbeit werden die Stufen selbst behandelt. Die Stufen eins bis fünf werden nur angeschnitten und rudimentär behandelt um das Modell als Ganzes darzustellen. Hauptaugenmerk soll auf der Stufe sechs liegen, da diese vielfach diskutiert und kritisiert wurde und jenes bis heute noch geschieht (Kapitel 3). Die Fragestellung dieser Arbeit soll lauten, „Was ist Moral?“ und „Wie äußert sich Handeln und Denken gemäß der Stufen?“

2 Der Begriff der Moral

Um den entwicklungspsychologischen Ansatz von Lawrence Kohlberg vollständig erfassen zu können, bedarf es zunächst einer Klärung des Begriffs der Moral. Jeder hat ein anderes Verständnis und einen anderen Zugang zu dem Begriff der Moral. Im folgenden Text sollen die wichtigsten Aspekte der Moral zu thematisiert werden.

Eine Frage die sich stellt, wenn man den Begriff der Moral untersuchst ist „Ist Moral Lehrbar?“ (Zitiert in Lind 2002, S.7). Bereits griechische Philosophen wie Sokrates fanden keine zutreffende Antwort auf diese Frage. Weiterhin ist zu klären, ob Moral überhaupt eine Fähigkeit oder eher eine Gesinnung ist. Nach Lind kann Moral lediglich gelehrt werden, wenn man sie als moralische Fähigkeit oder Tugend betrachtet. Dieser Behauptung stehen viele Kritiker gegenüber. Ihrer Ansicht nach ist Moral nicht lehrbar, da sie eine Erbanlage ist und jeder Mensch Moral von Geburt an besitzt (vgl. ebd. 2002, S.7 ff.). Für diese Kritiker steht der Versuch im Vordergrund, „die moralisch guten von den moralische weniger guten“ (Zitiert in Lind 2002, S.7) zu separieren. Andere Kritiker behaupten, es ist nicht möglich Moral zu lehren, da es nicht um die Frage der Fähigkeit geht, sondern vielmehr darum Moral als Einstellung oder Überzeugung zu begreifen. Beispielsweise Einstellungen sind nicht auf übliche Weise zu vermitteln oder zu lehren. Das Unterrichten im üblichen Sinne stößt hier an seine Grenzen. Vielmehr muss durch Einsicht eine Veränderung der Einstellung geschehen (vgl. ebd. 2002, S.7). Nach Oser und Althof gibt es kein Regelwerk wie man Moral vermitteln kann. Im Gegensatz zu Lind stellen sich Oser/Althof andere Fragen bezüglich der Moral. „Wie Konflikte gelöst werden, welche Regeln im sozialen Miteinander gelten: Dies sind Fragen der Moral“ (Zitiert in Oser/Althof 1994, S.11). Ihrer Meinung nach herrscht ohne Moralität Chaos und Willkür jedes einzelnen. Sie betrachten den Begriff der Moral auch in politischer Hinsicht. Für sie kann ohne Moral die Demokratie nicht bestehen. Weiterhin sind politische Fragen auch zumeist Fragen der Moral, denn Politik behandelt ebenso Fragen des menschlichen Zusammenlebens. Über Politik werden Menschen in ihrem Handeln und interagieren, mit- und zwischen einander, beeinflusst, wodurch ein Bezug zur Moral entsteht. Moralische Gesinnungen müssen vom Subjekt selbst etabliert und gefestigt werden (vgl. Oser/Althof 1994, S.11). Wobei an dieser Stelle der Einfluss von Gruppen oder sogar Kulturen auf die Moral eines Menschen nicht zu vernachlässigen ist. „Man nimmt an, Moral sei ein System von Regeln und Werten, die durch die Kultur gesetzt werden, und das einzelne Kind erwerbe diese Werte […]“ (Zitiert in Althof/Noam/Oser 1996, S.18). Da diese Arbeit unter dem Gesichtspunkt der Entwicklungspsychologie betrachtet wird, sei hier erwähnt, dass auch Helen Haste, die Unterschiede in einer Kultur und deren Moral thematisiert. Nach Haste ist die eben beschriebene Debatte von hoher Bedeutung in der Entwicklungspsychologie (vgl. Edelstein/Winkler/Noam 1993, S.385).

Abschließend lässt sich sagen, dass der Begriff der Moral schwer zu erfassen ist und je nach Zugang ein grundlegend anderes Verständnis für diesen Terminus herrscht.

3 Kohlbergs Modell der Entwicklungsstufen

3.1 Vorreiter und Vorgeschichte

Es gab zwei Personen von denen Kolhbergs Arbeit hinsichtlich seines Stufenmodells maßgeblich beeinflusst wurde. Zum einen war es Dewey und zum anderen war es Piaget. Dewey stellte drei Stufen der moralischen Entwicklung auf, die an dieser Stellen nur genannt werden, nämlich „das prämoralische oder präkonventionelle Niveau“, „das konventionelle Niveau des Verhaltens“ und „das autonome Niveau des Verhaltens“ (zitiert nach Kohlberg in Baumgart 1987, S.254). Die Aufstellung dieser Niveaus durch Dewey erfolgte auf rein theoretischer Basis. Im Gegensatz dazu, war Jean Piaget bestrebt ein Modell auf Basis von Untersuchungen bei Kindern aufzustellen, also Ergebnisse aus der Praxis zu gewinnen. Seine Vorgehensweise war wie folgt, er untersuchte Kinder beim Murmelspielen oder verallgemeinert ausgedrückt bei einfachen Regelspielen. Piaget analysierte die Regelspiele und interviewte die Kinder im Anschluss. Das Resultat seiner Studien war die Definition von drei Entwicklungsniveaus, die hier ebenfalls nur benannt werden (vgl. Garz 2006, S.59). Erstens „die prämoralische Stufe“, zweitens „die heteronome Stufe“ und drittens „die autonome Stufe“ (Zitiert nach Kohlberg in Seminartext S.255 – 256). Kohlberg fasste die Modelle von Dewey und Piaget auf und fing 1955 an Stufen der moralischen Entwicklung neu zu bestimmen (vgl. Kohlberg 1987 S.256).

3.2 Allgemeines zu Stufen

Vorab ist es wichtig zu erwähnen, dass Stufen nicht direkt „Schubladendenken“ implizieren und es vermeiden wollen eine negative Wertung zu treffen. Im Gegensatz zu hierarchischen Ordnungen/Gefällen in anderen Themenbereichen, bei denen eine niedrige Bewertung oder niedrige Einstufung gleichsam negativ bewertet wird, ist dieser Aspekt beim strukturalen Ansatz differenzierter zu betrachten (vgl. Oser/Althof 1994, S.49). Denn hier geht es um das „positive Verstehen des grundlegenden Denkmusters einer Person und nicht um eine Beurteilung“ (Zitiert in Oser/Althof 1994, S.49). Soll heißen, wenn ein Subjekt höherer Stufe ein Subjekt niedrigerer Stufe belächelt, hat das lächelnde die strukturale Psychologie nicht begriffen (vgl. Oser/Althof 1994, S.49). Abschließend wird ein Zitat aufgeführt, das Stufen sehr gut definiert und Punkt 3.2 abrunden soll. „Stufen sind Strukturen im oben beschriebenen Sinne (Systeme interner Relationen, die vom Individuum aktiv ausgebaut werden müssen (Konstruktivismus) und die sich in einer Wechselbeziehung zwischen Individuum und Umwelt entwickeln (Interaktionsimus)“ (Zitiert in ebd. S.60).

3.3 Charakteristika der Stufen

Im Folgenden werde ich die typischen Merkmale der Stufen nach Kohlberg vorstellen. „Stufen sind strukturierte Ganzheiten oder organisierte Systeme des Denkens“ (Zitiert nach Kohlberg in Baumgart 1987, S.256). Weiterhin weisen Individuen ein beständiges Niveau moralischen Urteilens auf. Des Weiteren sind Stufen eine Abfolge unveränderlicher Abläufe (vgl. Kohlberg 1987, S.256). Das heißt, dass man keine Stufen überspringen kann und immer Schritt für Schritt von einer auf die nächste Stufe steigt (vgl. Althof/Oser/Noam 1996, S.124). Dabei ist zu beachten, dass die Entwicklung des Subjekts stets vorwärts geht oder stehenbleibt, aber nie zurückgeht, außer es treten extreme Situationen oder Ereignisse auf (vgl. Kohlberg 1987, S.256). Einflüsse des Milieus in dem das Subjekt aufwächst, können starke Abweichungen in der Stufenabfolge bewirken, indem sie sie beschleunigen, behindern oder überdies zur Stagnation bringen (vgl. Oser/Atlhof 1994, S.69). Zuletzt ist zu erwähnen, dass Stufen dem Gesetz der „hierarchischen Integration“ folgen (vgl. Kohlberg 1987, S.256). Dies bedeutet, dass höhere Stufen das Denken auf niedrigeren Stufen erfordern. Jede Stufe baut auf der vorangehenden Stufe auf und leitet die nächste Stufe ein (vgl. Heidbrink 1996, S.62). Bezüglich der hierarchischen Integration wurde bewiesen, dass Jugendliche Texte oder Schriften nur dann verstehen und in Worten selbstständig schildern können, wenn die Texte gemäß dem Niveau ihrer Stufe oder einer niedrigeren entsprechen. Übersteigt das Niveau der Texte die aktuelle Stufe der Probanden, so war es ihnen nicht möglich die Texte wiederzugeben oder zu verstehen (vgl. Kohlberg, S.257). Um diese Merkmale festzustellen und sein Modell aufzustellen, verwendete Kohlberg bei seinen Untersuchungen Dilemmata Situationen. Seinen Probanden wurden hypothetische Dilemmata vorgelegt und die Antworten wurden mittels eines aufwendigen Auswertungsschemas nutzbar gemacht (vgl. Kohlberg, S.256). Er führte seine Erhebungen auf drei Altersgruppen von 10, 13 und 16 Jahren aus (vgl. Heidbrink 1996, S.62).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Kohlbergs Stufenmodell
Untertitel
Der Entwicklungspsychologische Ansatz
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V188837
ISBN (eBook)
9783656125938
ISBN (Buch)
9783656126461
Dateigröße
368 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kohlbergs, stufenmodell, entwicklungspsychologische, ansatz
Arbeit zitieren
Lars Rosenbaum (Autor:in), 2010, Kohlbergs Stufenmodell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188837

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