Rafik Schami als interkultureller Botschafter in der Kinder- und Jugendliteratur – Ein Beitrag zu Toleranz und Völkerverständigung


Hausarbeit, 2010

26 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Einleitung

B Hauptteil
1. Autor Rafik Schami
1.1 Biografie
1.2 Bibliografie
1.3 Intention des Autors
2.Literaturwissenschaftliche Analyse - „Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm“ – Kinderbuch ab 6 Jahren
2.1 Inhalt
2.2 Adaption
2.3 Aufbau
2.4 Analyse der Figuren und ihrer Handlungsrelevanz..
3. Literaturwissenschaftliche Analyse - „Die Sehnsucht der Schwalbe“ – Jugendbuch ab 14 Jahren
3.1 Inhalt
3.2 Adaption
3.3 Aufbau
3.4 Analyse der Figuren und ihrer Handlungsrelevanz
4. Fachdidaktik / Interkulturelles Lernen: Thema ‚Toleranz und Völkerverständigung‘
4.1 Das Thema ‚Toleranz und Völkerverständigung‘ in der Kinder- und Jugendliteratur - von 1945 bis zur Gegenwart
4.2 Bearbeitung des Themas in der Grundschule in Bezug zum Bildungsplan
4.3 Bearbeitung des Themas in der Haupt- und Werkrealschule in Bezug zum Bildungsplan
4.4 Überlegungen zur unterrichtlichen Umsetzung in der Grundschule
4.5 Überlegungen zur unterrichtlichen Umsetzung in der Haupt- und Werkrealschule

C Fazit

D Literaturverzeichnis

A Einleitung

Nicht erst durch die Diskussionen um Thilo Sarrazins umstrittenes Buch ‚Deutschland schafft sich ab‘, ist man sich hierzulande der zunehmenden Problematik die Enkulturation der Menschen mit Migrationshintergrund betreffend, bewusst. Schon lange beklagen Lehrer an sogenannten ‚Brennpunktschulen‘ Schwierigkeiten im Schulalltag, wobei nicht nur mangelnder Integrationswille und sprachliche Defizite im Vordergrund stehen, sondern auch das Fehlen von Respekt und Toleranz vieler Schüler gegenüber anderen Kulturen. Doch während Herr Sarrazin in seinem Buch die Missstände nur aufzeigt und anklagt, sind in Deutschland mehr und mehr Schulen bemüht, diese von Grund auf zu erkennen und zu beheben. Die PISA-Untersuchung hat gezeigt, dass überdurchschnittlich viele Schüler mit Migrationshintergrund erhebliche Defizite im Lern- bzw. Testbereich Lesen aufweisen. So muss man davon ausgehen „dass Migration ein Kriterium ist, das den Schulerfolg zu gefährden vermag.“[1] Die Ursache hierfür liegt jedoch nicht nur in mangelndem Spracherwerb, sondern vermutlich darin, dass im Unterricht weitgehend monokulturelle Themen behandelt werden, mit denen sich die betreffenden Schüler kaum identifizieren können. Durch Beschäftigung mit Texten, die ihre spezifischen Lebenslagen beschreiben, können sich Schüler mit Migrationshintergrund eher wiederfinden und werden so motiviert, sich expliziter mit der deutschen Sprache zu beschäftigen.[2]

Der Literaturunterricht und dessen „Ausweitung […] auf interkulturelle Kontexte ist daher aus gutem Grund integraler Bestandteil der Richtlinien der Bundesländer für den Deutschunterricht.“[3] Am Beispiel des syrischen Autors Rafik Schami behandelt diese Arbeit die Rolle interkultureller Literatur für Kinder und Jugendliche als Botschaft zum Thema Toleranz und Völkerverständigung. Davon ausgehend stellt sich, nach Definition dieser beiden Begriffe, zunächst die Frage: Wer ist Rafik Schami und was will er mit seinen Büchern vermitteln? Daraufhin wird im Speziellen die Art und Weise Schamis Versuchs, positiv auf seine jungen Leser einzuwirken dargestellt. Dies geschieht zum einen anhand eines Kinderbuchs für Sechsjährige, das den Titel ‚Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm‘ trägt, zum anderen am Jugendbuch ‚Die Sehnsucht der Schwalbe‘ (ab 14 Jahren). Dabei werden bei beiden Büchern Adaption und Analyse der Figuren und ihrer Handlungsrelevanz besonders betrachtet. Da die Didaktik den sozialisationsfördernden Charakter von Kinder- und Jugendliteratur (KJL) erkannt hat[4], beschäftigt sich der nachfolgende Teil dieser Arbeit mit dem Thema Toleranz und Völkerverständigung in der Geschichte deutschsprachiger interkultureller KJL von 1945 bis heute, sowie dessen aktuellem Bezug zu Bildungsplänen. Nach Planung und Gestaltung einer Unterrichtseinheit wird in einem abschließenden Fazit die Bedeutsamkeit interkultureller Literatur für Kinder und Jugendliche dargelegt.

B Hauptteil

Bevor im weiteren Verlauf auf den Autor eingegangen wird, werden zunächst die, für das Thema dieser Arbeit, zentralen Begriffe ‚Toleranz‘ und ‚Völkerverständigung‘ definiert. Das Wort Toleranz lässt sich sowohl mit Ertragen, als auch mit Erdulden oder Geduld übersetzen. Im übertragenen Sinne bedeutet dieses das Gelten lassen anderer Weltanschauungen, Religionen, Lebensentwürfe und Überzeugungen. Der Duden definiert Völkerverständigung als „friedliche Übereinkunft zwischen den Völkern“[5]. Das setzt eine positive Auseinandersetzung mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen oder Kulturkreisen, mit dem Ziel interkulturelle Vorurteile abzubauen, voraus.

1. Autor Rafik Schami

Seit den siebziger Jahren avancierte der promovierte Chemiker zu einem der bedeutendsten Vertreter arabischer Literatur in Deutschland. Seine Bücher, für die er zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhielt, werden mittlerweile in vierundzwanzig Sprachen übersetzt.[6]

1.1 Biografie

Rafik Schami wurde unter dem Namen Suheil Fadél am 23. Juni 1946 als Sohn eines christlichen Bäckers in Damaskus/Syrien geboren. Bereits im Alter von neunzehn Jahren gründete er die kommunistische Wandzeitung ‚Al-Muntalek‘ im alten Stadtviertel von Damaskus und leitete diese bis zu ihrem Verbot 1970.[7] Während dieser Zeit legte er sich das Pseudonym ‚Rafik Schami‘ zu, was so viel bedeutet wie ‚Freund aus Syrien‘.[8] 1971 wanderte Schami in die Bundesrepublik Deutschland aus, um dort Chemie und Pharmakologie zu studieren. 1979 promovierte er und arbeitete anschließend in der Industrie. Doch weder Studium noch Arbeit hielten ihn vom Schreiben ab; er veröffentlichte zahlreiche Essays und Erzählungen. 1978 erschien sein erstes Buch in deutscher Sprache. 1980 war Schami einer der Mitgründer der Autoren- und Literaturvereine ‚südwind‘ und ‚PoLiKunst‘. 1982 kündigte er seine Arbeit als Chemiker, um von nun an sein Geld als freier Schriftsteller zu verdienen. Seit 2002 ist Rafik Schami Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.[9] Er ist mit der deutschen Künstlerin Root Leeb verheiratet und hat einen Sohn.

1.2 Bibliografie

Mit Geschichten aus seiner Heimat und zahlreichen orientalischen Märchen und Fabeln hat sich Rafik Schami auch im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur etabliert. Sein Erzählkonzept ist einzigartig, da er traditionelle orientalische Elemente mit aktuellen Themen vereint.

Schamis erstes Jugendbuch, ‚Erzähler der Nacht‘ erscheint 1994 und wendet sich an Leser ab 14 Jahren. Es folgen 1995 ‚Reise zwischen Nacht und Morgen‘ (ab 13 Jahren) und ‚Eine Hand voller Sterne‘ (ab 14 Jahren). 1997 wird ‚Milad: von einem, der auszog, um einundzwanzig Tage satt zu werden‘ (ab 14 Jahren) veröffentlicht. ‚Die Sehnsucht der Schwalbe‘ (ab 14 Jahren) kommt im Jahr 2000 auf den Markt. 2003 erscheint ‚Das große Rafik Schami Buch‘ (ab 13 Jahren), sowie auch sein erstes Kinderbuch ‚Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm‘ (ab 6 Jahren). Mit ‚Der Kameltreiber von Heidelberg‘ (ab 6 Jahren) folgt 2006 das zweite. Rafik Schamis aktuellstes Kinderbuch, ,Das ist kein Papagei‘ (ab 4 Jahren), erscheint im Jahr 2010.[10]

1.3 Intention des Autors

„Die Heimatgefühle sind sehr von Erinnerung abhängig. Was also ist Heimat wirklich? - Wenn Sie mich persönlich fragen, so verbinde ich den Begriff Heimat mit dem Wort Respekt. Vielleicht habe ich in der Tat eine etwas eigensinnige Interpretation gefunden, aber Heimat ist für mich da, wo ich Anerkennung erfahre. Als Mensch einerseits, für meine Leistungen und meine Arbeit andererseits.“ (Rafik Schami)[11]

Dieses Zitat zeigt die Intention des Autors deutlich auf. Für Rafik Schami bedeutet Heimat der Ort oder das Land, in dem ihm Respekt und Anerkennung entgegen gebracht wird. Setzt man voraus, dass die Bereitschaft zur Integration nur in einem Land erdenklich ist, zu dem man heimatliche Gefühle hegen kann, ist es möglicherweise eben dieser Mangel an Achtung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund, der den Willen zu dieser Eingliederung schwächt. Schamis Ziel – oder ist es nur eine Utopie? – ist eine multikulturelle Gesellschaft, in der die verschiedenen Kulturen eher eine Bereicherung darstellen, als eine Gefahr. Um die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen und sowohl Erwachsenen als auch Kindern nämlich eine größere Sensibilität, Offenheit und Toleranz im Umgang mit Fremden beizubringen, beschreibt er in seinen Büchern zumeist realistisch die verschiedenen Lebensformen in verschiedenen Kulturkreisen.

2.Literaturwissenschaftliche Analyse - „Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm“ - Kinderbuch ab 6 Jahren

2.1 Inhalt

Ein kleines Mädchen lebt allein mit ihrem Vater, der in ihren Augen ein starker, mutiger, kluger, lustiger Mann ist und sogar zaubern kann. Seit die Mutter nicht mehr da ist, tut er alles für seine Tochter. Obwohl er mutig ist, hat er Angst vor Fremden, vor allem vor dunkelhäutigen. Sie sind ihm unheimlich. Eines Tages wird die Tochter von ihrer besten Freundin Banja, einem afrikanischen Mädchen, zum Geburtstag eingeladen. Sie möchte der Freundin ein ganz besonderes Geschenk machen und plant deshalb, dass ihr Vater für die ganze Familie zaubert. Sie erzählt ihrer Freundin nicht, dass ihr Vater Angst vor Schwarzen hat und sie erzählt ihrem Vater nicht, dass Banja eine Afrikanerin ist. Da das Mädchen Banja sehr von den glorreichen Eigenschaften ihres Vaters vorschwärmt, werden die beiden von der afrikanischen Familie königlich empfangen. Trotz seines anfänglichen Unbehagens lässt der Vater sich von seiner Tochter die Angst nehmen und führt seinen Lieblingszaubertrick vor. Von diesem Tag an wird er sich nie wieder vor Fremden fürchten.

[...]


[1] Vgl. Christian Dawidowski, Dieter Wrobel (2006): Diskussionsforum Deutsch, Bd.22 Interkultureller Literaturunterricht, Baltmannsweiler: Schneider Verlag, S.1

[2] Vgl. ebd.

[3] Ebd.

[4] Vgl. ebd. S.3

[5] http://www.duden.de

[6] Vgl. Rafik Schami (2009): Die Sehnsucht der Schwalbe, München: dtv,

[7]Vgl. http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=2125&RID=1

[8]Vgl. http://www.inst.at/trans/15Nr/03_1/elwardy15.htm

[9] Vgl. http://www.rafik-schami.de/biographie.cfm

[10] Quellen: dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag, Carl Hanser Verlag

[11] Foraci, Franco: 'Das Wort ist die letzte Freiheit, über die wir verfügen'. Gespräch mit dem syrischen Erzähler und Literaten Rafik Schami . In: Diskussion Deutsch, 26. Jg. (1995), S.193

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Rafik Schami als interkultureller Botschafter in der Kinder- und Jugendliteratur – Ein Beitrag zu Toleranz und Völkerverständigung
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
3,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
26
Katalognummer
V188856
ISBN (eBook)
9783656127390
ISBN (Buch)
9783656128793
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Arbeit über Toleranz und Interkultur, die sich durch den Vergleich zweier Werke von Rafik Schami aufbaut. (Vergleich eines Kinderbuches mit einem Jugendbuch)
Schlagworte
Rafik Schami, Interkultur, Toleranz
Arbeit zitieren
Luisa Viehe (Autor), 2010, Rafik Schami als interkultureller Botschafter in der Kinder- und Jugendliteratur – Ein Beitrag zu Toleranz und Völkerverständigung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188856

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