Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit in Schweden und Deutschland

Schwedens Vorbildrolle im Vergleich mit Deutschland


Studienarbeit, 2011
39 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Tabellenverzeichnis

III. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Global Gender Gap Report
2.1. Was ist Gender?
2.2. Ziel und Struktur
2.3. Ergebnisse des Global Gender Gap Report 2010

3. Schweden und Deutschland im direkten Vergleich
3.1. Schweden
3.2. Deutschland
3.3. Warum ist die Geschlechterlücke in Schweden kleiner als in Deutschland?

4. Fazit

IV. Literaturverzeichnis

V. Anhang

II. Tabellenverzeichnis

Tabelle I: "The Global Gender Gap Index 2010 rankings: Comparisons with 2009, 2008, 2007 and 2006", Ränge 1 bis 30; Global Gender Gap Report 2010 9

Tabelle II: „Detailed rankings, 2010“, Ränge 1 bis 30; Global Gender Gap Report 2010 10

Tabelle III: Direkter Vergleich Schweden - Deutschland; eigene Darstellung 12

III. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Through the Global Gender Gap Reports, for the past five years, the World Economic Forum has been quantifying the magnitude of gender-based disparities and tracking their progress over time. By providing a comprehensive framework for benchmarking global gender gaps, the Report reveals those countries that are role models in dividing resources equitably between women and men, regardless of their level of resources“.1

Im Global Gender Gap Report 2010 wird deutlich, dass die skandinavischen Länder auf den Gebieten der Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit seit mehreren Jahren Vorreiter sind und den anderen Ländern weltweit als benchmark-würdige Vorbilder dienen (sollten). Warum aber sind die Skandinavier so viel besser als andere europäische Länder? In vorliegender Arbeit wird auf Grundlage der Ergebnisse des Global Gender Gap Reports 2010 eine Analyse und ein Vergleich der Geschlechterlücken in Schweden und in Deutschland angestellt. Nachdem in Kapitel 2 der Global Gender Gap Report 2010 und seine Ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden, werden im nachfolgenden Kapitel die sozio- politischen Maßnahmen beider Länder den Themen Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit zu begegnen, erörtert und ein Vergleich gezogen.

Die Bezeichnung „skandinavische Länder“ bezieht sich im Folgenden, wenn nicht anders gekennzeichnet, immer auf die Länder Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden.

Diese Arbeit entstand im Rahmen des Seminars „Skandinavien - zwischen Sehnsucht und Realität“ unter der Leitung von Friederike Krause im Fachbereich Interkulturelle Wirtschaftskommunikation an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

2. Der Global Gender Gap Report

2.1. Was ist Gender?

Während das deutsche Wort „Geschlecht“ hauptsächlich im biologischen Sinne verstanden wird, unterscheidet man im Englischen zwischen „sex“ (biologisches Geschlecht) und „gender“, welches dem Wort Geschlecht eine mehrdimensionale Bedeutung gibt. Hierzu zählen biologische Faktoren (z.B. der Chromosomensatz), aber auch historische und soziale Faktoren (z.B. die geschlechtliche Arbeitsteilung), kulturelle Faktoren (z.B. Kleidung, Umgang miteinander), und rechtliche / politische Faktoren. Das Gebiet der Gender Studies begreift die Dimensionen des Gender als interdependent.2 „Sie untersuchen Ungleichheiten hinsichtlich des Geschlechts im Zusammenwirken mit Rassismus oder Behindertendiskriminierung oder anderen sozialen Ungleichheiten. Gender ist folglich der Fachbegriff, um auch auf das Geschlecht bezogene Phänomene zu benennen.“3

Der Begriff Gender Gap (deutsch: Geschlechterlücke) bezeichnet „die offene Benachteiligung von Frauen [bspw.] im Berufsleben“4, aber auch auf den Gebieten Ressourcenverteilung, politische Einflussnahme, Bildung und Gesundheit.5

2.2. Ziel und Struktur

Der Global Gender Gap Report wird vom World Economic Forum veröffentlicht. Seit seinem ersten Erscheinen im Jahr 2006 zeigt der Report jährlich geschlechtsbasierte Unterschiede in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Bildung und Gesundheit und ihre Entwicklung im Laufe der vergangenen Jahre auf. Somit werden Länder in den Vordergrund gerückt, die als rolemodels auf dem Gebiet der Gleichberechtigung gelten.6 Der Global Gender Gap Report gibt die Möglichkeit einzelne Länder und Regionen miteinander zu vergleichen, aber bspw. auch nach Einkommensgruppen zu unterscheiden.7

Seit dem World Economic Forum 2010 in Genf in der Schweiz wird zusätzlich ein Corporate Gender Gap Report veröffentlicht, der das Ziel hat, Lücken in der ökonomischen Beteiligung und Möglichkeit aufzuzeigen. Im Corporate Gender Gap Report 2010 wurde erstmalig die aktuelle Größe der Geschlechterlücke innerhalb der weltgrößten Arbeitgeber ermittelt.8 Da sich diese Arbeit allerdings mehr mit einem Ländervergleich zwischen Deutschland und Schweden befasst, wird hier der Global Gender Gap Report im Vordergrund stehen.

Die vier Säulen des Global Gender Gap Indexes sind die ökonomische Beteiligung und Möglichkeit (economic participation and opportunity), Bildung (educational attainment), Gesundheit und Überleben (health and survival) und politische Machtbeteiligung (political empowerment).9 Die Variablen der ökonomischen Beteiligung sind das Ratio „Female labour force participation over male value“ der International Labour Organization, die Ergebnisse einer Umfrage des WEF zum Thema „Wage equality between women and men for similar work“, das Ratio „Estimated female earned income over male value“ vom UN Development Porgramme, das Ratio „Female legislators, senior officials and managers over male value” der International Labour Organization und das Ratio “Female professional and technical workers over male value” ebenfalls von der International Labour Organization. Der Bereich Bildung ergibt sich aus den Ratios “Female literacy rate over male value”, “Female net primary level enrolment over male value”, “Female net secondary level enrolment over men value” und “Female gross tertiary level enrolment over male value”. Alle vier Ratios stammen vom UNESCO Institute for Statistics. Die Variablen des Bereichs Gesundheit und Überleben sind das vom CIA veröffentlichte „Sex ratio at birth“ und das Ratio „Female healthy life expectancy over male value“ der World Health Organization. Die drei Variablen für den Bereich politische Machtbeteiligung sind die Ratios „Women with seats in parliament over male value“ und „Women at ministerial level over male value“ der Inter-Parliamentary Union und das Ratio „Number of years with a female head of state or government (last 50 years) over male value” des World Economic Forum.10 Diese Variablen werden innerhalb der Subindizes verschieden gewichtet und führen im Ergebnis zum Global Gender Gap Index. Die genauen Gewichtungen können im Global Gender Gap Index 2010 auf Seite 13 nachgelesen werden. In allen vier Kategorien summieren sich die Gewichtungen zu maximal 1 (100,00%) oder 0 (0,00%), wobei 1 Gleichheit und 0 Ungleichheit bedeutet. Die vier Teilkategorien werden dann gleichwertig zum Gesamtergebnis zusammengerechnet.11 Damit ein Land in den Index aufgenommen wird, müssen Daten aus zwölf der 14 Indikatoren verfügbar sein. Im Jahr 2010 wurden 200 Länder vorgeschlagen. Aus den letztendlich 134 ausgewählten Ländern hatten 17 Länder einen Datenindikator weniger. Dazu zählen u.a. Angola, Benin, Kuba, Indien, Tunesien und der Jemen.12

2.3. Ergebnisse des Global Gender Gap Report 2010

Von den im Jahr 2010 untersuchten 134 Ländern belegen vier skandinavische Länder die ersten Plätze. Alle fünf skandinavischen Länder sind unter den besten sieben aller verglichenen Länder. Island liegt mit 84,96% auf Platz 1, gefolgt von Norwegen mit 84,04%, Finnland mit 82,60% und Schweden mit 80,24%. Dänemark reiht sich hinter Neuseeland und Irland auf Platz 7, mit 77,19%, ein. Tabelle 1 (vgl. Anhang: 1. Table 3a: The Global Gender Gap Index 2010 rankings: Comparisons with 2009, 2008, 2007 and 2006) zeigt, dass sich die vier erstplatzierten skandinavischen Länder seit Erscheinen des Global Gender Gap Index 2006 stets die ersten vier Plätze in jeweils unterschiedlichen Reihenfolgen teilten. Schweden lag 2006 und 2007 auf Rang 1. Da der Global Gender Gap Report unabhängig vom Einkommen der Menschen in den einzelnen Ländern untersucht und bewertet, haben die skandinavischen Länder nicht wegen ihrer guten ökonomischen Situation die ersten Plätze belegt. Da sie die Geschlechterlücke zu über 80% geschlossen haben, gelten sie als sehr gute Vorbilder und dienen dem internationalen Vergleich.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle I: "The Global Gender Gap Index 2010 rankings: Comparisons with 2009, 2008, 2007 and 2006", Ränge 1 bis 30; Global Gender Gap Report 2010.

Deutschland belegt im Global Gender Gap Index 2010 Rang 13 mit 75,30% hinter den zuvor genannten, sowie Lesotho, den Philippinen, der Schweiz, Spanien und Südafrika. Bezogen auf die Rankings hat Deutschland die vergangen fünf Jahre kontinuierlich abgebaut. Vergleicht man allerdings die Ergebnisse, so wird deutlich, dass Deutschland immer ca. 74/75% erreicht hat. Dass es trotzdem Plätze verlor, kann damit begründet werden, dass jedes Jahr mehr Länder in den Vergleich aufgenommen wurden. Ähnlich sieht es bei Schweden aus, das in den vergangen Jahren stets rund 81% erreichte.14 Dass Schweden Plätze verlor, liegt daran, dass sich seine Lücke wenig veränderte, bzw. leicht vergrößerte, wohingegen die anderen drei ersten skandinavischen Länder ihre Lücke verkleinern konnten.15

Der Report gibt weiterhin die Möglichkeit, die einzelnen Länder innerhalb der vier Variablengruppen zu vergleichen (vgl. Tabelle II und Anhang: 2. Table 3b: Detailed rankings, 2010).

[...]


1 Schwab, Klaus und Zahidi, Saadia (2010): Preface; in: Zahidi et al.: The Global Gender Gap Report 2010, World Economic Forum, Geneva, Switzerland, 2010, S. 6.

2 Vgl. Gender Kompetenz Zentrum (2010): Was ist „Gender“?; http://www.genderkompetenz.info/genderkompetenz-2003-2010/gender, 14.04.2011.

3 Gender Kompetenz Zentrum (2010): Was ist „Gender“?; http://www.genderkompetenz.info/genderkompetenz-2003-2010/gender, 14.04.2011.

4 Zuk, David (2010): Ökonomische Aspekte des Demografischen Wandels; GRIN Verlag, Norderstedt, 2010, S. 8.

5 Vgl. Goldin, Claudia (2008): Gender Gap; The concise encyclopedia of economics; http://www.econlib.org/library/Enc/GenderGap.html, 14.04.2011.

6 Vgl. Schwab, Klaus und Zahidi, Saadia (2010): Preface; in: Zahidi et al.: The Global Gender Gap Report 2010, World Economic Forum, Geneva, Switzerland, 2010, S. 6.

7 Vgl. Tessema et al. (2010): Measuring the Corporate Gender Gap; in Zahidi et al.: The Corporate Gender Gap Report 2010, World Economic Forum, Geneva, Switzerland, 2010, S. 11.

8 Vgl. Tessema et al. (2010): Measuring the Corporate Gender Gap; in Zahidi et al.: The Corporate Gender Gap Report 2010, World Economic Forum, Geneva, Switzerland, 2010, S. 11.

9 Vgl. Hausmann et al. (2010): The Global Gender Gap Index 2010; in Zahidi et al.: The Global Gender Gap Report 2010, World Economic Forum, Geneva, Switzerland, 2010, S. 11.

10 Vgl. Hausmann et al. (2010): The Global Gender Gap Index 2010, Table 1: Structure of the Global Gender Gap Index; in Zahidi et al.: The Global Gender Gap Report 2010, World Economic Forum, Geneva, Switzerland, 2010, S. 12.

11 Vgl. Hausmann et al. (2010): The Global Gender Gap Index 2010; in Zahidi et al.: The Global Gender Gap Report 2010, World Economic Forum, Geneva, Switzerland, 2010, S. 12f.

12 Vgl. Hausmann et al. (2010): The Global Gender Gap Index 2010; in Zahidi et al.: The Global Gender Gap Report 2010, World Economic Forum, Geneva, Switzerland, 2010, S. 13f.

13 Vgl. Hausmann et al. (2010): The Global Gender Gap Index 2010; in Zahidi et al.: The Global Gender Gap Report 2010, World Economic Forum, Geneva, Switzerland, 2010, S. 28.

14 Vgl. Hausmann et al. (2010): The Global Gender Gap Index 2010, Table 3a: The Global Gender Gap Index 2010 rankings: Comparisons with 2009, 2008, 2007 and 2006; in Zahidi et al.: The Global Gender Gap Report 2010, World Economic Forum, Geneva, Switzerland, 2010, S. 15f.

15 Vgl. Hausmann et al.: The Global Gender Gap Index 2010; in Zahidi et al.: The Global Gender Gap Report 2010, World Economic Forum, Geneva, Switzerland, 2010, S. 27.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit in Schweden und Deutschland
Untertitel
Schwedens Vorbildrolle im Vergleich mit Deutschland
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Veranstaltung
Skandinavien - Sehnsucht und Realität
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
39
Katalognummer
V188898
ISBN (eBook)
9783656128106
ISBN (Buch)
9783656128632
Dateigröße
836 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender Equality, Geschlechtergleichberechtigung, Deutschland, Schweden
Arbeit zitieren
Maria Bauerschmidt (Autor), 2011, Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit in Schweden und Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188898

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