Prognosen und Ängste im Zuge der EU-Osterweiterung


Hausarbeit, 2010
13 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Ost-West-Migration nach Deutschland seit 1945
2.2 Die Angst vor Fremden

3. Prognosen, Ängste und Maßnahmen
3.1 Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt
3.2 Maßnahmen zur Begrenzung der Migration
3.3 6 Jahre später – Waren die Ängste unbegründet?

4. Fazit

5. Abkürzungsverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Staaten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Malta und Zypern traten am 1. Mai 2004 der Europäischen Union (EU) bei. Bulgarien und Rumänien folgten am 1. Januar 2007. Die wirtschaftliche Verflechtung der EU-Länder sollte mit Hilfe der Angliederung deutlich intensiviert werden.

Im Vorfeld der Osterweiterung der EU wurde äußerst kontrovers über deren Vorteil bzw. Nutzen diskutiert. Bessere Wirtschaftbeziehungen, Entwicklungschancen und die Arbeitnehmerfreizügigkeit tauchten in allen Debatten auf. Vor allem letzteres sorgte für eine Vielzahl von Prognosen. Die Angst vor einer Migrationswelle aus dem Osten schmälerte die Begeisterung für die anstehende Angliederung weiterer Staaten. Grund hierfür war die Annahme, dass durch das bestehende Wirtschaftskraftgefälle zwischen den alten und den potentiellen Mitgliedsstaaten zunehmend mehr Arbeitnehmer in die westlichen Arbeitsmärkte drängen würden.

In dieser Arbeit möchte ich mich der Frage widmen, ob die Ängste vor einer massiven Zunahme von Einwanderern im Vorfeld der Osterweiterung gerechtfertigt waren und welche Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt prognostiziert wurden. Dazu werde ich zunächst die Entwicklung der Ost-West-Migration nach Deutschland seit 1945 darstellen und die allgemeine Unsicherheit gegenüber dem Fremden erläutern. Im Anschluss werde ich die befürchteten Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt analysieren und aufzeigen, durch welche Maßnahmen Deutschland versuchte auf die erwartete Zuwanderung zu reagieren. Schließlich werde ich noch versuchen, soweit dies möglich ist, ein Fazit über die Entwicklungen seit 2004 zu ziehen und aufzeigen, inwieweit die vorhergesagten Herausforderungen bewältigt wurden.

2. Grundlagen

Bevor ich kurz auf die Entwicklung der Ost-West-Migration seit 1945 eingehe, möchte ich vorher noch herausstellen, welche Definition von Migration dieser Arbeit zugrunde liegt. Einfach übersetzt bedeutet Migration soviel wie Wanderung. Diese Wanderung beinhaltet das dauerhafte Wechseln des sozialen und geographischen Raumes von Individuen oder Gruppen, entweder innerhalb des gleichen Bundeslands, Staates oder länderübergreifend. Anfänglich ging man davon aus, dass es das hauptsächliche Anliegen der Migranten wäre, ihren sozialen Status zu verbessern. In diesem Zusammenhang entwickelte man das push-pull-Konzept, in dem man die Migrationsbewegungen anhand von Faktoren der Abstoßung (Heimatland) und Faktoren der Anziehung (Aufnahmeland) zu erklären versuchte. „Seit den 1980er Jahren wird in der Migrationssoziologie argumentiert, dass das push-pull-Konzept für die Erklärung von Migrationsursachen und Migrationsentscheidungen nicht mehr ausreicht“ (Verwiebe 2004, S. 54) Es sind nicht nur wirtschaftliche Gründe, sondern eher eine Vielzahl an Gründen, die zur Wanderung führen. „Ökonomische Faktoren […] reichen also nicht aus, um zu erklären, warum Menschen wandern. Persönliche Beziehungen zu Verwandten oder Bekannten, die schon gewandert sind, und Informationen über die Zielregion sind wichtige zusätzliche Stimuli.“ (Treibel 2003, S. 41) Zu den wichtigsten Motiven und Einflussfaktoren, die in der einschlägigen Literatur genannt werden, zählen (vgl. Kunze, In: Paraskewopoulos 2000, S. 138): - die Einkommensdifferenz zwischen Herkunfts- und Aufnahmeland

- die Arbeitsmarktsituationen
- die geographische und kulturelle Distanz
- ethnische und politische Konflikte im Herkunftsland
- Rahmenbedingungen und Mechanismen zur Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt
- soziale Netzwerke

All diese Faktoren werden von potentiellen Migranten abgewogen. Für meine Betrachtung der Ost-West-Migration im Zuge der EU-Osterweiterung sind vor allem die wirtschaftlichen Gründe von großer Bedeutung, da auch die Ängste im Zusammenhang mit der Aufnahme neuer Mitgliedsstaaten sich hauptsächlich auf die Überschwemmung des Arbeitsmarktes konzentrierten.

2.1 Ost-West-Migration nach Deutschland seit 1945

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam eine große Anzahl an Flüchtlingen und Vertriebenen zurück nach Deutschland. „Trotz ihrer deutschen Staatsangehörigkeit stießen die etwa 12 Millionen Fremden aus dem Osten auf Vorbehalte bei der alteingesessenen Bevölkerung.“ (Schad 1997, S. 10) In der Folgezeit und vor allem in den 1960er Jahren wurden massiv Arbeitnehmer angeworben. Aber „von Anfang an war der Aufenthalt der Gäste nur auf Zeit gedacht und beschränkte sich auf den Wirtschaftsfaktor Arbeitskraft.“ (Schad 1997, S. 11) Die Rückkehrbereitschaft und Rückkehrfähigkeit der Gastarbeiter sollte erhalten werden. Aus diesem Grund wurden sie auch nur auf Zeit sozial integriert. All diese Tatsachen sorgten dafür, dass sich Deutschland eher als Gastarbeiterland, denn als Einwanderungsland verstand. Doch die angeworbenen Arbeiter blieben letztlich länger als erwartet, denn die Unternehmer sahen keinen Sinn darin am Rotationsprinzip teilzunehmen. Denn das hätte bedeutet, dass sie die angelernten Arbeiter gehen lassen und durch neue, unerfahrene ersetzen müssten. 1973 wurde der Anwerbestopp verhängt und entgegen der eigentlichen Intention wuchs der Anteil der Zugewanderten. Das lag zumeist daran, dass die Arbeiter ihre Familien zu sich holten, um sich häuslich einzurichten.

Wenn man Deutschland näher betrachtet, kann man feststellen, dass es ein Land ist, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft seit Jahrzenten zusammen leben. Doch die deutsche Ausländerpolitik hat es versäumt frühzeitig effektive rechtliche und soziale Rahmenbedingungen für eine umfassende Integration der Zuwanderer zu schaffen. Grund hierfür war ein starres „Staatsangehörigkeitsrecht, das der Stimme des Blutes mehr Gewicht beimisst, als dem real gelebten Alltag in einer Gesellschaft“ (Schad 1997, S. 12).

Menschen, die innerhalb einer Gemeinschaft leben, grenzen sich von anderen ab. Sie haben Angst vor Veränderungen. Die Zuwanderer wurden lange Zeit als Fremde gesehen, mit denen man sich nur unzureichend identifiziert. Um verstehen zu können, dass viele Deutsche die prognostizierte Migrationswelle aus dem Osten im Zuge der Osterweiterung der EU so besorgniserregend fanden, muss herausgestellt werden, warum es eine gewisse Angst vor dem Fremden gibt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Prognosen und Ängste im Zuge der EU-Osterweiterung
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Bildungs- und Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Migration und Integration
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V188921
ISBN (eBook)
9783656129349
ISBN (Buch)
9783656130352
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Osterweiterung
Arbeit zitieren
Thomas Lauszus (Autor), 2010, Prognosen und Ängste im Zuge der EU-Osterweiterung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188921

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Prognosen und Ängste im Zuge der EU-Osterweiterung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden