In dieser Arbeit möchte ich mich der Frage widmen, ob die Ängste vor einer massiven Zunahme von Einwanderern im Vorfeld der Osterweiterung gerechtfertigt waren und welche Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt prognostiziert wurden. Dazu werde ich zunächst die Entwicklung der Ost-West-Migration nach Deutschland seit 1945 darstellen und die allgemeine Unsicherheit gegenüber dem Fremden erläutern. Im Anschluss werde ich die befürchteten Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt analysieren und aufzeigen, durch welche Maßnahmen Deutschland versuchte auf die erwartete Zuwanderung zu reagieren. Schließlich werde ich noch versuchen, soweit dies möglich ist, ein Fazit über die Entwicklungen seit 2004 zu ziehen und aufzeigen, inwieweit die vorhergesagten Herausforderungen bewältigt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Ost-West-Migration nach Deutschland seit 1945
2.2 Die Angst vor Fremden
3. Prognosen, Ängste und Maßnahmen
3.1 Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt
3.2 Maßnahmen zur Begrenzung der Migration
3.3 6 Jahre später – Waren die Ängste unbegründet?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die verbreiteten Ängste vor einer massiven Migrationswelle aus den osteuropäischen Beitrittsstaaten im Zuge der EU-Osterweiterung gerechtfertigt waren und analysiert die prognostizierten sowie tatsächlichen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt.
- Historische Entwicklung der Ost-West-Migration in Deutschland seit 1945
- Soziologische und psychologische Hintergründe der Angst vor dem Fremden
- Wissenschaftliche Prognosen und Bedrohungsszenarien für den Arbeitsmarkt
- Politische Maßnahmen zur Begrenzung der Migration und zur Steuerung der Arbeitnehmerfreizügigkeit
- Kritische Reflexion der Entwicklungen sechs Jahre nach der Osterweiterung
Auszug aus dem Buch
3.1 Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt
Wenn in den EU-Mitgliedsstaaten über Migration und Osterweiterung diskutiert wurde, fielen im gleichen Atemzug Worte wie Lohndumping, Arbeitsmarkt und dessen Überschwemmung. „Tatsächlich lag der Anteil der Unionsbürger, die in einem anderen als ihrem Herkunftsland leben und arbeiten, in den vergangenen 30 Jahren durchweg lediglich bei 1,5 Prozent […] Der Anteil der EU-Binnenmigration insgesamt ist sogar so gering, dass die Europäische Kommission darin ein Entwicklungshindernis für die gesamte Region sieht und die Wanderung noch fördern möchte.“ (Bendel, In: Sturm/Pehle 2006, S. 145) Das schwierigste Ziel der EU war wohl die Freizügigkeit der Arbeitnehmer, die mit der Freizügigkeit von Handelsgütern und Dienstleistungen unweigerlich einher ging. „Vor allem in Deutschland und Österreich, die beide direkte Grenzen mit Beitrittsländern haben und zugleich als traditionelle Migrationsziele für Migranten aus Mittel- und Osteuropa fungieren, wird aber befürchtet, dass eine abrupte Öffnung ihrer Arbeitsmärkte für die Beitrittsländer zu sozialen und politischen Konflikten führen könnte.“ (Kunze, In: Paraskewopoulos 2000, S. 137)
Die Bundesregierung hatte Anfang der 1990er Jahre bilaterale Abkommen mit den mittel- und osteuropäischen Ländern geschlossen, um für die wachsende Zahl an Migranten legale Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. Gemäß den Vereinbarungen waren Beschäftigungen als Saisonarbeiter, Gastarbeiter, Grenzarbeitnehmer oder Pendler und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach deutschem Recht möglich. (vgl. Kunze, In: Paraskewopoulos 2000, S. 144)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die EU-Osterweiterung ab 2004 ein und skizziert die kontroverse Debatte sowie die Forschungsfrage bezüglich der befürchteten Migrationsfolgen für Deutschland.
2. Grundlagen: Hier werden zentrale Begriffe wie Migration und das push-pull-Konzept definiert sowie der theoretische Rahmen für Wanderungsentscheidungen gesteckt.
2.1 Ost-West-Migration nach Deutschland seit 1945: Dieser Abschnitt beleuchtet die historische Entwicklung der Zuwanderung nach Deutschland und die Schwierigkeiten bei der Integration von Gastarbeitern.
2.2 Die Angst vor Fremden: Das Kapitel analysiert die theoretischen Hintergründe der Fremdenfeindlichkeit und die Wahrnehmung des Fremden als Bedrohung.
3. Prognosen, Ängste und Maßnahmen: Hier werden die politischen Debatten und die Angst vor sogenannten Billiglohnarbeitern in den Kontext der deutschen Einwanderungspolitik gestellt.
3.1 Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt: Das Kapitel untersucht wissenschaftliche Prognosen zur Arbeitskräftemigration und bewertet die Befürchtungen im Hinblick auf den deutschen Arbeitsmarkt.
3.2 Maßnahmen zur Begrenzung der Migration: Hier werden die restriktiven politischen Instrumente und die Anwendung der sogenannten 2+3+2-Formel zur Einschränkung der Freizügigkeit erläutert.
3.3 6 Jahre später – Waren die Ängste unbegründet?: Dieser Abschnitt reflektiert die tatsächlichen Entwicklungen und stellt fest, dass ein befürchteter Ansturm auf den Arbeitsmarkt weitgehend ausgeblieben ist.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die negativen Prognosen nicht eingetroffen sind und kritisiert die zögerliche Haltung Deutschlands in der Integrationspolitik.
Schlüsselwörter
EU-Osterweiterung, Migration, Arbeitsmarkt, Arbeitnehmerfreizügigkeit, Deutschland, Integrationspolitik, Einwanderung, Prognosen, Ost-West-Migration, Fachkräftemangel, Billiglohnarbeit, Sozialkosten, Gastarbeiter, Freizügigkeit, 2+3+2-Formel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftlichen Ängste und wirtschaftlichen Prognosen in Deutschland im Kontext der EU-Osterweiterung der Jahre 2004 und 2007.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf Migrationssoziologie, der historischen Entwicklung der Zuwanderung, politischer Steuerung der Freizügigkeit und der Arbeitsmarktökonomie.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die im Vorfeld der EU-Osterweiterung geäußerten Ängste vor einer massiven Einwanderungswelle und Lohndumping gerechtfertigt waren.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, um historische Fakten, soziologische Theorien und ökonomische Prognosen in den Diskurs einzubetten und mit der Realität abzugleichen.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Migration, der Historie der Ost-West-Wanderung, den damaligen wissenschaftlichen Szenarien und den politischen Maßnahmen Deutschlands zur Begrenzung der Arbeitsmigration.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie EU-Osterweiterung, Arbeitsmarkt, Freizügigkeit, Migration und Integrationspolitik maßgeblich geprägt.
Welche Rolle spielt die sogenannte 2+3+2-Formel in der Argumentation?
Diese Formel diente Deutschland als Instrument, um die Arbeitnehmerfreizügigkeit für Bürger der neuen EU-Mitgliedsstaaten zunächst für mehrere Jahre zu beschränken, um den Arbeitsmarkt zu schützen.
Wie bewertet der Autor die Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt nach sechs Jahren?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der befürchtete Ansturm ausgeblieben ist und die negativen Prognosen sich rückblickend als nicht haltbar erwiesen haben.
- Arbeit zitieren
- Thomas Lauszus (Autor:in), 2010, Prognosen und Ängste im Zuge der EU-Osterweiterung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188921