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Auflösung der Selbstentfremdung

Genese eines Narzisses in Peter Handkes 'Der kurze Brief zum langen Abschied'

Titel: Auflösung der Selbstentfremdung

Seminararbeit , 2004 , 23 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Benjamin Reichenbach (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Nach eigener Aussage hatte sich Peter Handke also viel vorgenommen mit seinem Roman Der kurze Brief zum langen Abschied aus dem Jahre 1972. Darin schickt er seinen Erzähler, einen österreichischen Schriftsteller, der sich zuvor von seiner Frau Judith getrennt hat, auf eine Reise, oder besser gesagt, auf einen Entwicklungsprozess durch die Vereinigten Staaten von Amerika, wo dieser auf der Jefferson Street in Providence, Rhode Island, nüchtern, einer Reisedokumentation gleich, anfängt zu beschreiben. Seine Route führt ihn von der Ost- zur Westküste, er bereist 15 Städte in etwa drei Wochen, von Providence bis Bel Air, Kalifornien. Dort endet der Roman im paradiesischen Garten des amerikanischen Filmregisseurs John Ford mit einem „märchenhaften Schluss.“2 Der Roman ist in zwei Teile gegliedert („Der kurze Brief“ und „Der lange Abschied“).
Im Mittelpunkt der Handlung steht der Versuch des Erzählers, sich von seinen eigenen ihn verfolgenden Zwängen zu lösen und so die Selbstentfremdung zu überwinden. Es ist die Geschichte seiner Manie, seiner Beklemmung und seiner Psychose. Von besonderer Wichtigkeit dabei ist das undurchsichtige und merkwürdig bizarre Verhältnis zu seiner Ehefrau Judith. Sie scheint ihn zwar zu verfolgen, schreibt ihm aber im Titel gebenden kurzen Brief, es wäre nicht schön sie zu finden.3 Zwischen den beiden findet gleichzeitig eine Art Suche oder Verfolgung oder auch Jagd statt. Es ist eine Jagd von der Ost- zur Westküste, von der Vergangenheit in die Zukunft, von jemand anderem hin zu sich selbst. Dabei ist nicht immer klar, wer der Jäger und wer der Gejagte ist, aber die Jagd bewegt sich in den festen Kategorien von Raum und Zeit. Den Raum, den Hintergrund dieser konfusen Beziehung und dieses zerrissenen Charakters, bilden die Vereinigten Staaten von Amerika. Die USA spielen als Ort der Handlung und – wörtlich gesprochen – ´Schauplatz` des Helden eine besondere Rolle, die für seinen Entwicklungsprozess und das Fortlaufen der Handlung von entscheidender Bedeutung ist.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Der kurze Brief zum langen Abschied – Hoffnung auf Entwicklung

Neue Subjektivität und autobiographische Tendenzen

Der kurze Brief zum langen Abschied – Ein Entwicklungsroman?

Darstellung und Funktion der USA im Kurzen Brief

Der Einfluss der USA auf den Entwicklungsprozess des Erzählers

Einflüsse amerikanischer Kultur in Der kurze Brief zum langen Abschied

John Ford in Der kurze Brief zum Langen Abschied

Der Kurze Brief im Kontext des Gesamtwerks Peter Handkes

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Peter Handkes Roman "Der kurze Brief zum langen Abschied" (1972) im Hinblick auf die Überwindung von Selbstentfremdung und die Genese eines narzisstischen Charakters. Dabei wird analysiert, inwieweit das Werk als Entwicklungsroman konzipiert ist und welche zentrale Rolle die USA als "Schauplatz" und Projektionsfläche für den subjektiven Entwicklungsprozess des Ich-Erzählers spielen.

  • Die literarische Einordnung des Romans im Kontext der "Neuen Subjektivität".
  • Die Funktion Amerikas als distanzierter Raum zur persönlichen Selbstfindung.
  • Die intertextuellen Bezüge zu anderen Werken der Literaturgeschichte.
  • Der Einfluss amerikanischer Massenkultur (Film, Musik) auf die Innenwelt des Erzählers.
  • Die Bedeutung der Begegnung mit John Ford für den Abschluss des Entwicklungsprozesses.

Auszug aus dem Buch

Der kurze Brief zum langen Abschied – Hoffnung auf Entwicklung

„In meinem Buch versuche ich, eine Hoffnung zu beschreiben – dass man sich so nach und nach entwickeln könnte. Dass wenigstens auf einer unabhängigen Reise – und der Held ist ja auch, wenigstens für die Reise, durch genügend ökonomische Mittel unabhängig – die Vorstellungen eines Entwicklungsromans aus dem neunzehnten Jahrhundert möglich wären.“1

Nach eigener Aussage hatte sich Peter Handke also viel vorgenommen mit seinem Roman Der kurze Brief zum langen Abschied aus dem Jahre 1972. Darin schickt er seinen Erzähler, einen österreichischen Schriftsteller, der sich zuvor von seiner Frau Judith getrennt hat, auf eine Reise, oder besser gesagt, auf einen Entwicklungsprozess durch die Vereinigten Staaten von Amerika, wo dieser auf der Jefferson Street in Providence, Rhode Island, nüchtern, einer Reisedokumentation gleich, anfängt zu beschreiben. Seine Route führt ihn von der Ost- zur Westküste, er bereist 15 Städte in etwa drei Wochen, von Providence bis Bel Air, Kalifornien. Dort endet der Roman im paradiesischen Garten des amerikanischen Filmregisseurs John Ford mit einem „märchenhaften Schluss.“2 Der Roman ist in zwei Teile gegliedert („Der kurze Brief“ und „Der lange Abschied“).

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Versuch des Erzählers, sich von seinen eigenen ihn verfolgenden Zwängen zu lösen und so die Selbstentfremdung zu überwinden. Es ist die Geschichte seiner Manie, seiner Beklemmung und seiner Psychose. Von besonderer Wichtigkeit dabei ist das undurchsichtige und merkwürdig bizarre Verhältnis zu seiner Ehefrau Judith. Sie scheint ihn zwar zu verfolgen, schreibt ihm aber im Titel gebenden kurzen Brief, es wäre nicht schön sie zu finden.3 Zwischen den beiden findet gleichzeitig eine Art Suche oder Verfolgung oder auch Jagd statt. Es ist eine Jagd von der Ost- zur Westküste, von der Vergangenheit in die Zukunft, von jemand anderem hin zu sich selbst.

Zusammenfassung der Kapitel

Der kurze Brief zum langen Abschied – Hoffnung auf Entwicklung: Dieses Kapitel führt in die Handlung ein und erläutert Handkes Intention, die Möglichkeiten eines Entwicklungsromans unter den Bedingungen einer unabhängigen Reise zu erproben.

Neue Subjektivität und autobiographische Tendenzen: Hier wird der Roman als Aushängeschild der „Neuen Subjektivität“ analysiert, wobei die Reduktion auf den Blickwinkel des Ich-Erzählers und die autobiographischen Züge beleuchtet werden.

Der kurze Brief zum langen Abschied – Ein Entwicklungsroman?: Dieses Kapitel hinterfragt die Gattungsbezeichnung und zeigt auf, dass Handke zwar das Modell des Bildungsromans nutzt, es jedoch durch die Fiktionalität der Reise ironisiert.

Darstellung und Funktion der USA im Kurzen Brief: Die USA werden hier als Fiktion und "System von Zeichen" verstanden, die für den Protagonisten als notwendiger Distanzraum zur Selbstwerdung dienen.

Der Einfluss der USA auf den Entwicklungsprozess des Erzählers: Dieses Kapitel fokussiert auf die psychischen Prozesse des Erzählers, insbesondere seine Ängste und den Wunsch, die eigene narzisstische Selbstbespiegelung zu überwinden.

Einflüsse amerikanischer Kultur in Der kurze Brief zum langen Abschied: Hier werden die intertextuellen und kulturellen Bezüge – insbesondere zu Raymond Chandler und F. Scott Fitzgerald – sowie die Rolle des Films für die Strukturierung der Wahrnehmung des Helden untersucht.

John Ford in Der kurze Brief zum Langen Abschied: Das Kapitel widmet sich der finalen Begegnung des Paares mit John Ford, der als weise Instanz eine Integration der gegensätzlichen Identitäten ermöglicht.

Der Kurze Brief im Kontext des Gesamtwerks Peter Handkes: Abschließend wird die formale und inhaltliche Bedeutung des Romans als Novum für die Entwicklung des Autors und als Beginn eines "Universalitätsprojekts" eingeordnet.

Schlüsselwörter

Peter Handke, Der kurze Brief zum langen Abschied, Neue Subjektivität, Entwicklungsroman, Amerika, Selbstentfremdung, Ich-Erzähler, Intertextualität, John Ford, Narzissmus, Identitätsfindung, Moderne Literatur, Autobiographische Tendenzen, Bildungsroman, Zeichenwelt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dem Roman grundsätzlich?

Der Roman handelt von einem österreichischen Schriftsteller, der sich von seiner Frau trennt und eine Reise durch die USA antritt, um seine Selbstentfremdung zu überwinden und eine neue Identität zu finden.

Welches Ziel verfolgt der Protagonist mit der Reise?

Sein primäres Ziel ist die Überwindung seiner narzisstischen Zwänge und seiner emotionalen Isolation, um zu einer unverstellten Wahrnehmung der Welt und seiner selbst zu gelangen.

Welche Bedeutung haben die USA für den Protagonisten?

Die USA fungieren nicht als realer Lebenshintergrund, sondern als "Fiktion" und experimentelle Spielwiese, die aufgrund ihrer Andersartigkeit zur europäischen Heimat eine tiefere Reflexion und Veränderung ermöglicht.

Warum wird der Roman als "Entwicklungsroman" diskutiert?

Der Text greift klassische Muster des Bildungsromans auf, spielt mit ihnen und hinterfragt sie zugleich, wobei Handke selbst von einer "Fiktion eines Entwicklungsromans" spricht.

Welche Rolle spielt die Begegnung mit John Ford?

John Ford dient im Roman als idealisierte Instanz, deren Garten als paradiesischer Endpunkt der Reise das Auseinandergehen des Paares in Frieden und Harmonie ermöglicht.

Welche Rolle spielen intertextuelle Verweise?

Verweise auf Autoren wie Raymond Chandler oder F. Scott Fitzgerald sowie auf Filme dienen dazu, die "fremde Welt" Amerikas für den Erzähler greifbar und in seine eigene Lebensgeschichte integrierbar zu machen.

Inwiefern ist das Werk autobiographisch geprägt?

Handke selbst bekannte, dass die psychischen Grundkonstellationen autobiographisch sind, wobei er die äußere Handlung fiktionalisiert, um den Fokus auf die subjektive Innenwelt zu legen.

Warum wird das Ende des Romans als "märchenhaft" bezeichnet?

Die Bezeichnung spiegelt die Friedlichkeit der Auflösung des Konflikts wider, was angesichts der vorangegangenen psychischen Zerrissenheit des Helden jedoch kritisch als eine Form der Flucht oder Pseudoidealismus interpretiert werden kann.

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Details

Titel
Auflösung der Selbstentfremdung
Untertitel
Genese eines Narzisses in Peter Handkes 'Der kurze Brief zum langen Abschied'
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,0
Autor
Benjamin Reichenbach (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V189155
ISBN (eBook)
9783656130512
ISBN (Buch)
9783656130710
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auflösung selbstentfremdung genese narzisses peter handkes brief abschied
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Benjamin Reichenbach (Autor:in), 2004, Auflösung der Selbstentfremdung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189155
Blick ins Buch
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