Otto IV., das Herzogtum Wittelsbach und die Lehensübertragung von 1208


Seminararbeit, 2005

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Der Frankfurter Hoftag 1208

Der Ausbruch des deutschen Thronstreits - Staufer gegen Welfen

Die Ermordung König Philipps von Schwaben

Ludwig I. der Kelheimer - Herzog von Bayern

Otto IV. - Welfischer Kaiser

Die Übertragung der pfalzgräflichen Besitzungen an Ludwig I.

Die Anfänge des Herzogtums Wittelsbach in Bayern

Die Auseinandersetzung mit dem Haus Andechs

Die Bedeutung der Lehensübertragung von 1208

Versuch einer historischen Bewertung Ludwigs I. und Ottos IV.

QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS

Der Frankfurter Hoftag 1208

In der vorliegenden Quelle1 vom 15. November 1208 bestätigt der Welfenkönig Otto IV. Herzog Ludwig I. und dessen Erben auf dem Frankfurter Hoftag das Herzogtum Bayern, das seit der Erhebung des Wittelsbachers Otto I. durch den Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Jahre 1180 bestand2, überträgt ihm den Hof Mering, die Lehen, welche die Mörder des Königs Philipp verwirkt haben, den Forst Bazhardt und die Burg Neuburg.3

Dieser Vorgang, der im Folgenden mitsamt seiner Vorgeschichte, seiner Bedeutung, seinen Auswirkungen sowie den beteiligten Personen untersucht werden soll, steht in engem Zusammenhang mit dem vorangegangenen Mord an Philipp von Schwaben, Ottos Rivalen im deutschen Thronstreit, der nach dem Tode des Staufers Heinrich VI. ausgebrochen war und der vor dem Hintergrund einer Jahrzehnte andauernden Gegnerschaft beider Adelsgeschlechter betrachtet werden muss.

Der Ausbruch des deutschen Thronstreits - Staufer gegen Welfen

Der Konflikt zwischen den Dynastien der Staufer und der Welfen zieht sich beinahe durch das gesamte 12. Jahrhundert. Im Streit um das Erbe der Salier hatten die Staufer gesiegt und unter Konrad III. (1138-1152), Friedrich I. (1152-1190) und Heinrich VI. (1190-1197) über Jahrzehnte hinweg durchgehend stabile Herrschaftsverhältnisse geschaffen. Der bedeutendste welfische Herrscher, Heinrich der Löwe, Herzog von Bayern und Sachsen, war in der Auseinandersetzung mit dem mächtigen Friedrich I. Barbarossa unterlegen. Erst als Kaiser Heinrich VI. im Alter von nur 32 Jahren 1197 überraschend starb, war die Frage nach der Königsherrschaft wieder offen. Denn Heinrichs Sohn, Friedrich II., war zwar schon 1196 von den deutschen Fürsten zum König gewählt worden, jedoch zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters noch nicht einmal drei Jahre alt und somit regierungsunfähig. Deshalb ließ sich Heinrichs Bruder, Philipp von Schwaben, im März 1198 von einer Fürstenversammlung zum König wählen.

Zum Thronstreit kam es aber, weil die welfisch-niederrheinische Fürstenopposition, unter Führung des Erzbischofs Adolf von Köln, einen anderen König wählen wollte. Bei der schwierigen Suche nach einem geeigneten Kandidaten einigte man sich schließlich auf den Welfen Otto IV., Neffe des englischen Königs Richard Löwenherz, der im Juni 1198 in Köln zum König gewählt und im Juli in Aachen von Adolf gekrönt wurde. Philipp hingegen, der durch den französischen König Philipp II. ebenfalls ausländische Unterstützung genoss, wurde erst im September in Mainz durch den Erzbischof von Burgund gekrönt. Aufgrund der unklaren Lage, die durch die Doppelwahl entstanden war, und in der beide die Krone für sich beanspruchten, kam es in Deutschland zum Bürgerkrieg, in den auch England und Frankreich verwickelt waren, und in den sich Papst Innozenz III. zugunsten des Welfen Otto einschaltete. Nach jahrelangen Kämpfen gewann Philipp schließlich die Oberhand, doch die vermeintlich klaren Verhältnisse wurden im Jahre 1208 durch eine Äbis dahin bei den Deutschen unerhörte Tat“1 jäh zerstört.

Die Ermordung König Philipp von Schwabens

Philipp von Schwaben, Stauferkönig und scheinbarer Sieger im deutschen Thronstreit mit seinem Rivalen Otto IV., wurde auf brutale Weise vom Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach ermordet, der ihn mit einem Schwert erschlug. Der Mörder fühlte sich vom Stauferkönig entehrt, da dieser sein Versprechen, Otto eine seiner Töchter zur Frau zu geben, nicht eingelöst hatte und auch noch am schlesischen Hof vor Otto gewarnt haben soll.2 3 Allerdings sprechen zahlreiche Anhaltspunkte dafür, dass Otto kein Einzeltäter war, und es sich erwiesenermaßen um eine Verschwörung gehandelt habe.

In jedem Fall veränderte diese ungeheuerliche Tat die politische Konstellation im Reich grundlegend. Sie machte Otto IV. zum Kaiser (Krönung 1209) und beendete neben dem deutschen Thronstreit auch die seit 1138 währende Herrschaft der staufischen Dynastie. Da Ottos Kaisertum nicht lange andauerte, stellte diese Situation allerdings nur eine Übergangsphase dar. Nichtsdestotrotz ist dieser Vorgang für die Untersuchung der zugrunde liegenden Quelle immanent wichtig, bildet er doch den Hintergrund des vorliegenden Geschehens. Die Ermordung König Philipps bedeutete denn auch nicht nur eine Zäsur in der Geschichte des Reiches, sondern gerade auch für Bayern.1

So legten nämlich Reichsfürsten und Reichsministerialen die Mörder Philipps von Schwaben - neben Otto von Wittelsbach wurden auch dessen Brüder aus dem Hause Andechs-Meranien, der Bamberger Erzbischof Ekbert und Markgraf Heinrich von Istrien, der Mittäterschaft verdächtigt - auf dem Frankfurter Hoftag friedlos, was, im Vergleich mit einer Acht, nicht nur den Verlust ihrer Lehen, sondern auch den des Erbgutes und aller Ämter zur Folge hatte. Während Ekbert und Heinrich daraufhin die Flucht ergreifen konnten, wurde der Mörder selbst, Otto von Wittelsbach, vom Reichsmarschall Heinrich von Kalden, Marschall am königlichen Hof Philipp von Schwabens, kurzer Hand getötet.

Herzog Ludwig von Bayern unterstützte Heinrich von Kalden bei der Verfolgung Ottos von Wittelsbach und seines Mordkomplizen Heinrich von Istrien und der Verwüstung ihrer Besitzungen und Burgen. Schließlich wurden ihm von Otto IV. die Lehen der Mörder übertragen und die Erblichkeit des bayerischen Herzogtums bestätigt. Die Beziehung der beiden Herrscher zueinander war jedoch nicht immer so positiv und unbelastet und sollte sich auch nicht als stabil erweisen, was sich nicht nur aus den Auseinandersetzungen in den Wirren des Thronstreits, sondern auch aufgrund ihrer unterschiedlichen Interessen erklärt, die sich auch aus ihrer Herkunft ergaben.

Ludwig I. der Kelheimer - Herzog von Bayern

Ludwig I., 1173 in Kelheim geboren, wurde, als einziger Sohn des 1183 verstorbenen ersten Bayernherzogs Otto I., dessen natürlicher Nachfolger, wenn auch unter der Vormundschaft seiner Mutter Agnes. Nach deren Tod 1191 war er, gerade volljährig, fähig die Herrschaft zu übernehmen. Ludwig pflegte ein gutes Verhältnis zum Stauferkaiser Heinrich VI., den er auf dessen zweiten Heerfahrt durch ganz Italien begleitete, nachdem dieser ihn 1192/93 durch sein Eingreifen in der kriegerischen Auseinandersetzung mit der Adelsopposition unter Führung des Grafen Albert von Bogens und Ottokars von Böhmen vor einer verheerenden Niederlage bewahrt hatte.1 2 1204 heiratete er in Kelheim Ludmilla, geborene Herzogstochter von Böhmen und Witwe des 1198 verstorbenen Graf Albert III. von Bogen, seines ehemaligen Widersachers und Angehörigen eines der mächtigsten Herrschaftsgeschlechter Bayerns.

1208 geschah dann in Bamberg der berühmte Königsmord an Philipp von Schwaben, verübt von Ludwigs Vetter, dem Pfalzgrafen Otto VIII. Ludwig nutzte die Wirren des Thronstreits in der Frage der Nachfolge und erkannte die Königsherrschaft des Welfen Otto IV., entgegen der üblichen Gefolgschaft gegenüber den Staufern, als erster der deutschen Fürsten an, was ihm die oben genannten Reichslehen der Mörder einbrachte und den Verzicht Ottos auf welfische Ansprüche in Bayern zufolge hatte. Das hinderte Ludwig allerdings nicht daran, im Jahre 1212 erneut die Seiten zu wechseln und nun mit anderen Fürsten den erstarkten jungen Staufer, Friedrich II., zum Römischen König zu wählen. In der legendären Schlacht bei Bouvines 12143, in der Otto den Franzosen unterlag, wurde der Bayernherzog Ludwig, der mit Friedrich II. gegen die niederrheinisch-welfische Fürstenopposition in den Kampf gezogen war, gefangen genommen. Noch im selben Jahr wurde er von Friedrich II. mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt, mit der Bayern jahrhundertlang verknüpft bleiben sollte. Den Titel des Pfalzgrafen bei Rhein sowie den des Herzogs von Bayern führten von 1214 an alle Wittelsbacher.

[...]


1 Monumenta Wittelsbacensia. Urkundenbuch zur Geschichte des Hauses Wittelsbach. Erste Abteilung von 1204 bis 1292, hrsg. von Franz Michael Wittmann, Nr. 3, S. 9-11 (= Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte. AF, Band 5)

2 Spindler, Max / Kraus, Andreas: Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, der neue Herzog (1180-1183). In: Handbuch der bayerischen Geschichte, begr. v. Max Spindler, hrsg. von Andreas Kraus, Band 2. Das alte Bayern. Der Territorialstaat vom Ausgang des 12. Jahrhunderts bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts, 2. überarb. Aufl., München 1988, S. 11-18

3 Regesta Imperii V., Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV., Friedrich II., Heinrich (VII.), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard. 1198-1272, hrsg. v. Johann Friedrich Böhmer, neu bearb. v. Julius Ficker, Hildesheim 1971, S. 79 f

4 Hans Martin Schaller: Der deutsche Thronstreit 1198-1218. Philipp von Schwaben, Otto IV., Friedrich II., In: Krönungen. Könige in Aachen - Geschichte und Mythos, hrsg. v. Mario Kramp, Mainz 2000, S. 398-406

1 zit. nach Bernd Ulrich Hucker: Der Königsmord von 1208. In: Die Andechs-Meranier in Franken. Europäisches Fürstentum im Hochmittelalter, hrsg. v. Lothar Henning und Ursula Vorwerk, Mainz 1998, S. 111-127, hier S.111

2 ebd., S. 111-127

3 Spindler, Max / Kraus, Andreas: Die entscheidenden territorialpolitischen Erfolge Herzog Ludwigs I. (1183-1231). In: Handbuch der bayerischen Geschichte, begr. v. Max Spindler, hrsg. von Andreas Kraus, Band 2. Das alte Bayern. Der Territorialstaat vom Ausgang des 12. Jahrhunderts bis zum

Ausgang des 18. Jahrhunderts, 2. überarb. Aufl., München 1988, S. 19-30, hier S. 26 f

1 Andreas Kraus: Geschichte Bayerns. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1983, S. 110 f

5

1 Hans und Marga Rall: Die Wittelsbacher in Lebensbildern, Kreuzlingen 2000, S. 27-32

2 Spindler / Kraus: Die entscheidenden territorialpolitischen Erfolge Herzog Ludwigs I., S. 21 f

3 Martin Kaufhold: Wendepunkte des Mittelalters, Ostfildem 2004, S. 105-111

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Otto IV., das Herzogtum Wittelsbach und die Lehensübertragung von 1208
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V189156
ISBN (eBook)
9783656130505
ISBN (Buch)
9783656130703
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
otto, herzogtum, wittelsbach, lehensübertragung
Arbeit zitieren
Benjamin Reichenbach (Autor:in), 2005, Otto IV., das Herzogtum Wittelsbach und die Lehensübertragung von 1208, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189156

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