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Knotenpunkt dreier Systeme? Großbritannien, die USA, das Commonwealth und Westeuropa

Title: Knotenpunkt dreier Systeme? Großbritannien, die USA, das Commonwealth und Westeuropa

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Bernd Evers (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Summary Excerpt Details

Mit Milliarden im Ausland verschuldet, prestigereiche Kolonien verloren, von den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion, den neuen Weltmächten, an den Rand gedrängt – so lässt
sich die britische Position nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 kurz und knapp charakterisieren.
Dabei schien die ruhmreiche Geschichte nicht mehr zu sein, als der Schatten
vergangener Tage. Der Beginn einer neuen britischen Epoche und einer politischen Wende im
Land wird auch durch den erdrutschartigen Wahlsieg der Labour-Partei unter Clement Attlee
gegen Winston Churchills Konservative im Juli 1945 sinnbildlich. Die neue Regierung kündigte
an, mit ihrem Wohlfahrtsprogramm, der größten Sozialreform in der britischen Geschichte,
das Land im Inneren komplett umzustrukturieren. Anders als zu Zeiten des Empire
stand Großbritannien nun nicht mehr an der Spitze der Weltpolitik, sondern war eines von
vielen Ländern und zur Zusammenarbeit gezwungen. Die neue Weltlage, in der das Königreich
zwischen zwei Großmächten im aufkeimenden West-Ost-Konflikt situiert war, schloss
eine Isolation des Landes aus. Statt dessen stand man in einer gewissen Verantwortung, die
von den Vereinigten Staaten nach dem Krieg darin artikuliert wurde, dass sie Großbritannien
als Speerspitze einer (west-)europäischen Integration sehen wollten. Aber vor allem im Hinblick
auf eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zeigten sich schnell Differenzen zwischen
Großbritannien und seinen europäischen Nachbarn. Dies genauer zu untersuchen soll die
Aufgabe der vorliegenden Arbeit sein.
Zum entscheidenden Faktor für die Integration Europas mit Großbritannien sollten dabei
die „Überreste“ des britischen Weltreichs, das Commonwealth und, von der Fläche nahezu
identisch, der Sterlingblock, sein. Beide, obwohl aus dem politischen Blickwinkel betrachtet
relativ informelle Verbunde, waren in punkto Wirtschaft für Großbritannien von besonderer
Bedeutung. Zwischen den Mitgliedern des Commonwealth und des Sterlingblocks gab es einen
ungehinderten Warenaustausch in einem komplizierten System von Zöllen, Einfuhrquoten
und zweiseitigen Clearing- und Handelsverträgen1. Obwohl beispielsweise auch Frankreich
nach dem Zweiten Weltkrieg noch Kolonien in Übersee besaß, war die britische Situation
eine andere.[...]

1 Vgl. Cornides, Wilhelm (Hrsg.): Europa-Archiv. Erstes Jahr, Juli 1946 – Juni 1947, Oberursel 1948, S. 77 f.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Knotenpunkt dreier Systeme? – Großbritannien, die USA, das Commonwealth und Westeuropa.

2.1 Die Bedeutung von Commonwealth und Sterlingblock für die britische Innenpolitik

2.2 Großbritannien und Europa zwischen 1945 und 1947: Die britische Vorstellung von europäischer Integration

2.3 „Third Force“ und „Special Relationship“: das britisch-amerikanische Verhältnis 1945 – 1947

2.4 Die Krise des Jahres 1947 und Großbritanniens Abkehr von Europa

2.5 Die Verhandlungen um die Europäische Zahlungsunion

3. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die britische Haltung zur europäischen Integration in den Nachkriegsjahren von 1945 bis 1952. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit sich die wirtschaftlichen Verflechtungen Großbritanniens mit dem Commonwealth und dem Sterlingblock sowie das angloamerikanische Verhältnis mit den Integrationsplänen Westeuropas vereinbaren ließen und ob London darin eine Notwendigkeit zur wirtschaftlichen Rekonstruktion sah.

  • Die ökonomische Bedeutung des Commonwealth und Sterlingblocks für die britische Innenpolitik.
  • Britische Integrationsvorstellungen im Kontext der "Third Force" und "Special Relationship".
  • Die Auswirkungen der Krise von 1947 auf die europäische Außenpolitik Großbritanniens.
  • Die Rolle Großbritanniens bei den Verhandlungen um die Europäische Zahlungsunion.

Auszug aus dem Buch

2.4 Die Krise des Jahres 1947 und Großbritanniens Abkehr von Europa

In der Forschung besteht die einhellige Meinung, dass die wirtschaftliche Krise des Jahres 1947, die kein europäisches Land ausnahm, entscheidend für die wirtschaftliche und politische Rekonstruktion Westeuropas sein sollte. Sie zeigte den USA, deren Außenminister George C. Marshall am 5. Juni dieses Jahres die finanziellen Hilfen für Europa in Aussicht stellen sollte, dass die Welt für ein multilaterales Wirtschaftssystem aufgrund der Folgeschäden des Krieges noch nicht bereit war. Großbritannien war von dieser Krise besonders schwer betroffen. Mit ihr sollte, wie Young unterstreicht, eine neue Phase der britischen Politik beginnen, die sich in der Abkehr von Westeuropa hin zu einer stärkeren Orientierung zum Commonwealth und zu den USA manifestierte.

Die Krise war eine Folge der Dollarknappheit, den Verpflichtungen, die aus dem Kreditabkommen Großbritanniens mit den Vereinigten Staaten entstanden, und der durch den Wohlfahrtsplan angespannten britischen Haushaltslage. Wie der gesamte europäische Kontinent litt man zudem auch auf der Insel unter dem harten Winter des Jahres 1945/46. Innerhalb eines Jahres fielen die Reserven von ehemals 7,1 Milliarden Pfund (Stand Juni 1946) auf knapp 4,7 Milliarden Pfund. Bereits nach wenigen Monaten war die Hälfte des Darlehens aufgebraucht und London führte immer wieder monetäre Kontrollen ein. Die Regierung war zu tief greifenden Einschränkungen im Import von Waren und Rohstoffen und zur Rationierung von Lebensmitteln gezwungen. Verstärkt wurde diese Krise noch durch, wie Newton es beschreibt, wirtschaftliche Fehleinschätzungen der britischen Regierung, die glaubte die Dollarknappheit durch weitere wirtschaftliche Expansion bekämpfen zu können.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung charakterisiert die britische Position nach 1945 als finanziell belastet und verortet das Land im Spannungsfeld zwischen Commonwealth, USA und dem Wunsch nach westeuropäischer Integration.

2. Knotenpunkt dreier Systeme? – Großbritannien, die USA, das Commonwealth und Westeuropa.: Dieses Kapitel dient als Oberkapitel für die detaillierte Untersuchung der drei genannten Einflussfaktoren und deren Auswirkungen auf die britische Politik.

2.1 Die Bedeutung von Commonwealth und Sterlingblock für die britische Innenpolitik: Das Kapitel analysiert, wie die ökonomischen Privilegien im Commonwealth und Sterlingblock essenziell für die Umsetzung des britischen Wohlfahrtsprogramms waren.

2.2 Großbritannien und Europa zwischen 1945 und 1947: Die britische Vorstellung von europäischer Integration: Hier wird dargelegt, dass Großbritannien keine strikte Ablehnung einer europäischen Integration pflegte, jedoch eigene Führungsansprüche und wirtschaftliche Prioritäten verfolgte.

2.3 „Third Force“ und „Special Relationship“: das britisch-amerikanische Verhältnis 1945 – 1947: Das Kapitel beleuchtet das ambivalente Verhältnis zu den USA, geprägt durch die Abhängigkeit von US-Krediten und dem gleichzeitigen Bestreben, als eigenständige "dritte Kraft" zu agieren.

2.4 Die Krise des Jahres 1947 und Großbritanniens Abkehr von Europa: Die Analyse zeigt, wie die wirtschaftliche Krise von 1947 die britische Prioritätensetzung festigte und zu einer stärkeren Abkehr von Westeuropa führte.

2.5 Die Verhandlungen um die Europäische Zahlungsunion: Dieses Kapitel behandelt die britische Haltung und Vehemenz bei der Verhandlung der Zahlungsunion unter Wahrung nationaler wirtschaftlicher Interessen.

3. Zusammenfassung: Die Schlussfolgerung resümiert, dass Großbritannien die Beziehungen zum Empire über die europäische Integration stellte und sich nur dort Europa annäherte, wo es eigenen Interessen entsprach.

Schlüsselwörter

Großbritannien, Commonwealth, Sterlingblock, Westeuropa, Europäische Integration, Marshall-Plan, Europäische Zahlungsunion, Wirtschaftspolitik, Nachkriegszeit, Labour-Regierung, USA, Special Relationship, Wirtschaftskrise 1947, Souveränität, Außenpolitik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die britische Wirtschafts- und Außenpolitik in der frühen Nachkriegszeit (1945–1952) im Kontext der Bestrebungen zur westeuropäischen Integration.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die wirtschaftliche Verflechtung Großbritanniens mit dem Commonwealth und dem Sterlingblock, das Verhältnis zu den USA ("Special Relationship") sowie die britische Position zu Integrationsprojekten wie der Europäischen Zahlungsunion.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, warum Großbritannien eine westeuropäische wirtschaftliche Integration lange Zeit ablehnte oder nur unter Vorbehalten verfolgte und inwiefern dies mit der Priorisierung des Commonwealth und der eigenen finanziellen Sanierung zusammenhing.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer fundierten Auswertung von Quellen des US-Außenministeriums, britischen Politikdokumenten sowie relevanter geschichtswissenschaftlicher Forschungsliteratur beruht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Bedeutung des Commonwealth für die Innenpolitik, das Konzept der "Third Force", die Auswirkungen der Krise von 1947 und die schwierigen Verhandlungen zur Europäischen Zahlungsunion.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Großbritannien, Commonwealth, Sterlingblock, Europäische Integration, Nachkriegszeit, Marshall-Plan und wirtschaftliche Souveränität.

Welche Rolle spielte die Krise von 1947 für die britische Politik?

Die Krise war ein Wendepunkt, der Großbritannien dazu zwang, sich aufgrund von Dollarknappheit und finanzieller Überlastung noch stärker auf das Commonwealth zu konzentrieren und sich von kontinentaleuropäischen Integrationsmodellen zu distanzieren.

Wie verhielt sich Großbritannien zu den amerikanischen Integrationsplänen?

Großbritannien agierte als "schwieriger Partner". Während es einerseits auf US-Finanzhilfen angewiesen war, wehrte es sich gegen supranationale Behörden oder freie Märkte, die den Sterlingblock und die eigene wirtschaftliche Unabhängigkeit gefährdet hätten.

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Details

Title
Knotenpunkt dreier Systeme? Großbritannien, die USA, das Commonwealth und Westeuropa
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Course
HS Der Marshall-Plan und die Rekonstruktion Westeuropas 1947 - 1952
Grade
1,7
Author
Bernd Evers (Author)
Publication Year
2002
Pages
22
Catalog Number
V18917
ISBN (eBook)
9783638231657
Language
German
Tags
Knotenpunkt Systeme Großbritannien Commonwealth Westeuropa Marshall-Plan Rekonstruktion Westeuropas
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bernd Evers (Author), 2002, Knotenpunkt dreier Systeme? Großbritannien, die USA, das Commonwealth und Westeuropa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18917
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