„El licenciado vidriera“: Komplexer Gegenstand fortgesetzter literaturwissenschaftlicher Debatte


Hausarbeit, 2011

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung, Forschungsüberblick

2. Historische Einordnung

3. „El licenciado vidriera“: Inhalt und Struktur
3.1 Inhalt (historia)
3.2 Struktur/Handlungsschema/Motivierung (discurso)
3.2.1 Kommunikationssituation
3.2.2 Motivierung und Handlungsschema

4. Die Schwierigkeit des Texts
4.1 Das Leitthema
4.2 Das Exemplum

5. Streitfelder der Interpretation
5.1 Zusammenhang der Novelle
5.2 Die Verrücktheit
5.3 Kontinuität oder Bruch des Protagonisten

6. Resümee

7. Bibliographie

1. Einleitung und Forschungsüberblick

„El licenciado vidriera“ ist eine von 12 Novellen der Sammlung „Novelas ejemplares“ von Miguel de Cervantes Saavedra, erstmals veröffentlicht 1613. Sie ist so vielschichtig und dermaßen umstritten, dass die Auseinandersetzung mit ihr eine „Herausforderung“[1] darstellt und sie selbst innerhalb des Korpus eine besondere Stellung einnimmt. Ihrem Status innerhalb der Literaturwissenschaft widmet sich diese Arbeit.

Die Erzählung beschreibt auf zwar chronologische, aber auch sprunghafte Art Geschehnisse aus dem Leben des jungen Tomás Rodaja und berichtet von seiner Entwicklung, seinem Wahn und sei­nem Tod. Als Diener kommt er nach Salamanca, macht dort dann allerdings Karriere an der Universi­tät. Angetrieben von dem Willen, Ruhm und Ehre zu erringen, führt er einen unnatürlichen Lebenswandel. Nach einer Vergiftung verfällt er dem Wahn: Er glaubt, er sei aus Glas. In diesem Zu­stand wird er zu einem öffentlichen Ereignis, doch nach seiner Heilung findet er kein Gehör mehr und stirbt tragisch.

Die vorgelegte Arbeit verfolgt ein doppeltes Ziel: In einem ersten Teil wird die Novelle auf In­halt (historia) und Struktur (discurso) untersucht. In einem zweiten Teil werden anhand aus­gewählter Meinungen aus der „Novelas“-Forschung das Diskussionspotential und die Komple­xität des „Licenciado Vidriera“ deutlich gemacht. Dazu werden die großen Streitfelder der In­terpretation durchleuchtet und die Uneinheitlichkeit in den jeweiligen Meinungen herausge­arbeitet.

Aufgrund der Zielrichtung der Arbeit, die einen Einblick in die Debatten um „El licenciado vidriera“ liefert, wird hier nur kurz der Forschungsstand angesprochen. Die Forschung zu eben dieser Novelle ist besonders umfangreich.[2] Dies liegt daran, dass sie von den „Novelas ejemplares“ den wahrscheinlich größten Interpretationsspielraum zulässt, aber auch auf eine besondere Art und Weise aufgebaut bzw. zusammengefügt ist. Diese etwas selt­same Struktur der Novelle ist ein heftig diskutierter Gegenstand in der Wissenschaft, genau wie die Person des Tomás. Jeder Autor muss sich der Erzählung über diese zwei Parameter nähern, auch wenn Untersuchungender letzten zehn Jahre eher spezielle Felder bearbeiten.[3] Doch ge­rade besagte „Groß-Debatten“ bieten Anlass zu wissenschaftlichem Streit (vgl. Kap. 4 und 5). Zu den „kanoni­schen“ Autoren wie Ruth El Saffar, Joseph Ricapito und Alban Forcione gesellen sich hier auch jüngere Schriften, von denen besonders der Artikel von Andreas Gelz zu erwähnen ist. Dieser bietet neben einer sauberen Analyse auch eine hervorragende, kritische Darstellung der jüngeren For­schung.

2. Historische Einordnung

In gebotener Kürze soll an dieser Stelle auf eine historische Sicht zum Thema eingegangen werden. Joseph Ricapito und Consuelo García Gallarín setzen sich mit der Historizität der Novelle auseinander. Ihre Ausführungen helfen, den Horizont des hier Diskutierten zu erweitern. Zunächst einmal sei Literatur grundsätzlich vom Leben inspiriert, also von „history“ (Entstehungszeit) und „creativity“ (das Schreiben selbst).[4] Cervantes sei sich der Probleme seiner Zeit bewusst gewesen, ohne den his­torischen Kontext wären die Novellen nicht verständlich oder deutbar.[5] Dies gelte besonders für „El licenciado vidriera“.

Anhand der Universitäts-Karriere des Tomás Rodaja zeigt Ricapito, dass die neu entstehende „ letrado class“ das Selbstverständnis der alten Aristokratie erschütterte. Ein Mann wie Rodaja, offensicht­lich aus ärmerem Hause, war in den adligen Schichten nicht gern gesehen, auch wenn weiter­hin nur Wenigen dieser Weg offen stand.[6] Die Rechtswissenschaft, die Tomás als Instrument zur Erlangung von Ruhm und Ehre wählt, bot beste Aufstiegsmöglichkeiten. Seine Karriere ist vor dem be­sprochenen Hintergrund trotzdem außerordentlich.

Der Protagonist scheitere jedoch an der bestehenden Gesellschaft und ihren vorherrschenden Ei­genschaften: „cor­ruption“, „nepotism“, „cronyism“, „advancement based on wealth“.[7] Die feh­lende gesellschaftli­che Akzeptanz für die Gleichheit aller Menschen führe dazu, dass der Protago­nist seine Obsession für das Aufdecken sozialer Missstände entwickelt. Dies sei das Spanien unter Philip II., das neue Ideen ablehne, die Reinheit des Blutes und des Glaubens fordere. Solche Herr­schaft sei „at the core of Cervantes’s disillusion and dissatisfaction“[8] und der Grund für den schlech­ten Zustand des Landes.

Der Wert, den das Konzept der „nobleza ganada“ zur fraglichen Zeit hatte, eng verknüpft mit dem antiken „homo novus“, komme Tomás Rodaja außerdem sehr entgegen.[9] Er ist als Tomás Rueda das Resultat der Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs durch Arbeit und Anstrengung. Gleichzeitig wird er aber zu einem Opfer einer „sociedad inepta e injusta“.[10] Denn das, was er äußert, wird nur als Teil eines „espectáculo didáctico“ hingenommen, das durch die Redefreiheit legitimiert ist. Folglich sei Tomás ein Beispiel für die sozialen Phäno­mene mit dem meisten Widerhall in der Epoche.[11]

3. „El licenciado vidriera“: Inhalt und Struktur

3.1 Inhalt (historia)

Die reine Handlung der Geschichte ist nicht besonders umfangreich: Ein Knabe von elf Jahren nutzt die Möglichkeit, zwei jungen Männern zu dienen, die ihn auf dem Weg nach Salamanca, wo sie studieren wollen, antreffen und aus Sympathie mit sich nehmen. Er muss diesen aller­dings nicht nur behilflich sein, sondern darf selbst die Universität besuchen. Er geht in dieser Welt absolut auf und verfolgt emsig seinen Plan, durch das Studium den Ruhm zu erlangen, der ihm und seinen Eltern zur Ehre gereichen soll. Dies ist sein Antrieb und das stärkste Motiv der Erzählung.

Als seine Dienstherren ihre Studien abschließen, geht er zunächst mit ihnen aus Salamanca fort, die Universität und das Studieren ziehen ihn aber zurück. Auf dem Weg trifft er auf den Capitán Don Diego de Valdivia, der ihn für eine Reise mit dem Heer nach Italien gewinnt. Tomás kommt gerne mit, da er dem Sprichwort folgt, dass Reisen bilde.[12] Doch Tomás nutzt die Reise nicht, um mit der Bevölke­rung/der Kultur in Kontakt zu treten, sondern bleibt reiner Beobach­ter von Orten, Menschen und Sehenswürdigkeiten. Dieses Anschauen ohne Aufnehmen ist charakteristisch für den Protagonis­ten: Er verarbeitet nicht, was er erlebt, sondern legt das Gesehene quasi nur ab.[13]

- Nach einem halben Jahr ist er zwar körperlich geheilt, bleibt aber „loco de la más extraña locura que entre las locuras hasta entonces se había visto“.[14] Fortan verhält sich der Protago­nist, als sei er aus Glas. Dies beteuert er nicht nur immer wieder, wenn sich andere Personen nähern, darüber hinaus kleidet er sich auf besondere Art und nimmt nur Früchte und Wasser zu sich.

Schon zuvor war er im Kreise der Akademiker für sein gutes Gedächtnis und seine Auffas­sungsgabe geschätzt worden, nun bekommt er die Rolle des „loco discreto“[15] auch vom Volk zu­gewiesen, da er auf teilweise witzige, teilweise „über-gelehrte“, teilweise unverschämte Weise seine Meinungen und Ratschläge öffentlich erteilt. Er selbst schlägt vor, dass man ihn von Ferne befragen solle, „porque a todo les respondería con más entendimiento, por ser hombre de vidrio y no de carne: que el vidrio, por ser de materia sutil y delicada, obraba por ella el alma con más promptitud y eficacia que no por la del cuerpo, pesada y terrestre“.[16]

Dies ist sein Selbstverständnis und eben dadurch wird er zu einer gefragten und vor allem be­kannten Person.[17] Es ist jedoch einzuschränken, dass dieser Ruhm nicht derselbe ist, durch den er für sich und seine Familie Ehre erringen wollte. Es wirkt fast, als wäre Tomás jede Art von Ruhm recht, auch ein zweifelhafter. Indes wird ihm schon zu Beginn seiner öffentlichen Sinn­sprüche vorgehalten, er sei eher „bellaco“ (ein Schuft), denn „loco“.[18]

Dieser Zustand hält zwei Jahre an, bis sich ein Mönch vom Orden des San Jerónimo seiner an­nimmt und ihn heilt. Nun steht der Mann, der sich zuvor „Licenciado Vidriera“ (gläserner Lizen­ziat) nannte, vor dem Problem der Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Er möchte als res­pektierter Gelehrter ans Gericht zurückkehren und verfolgt weiterhin seinen Plan: „podía usar su oficio y hacerse famoso por él“.[19] Dies misslingt: Das Publikum, das ihm Beachtung be­scherte, als er verrückt war, wendet sich nun von ihm ab. Sie können mit ihm nichts anfangen, seine Anziehungskraft ist verflogen. Um nicht Hungers sterben zu müssen, da er in Salamanca keine Einkünfte mehr hat, begibt er sich nach Flandern, wo sich Valdivia auf­hält, um für sein Land zu kämpfen. Er stirbt einen ruhmvollen Tod und so wird ihm durch die Waffe die Ehre zuteil, die er mit dem Wort nicht erringen konnte: „dejando fama en su muerte de prudente y valentísimo soldado“.[20]

3.2 Struktur/Handlungsschema/Motivierung (discurso)

3.2.1 Kommunikationssituation

Auf der Ebene der narrativen Kommunikationssituation handelt es sich um einen heterodiegetisch-extradiegetischen Erzähler. Dieser tritt zwar oft fast gänzlich zurück, trotzdem ist er vor­handen und führt den Leser durch die Rahmenhandlung. Ab und zu kommentiert er wertend das Geschehen, z. B. bei der Begegnung mit dem Capitán, dem der Erzähler quasi vorwirft, er würde Tomás die Gefahren und Unannehmlichkeiten des Soldatenlebens verschweigen.[21]

Damit zusammenhängend kann man argumentieren, dass innerhalb der Novelle verschieden hohe Vermittlungsgrade zu Tage treten, also unterschiedlich stark vermittelte Rede. Dies kann festgemacht werden an verschiedenen Stufen von Distanz, die im Werk vorzufinden sind. So liegt zwar rein formal durchgehend indirekte Rede vor, jedoch tritt der Erzähler ab und zu (z. B. während der Reise) so sehr in den Hintergrund, dass quasi von erlebter Rede ge­sprochen werden kann. Während seiner Zeit als „Licenciado Vidriera“ ist Rede ab und zu die einzige erzählte Handlung und wird vom Erzähler kaum eingeführt: „Decía que […] farsanta.“[22] und „Decía que […] en la del pu(n)to.“[23] sind Beispiele für narrativierte Rede. Der Leser hat es also mit verschiedenen Stufen von Distanz zu tun.[24]

3.2.2 Motivierung und Handlungsschema

Diese Art der Vermittlung ist unmittelbar in Bezug zu setzen zur insgesamt schwachen Motivie­rung der einzelnen Handlungen und Passagen. Das stärkste verknüpfte, also handlungsfunktionale Motiv der Geschichte ist in den ersten Sätzen auszumachen, als Tomás berichtet, dass er den Namen seiner Eltern erst nenne, wenn er ihnen durch seine Taten Ehre erweisen könne. Dies solle durch das Studium geschehen: „[…] siendo famoso por ellos [die Studien]; porque yo he oído decir que de los hombres se hacen los obispos.“[25] Dieses Motiv leitet ihn fürderhin in all seinem Denken und Handeln. Auch die Reise tritt er ja an, da „las luengas peregrinaciones hacen a los hombres discretos“.[26]

Im Folgenden bleiben die Geschichte als Ganzes, aber auch die einzelnen Handlungen schwach motiviert. So liegt Tomás‘ Motiv, die berüchtigte Frau zu sehen, die ihm dann so großen Schaden zufügt, darin, dass er neugierig ist, ob er sie kennt, da sie ebenfalls in Flan­dern und Italien gewesen sei. Dieses Ereignis ist direkt verknüpft mit seinem Wahnsinn und ist somit ausschlaggebend für den restlichen Verlauf der Geschichte. Da es so konstruiert erscheint, liegt die Vermutung nahe, dass „irgendein“ Motiv hier das „unerhörte Ereignis“, den Wendepunkt oder Scheitelpunkt der Erzählung darstellen konnte.[27]

Nachfolgend beschreibt der Erzähler die Aneinanderreihung von verschiedenen Sinnsprüchen und Apophthegmata. Auch diese sind, wie schon gezeigt, nur lose verknüpft (im Grunde nur durch den Protagonisten) und teilweise gar nicht, teilweise schwach motiviert. Besondere Fi­gurenhandlung findet in diesem Teil nicht statt, der Leser hat es hier kaum noch mit einer „story“, sondern eher mit einem „plot“ zu tun.[28]

Wie Martinez/Scheffel zeigen, muss nicht jedes Motiv immer verknüpft sein und darüber hinaus ist nach der Art der Motivierung zu fragen. An kausalen Motiven liegen in „El licenciado vidriera“ eigentlich nur wenige vor (s. o.). Also kann man fragen, ob die Erzählung evtl. final motiviert ist. Einige Deutungen kommen zu diesem Ergebnis, besonders vor dem Hintergrund, dass der Protagonist infolge seines Ausschlusses aus der Gesellschaft stirbt. Dies liegt aber auch insofern nah, als dass es sich ja um eine exemplarische Novelle handelt, mit der der Autor etwas zeigen will. Die Mehrzahl der Motive sind jedoch kompositorischer Art. Häufig ist die Motivierung für die Sprechakte des Licenciado konstruiert. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele. Er wird entweder angesprochen und um Rat bzw. seine Meinung gefragt oder das Motiv entsteht aus dem Passieren bestimmter Orte. Diese Anlässe dienen einzig dazu, dem Licenciado eine Möglichkeit zur Äußerung zu geben.[29]

Auf der Ebene des Handlungsschemas müssen kurz die typischen Muster der Novelle ange­sprochen und auf „El licenciado vidriera“ übertragen werden: Was macht die Erzählung zu einer Novelle? Verkürzt handelt es sich um einen Menschen, der von einem „unerhörten Er­eignis“ aus der Bahn geworfen wird und in einem Zustand des Wahns landet. In diesem Zu­stand nimmt er die Rolle des „pícaro“ ein. Seine Heilung geschieht durch eine Fügung des Himmels (es ist der Mönch, der ihn heilt), doch kann er auch als „Normaler“ nicht glücklich werden. So stirbt er tragisch.

Es liegt zudem als novellentypisch eine Art Ausgangskonflikt vor: Wenn dieser nicht im gespal­tenen Verhältnis des Tomás zu seiner Umwelt auf der Hand liegt, so argumentiert mancher doch mit dem sozialen Aufstieg.[30] Darüber hinaus kann man mit Forcione den gläsernen Zustand des Tomás als Dingsymbol interpretieren.[31]

[...]


[1] Gelz S. 49.

[2] Einen mittlerweile etwas älteren Überblick über die Rezeptionsgeschichte liefert Michael Nerlich: „Juan Andrés to Alban Forcione: On the critical reception of the Novelas Ejemplares“, in: Nicholas Spadaccini/Nerlich (Hg.), Cervantes’s Exemplary Novels and the adventure of writing, Minneapolis 1989, S. 9-47.

[3] Vgl. z. B. Strosetzki, Christoph, Cervantes’ El licenciado vidriera und die Neugier, in: Leeker, Joachim und Elisabeth Leeker, Text – Interpretation – Vergleich, Berlin 2005, S. 561-576; Chevalier, Maxime, El Licenciado Vicriera y sus apotegmas, in: Couderc, Christophe und Benoît Pellistrandi (Hrsg.), Por discreto y por amigo: mélanges offerts à Jean Canavaggio, Madrid 2005, S. 35-38; Torres, Luc, Boca de todas verdades: Loco predicador, melancólico y bufonesco: Intento de caracterización de un loco literario, in: Civil, Pierre und Françoise Crémoux (Hrsg.), Actas del XVI Congreso de la Asociación Internacional de Hispanistas: Nuevos caminos del hispanismo… París, del 9 al 13 de julio de 2007. Madrid 2010.

[4] Vgl. Ricapito S. 1.

[5] Vgl. ebd. S. 4. Die Geschichte sei der „warp and woof of the novelas themselves“.

[6] Vgl. ebd. S. 70ff.

[7] Ebd. S. 78. Ricapito widerspricht demnach El Saffar in ihrer Einschätzung, Tomás scheitere an sich selbst (s. u.).

[8] Ebd. S. 82.

[9] Vgl. García Gallarín S. 44.

[10] Ebd. S. 43.

[11] Vgl. ebd. S. 47, Zitat S. 48.

[12] Das von Cervantes verwendete „hacen a los hombres discretos” (NE S. 46) ist eines der stärksten Argumente für die Überlegungen von Dümchen, die „discreto“ in diesem Zusammenhang versteht als Urteilsvermögen über die Dinge und ihre Einordnung. Es ist das Fehlen genau dieser Fähigkeit, das sie Tomás unterstellt. Vgl. Kap. 5.1 und 5.3.

[13] Der Eindruck einer „ tour de force “ wird verstärkt durch die Erzählart: „Desde allí…“, „Estuvo en ella cuatro dias…“, „Visitó sus templos, adoró sus reliquias y admiró su grandeza…“. NE S. 49ff.

[14] Alle direkten Zitate sind entnommen: Cervantes, Miguel de, Novelas Ejemplares, Bd. II, hg. von Harry Sieber, Madrid: Cátedra, 2000, hier: S. 53. Im Folgenden NE.

[15] Dunn S. 112.

[16] NE S. 53.

[17] Ein interessanter Aspekt ist, dass er hier die Vorteile des Glas-Zustands beschreibt, später aber ebenso hervorhebt, dass er besser argumentieren könne, weil er geheilt, also wieder normal, sei. Dass er also je nach Notwendigkeit seine Stärken betont, zeigt, dass er sich seiner Zustände bewusst ist und sie für sich einzusetzen weiß. Dazu bemerkt Forcione treffend, dass so die Reliabilität des Tomás in Frage steht: Es gebe einen starken Widerspruch zwischen der skrupellosen Stereotypisierung und seiner Selbsteinschätzung, feinsinnige Einsicht zu besitzen. Forcione S. 264.

[18] Vgl. NE S. 55.

[19] Ebd. S. 73.

[20] Ebd. S. 74.

[21] Vgl. ebd. S. 46.

[22] Ebd. S. 67.

[23] Ebd. S. 72f.

[24] Für El Saffar ist der Erzähler (zumindest in diesen Passagen) sogar zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Vgl. dies. S. 52.

[25] NE S. 43.

[26] Ebd. S. 46. Diese Aussage ist eines der stärksten Argumente in den Überlegungen von Dümchen, die „discreto“ in diesem Zusammenhang versteht als Urteilsvermögen über die Dinge und ihre Einordnung. Es ist das Fehlen genau dieser Fähigkeit, das sie Tomás unterstellt. Vgl. Kap. 5.1 und 5.3.

[27] Vgl. dazu auch Forcione S. 240.

[28] Vgl. Martinez & Scheffel, S. 109f.

[29] Im Hinblick auf „El licenciado vidriera“ kann man anfügen, was Martinez/Scheffel zur „gefühlten Unzulänglichkeit“ der Motivierung sagen: Häufig würde „eine fehlende oder unplausible Motivierung der Handlung als ästhetischer Fehler getadelt.“ Es „wäre bei solchen Vorwürfen jedoch zu präzisieren […], ob die immanente Poetik des betreffenden Textes möglicherweise anhand eines Standards von narrativer Kohärenzbildung verurteilt wird, dem sie gar nicht unterliegt.“ Dies trifft auf die Novelle zu. Vgl. ebd. S. 116.

[30] Vgl. dazu Kap. 2 und 5.3.

[31] Hier wird beispielhaft auf die umfangreichen Ausführungen von Forcione zum Dingsymbol (S. 241ff.) und von Ricapito (S. 88f.: Aufdecken des Bösen und der Dummheit) und El Saffar (S. 56ff.: Fragilität und Notwendigkeit von Distanz) zur Bedeutung des Glases verwiesen.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
„El licenciado vidriera“: Komplexer Gegenstand fortgesetzter literaturwissenschaftlicher Debatte
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Romanische Philologie)
Veranstaltung
PS Novelas Ejemplares
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V189176
ISBN (eBook)
9783656131113
ISBN (Buch)
9783656132806
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Novelas Ejemplares, Cervantes, Licenciado Vidriera, Literaturwissenschaft, Debatte, Forschung, Kontroverse, Analyse
Arbeit zitieren
Florian Kuhne (Autor), 2011, „El licenciado vidriera“: Komplexer Gegenstand fortgesetzter literaturwissenschaftlicher Debatte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189176

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