Thema des Seminars Identität und Selbst habe ich mich im Rahmen dieser Hausarbeit intensiv mit der Frage nach der Identität im Medienzeitalter beschäftigt. Mit Hilfe unterschiedlichster Autoren soll im Folgenden die Frage nach der Identität im Zusammenhang mit dem Internet betrachtet werden.
Es stellte sich mir die Frage, wie Identitätsbildung im Internet möglich ist, wenn jeder in der Lage ist sich zum Beispiel beim Chatten „eine zweite Haut zuzulegen“. In diesemZusammenhang sollen so genannte Multi-
User Domains/Dungeons (Definition folgt) unter dem Gesichtspunkt der Identitätsbildung betrachtet werden.
Ungleich interessant ist auch die Beleuchtung des Begriffes der virtuellen Identität, der von unserer heutigen Online-Gesellschaft geprägt wurde.
Wird eine bestehende Identität also, wenn sie im Internet ist gleichsam zur virtuellen, oder bezeichnen diese beiden Begriffe völlig unterschiedliche Facetten. Sollte letzteres zutreffen bleibt jedoch die Beziehung beider zueinander zu beleuchten.
Da Stigmata keine unbedeutende Rolle bei der Identitätsbildung spielen, soll das Internet auch in Punkto Stigmabewältigung analysiert werden unter dem Aspekt ihrer Bedeutung in der Virtualität.
Meine Motivation, mich mit oben genanntem auseinanderzusetzen, waren Fragen nach der Verantwortung für virtuelles Handeln, nach der Möglichkeit virtuelle Charaktere zu schaffen, oder der Auswirkung des Computers auf reale menschliche Beziehungen. Müssen Menschen, die im Internet eine andere Rolle spielen, als in ihrem „normalen Leben“ nicht
zwangsläufig einen Rollenkonflikt erleben?
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG:
2. DER VERSUCH EINER DEFINITION VON IDENTITÄT
2.1. Die Identität nach E. H. Erikson
3. ZUM STIGMABEGRIFF BEI E. GOFFMAN
4. DER COMPUTER UND DIE VIRTUELLE IDENTITÄT
4.1. Virtuelle Identität als Möglichkeit des Identitätswechsels
4.1.1 Mögliche Gründe für einen Identitätswechsel
4.1.2 Mögliche Folgen eines Identitätswechsels
4.2. Virtuelle Identität als Identitätsarbeit
5. MUDS
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Konstruktion und Problematik von Identität im digitalen Zeitalter. Im Zentrum steht die Frage, wie Identitätsbildung durch die Möglichkeiten des Internet – insbesondere in Multi-User Domains – beeinflusst wird und inwiefern sich die virtuelle Präsentation von Persönlichkeit von der realen Identität abgrenzt.
- Identitätstheoretische Grundlagen nach Erikson und Goffman
- Stigmabewältigung und soziale Identität im virtuellen Raum
- Auswirkungen von Identitätswechseln und "Scheinidentitäten"
- Virtuelle Welten als Orte der Identitätsarbeit und Kompensation
Auszug aus dem Buch
Virtuelle Identität als Identitätsarbeit
Virtuelle Identitäten können jedoch nicht nur Täuschungsversuche durch Scheinidentitäten darstellen, sondern durchaus auch jenseits von Täuschung und Lüge authentisch sein. So können Identitäten im Internet im besonderen Maße die Selbstoffenbarung und Selbsterkundung fördern und auf diesem Wege einen echten Beitrag zur Identitätsarbeit leisten. Diese Thesen werden zum Beispiel von Anke Bahl und Sherry Turkle vertreten. Die Ablösung der Netzkommunikation vom sonstigen Alltag befreit demnach die Individuen von sozialer Kontrolle und der mit dem äußeren Erscheinungsbild verbundenen sozialen Kategorisierung, Stereotypisierung und Stigmatisierung. Für die Person wichtige Selbst-Aspekte, die im Alltagskontext nicht ausgedrückt, oder ausgelebt werden können, kommen im Netz zum Vorschein und finden von Gleichgesinnten Zuspruch.
Anonyme virtuelle Räume, wie die MUDs reichen jedoch meiner Meinung nach nicht aus, um eine therapeutische Wirkung zu erzielen. Sie können in ihrer Funktion nur Hilfe zur Selbsthilfe sein, weil der Einzelne trotz des Treffens mit Gleichgesinnten nicht um die Aufarbeitung seiner Probleme herumkommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Die Autorin legt die Fragestellung dar, wie Identität im Zeitalter digitaler Kommunikation gebildet wird und ob sich Menschen im Internet eine "zweite Haut" zulegen.
2. DER VERSUCH EINER DEFINITION VON IDENTITÄT: Es werden klassische Konzepte von Identität skizziert, wobei insbesondere der Einfluss sozialer Spiegelungen und verschiedener Funktionsebenen wie Selbstkonzept und Selbstwertgefühl beleuchtet wird.
2.1. Die Identität nach E. H. Erikson: Dieses Kapitel erläutert Eriksons Stufentheorie, die menschliche Entwicklung als eine Abfolge von Krisen und deren Bewältigung beschreibt.
3. ZUM STIGMABEGRIFF BEI E. GOFFMAN: Goffmans Theorie über die soziale Stigmatisierung und die Unterscheidung verschiedener Identitätstypen bilden die Basis für die Analyse abweichender Verhaltensweisen.
4. DER COMPUTER UND DIE VIRTUELLE IDENTITÄT: Es wird analysiert, wie moderne Technologien als Plattformen für die Konstruktion neuer, oft idealisierter Persönlichkeiten dienen.
4.1. Virtuelle Identität als Möglichkeit des Identitätswechsels: Dieses Kapitel untersucht, wie technische Anonymität den Wechsel zwischen verschiedenen Rollen erleichtert und soziale Barrieren reduziert.
4.1.1 Mögliche Gründe für einen Identitätswechsel: Es werden Motive wie Flucht aus der Realität, Schutz vor Diskriminierung oder schlichtes Freizeitvergnügen erörtert.
4.1.2 Mögliche Folgen eines Identitätswechsels: Hier werden die Risiken, wie Identitätstäuschungen und die psychologischen Auswirkungen auf das reale Leben, diskutiert.
4.2. Virtuelle Identität als Identitätsarbeit: Das Kapitel beleuchtet, wie das Internet als Raum für authentische Selbstexploration dienen kann, fernab von täuschenden Scheinidentitäten.
5. MUDS: Es wird die Funktionsweise von Multi-User Domains erklärt und deren Potential für Identitätsspielereien anhand von Theorien von Sherry Turkle untermauert.
6. FAZIT: Abschließend wird resümiert, dass die Entkopplung von Identität und Körper in der Online-Welt neue Freiheiten bietet, jedoch auch neue soziale Dynamiken und Risiken birgt.
Schlüsselwörter
Identität, Selbstkonzept, Internet, Virtuelle Identität, MUDs, Stigmatisierung, E. H. Erikson, E. Goffman, Sherry Turkle, Identitätswechsel, Anonymität, Digitale Kommunikation, Soziale Rolle, Scheinidentität, Selbstoffenbarung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Hausarbeit?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen dem menschlichen Identitätsverständnis und den Möglichkeiten, die das Internet zur Konstruktion virtueller Persönlichkeiten bietet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Identitätsbildung, die Übertragung klassischer Rollentheorien auf den digitalen Raum, der Umgang mit Stigmatisierung sowie die psychologischen Aspekte von virtuellen Identitätswechseln.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Nutzer im Internet neue Rollen annehmen, welche Motive dahinterstehen und ob dies als bloße Täuschung oder als wertvolle Form der Identitätsarbeit zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse, indem sie Konzepte der historischen Anthropologie (Erikson) und der interaktionistischen Rollentheorie (Goffman) heranzieht, um die Phänomene des digitalen Identitätshandelns zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Erikson und Goffman, die Untersuchung des Computers als Medium für virtuelle Identität sowie eine spezifische Betrachtung von MUDs als experimentelle Räume für das Selbst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Identität, Stigmatisierung, virtuelle Identität, Anonymität und Rollenkonflikt charakterisiert.
Inwiefern spielen MUDs eine besondere Rolle für die Argumentation?
MUDs werden als praxisnahe Beispiele für textbasierte, virtuelle Welten angeführt, in denen Nutzer ihre Identität frei gestalten und spielerisch neue Facetten ihres Selbst erproben können.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Identität im Internet?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Ablösung von der physischen Gebundenheit im Netz zwar neue Freiräume zur Identitätsarbeit schafft, aber auch die Herausforderung birgt, diese virtuellen Erfahrungen in das reale Leben zu integrieren, ohne in eine bloße Flucht vor der Realität zu verfallen.
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- Ines Lenz (Author), 2002, Welche Identität ziehe ich heute an? Zur Identitätsproblematik im Internet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18918