Women and Gender Relations in Theodore Dreiser's 'The Financier'


Seminararbeit, 2011

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „The Financier“
2.1 Charakterisierung Frank Cowperwoods
2.2 Mrs. Cowperwood, Sr.
2.3 Patience Barlow
2.4 Lillian Semple
2.5 Aileen Butler

3. Darstellung der Frauen in weiteren Werken Theodore Dreisers
3.1 The Titan
3.2 Sister Carrie

4. Schlusswort

5. Quellenangaben

Frauen und Geschlechterverhältnisse in Theodore Dreisers

„The Financier“

1. Einleitung

Gegenstand dieser Hausarbeit wird es sein, anhand von Theodore Dreisers Roman The Financier (dt. „Der Financier“) aufzuzeigen, wie die Frauen in der Gesellschaft des späten 19. Jahrhunderts, der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in den USA, angesehen wurden. Zudem wird versucht zu verdeutlichen, wie sich diese selbst in der Gesellschaft einordneten und welche Aufgaben sie sich selbst zuteilten.

Um dies herauszufinden, wird vor allem auf die Hauptfigur Frank Cowperwood eingegangen, denn ohne dessen Charakter und Lebensgeschichte zu analysieren, ist es gar unmöglich zu erkennen, wie Dreiser die Frauen darstellen wollte. Der Protagonist Frank dient hierbei als Hilfsmittel um die Rolle der weiblichen Charaktere genau zu untersuchen. Im Einzelnen wird dargelegt, wie stark Frank Cowperwoods Einstellung zur Frau schon im Kindesalter geprägt wurde bzw. wie wenig Aufmerksamkeit seine Eltern der Entwicklung seiner sozialen Kompetenz schenkten.

Außerdem wird neben dem Roman selbst auch auf diese Werke eingegangen: The Titan und Sister Carrie.

2. „The Financier“

2.1 Charakterisierung Frank Cowperwoods

The Financier ist der erste Teil der Trilogie der Begierde (Trilogy of Deisire), die zudem The Titan und The Stoic umfasst und wurde 1912 von Harper & Brothers veröffentlicht. Der Protagonist Frank Cowperwood ist eine fiktive Person, dessen Lebensgeschichte aber auf der des amerikanischen Financiers Charles Tyson Yerkes[1] basiert. Er ist die Hauptfigur aller Teile der Trilogie. Geboren und aufgewachsen in Philadelphia, lernt Frank Cowperwood dank seines Vaters, dem erfolgreichen Bankangestellten Henry Cowperwood, sehr schnell, wie man mit Geld umgeht („His father, pleased at his interest, was glad to explain“[2] ) und ist fasziniert von der Idee, über wie viel Macht eine Person verfügt, wenn sie auch nur eine kleine Menge an Geld besitzt („He began to see what was meant by money as a medium of exchange“[3] ). Schon in frühen Jahren beschließt er, später große Geldgeschäfte zu machen. Er ist gerade mal 13 Jahre alt, als er an einem Auktionshaus vorbei läuft und sein Interesse am Warenhandel geweckt wird. Der junge Cowperwood stürmt ins Geschäft und bietet auf mehrere Packungen Seife, die er zum doppelten Preis verkauft und somit sein erstes eigenes Geld verdient[4]. Nicht nur seinem Vater und dem reichen Onkel Seneca wird jetzt offenkundig, dass Frank Cowperwood künftig viel Geld verdienen wird, sondern auch Frank selbst („He was a financier by instinct“[5] ) – er kann an nichts anderes mehr denken, als frühzeitig seinen Schulabschluss zu machen und Geld zu verdienen.[6]

Das Ziel, einen hohen finanziellen und sozialen Standard zu erreichen, veranlasst Frank dazu, ein imposantes Selbstbild zu haben, da seines Erachtens nur selbstsichere Menschen genug Reife besitzen, um sich gekonnt durchzusetzen – sowohl im Geschäfts-, als auch im Privatleben. Folglich zeigt er sich souverän und willensstark und nutzt seine zwischenmenschlichen Fähigkeiten und seinem hervorstechenden Aussehen, um bei Frauen Aufsehen zu erregen. Ebenfalls ausschlaggebend für die Charakterzüge, die sich in Frank schon sehr früh entwickelten, sind die Familienverhältnisse, in denen er aufgewachsen ist: Neben einer jüngeren Schwester hatte Frank auch zwei kleinere Brüder, zu dessen streitlustigem Anführer er von selbst wurde („natural-born leader“[7] ). Gemeinsam zogen sie los und kamen mit neuen Schimpfwörtern nach Hause, womit sie ihre Mutter nicht zu Unrecht verärgerten.

Es darf stark davon ausgegangen werden, dass Frank Cowperwoods Kindheit, der Umgang seiner Eltern mit ihm, besonders der der Mutter, Franks Wesen und seine Einstellung gegenüber seinen Mitmenschen zeichneten. Darüber hinaus darf gesagt werden, dass Franks angespannte Beziehung zu seiner Mutter irreparable Schäden in seinem Bewusstsein auslöste, sodass er keine langfristige Beziehung zu einer Frau führen konnte. Auf dies wird im Folgenden vereinzelt eingegangen.

2.2 Mrs. Cowperwood, Sr. - Mutter von Frank Cowperwood

Obwohl Franks Mutter – in The Financier als ‚Mrs. Cowperwood Sr.’ bezeichnet – zwar keine der Hauptrollen spielt, ist sie dennoch wichtig für die Analyse der Frauenrolle im Roman.[8]

Als Frau des Bankangestellten Henry Cowperwood wird sie als nüchterne, prüde Hausfrau beschrieben, die in ihren guten Tagen noch Attraktivität ausstrahlte, welche aber im Alltag mit vier Kindern und einem diensteifrigen Ehemann verloren ging. Obwohl man einer Mutter nicht vorwerfen kann, sich nicht genug um ihr Kind zu sorgen, schaffte es Frau Cowperwood dennoch, Frank das Gefühl zu geben, seine Wünsche seien ihr gleichgültig: Als es beispielsweise darum geht zu entscheiden, ob Frank bei seinem sicheren Job als Buchhalter bleiben soll oder das Sprungbrett zu seinem eigentlichen Traumberuf, dem Banking, nutzen soll, ist seine Mutter dafür, kein Risiko einzugehen, d.h. bei der alten Arbeit zu bleiben und somit seine Wünsche außer Acht zu lassen. Ein noch relevanteres Beispiel für die Gleichgültigkeit der Mutter gegenüber Frank ist der Vorfall mit dem Hummer und dem Tintenfisch, den der junge Cowperwood mit vollem Interesse beobachtet. Jeden Tag fragt er sich, welcher von den beiden auf Kosten des Anderen überleben wird. Als der Hummer nun endlich den Tintenfisch tötet um selbst überleben zu können, überträgt Frank dieses Geschehen auf den regulären Lebenskreislauf in dem er sich selbst befindet:

„ Lobsters lived on squids and other things. What lived on lobsters? Men, of course! Sure, that was it. And what lived on men? he asked himself. Was it other men?“[9]

Es muss immer jemand büßen, damit der Andere überleben kann. So beschließt er, derjenige zu sein, dem es immer gut geht – der Hummer. Als er seiner Mutter über diese Erkenntnis berichten möchte, zeigt sie im Alltagsstress wenig Interesse und fordert ihn lediglich auf, seine Hände waschen zu gehen. Obwohl auf die Kindheit Franks nicht weiter eingegangen wird, ist anzunehmen, dass sich Situationen dieser Art, in denen Frank sich mehr Beachtung von Seiten seiner Mutter gewünscht hätte, wiederholten. Solche Ereignisse bleiben in einem Kind haften und wirken sich auf dessen Zukunft, besonders auf den späteren Umgang mit Mitmenschen, aus. Frank hat gemerkt, dass seine Mutter sich nicht für die Dinge interessiert, an denen er selbst Gefallen findet und hat es aufgegeben, sie damit zu konfrontieren. Im Gegensatz zur Mutter, teilte der Vater zumindest sein Interesse im Banking und der Aktiengesellschaft. Seine Mutter jedoch sah er nur als Hausfrau, die sich darum sorgte, ob ihr Kind genug Geld verdient, um der Familie zu helfen. Nachdem Frank im Auktionshaus sein erstes Geld verdient hat, schaut sie ihren Sohn verwundert an:

„‘Well, Frank, I hope you can do that often,‘ she said.

‘I hope so, too, ma,‘ was his rather noncommittal reply.“[10]

Diese verkrampfte Beziehung zu seiner Mutter wirkte sich später auf sein Privatleben aus.

2.3 Patience Barlow – Franks erste Freundin

Das erste Mädchen, für das sich Frank Cowperwood interessiert, ist Patience Barlow: ein zierliches, hübschen Mädchen aus einer religiösen Familie. Er ist so sehr angetan von der Schönheit die sie ausstrahlt, dass er all seinen Mut zusammennimmt und sie anspricht. Da sich dies kurz nach seinem ersten Geschäft im Auktionshaus ereignet, fällt es Frank nicht sehr schwer, selbstbewusst und entschlossen auszutreten. Frank fühlt sich wohl in der Rolle des selbstbewussten Schönlings, den die Mädchen bewundern und nutzt jede Gelegenheit aus, um in Kontakt mit diesen zu kommen. Dreiser erwähnt jedoch nicht, dass Frank an den Mädchen selbst interessiert ist, sondern nur am körperlichen Kontakt mit ihnen und immer wieder wird erwähnt welch schönes Äußeres seine zahlreichen Freundinnen ausmacht:

„Marjorie Stafford was as fair as the morning, with bright red cheeks, bluish-gray eyes, and flaxen hair, and as plump as a partridge.“[11]

Schon in seinen frühen Jahren merkt man, wie sehr Frank Cowperwood auf das Aussehen von Frauen fixiert ist und die Art wie Theodore Dreiser die Frauen damit umgehen lässt, zeigt, dass Frauen diese Rolle mit Vorliebe vertreten und gerne nur die Augenweide der Männer sind. Sie scheinen sich damit abzufinden, dass von ihnen nicht mehr verlangt wird, als die Oberfläche aufrecht zu erhalten. Wie wir aber im Folgenden sehen werden, fängt auch diese Oberfläche an zu bröckeln und der permanente Glanz verblasst im Laufe der Zeit.

2.4 Lillian Semple – Franks erste Ehefrau

Nachdem Frank sich an seinen vielen schönen Freundinnen sattgesehen hat, entdeckt er eine Frau, die ihn auf eine andere Art und Weise anzieht, als es die jungen Mädchen bisher getan haben.

Lillian Semple ist die Frau eines reichen Schuhgeschäft-Inhabers, der mit Frank Geschäfte machen möchte. Mit ihren reifen 24 Jahren – er ist gerade mal 19 – zieht sie seine Aufmerksamkeit auf sich, ohne es darauf angelegt zu haben. Er denkt, sie könnte die perfekte Ehefrau für ihn sein: Nicht zu alt, da ihr schönes Aussehen und ihre Unerfahrenheit sie jünger wirken lassen und nicht zu jung, da sie eine bestimmt Gelassenheit mit sich bringt, die Reife ausstrahlt („She was not brilliant, not active, but rather peaceful and statuesque without knowing it“[12] ). Dreiser gelingt es, Lillian als guten Gegensatz zu Frank zu kreieren. Bereits die Namenswahl ist sehr beeindruckend. Der Name Lillian kann nämlich neben der Blume, auch eine Kurzform von Elizabeth sein[13]. Ein religiöser Name ist genau auf Frau Semple, die konservativ und zurückhaltend auftritt und nicht viel von sich selbst preisgibt, abgestimmt. Im Gegenzug dazu, kann Franks Name so viel wie ‚frei’ bedeuten[14]. Damit schafft Dreiser zwei sehr unterschiedliche Figuren, die sich, wie Gegensätze dies bekanntlich oft tun, auch in diesem Fall stark anziehen.

Frank kann nicht sagen, was ihn genau an Lillian fasziniert, aber sicher ist, dass er sie nicht so leicht vergessen wird. Die Tatsache, dass Lillian Semple verheiratet ist, steigert die Begierde in Frank nach ihr noch mehr und er tut alles um sie so oft wie möglich zu sehen. Man könnte sogar meinen, dass Frank sich zu ihr nur so stark hingezogen fühlt, da sie in festen Händen und somit für ihn unerreichbar ist. Sobald er sieht, dass es für ihn eine Herausforderung sein könnte etwas zu bekommen oder sogar zu besitzen, sei es nun Geld, ein Haus oder in diesem Falle eine Frau, so strengt Frank sich noch mehr an, um das zu erreichen, wonach er sich sehnt („As yet, Cowperwood’s judgement of women was temperamental rather than intellectual.“[15] ; „her indifference aroused perhaps his combative soul“[16] ). Es ist seine Begierde nach ihr, die sich bis hin zur grenzenlosen Sehnsucht steigert.

Als Lillian Semples Ehemann stirbt, steht Frank ihr stets als Freund beiseite und hilft ihr mit ihren Finanzen. Ein paar Monate später, als Frank den Entschluss fasst, um Lillians Hand anzuhalten, reagiert diese hysterisch und möchte nichts davon wissen. Sie denkt es sei viel zu wenig Zeit vergangen seit dem Tod ihres Mannes, der Altersunterschied sei zu groß und Leute würden schlecht von ihnen reden („People won’t think well of it.“[17] ). Frank jedoch, selbstbewusst wie er ist, schafft es trotzdem Lillian davon zu überzeugen, dass er der Richtige für sie ist. Sie soll aufhören sich für die Meinung anderer zu interessieren und sich mehr um ihr eigenes Wohl kümmern, so wie er es selbst tut. Nach dem Tod ihres Mannes im Selbstbewusstsein geschwächt, sieht Lillian keine bessere Aussicht für ihre Zukunft als die Heirat mit Frank: Er kann sich weiterhin um ihre Finanzen und um das Geld ihres verstorbenen Mannes kümmern, sie kann ihm vertrauen und er hat selbst eine gut bezahlte Arbeit, sodass sie sich um ihre Zukunft keine Sorgen machen muss. Diese finanzielle Absicherung reicht Lillian, um die Heirat einzuwilligen.

[...]


[1] http://www.chicago-l.org/figures/yerkes/

[2] Dreiser, Theodore: The Financier. Penguin Books 2008, S. 8.

[3] ebd.

[4] a.a.O., S. 14-18.

[5] a.a.O., S. 8.

[6] a.a.O., S. 13. „I don’t want to be a boy. I want to get to work.“

[7] a.a.O., S. 3.

[8] Pattison, Roberta Margaret: Women in Dreiser's Cowperwood Trilogy. 1976, S. 6

[9] Dreiser: The Financier, S. 5.

[10] a.a.O., S. 19.

[11] Dreiser: The Financier, S. 21.

[12] a.a.O., S. 38.

[13] http://babynamesworld.parentsconnect.com/meaning_of_Elizabeth.html

http://www.baby-vornamen.de/Maedchen/L/Li/Lillian/

[14] http://babynamesworld.parentsconnect.com/meaning_of_Frank.html

[15] Dreiser: The Financier, S. 38.

[16] a.a.O., S. 48.

[17] a.a.O., S. 53.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Women and Gender Relations in Theodore Dreiser's 'The Financier'
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (FTSK Germersheim)
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V189180
ISBN (eBook)
9783656133209
ISBN (Buch)
9783656132332
Dateigröße
941 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theodore Dreiser, The Financier, Sister Carrie, Schwester Carrie, Der Financier, Gender Relations, Stoiker, Trilogie der Begierde, Geschlechterverhältnisse, Frauenrolle
Arbeit zitieren
Mariam M. (Autor:in), 2011, Women and Gender Relations in Theodore Dreiser's 'The Financier' , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189180

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