Die Dokumentation entstand im Kontext des Hauptseminars „Sachtexte lesen, verstehen und analysieren“ im Wintersemester 2010/11. Im Seminar wurden die wesentlichen Einflussfaktoren auf den Umgang und das Verstehen von nicht-fiktionaler Literatur näher betrachtet. Bei der vorliegenden Ausarbeitung handelt es sich um die vertiefende Verschriftlichung des im Seminar referierten Teilthemas „Textverständlichkeit“. Neben den theoretischen Grundlagen zur Textverständlichkeitsforschung sollten dabei auch verschiedene Modelle der Bestimmung von Textschwierigkeit vorgestellt werden. Zu den vier Determinanten der Lesekompetenz gehört die Beschaffenheit des Textes. Sie umfasst sowohl inhaltliche als auch strukturelle Merkmale des Textes, also Faktoren, die der Verständlichkeit eines Textes zu- oder abträglich sein können. Um der vorrangigen Funktion dieser Arbeit, das Referat zu reflektieren und sich mit der Thematik vertiefend zu befassen, gerecht zu werden, werden zwei der vorgestellten Modelle zur Bestimmung der Textschwierigkeit durch die direkte Anwendung an zwei ausgewählten Textbeispielen praktisch gegenübergestellt. Den didaktischen Zielstellungen des Seminars folgend, werden die resultierenden Ergebnisse als Grundlage zur Erstellung einer didaktischen Empfehlung zur Beurteilung des Schwierigkeitsgrades von Sachtexten herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Textverständlichkeit – Wie schwierig ist ein Text?
2.1 Begriffsklärung und -abgrenzung
2.2 Textverständlichkeit – ein Forschungsüberblick
2.3 Textverständlichkeitsmodelle
2.3.1 Hamburger Verständlichkeitskonzept
2.3.2 Verständlichkeitsdimensionen nach Groeben
2.3.3 Kategorien der Textverständlichkeit
2.4 Lesbarkeitsformel
3. Praktische Anwendung
3.1 Anwendungen der Konzepte auf einen Sachtext
3.2 Textproduktionen auf Basis der Verständlichkeitsmodelle
4. Didaktische Empfehlungen zur Bestimmung der Schwierigkeit von Texten in der Schule
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Dokumentation analysiert verschiedene wissenschaftliche Modelle zur Bestimmung der Textverständlichkeit und deren Anwendbarkeit im schulischen Kontext. Ziel ist es, die theoretischen Ansätze (wie das Hamburger Konzept oder die Kategorien von Willenberg) kritisch zu beleuchten und für die pädagogische Praxis der Sachtextbewertung nutzbar zu machen.
- Grundlagen der Textverständlichkeitsforschung und Lesbarkeitsmodelle.
- Vergleichende Analyse kognitions- und instruktionspsychologischer Ansätze.
- Praktische Überprüfung von Modellen anhand von Sachtexten.
- Entwicklung didaktischer Empfehlungen für die Unterrichtspraxis.
Auszug aus dem Buch
3.2 Textproduktionen auf Basis der Verständlichkeitsmodelle
Der aus dem griechischen stammende Begriff der Apodemik, sinngemäß „auf Reisen sein“, bezeichnet eine, seit dem 16. Jahrhundert im europäischen Sprachraum aufkommende Gattung wissenschaftlich orientierter Reiseliteratur. Apodemiken hatten einen nicht unwesentlichen Anteil am verstärkt einsetzenden Reiseverkehr zu Beginn der Frühen Neuzeit und den darauf folgenden Publikationen oder Produktionen schriftlicher Werke. So effiziert sie die steigende Beliebtheit der Reisebeschreibung als die literarischen Form der Aufklärung. Im Verlauf der Frühen Neuzeit erfährt sich zunehmend einen Inhalts- und Zweckwandel. Anfänglich in rein lateinischer Sprache verfasst um das Reisen zu einer Kunst zu erheben und die Nützlichkeit und Schädlichkeit von Reisen zu erörtern, nahmen sie progressiv den Charakter eines Reiseführers an, in dem detaillierte Anweisungen für Vorbereitung, Durchführung und Reflexion von Reiseunternehmungen beschrieben und zunehmend Fragenkatalogen für eine wissenschaftsfundierte statistische Datenerhebung der bereisten Länder vorgegeben wurden.
Ihr Wandel zielte auf eine Standardisierung des Reisens und der damit einhergehenden Reiseliteraturproduktion ab. Bekannte Verfasser überlieferter Apodemiken waren u.a. Theodor Zwinger, Christoph Riegel, Julius Bernhard von Rohr, Leopold Graf v. Berchtold oder Franz Posselt. In fast jedem apodemischen Werk wird das Schreiben eines Reisetagebuchs empfohlen, das nach der Reise zweckmäßig überarbeitet und veröffentlicht werden sollte: „Auf der Reise habe die Schreibtafel stets in Händen, darein du alle Tage aufnotirest, was du denkwürdiges siehest und hörest, mit wem du bekand wirst, usw. […]. Du kanst bey deiner Zurückkunft anderen guten Freunden mit den Nachrichten dienen […]“ (Posselt 1795). Die Ablösung der Apodemik durch den Reiseführer, ist auf den Reiseboom zurückgeführt und wird im 19. Jahrhundert durch die Publikation dutzender Reiseführer und literarischer Reiselektüren deutlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Diese Einleitung verortet das Thema im Rahmen eines Seminars und definiert die Relevanz der Textverständlichkeit für den Umgang mit Sachtexten im Deutschunterricht.
2. Textverständlichkeit – Wie schwierig ist ein Text?: Dieses Kapitel bietet einen theoretischen Überblick über verschiedene Modelle und Forschungszweige zur Messung von Textschwierigkeit und Lesbarkeit.
3. Praktische Anwendung: Hier werden die vorgestellten Modelle konkret auf zwei verschiedene Sachtexte angewandt, um ihre Eignung und Präzision in der Praxis zu prüfen.
4. Didaktische Empfehlungen zur Bestimmung der Schwierigkeit von Texten in der Schule: Das Kapitel liefert konkrete Leitfragen und Empfehlungen für Lehrkräfte, um die Komplexität von Texten für den Unterricht systematisch einzuschätzen.
Schlüsselwörter
Textverständlichkeit, Textqualität, Hamburger Verständlichkeitskonzept, Lesbarkeit, LIX-Formel, kognitive Strukturierung, Sachtextanalyse, Deutschunterricht, Didaktik, Lesekompetenz, Textschwierigkeit, Sprachdidaktik, Instruktionspsychologie, Kohärenz, Apodemik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert wissenschaftliche Modelle zur Bewertung der Textschwierigkeit und untersucht deren Anwendbarkeit für die schulische Praxis.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Langer, Schulz von Thun, Tausch, Groeben und Willenberg sowie die praktische Anwendung von Lesbarkeitsformeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein handhabbares System für Lehrkräfte zu entwickeln, um Sachtexte hinsichtlich ihrer Verständlichkeit für Schüler zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Herleitung der Modelle, gefolgt von einer fallorientierten, vergleichenden Anwendung der Kriterien auf ausgewählte Sachtexte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die theoretischen Konzepte, ihre Stärken und Schwächen und vergleicht diese bei der Anwendung auf konkrete Textbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Textverständlichkeit, Sachtextanalyse, didaktische Reduktion, Lesekompetenz und Textschwierigkeit.
Warum ist das Hamburger Verständlichkeitskonzept für die Schule relevant?
Es bietet vier klare Dimensionen (Einfachheit, Gliederung, Kürze, Anregung), die Lehrkräften helfen, Texte strukturiert zu beurteilen.
Wie unterscheiden sich die Modelle von Groeben und Willenberg?
Während Groeben einen theoretisch-deduktiven Ansatz verfolgt und kognitive Strukturierung betont, fokussiert Willenberg stärker auf pädagogisch-didaktische Kategorien.
Welche Bedeutung haben Lesbarkeitsformeln wie die LIX-Formel?
Sie dienen als quantitativer Vorabfilter, der jedoch die inhaltliche und didaktische Tiefe eines Textes vernachlässigt und nur die oberflächliche Schwierigkeit misst.
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- Katja Wolf (Author), 2010, Verständlichkeit von Texten , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189226