Afrika ist der konfliktreichste Kontinent der Welt. In keinem anderen Erdteil mussten die Vereinten Nationen (UN) so oft militärisch eingreifen wie auf dem schwarzen Kontinent. Nachdem sich die Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat in der Zeit des Kalten Krieges weitestgehend gegenseitig blockiert hatten, kam es in der Endphase des Ost-West-Konfliktes zu einer Expansion an UN-Friedensmissionen.1 Das machte sich gerade auch auf dem afrikanischen Kontinent bemerkbar, der „zu einem Hauptschauplatz der friedenssichernden Operationen der Weltorganisation“ wurde.2
War es seit dem ersten bewaffneten Einsatz von UN-Blauhelmtruppen im Kongo (ONUC, 1960-1964) bis zum Ende der achtziger Jahre zu keinem einzigen weiteren afrikanischen UN-Einsatz gekommen, so wurden seitdem insgesamt 16 weitere UN-Friedensmissionen auf dem afrikanischen Kontinent zu Ende geführt.3 Dabei hat die internationale Gemeinschaft in den 90er Jahren teilweise sehr schlechte Erfahrungen mit militärischen Einsätzen auf dem afrikanischen Kontinent gemacht. Nach dem ausbleibenden Erfolg des Einsatzes UNOSOM I in Somalia verabschiedete der UN-Sicherheitsrat 1992 die Resolution 794, die ein neues Kapitel in der Geschichte des UN-Peacekeeping eröffnete. In der Resolution heißt es:
„The Security Council […] endorses the recommendation by the Secretary General […] that action under Chapter VII of the Charta of the United Nations should be taken in order to establish a secure environment for humanitarian relief operations in Somalia as soon as possible.”4
Auf dieser Grundlage kam es mit der nach Kapitel VII der UN-Charta (Maßnahmen bei Bedrohung oder Bruch des Friedens und bei Angriffshandlungen) ermächtigten Militäraktion Unified Task Force (UNITAF) für Somalia zur ersten humanitären UN-Intervention.5
Inhaltsverzeichnis
- Afrikanische Konflikte und militärisches Eingreifen
- Die Gründung der Afrikanischen Union (AU)
- Die Sicherheitsarchitektur der AU
- Sudan und der Ausbruch des Darfur-Konflikts
- Der Militäreinsatz der AU in Darfur (AMIS) und die Folgen
- Die Friedensmission von UN und AU in Darfur („Hybridmission“ UNAMID)
- Bewertung des militärischen Engagements der AU in Darfur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Sicherheitsarchitektur der Afrikanischen Union (AU) im Kontext des Darfur-Konflikts in Sudan. Sie untersucht die Herausforderungen und Chancen des militärischen Engagements der AU in der Region und beleuchtet die Rolle der AU im Rahmen der internationalen Friedensbemühungen.
- Die Herausforderungen der Friedenskonsolidierung in Afrika
- Die Entwicklung und Umsetzung der Sicherheitsarchitektur der AU
- Die Rolle der AU im Darfur-Konflikt und die Bewertung des militärischen Engagements
- Die Zusammenarbeit zwischen der AU und den Vereinten Nationen
- Die Perspektiven für die Sicherheitsarchitektur der AU in der Zukunft
Zusammenfassung der Kapitel
- Afrikanische Konflikte und militärisches Eingreifen: Dieses Kapitel behandelt die Geschichte des militärischen Engagements der Vereinten Nationen in Afrika, die Herausforderungen der Friedenskonsolidierung und die Entwicklung neuer Ansätze im Bereich des Peacekeeping.
- Die Gründung der Afrikanischen Union (AU): Hier wird die Entstehung und Entwicklung der AU sowie ihre Ziele und Strategien im Bereich der Friedensförderung beleuchtet.
- Die Sicherheitsarchitektur der AU: Dieses Kapitel präsentiert die zentralen Elemente der Sicherheitsarchitektur der AU, einschließlich der Afrikanischen Friedenseinrichtung (APF) und des Friedens- und Sicherheitsrats.
- Sudan und der Ausbruch des Darfur-Konflikts: Dieses Kapitel beleuchtet die Ursachen des Darfur-Konflikts und stellt die beteiligten Akteure und deren Interessen vor.
- Der Militäreinsatz der AU in Darfur (AMIS) und die Folgen: Hier werden die Ziele, Herausforderungen und Folgen des Militäreinsatzes der AU in Darfur analysiert.
- Die Friedensmission von UN und AU in Darfur („Hybridmission“ UNAMID): Dieses Kapitel untersucht die Entstehung und Entwicklung der UNAMID sowie ihre Rolle im Rahmen der internationalen Friedensbemühungen.
Schlüsselwörter
Afrikanische Union, Darfur-Konflikt, Friedenskonsolidierung, Sicherheitsarchitektur, Peacekeeping, AMIS, UNAMID, Sudan, Afrikanische Friedenseinrichtung, Friedens- und Sicherheitsrat, internationale Zusammenarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Sicherheitsarchitektur der Afrikanischen Union (AU)?
Es handelt sich um ein System zur Konfliktprävention und Friedenssicherung in Afrika, zu dem Instrumente wie der Friedens- und Sicherheitsrat und die Afrikanische Friedenseinrichtung gehören.
Welche Rolle spielte die AU im Darfur-Konflikt?
Die AU intervenierte mit der Mission AMIS im Sudan, um den Konflikt einzudämmen. Später wurde diese in die Hybridmission UNAMID zusammen mit den Vereinten Nationen überführt.
Warum gilt Afrika als Kontinent mit den meisten UN-Einsätzen?
Aufgrund zahlreicher bewaffneter Konflikte und Krisen wurde Afrika seit den 1990er Jahren zum Hauptschauplatz für internationale friedenssichernde Operationen.
Was ist eine "Hybridmission" im Kontext von Peacekeeping?
Eine Hybridmission, wie UNAMID in Darfur, ist ein gemeinsamer Militäreinsatz von zwei Organisationen (hier UN und AU), um Ressourcen und regionale Expertise zu bündeln.
Welche Herausforderungen gibt es bei Friedensmissionen in Afrika?
Herausforderungen sind oft mangelnde Finanzierung, logistische Probleme, politische Blockaden im Sicherheitsrat und die Komplexität lokaler Konfliktursachen.
- Quote paper
- Benjamin Reichenbach (Author), 2008, Die Sicherheitsarchitektur der Afrikanischen Union (AU) und der Darfur-Konflikt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189238