Rolf Schwendters "Theorie der Subkultur". Eine kritische Auseinandersetzung


Referat (Ausarbeitung), 2006

20 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Über Rolf Schwendter
2.2. Definition Subkultur
2.3. Die Gesellschaftspyramide
2.4. Die subkulturelle Historie nach Rolf Schwendter
2.4.1. 1800 bis
2.4.2. 1848 bis 1871
2.4.3. 1871 bis
2.4.4. 1918 bis 1933
2.4.5. 1933 bis
2.4.6. 1945 bis 1960
2.5. Der Begriff Norm am Beispiel der Hell´s Angels
2.6. Beispiele heutiger Subkulturen
2.7. Jugend in der Subkulturtheorie

3. Schluss

4. Anhang

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Referatsverschriftlichung wurde angefertigt für das Seminar „DaSein- Jugendliche Lebenswelt und lebensweltliche Jugendliche“ mit André Richter. Es behandelt Rolf Schwendter und sein Werk „Theorie der Subkultur“, geschrieben 1970 und erstmals erschienen 19731. Als Grundlage benutzten wir die vierte Auflage mit einem neuen Nachwort, erschienen 1993 in der Europäischen Verlagsanstalt2.

Unsere Aufgabenstellungen lauteten wie folgt:

- Geben Sie einen Überblick über die wesentlichsten Aussagen (Kernthesen, Kernbegriffe) des Theorieentwurfes.
- Welche Merkmale sind für die Jugendentwicklung innerhalb des Ansatzes maßgeblich?
- In welcher Form ist von jugendlicher/jugendkultureller Autonomie die Rede?
- Welchen Beitrag spielen primäre und sekundäre Sozialisationsinstanzen (Familie, Schule, peers) innerhalb des Theorieentwurfes?
- Problematisieren Sie die Grundannahmen des Entwurfes für die gegenwärtige Auseinandersetzung von Bildung und Erziehung.3

Wir werden nun auf diese Aufgabenstellungen eingehen und darüber hinaus für uns wichtige Informationen darlegen und kommentieren.

Den Ablauf des mündlichen Referates werden wir im Groben beibehalten und unsere Themen mit anderen ergänzen:

Zunächst beginnen wir mit einer kurzen Biografie des Autors Rolf Schwendter und eine Definition von „Subkultur“ aus seiner Sicht. Dann geben wir einen Überblick über die Bestandteile der Gesellschaftspyramide und die Geschichte der Subkulturen. Im Weiteren erklären wir den Begriff der Norm am Beispiel der Hell´s Angels und nennen Beispiele der heutigen Subkulturen.

Daraufhin erfolgt ein Diskurs über die Ansichten Schwendters bezüglich Jugend und eine Zusammenfassung der Referatsverschriftlichung.

J. N. und Julia Diedrich

2. Hauptteil

2.1. Über Rolf Schwendter

1 Rolf Schwendter wurde am 13. August 1939 in Wien geboren. Er studierte Rechtswissenschaft, Staatswissenschaft und Philosophie, und promovierte in allen drei Fächern.

Von 1959 bis 1967 war er Koordinator der Informellen Gruppe zu Wissenschaft und Kunst und von 1968 bis '71 freischaffender Liedermacher.

Die erste Auflage seiner „Theorie der Subkultur“ erschien 1973.

Ab 1975 war er Hochschullehrer für Subkulturforschung an der Gesamtschule in Kassel und von 1989 bis '91 Präsident der Grazer Autorenversammlung.

In den vergangenen Jahren machte Schwendter sich als Literat, Schauspieler und Koch einen Namen.

Sein „Erstes Wiener Lesetheater“ gehört mittlerweile zum festen Bestandteil der Alternativkultur in Österreich.

Er schrieb einige wissenschaftliche Werke, als Beispiele sind zu nennen:

- „Drogenabhängigkeit und Drogenkultur“, 1992
- „Arme essen - Reiche speisen : neuere Sozialgeschichte der zentraleuropäischen Gastronomie“, 1995
- „Tag für Tag : eine Kultur- und Sittengeschichte des Alltags“, 1996
- „Einführung in die Soziale Therapie“, 2000

Julia Diedrich

2.2. Definition Subkultur

Um den Begriff zu definieren, führt Rolf Schwendter zunächst eine Definition von Kultur an: „Kultur ist die Summe aller Institutionen, Bräuche, Werkzeuge, Normen, Wertordnungssysteme, Präferenzen, Bedürfnisse usw. in einer konkreten Gesellschaft.“ und fährt fort: „Kultur als Resultat des Sozialisationsprozesses.“2

Um mögliche aufkommende Missverständnisse zu umgehen, definiert er Subkultur wie folgt:

„Subkultur [ist] ein Teil einer konkreten Gesellschaft, die sich in seinen Institutionen, Bräuche, Werkzeuge, Normen, Wertordnungssysteme, Präferenzen, Bedürfnisse usw. in einem wesentlichen Ausmaß von den herrschenden Institutionen etc. der jeweiligen Gesellschaft unterscheiden.“3

Subkultur ist also ein allgemeiner Begriff.

Julia Diedrich

2.3. Die Gesellschaftspyramide

Es wurden viele Subkulturtheorien aufgestellt und auch veröffentlicht.

Rolf Schwendter schrieb seine „Theorie der Subkultur“, in der er ,unter anderem, Subkulturen nach Typen einteilte und eine Gesellschaftspyramide in Anlehnung an ein Schichtenmodell von Kingsley Davis (Abb.1), US-amerikanischer Soziologe und Demograph (1908-1997)1, entwickelte.

An der Spitze der sozialen Hierarchie steht nach Schwendter das Establishment, unter das er, wie er im Buch schreibt, die großen und mittleren Kapitaleigentümer, einschließlich jener Teile des Kleinbürgertums, die fest hinter diesen stehen, subsumiert, sowie die politischen und apolitischen Eliten eines Landes, die höheren Angestellten und Beamten im Staatsapparat, in den Konzernen, im Militärapparat, in den Medien etc., die leitenden Funktionäre der Verbände, und anderen Lobbies und die verselbständigten Arbeiteraristokratien.2

Personen, die im Widerspruch zu dem Establishment stehen und ihm somit nicht angehören, schreibt Schwendter weiter, zählen zur kompakten Majorit ä t. Unter diesem Begriff subsumiert er folgendes: das Proletariat (Arbeiter, Angestellte und durchschnittliche Beamte) plus das Lumpenproletariat (unterste Schicht, z.B. Bettler, Obdachlose, Prostituierte u.a.m.), sowie jene Teile des Kleinbürgertums, deren Proletarisierung weit fortgeschritten ist.3 (Abb.2)

Aber diese Gesellschaft ist noch nicht vollkommen; es entstehen Subkulturen an den Rändern dieser Gesellschaftspyramide. (Abb.3)

Schwendter unterscheidet progressive und regressive Subkulturen. Indem er inhaltliche Kriterien für diese Subkulturen heraus arbeitet, weitere Unterscheidungen, wie emotionelle/ rationalistische und freiwillige/ unfreiwillige Subkulturen, einführt, und dann dieses Modell durch einen kurzen geschichtlichen Abriss der Subkulturen, in der er allen abweichenden Bewegungen einen Platz im Rahmen seiner Systematik zuweist, auffüllt, verfeinert er seine Typologie.

Bleibt nun die Frage zu klären, welche Inhalte Schwendter seinen Subkulturen zuteilt. Progressive Subkulturen wollen, so schreibt er, den gegenwärtigen Stand der Gesellschaft aufheben, weitertreiben und grundsätzlich einen neuen Stand erarbeiten. Sie wollen den Fortschritt, die menschliche Lage verbessern und somit das Leben lebenswert machen. Weiterhin wollen sie Selbstbestimmung anstelle der Fremdbestimmung durch interessengelenkte Apparate, individuelle Freiheit und individuelles Bewusstsein. Sie äußern ihre Feindseligkeit direkt gegen das Establishment und entstammen meist dem Proletariat.4

Unter progressiven Subkulturen gibt es zwei Trends: das rationalistische und das emotionelle Syndrom von Subkulturen.

Rationalisten, schreibt Rolf, legen Wert auf Selbstbestimmung, Analysen, Praxis zur kompakten Majorität und zu den freiwilligen Subkulturen hin. Sie bestehen vor allem aus politischen Arbeitern und Intellektuellen. Beispiele für diese Subkultur sind: politische Subkulturen, Studenten- und Intellektuellengruppen, politisierte ethnische Minderheiten und Randgruppenarbeiter.5

Emotionale Subkulturen legen Wert auf individuelle Freiheit, Entwicklung des individuellen Bewusstseins und allgemeine bis kosmologische Zukunftsforschung, teilt Schwendter uns mit. Hierfür sind als Beispiele zu nennen: Gammler, Hippies, Beatniks, Provos, Boheme und esoterische Gruppen.6

Es gibt aber noch zwei weitere große Trends unter den Progressiven: die freiwilligen Subkulturen, die bewusst von Kultur, Normen und Werten der Gesamtgesellschaft abweichen, und die unfreiwilligen, die zumeist vollständig unbewusst kulturell signifikant von der Kultur abweichen. Für letztere nennt Rolf Schwendter uns Heimzöglinge, Obdachlose, Kriminelle, Insassen von Nervenanstalten/ Altersheimen und Kranke als Beispiele.7

Auf der anderen Seite der Pyramide von R. Schwendter befinden sich die regressiven Subkulturen. Sie dienen dazu, schreibt er, den vergangenen Stand der Gesellschaft, Normen, die nicht mehr oder nicht in dieser Weise, in der gegenwärtigen Gesellschaft wirksam sind, wieder herzustellen. Sie übertragen ihre Feindseligkeit nicht auf das Establishment, sondern auf Ersatzobjekte, und entstammen dem Kleinbürgertum und dem Lumpenproletariat. Beispiele für diese Subkulturen sind: Hell´s Angels, Pilgrims, Charles- Mansons- Kommune, kriminelle und monarchistische Subkulturen, Bandenkulturen und organisatorische Rechtsradikalismus.8 (Abb.4)

2.4.Die subkulturelle Historie nach Rolf Schwendter

Rolf Schwendter gibt in seinem Werk "Theorie der Subkultur" einen Überblick über die Entwicklung der Gesellschaft mit den dazugehörigen Subkulturen beginnend mit dem 19. Jahrhundert. Diese möchte ich nun im Folgenden wiedergeben:

2.4.1. 1800 bis 1848

In diesem Zeitabschnitt ist Feudalismus mit beginnender Großbourgeoisie vorherrschend. Es gibt Monarchien und konstitutionelle Monarchien (Bürgerkönige).

Zu den regressiven Subkulturen gehören monarchistische Emigranten sowie einige kriminelle Banden. Die kompakte Majorität besteht aus Bauern und Arbeitern. Die progressiven Subkulturen lassen sich in fünf Bewegungen aufteilen:

1. die beginnende Arbeiterbewegung (Ludditen, Chartisten); 2. oppositionelle Bauernbewegungen, Millenarier, Banden, "archaische" Formen der Sozialbewegungen9, Rituale und Symbole werden bedeutend; 3. Jungdeutsche und Burschenschaften; 4. die utopischen Sozialisten: sie gründeten Salons und Kommunen in Europa und versuchten sich als Herausgeber von etlichen Zeitschriften und Schriften. Salons galten als Übergangsbereiche zwischen Establishment und einigen Subkulturen; 5. die Boheme: diese Subkultur enstand durch die Gegensätzlichkeiten zwischen den Ideen der Franzözischen Revolution und den Werten des aufstrebenden Bürgertums. Sie setzte sich aus Intellektuellen zusammen, die in Schriftstellerkreisen, in den bildenden Künsten und in der Musik zu finden waren. Ihre Entwicklung begann mit den Präbohemen, die in der Zeit des Sturm und Drang anzusiedeln sind. Sie setzten sich aus Zigeunern, Vaganten und Vagabunden zusammen. In der Zeit der Romantik kann man die Schriftsteller Rosseau, Eichendorff und E.T.A. Hoffmann als Voraussetzungen für die "Weiterentwicklung" der Boheme ansehen. Aspekte wie Natur, Schöpfung und das Vagabundenleben sind für den Großteil der Literaten von Bedeutung, sie kritisieren aber ebenso Staat und Politik. Nach der Romantik entfaltet sich die Boheme vollends. Sie haben das Ziel ihre Primärbedürfnisse zu befriedigen. Sie setzen sich für Gleichheit, für Freimut und Offenheit ein. Jeder Bürger soll in der gleichen sozialen Situation leben können. Sie verabscheuten nicht intellektuelle Arbeiten und Unordentlichkeit10, sie lehnen die Lebensweisen und Auffassungen der normalen Bürger ab.

2.4.2. 1848 bis 1871

Es entstehen Kapitalakkumulationen in Frankreich, Preußen und den USA. Eine weitere Verschmelzung von Feudalismus und Großbourgeoisie -insbesondere in Frankreich- findet statt.

[...]


1 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur. 4.Auflage mit einem Nachwort. Hamburg: Europäische Verlagsanstalt, 1993 (eva-Taschenbuch; Bd. 210; ISBN 3-434-46210-4) - Seite 4

2 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur. 4.Auflage mit einem Nachwort. Hamburg: Europäische Verlagsanstalt, 1993 (eva-Taschenbuch; Bd. 210; ISBN 3-434-46210-4)

3 Richter, André: DaSein- Jugendliche Lebenswelt und lebensweltliche Jugendliche auf http://wulv.uni- greifswald.de/2005_ar_DaSein/?n=3_0

1 Quellen siehe 5. Literaturverzeichnis

2 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur (Seite 10)

3 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur (Seite 11)

1 http://www.kfunigraz.ac.at/sozwww/agsoe/lexikon/klassiker/davis/10bio.html

2 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur (Seite 35)

3 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur (Seite 35)

4 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur (Seite 37 und folgende)

5 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur (Seite 40-48)

6 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur (Seite 40)

7 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur (Seite 40-42)

8 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur (Seite 37 und folgende)

9 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur (Seite 135)

10 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur (Seite 137)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Rolf Schwendters "Theorie der Subkultur". Eine kritische Auseinandersetzung
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V189293
ISBN (eBook)
9783668739406
ISBN (Buch)
9783668739413
Dateigröße
736 KB
Sprache
Deutsch
Arbeit zitieren
Julia Diedrich (Autor), 2006, Rolf Schwendters "Theorie der Subkultur". Eine kritische Auseinandersetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189293

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