„Minna von Barnhelm“ - Eine Analyse der Personen


Seminararbeit, 2009
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Lustspiel bzw. die Komödie bei Gottsched und Lessing

3. Personen
3.1. Major von Tellheim
3.2. Minna von Barnhelm
3.3. Just
3.4. Franziska
3.5. Paul Werner
3.6. Riccaut de la Marlinière
3.7. Graf von Bruchsall
3.8. Wirt

4. Schluss

5. Personenkonstellation

6. Quellenverzeichnis und Eidesstattliche Erklärung

1. Einleitung

Minna von Barnhelm wurde 1767 von Gotthold Ephraim Lessing geschrieben und ist das erste bedeutendste deutsche Lustspiel in der Epoche der Aufklärung und des 18. Jahrhunderts. Goethe formuliert es so: „[die] wahrste[n] Ausgeburt des Siebenjährigen Krieges, von vollkommenem norddeutschen Nationalgehalt, muß ich hier vor allen ehrenvoll erwähnen; es ist die erste aus dem bedeutenden Leben gegriffene Theaterproduktion, von spezifisch temporärem Gehalt, die deswegen eine nie zu berechnende Wirkung tat.“[1]

Die vorliegende Hausarbeit ist eine Verschriftlichung unseres Referates vom 19.11.2008 im Hauptseminar „Verhandeln im Drama um 1800“. In dem Vortrag ging es um die Personenkonstellation in Lessings „Minna von Barnhelm“, sowie um die vertraglichen Beziehungen, die zwischen den Personen vorliegen könnten. In meiner Verschriftlichung werde ich zunächst auf Lessings Lustspieltheorie eingehen und wie sie sich von der Theorie Gottscheds unterscheidet. Das Hauptaugenmerk werde ich dann auf das enge Netz der Charaktere legen. Ich werde mit den beiden Hauptfiguren beginnen und mit den wichtigsten Nebenfiguren fortfahren, indem ich ihr Verhalten, ihre Auffassungen und ihre Beziehungen untereinander analysieren werde.[2] Jede Person im Stück ist einzigartig und beeinflusst das Geschehen auf ihre eigene Art und Weise. Aber (fast) allen gemeinsam ist die große Relevanz des Geldes und die Verträge, die nicht schriftlich und auch nicht offenkundig sind, aber in juristischen Rahmenbedingungen liegen.

2. Das Lustspiel bzw. die Komödie bei Gottsched und Lessing

Lustspiel ist die deutsche Übersetzung von Komödie und wird „oft als eine spezifisch deutsche und bürgerliche Art der Komödie verstanden“.[3]

Gotthold Ephraim Lessing befasst sich schon in jungen Jahren mit dem Theater und der Komödientheorie von Johann Christoph Gottsched. Dieser schreibt 1730 „Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen“, ein Regelwerk für die Erstellung von Komödien. Hier gibt er seine deutliche Definition von Komödien: „[es ist die] Nachahmung einer lasterhaften Handlung, die durch ihr lächerliches Wesen den Zuschauer belustigen, aber auch zugleich erbauen kann.“[4] Dem Zuschauer werden also lasterhafte Eigenschaften dargestellt, so dass er die Figur verlachen muss. Dies führt dazu, dass sich der Zuschauer der Figur überlegen fühlt und sich an der Lasterhaftigkeit erbaut. Somit ist „das Lächerliche in der Komödie immer an das Lasterhafte gebunden“ und „das Lachen nur Mittel, nicht selbständiger Zweck der Komödie“ bei Gottsched.[5]

Der Aufbau, der auf diese Theorie folgenden Komödien, ähnelt sich sehr. Es ist so, dass eine Person, die aus mittlerem Stand oder niederem Adel stammt, eine menschliche Schwäche besitzt und bis ins Lächerliche übertrieben dargestellt wird. So wird es der Person unmöglich gemacht, sich in ihrer Umwelt zurechtzufinden. Diese typisierte Umwelt versucht den lasterhaften Menschen zu verbessern. Dem Zuschauer fällt es nicht schwer, zwischen falschem und richtigem Handeln zu unterscheiden, weil die schlechten und guten Charaktere sehr eindeutig dargestellt sind.

In Gottscheds Theorie geht es nicht um eine reale Darstellung des Charakters der Menschen, sondern die Figuren werden reduziert auf ein Laster.

Lessing wendet sich gegen Gottsched und verfasst 1767 seine eigene Komödientheorie. Er gibt zwar keine genaue Definition von Komödie, aber seine Meinung wird doch durch seine Bemerkungen über einzelne Theaterstücke deutlich. Wie Gottsched ist er der Auffassung, dass eine Komödie belustigen und erbauen kann, allerdings formuliert er es anders:

„Die Komödie will durch Lachen bessern; aber nicht eben durch Verlachen; nicht gerade diejenigen Unarten, über die sie zu lachen macht, noch weniger bloß und allein die, an welchen sich diese lächerliche Unarten finden. Ihr wahrer allgemeiner Nutzen liegt in dem Lachen selbst; in der Übung unserer Fähigkeit das Lächerliche zu bemerken; […].“[6]

Somit kann die Komödie keine Laster heilen, wie es Gottsched denkt, sondern ihre Aufgabe ist es, „die Gesunden in ihrer Gesundheit zu befestigen“[7]. Lessing legt auch viel mehr Wert auf die Personen und nicht wie Gottsched auf die Handlung, und schreibt, dass „in der Komödie die Charaktere das Hauptwerk, die Situationen aber nur Mittel sind, jene sich äußern zu lassen und ins Spiel zu setzen.“[8] Er macht deutlich, dass der Nutzen der Komödie das Lachen selbst ist und die Zuschauer beim Lachen eine Urteilsfähigkeit herausbilden.[9]

3. Personen

3.1. Major von Tellheim

Tellheim ist einer der vielen preußischen Offiziere, die nach dem Krieg nicht mehr benötigt und ohne Abfindungen abgespeist wurden. Ihm wird zudem Bestechung vorgeworfen, weil er „aus edlen Motiven […] dem Land Sachsen die niedrigste Kriegskontribution auferlegt und das Geld noch aus eigenen Mittel vorfinanziert“ hat.[10] Aber nicht nur der finanzielle Ruin, sondern besonders auch die Kränkung seiner Ehre machen ihm sehr zu schaffen. Die Ehre ist für ihn das Wichtigste überhaupt. Jedoch fixiert er sich darauf so sehr, dass er zu stolz ist, jegliche Hilfe anzunehmen, selbst die von seiner eigenen Verlobten: „Es ist ein nichtswürdiger Mann, der sich nicht schämet, sein ganzes Glück einem Frauenzimmer zu verdanken […].“[11]

Ansonsten ist Tellheim die moralisch vorbildlichste Person. Gleich zu Beginn des Stückes erlässt er, obwohl er selbst sehr in Geldnöten steckt, der Witwe Marloff ihre sämtlichen Schulden. Doch Wohltaten erweisen darf nur er. Trotzig weist er alle zurück, die ihm helfen wollen. Sein Freund Paul Werner sieht die ständige Ablehnung seines Geldes schon als Beleidigung der Freundschaft: „Wer von mir nichts nehmen will, wenn er’s bedarf und ich’s habe, der will mir auch nichts geben, wenn er’s hat und ich’s bedarf.“[12]

Auch Minna versucht Tellheim aus seinem Loch zu ziehen, indem sie die „Ring-Intrige“ spinnt. Sie täuscht ihm vor, von ihrem Oheim enterbt worden zu sein und nun genauso mittellos zu sein wie er. Dies rüttelt ihn wach: „Ärgernis und verbissene Wut hatten meine ganze Seele umnebelt; die Liebe selbst in dem vollesten Glanze des Glücks konnte sich darin nicht Tag schaffen. Aber sie sendet ihre Tochter, das Mitleid, die, mit dem finstern Scherze vertrauter, die Nebel zerstreuet und alle Zugänge meiner Seele den Eindrücken der Zärtlichkeit wiederum öffnet.“[13] Nur durch das Mitleid wird Tellheims Unmut aufgelöst. Die Rehabilitation durch den König scheint dann nebensächlich.

3.2. Minna von Barnhelm

Minna ist die Erbin vom Graf von Bruchsall. Um ihren Verlobten zu finden, reist sie von Sachsen nach Berlin. Sie ist 20 Jahre alt und beschreibt sich selbst als „Zärtlich und stolz, tugendhaft und eitel, wollüstig und fromm.“[14] Sie ist sehr selbstbewusst und fällt aus der damals typischen Rolle der Frau. Auf clevere Art und Weise kämpft sie um ihre Liebe und nimmst das Schicksal selbst in die Hand.

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Minna_von_Barnhelm

[2] Ich bin mir bewusst, dass sich schon viele Andere mit diesem Thema beschäftigt haben, zum Beispiel:

http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/37020.html

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Lustspiel

[4] http://www.nthuleen.com/papers/940paper2.html#text2

[5] Lach: Characters in Motion S. 114

[6] Lach: Characters in Motion S. 113

[7] http://www.nthuleen.com/papers/940paper2.html#text2

[8] http://www.nthuleen.com/papers/940paper2.html#text2

[9] Lach: Characters in Motion S.114/115

[10] Völkl: Lektüreschlüssel. S. 15

[11] Lessing: Minna von Barnhelm. II/5

[12] Lessing: Minna von Barnhelm. III/7

[13] Lessing: Minna von Barnhelm. V/5

[14] Lessing: Minna von Barnhelm. II/7

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
„Minna von Barnhelm“ - Eine Analyse der Personen
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Veranstaltung
Verhandeln Im Drama um 1800
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V189305
ISBN (eBook)
9783656134732
ISBN (Buch)
9783656135005
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
minna, barnhelm, eine, analyse, personen
Arbeit zitieren
Julia Diedrich (Autor), 2009, „Minna von Barnhelm“ - Eine Analyse der Personen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189305

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